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«Miguel!» Carmen platzte in seine Sitzung hinein.

«Migueletta, wie war das Training?»

«Entschuldigen Sie uns.» Sie schob ihrem Bruder die Hand unter die Achsel und zog ihn aus dem Sessel.

Unter Protest, aber in Sorge, ließ er sich von ihr zum Auto schleifen und hineinstoßen. Sie preschte aus der Parklücke, vergaß beinahe, auf der linken Straßenseite zu fahren, korri­gierte sich und raste dann zur Themse. Sie parkte den Wagen so nahe am Fluß wie möglich, donnerte die Tür zu und zog ihn heraus. Aus ihrer Reisetasche auf dem Sitz zerrte sie ein Hemd und eine Bluse hervor.

«Was ist das?»

«Du weißt genau, was das ist.»

Miguel griff nach den Kleidungsstücken. Er sagte kein Wort.

«Miguel, verdammt, lüg mich nicht an!»

«Ich habe ein Geschäft gemacht.» Er holte tief Luft und erzählte ihr dann von Hongkong, dem Vertriebsnetz, dem ge­nialen Plan und, vor allem, daß er 10 Prozent des Profits auf ihr Konto überweise.

«Was noch?»

«Das ist alles.»

Sie hatte eine Karte, aber die spielte sie klug aus. «Seth Quintard hat mir gesagt, du hättest das Geld gepumpt.»

Miguel nahm an, daß sie von der gefälschten Unterschrift wußte. «Ich werde das Miststück umbringen. Wie hat er das mit Dennis Parry rausgefunden?»

«Athletes Unlimited hat überall Freunde.»

Miguel nahm ihre Hand. Sie entzog sich seinem Griff. «Nun gut, ich habe deine Unterschrift gefälscht - ist doch nichts dabei. Es war ein gutes Geschäft. Ich habe Parry, den Kreditbearbeiter, geschmiert. Er ist zwar ein Wiesel, aber er hat mir den Kredit beschafft. Wer wird schon glauben, daß du hiervon nichts wuß­test?»

«Also wieviel Schulden hast du?»

«Wir schulden etwa 500000 Dollar plus Zinsen. Ich habe bereits einige Raten gezahlt, sonst wäre es schlimmer.»

«Du weißt, daß Seth Quintard sich wahrscheinlich mit den amerikanischen Fabrikanten zusammensetzt. Wenn er mir die gefälschten Sachen gegeben hat, wird er sie ihnen auch geben.»

«Ich bringe ihn um.»

«Jedenfalls werden sie alles erfahren. Es gibt keine Möglich­keit, dieses Zeug zu verkaufen, jetzt nicht mehr.»

«Nicht in Amerika.» Miguels Gesicht war kalkweiß. «Es wird in Südostasien verkauft.»

«Bringt das genug, um die Schulden zu zahlen?»

«Ich weiß nicht. Ich bezweifle es. Wenn du nicht augenblick­lich zur Ehefrau wirst, wird sich das Zeug wahrscheinlich auch dort nicht verkaufen.»

«Himmel, Miguel, wie konntest du mir das antun?»

«Alles wäre ganz prima gelaufen, Migueletta. Du hättest noch mehr Geld auf der Bank gehabt, und ich wäre aus eigener Kraft ein reicher Mann geworden. Wie hätte ich auch wissen können, daß du Lesbierin bist?»

«Was hat denn das damit zu tun?»

«Deine geile Möse wird uns ein Vermögen kosten.»

Carmen schlug ihm in den Magen. Er krümmte sich. «Schlei­mer! Papa hat immer gesagt, daß du ein Aal bist. Du hast meinen Namen gefälscht und mich benutzt.»

Er richtete sich auf und preßte ihr die Arme zur Seite. «Mag sein, daß du ein halber Mann bist, Schwester, aber ich bin ein ganzer Mann und kann dich noch immer grün und blau prü­geln.»

«Laß mich los.»

«Erst wenn du zuhörst.»

Sie spuckte ihm ins Gesicht und stieß ihm ihr Knie zwischen die Beine. Er heulte auf.

«Ich kann dir ordentlich weh tun, während du mich schlägst, Trottel.»

«Was hilft uns das denn? Wir sitzen beide in der Klemme. Wir müssen zusammenhalten.»

Sie stand über ihm. «Warum?»

«Weil ich dein Bruder bin. Ja, ich habe dir einen Mist einge­brockt, aber es hätte auch toll laufen können. Was nützt es dir oder dem Damentennis, wenn ein Marketingskandal losbricht? Seth Quintard hat seine Rache gehabt. Er wird es nicht an die Öffentlichkeit bringen. Das letzte, was Athletes Unlimited will, ist noch mehr Ärger im Damentennis. Also wirst du den Kredit zurückzahlen und niemand wird irgendeinen Verdacht schöp­fen. Wir werden zusammenhalten. Nicht alle meine Investitio­nen waren schlecht.»

