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«Was redest du da?»

«Hast du die Zeitung denn nicht gelesen?»

«Nein.»

«Oh.» Jane hielt sich die Hand vor den Mund.

«Der Kaffee ist fertig.»

Harriet goß eine Tasse ein, während Jane wiederholte, was in der Zeitung stand.

«Ich verstehe. Das wird sie im Augenblick wohl retten. Wenn ich mich verdrücke, dürfte sich die Lage bessern. Vielleicht sollte ich jetzt heim nach Cazenovia fahren.»

«Es steht mir nicht zu, dir zu raten. Auf deine Weise arbeitest du auch für Wimbledon.» Sie stellte ein Bein auf einen freien Stuhl. «Manchmal halte ich das alles für einen Sturm im Wasser­glas. Es gibt ein paar Lesben im Damentennis - wen kümmert das schon.» Jane rollte die Augen.

«Lavinia kümmert es.»

«Wenn jemand im Umkleideraum einen Pups läßt, kümmert es Lavinia. Erinnerst du dich an dieses Ferkel, Claire Schick, und wie sie in Seattle am Tennisplatz in die Kübelpalmen kotzte?»

«O ja.» Harriet lachte.

«Lavinia ist noch immer nicht drüber weg.»

«Da sind noch Tomahawk und die örtlichen Sponsoren. Die kümmert es auch.»

«Scheiß drauf.» Jane trank einen Schluck Kaffee. «Der Sport ist ohnehin zu kommerziell.»

Überrascht sagte Harriet: «Was ist denn in dich gefahren?»

«Ich weiß nicht. Ich hab wohl heute meinen Waffeleisen-Tag.»

«Nie mehr daran denken!» Harriet lachte, denn sie erinnerte sich an den Tag in Princeton, als Janes Waffeleisen nicht funk­tionierte. Jane bastelte lange daran herum. Schließlich wurde sie so wütend, daß sie den verdammten Apparat durch die Küche feuerte.

«Du mußt ja durchdrehen hier draußen im Vorort ohne Auto. Willst du dir denn nicht die Spiele ansehen?»

«Ich sehe Carmen im Fernsehen.»

«Ich schmuggle dich morgen ein. Der letzte Ort, wo dich irgendwer sucht, ist die Fernsehkabine; dein Gesicht ist nicht gerade auf jeder Plakatwand zu sehen.»

«Ein Verlust für England.»

«Dir geht's ziemlich beschissen, nicht?»

Harriet spielte mit ihrem Löffel. «Merkt man mir das so sehr an?»

«Nein, aber ich bin ja nicht blöd. Ich möchte nicht in deinen Schuhen stecken.» Sie blickte unter den Tisch. «Selbst wenn sie die richtige Größe haben.»

«Jane, glaubst du, Carmen weiß etwas von dieser Hochzeits­geschichte?»

«Keine Ahnung.»

«Lavinia muß das ausgebrütet haben. Carmen würde es mir erzählen.»

«Ich möchte doch hoffen, daß sie es dir erzählen würde, aber in Wimbledon sind die Leute komisch.»

«So komisch nun auch wieder nicht.»

«Ich würde keine Fragen stellen, bis das Finale gelaufen ist. Sie aufzuregen bringt nichts.»

In einem kleinen, aber sauberen Zimmer eines Hotels mittlerer Preislage bumste Carmen Bonnie Marie Bishop wie ein Weltmei­ster. Carmen hatte ihre Termine sorgfältig koordiniert. Harriet stellte selten sexuelle Ansprüche während eines großen Tur­niers, also hatte Carmen genug Energie. Bonnie Marie schmolz in ihren Armen dahin, und da gab es viel zu schmelzen. Bonnie Marie würde nie bekennen, daß sie lesbisch war. Sie war neu. Keine Vergangenheit. Keine Probleme. Sie war wunderbar.

Wenn die Direktoren des Rasentennis- und Krocketclubs von England ein Greuel waren, war das englische Publikum eine Pracht, vor allem die älteren Bürger. Noch auf den hintersten Sitzen konnten sie einen Vorhand-Topspin von einer flachen Vorhand unterscheiden. Und wenn sie sich ein Match ansahen, war es für sie nicht ein vereinzeltes Ereignis, sondern fügte sich in eine fortlaufende Kette, die ihr ganzes Leben durchzog. Sie erinnerten sich an Lew Hoad gegen Ken Rosewall, und wenn nicht sie selbst, dann hatten ihre Mütter und Väter 1912 An­thony F. Wilding gegen Arthur Gore gesehen. Wimbledon war eine von den klangvollen Noten in der Symphonie des engli- sehen Lebens. Balljungen in Lila und Grün, die wie ins falsche Jahrhundert versetzte Pagen aussahen, begaben sich auf den Platz. Gestern hatte einer der Balljungen Carmen zugezwinkert. Ganz schön frech, aber nett.

«Was meinst du?» Die etwas weitsichtige Jane hielt das Aus­losungsblatt auf Armlänge.

«Carmen wird es in zwei Sätzen gewinnen. Rainey Rogers im Halbfinale wird ein Aas sein. Das Viertelfinale gegen Justine Haverford müßte sie eigentlich hinkriegen», prophezeite Ricky.