Sie hörte ungerührt zu. «Okay, Miguel. Aber du machst keine Geschäfte mehr. Nie wieder. Sobald ich aus der Sache raus bin, fährst du nach Hause.»

Miguel kamen die Tränen. «Verzeih mir. Bitte, verzeih mir.» «Halt den Mund und geh nach Hause. Morgen muß ich wirklich gewinnen.»

Der Morgen des Damenfinales in Wimbledon war klar, ein unerwarteter Segen. Carmen, geladen wie eine Con Edison- Turbine, streute Pfeffer auf ihr Frühstück.

Harriet brühte den Tee auf. «Ein Telegramm von Baby Jesus kam, während du unter der Dusche warst.»

«Laß sehen.»

Letzte Nacht, als Carmen schlief, war Harriet aus dem Bett geschlüpft und hatte sämtliche Telegramme zusammenge­schnippelt, die Carmen bekommen hatte, selbst ein paar Buch­staben eingefügt und ein Telegramm von der Katze fabriziert. Sie reichte es Carmen.

Carmen lächelte und las laut vor. «CARMEN. KATASTROPHE FÜR HILDA STAMBACH. STOP. GEWINNE. STOP. WÜNSCHE MIR BÜCKLINGE ZUR FEIER DES TAGES. STOP. KOMM HEIM. STOP. PIESELTE IN DEINE WANNE. STOP NIE. BABY JESUS.» Sie faltete das Telegramm und schob es in ihre Schlägerhülle.

«Sogar die Tiere sind auf deiner Seite.» Viel mehr gab es nicht zu sagen, denn beide waren im Geist auf dem Centre Court.

Harriets Prophezeiung traf exakt zu. Das Finale war enttäu­schend für alle außer Carmen, Harriet und Bonnie Marie, die auf den Tribünen verborgen war. Carmen reihte die Punkte wie Perlen aneinander. Hildas erster Auftritt auf dem Centre Court mochte an ihren Nerven gezerrt haben, aber selbst wenn sie Wimbledon-erprobt gewesen wäre, hätte sie Carmen Semana nicht drosseln können.

Carmen war high. Sie war frei. Ihr Körper war locker. Sie dachte sich weniger zu den Punkten, als daß sie sie spürte. Ihr Spiel war instinktiv, fließend, magisch.

Nach dem Match hielt sie den Silberteller hoch über den Kopf und wandte sich der Menge zu. Jetzt nahmen die Leute ihren Anlauf auf den Grand Slam ernst. Wenn es ihr gelang, ihr Tempo beizubehalten und unverletzt zu bleiben, konnte Carmen Semana es schaffen.

Als Jane und Harriet Wimbledon eilig hinter sich ließen, unbe­merkt bei all der Feststimmung und dem Trubel, sagte Harriet: «Carmen hat eine Affäre. Ich weiß es.»

«Woher weißt du das?»

«Ich weiß es einfach. Jane, was mache ich bloß?»

«Kannst du es aushalten? Daß sie eine andere Geliebte hat?»

Harriet schwieg.

Jane hielt vor einem Juweliergeschäft. «Wenn dir das Herz bricht, darfst du ruhig losheulen und auf allen vieren kriechen, während du dein Leben wieder zusammenbastelst. Gott weiß, ich hab's getan.»

«Was, du?»

«Als meine erste Ehe aus den Fugen ging, wußte ich vorn und hinten nicht weiter. Ich hatte mein ganzes Leben um dieses Ekel herumgebaut. Oh, er ist nicht wirklich ein Ekel. Wir waren zwei unglückliche Kinder, die einen Augenblick des Glücks fanden, eine Illusion, die Zukunft genannt.»

«Vielleicht ist es das gleiche für Carmen und diese - wie heißt sie gleich?»

«Bonnie Marie Bishop. Soweit ich weiß, ist sie im College in den oberen Semestern.»

Jane strich Harriet durchs Haar, eine große Schwester, die die kleine aufmöbelt. «Dies kann noch viel schlimmer werden, bevor es besser wird. Sei nichtzu stolz, zu deinen Freundinnen und Freunden zu kommen. Und denk an den alten Satz: <Über­laß sie dem Himmel.)»

Harriets Augen wurden feucht. Sie haßte es zu weinen, und sie brachte es nicht über sich, auf einer öffentlichen Straße zu heulen. «Vielleicht sind Liebende wie Rundfunksender. Wenn du über Land fährst, empfängt man sie erst immer klarer und dann verschwimmen sie.»

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