«Allerdings wird das ganze Land Justine die Daumen drücken.»

«O Gott, seht euch Lavinia an», rief Jane.

Lavinia Sibley Archer, erst durch einen Wodkacocktail ge­stärkt, schwebte durch die Menge. In Gelb gehüllt, bewegte sie sich in einer Feierlichkeit, als würde sie zu «Pomp and Circum­stance» marschieren. Ältere Zuschauer erkannten sie, was sie in Entzücken versetzte. Mit zusammengesteckten Köpfen infor­mierten die Leute einander, wer wer war. Lavinia strahlte heute. Sie war erleichtert gewesen, als sie in der Morgenzeitung die Klatschnotiz über Gerüchte einer bevorstehenden Hochzeit Carmen Semanas fand. Sie hoffte von ganzem Herzen, nichts von dem, was in England passieren würde, möge für ihr Baby, die Tomahawk-Turnierrunde, Folgen haben. Sie würde nach Kräften dafür sorgen, daß es ohne Folgen blieb. Als sie sich schließlich setzte, tat sie, als wäre sie von den beiden Frauen gefesselt, die Position auf dem Platz bezogen. In Wahrheit hörte sie auf das Tuscheln hinter ihr. Ja, sie erinnerten sich an sie.

«Ein alter Feuerwehrgaul.» Ricky schüttelte den Kopf.

«Sie hat es verdient.» Jane war fair.

«Erfolg, an den man sich erinnert, kann genauso süß sein wie gerade errungener Erfolg.»

Außerhalb der Reichweite von Kameras machte sich Harriet hinter ihnen klein und griff nach dem beiseite gelegten Aus­losungsblatt. Da Carmen gegen Rainey Rogers antrat, traf Page Bartlett Campbell auf Hilda Stambach, falls die Spielerinnen wie erwartet gewannen, aber da Susan und Page auf derselben Seite der Auslosung standen, gab es da ein Fragezeichen. Susan war unberechenbar. Auf Rasen war Hilda tückisch. Ihr Vorhand­Topspin glich Björn Borgs Vorhand. Auf Rasen war sie als Gegnerin ein Maschinengewehr.

«Wenige Frauen haben den Mut, ganz und gar auf Leistung zu setzen. Das ist eine Sache, die mir an der Tenniswelt gefällt. Die Frauen an der Spitze haben keine Angst, ihr Können zu zeigen.» Ricky rieb sich die Hände.

Carmen gewann das Match 6:3, 6:4. Jane bemerkte, daß Carmen zu den Tribünen hinaufblickte. So hielt Carmen immer nach Harriet Ausschau. Jane beobachtete sie eine Weile. Carmen hatte mit Sicherheit jemand im Visier. Jane hoffte, daß Harriet es nicht bemerkte, aber Harriet hatte es schon bemerkt, noch ehe der erste Satz 2 : 1 stand.

Miguel war drauf und dran, seine Kartoffelchips durch Valium zu ersetzen. Sein Partner in Hongkong kam für Wimbledon herübergeflogen. Die neuesten Meldungen waren zwar nicht katastrophal, aber doch deprimierend. Der Umsatz war abge­sackt. Miguel hatte die letzte Kreditrate pünktlich gezahlt, aber die nächste stand ihm in drei Monaten bevor.

Miguel betrog Carmen nicht. Er hatte vor, 10 Prozent des Profits beiseite zu legen und Carmens Konto gutschreiben zu lassen. Noch war er dazu nicht gekommen, aber er sagte sich, daß er einen Gewinn schließlich erst aufteilen könne, wenn der Kredit zurückgezahlt sei.

Er haßte es, Lavinia gegenüber an Boden zu verlieren, aber vielleicht rettete ihr Plan sie allesamt. Auf keinen Fall wollte er Carmen erzählen, was er getan hatte.

Als er von einem abgelegenen Tennisplatz zurückkam, er­spähte er Ronnie Baldwin. Flink wie eine Katze packte er Baldwin am Arm und zog ihn aus dem Verkehr.

«Miguel.» Der Tennisspieler hatte Angst.

«Verdammt, warum hast du Seth Quintard von dem Koks erzählt?»

«He, Mann, ich hab's ihm nicht erzählt.»

Miguel, ein starker Bursche, packte fester zu. «Natürlich hast du es ihm erzählt.»

«Laß mich los.»

Miguel ging ihm an die Kehle. «Warum?» Dann ließ er den erschrockenen Spieler los.

«Mein Spiel war beschissen, und er rückte mir auf die Pelle. Also hab ich's ihm schließlich erzählt - hatte zuviel Koks genommen. Es ist einfach passiert, weißt du.»

«Baldwin, ich breche dir jeden Knochen im Leib, wenn du nicht das Maul hältst.»

«Er war der einzige, dem ich's erzählt habe. Ehrlich.»

«Das reicht ja wohl. Ich hab für dich was riskiert, du Scheißkerl.»

«Das weiß ich. Das weiß ich, Miguel, und ich werd's wieder­gutmachen. Echt. Ich schwör's dir.»

Angewidert kehrte ihm Miguel den Rücken zu und ging davon.