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Hales Lächeln entschwand aus seinen Zügen, als er kummervoll den Kopf schüttelte. »Ja, zumindest in der Vergangenheit haben die Ausstände uns geholfen, aber nun sind uns die Hände gebunden. Das Parlament hat uns ein paar Brocken hingeworfen, mit denen wir uns fürs Erste begnügen müssen. Die East India Company hat uns keinen weiteren Anlass gegeben, an ihre Tore zu klopfen. Und da wir die letzte Runde unseres kleinen Krieges gewonnen haben, dürfte man es als unziemlich erachten, wenn wir uns erneut erheben würden.«

»Ich glaubte, den Anreiz für ein unziemliches Betragen erwähnt zu haben«, wandte ich ein. »Fünf Pfund. Und eine Streichung deiner Schulden bei mir gleich dazu, wie ich wohl kaum hinzufügen muss.«

»Ja, das hast du erwähnt. Und das macht es natürlich auch erwägenswert, gewiss. Aber ich weiß nicht, ob ich auf dieses Angebot eingehen werde.«

»Darf ich mich nach dem Grund erkundigen?«

»Weißt du, wo ich heute Nachmittag mit meinen Kameraden gewesen bin, die sich mir als so treu ergeben erwiesen haben? Ich war im Theater in der Drury Lane, wo ich durch einige mir seit Jahren gewogenen Mittelsmänner - die Namen brauchen dich nicht zu interessieren - erfuhr, dass unser König höchstpersönlich zur Überraschung aller der Aufführung beiwohnen wollte. Und kannst du dir denken, warum ich dieser deutsch-blütigen Majestät gerne gegenübertreten würde?«

Zuerst glaubte ich, er spiele auf politische Beweggründe an, verwarf den Gedanken jedoch sogleich wieder. Die Antwort lag offen auf der Hand. Die blutigen Stellen auf Hales Haut und die Schwellung an seinem Hals waren auf Skrofulose, eine Entzündung der Lymphknoten, zurückzuführen, eine Krankheit, die die Armen das Gebrechen des Königs nannten. Mir schwante, dass er den Geschichten, diese Krankheit könne nur durch eine Berührung seitens des Königs geheilt werden, Glauben schenkte.«

»Du glaubst doch hoffentlich nicht an solchen Unsinn«, schalt ich ihn.

»Doch, das tue ich. Es ist seit Jahrhunderten bekannt, dass die Berührung durch den König dieses Gebrechen heilen kann. Ich weiß von vielen Menschen, die sagen, Angehörige von ihnen seien durch eine solche Berührung geheilt worden. Ich habe vor, ihm gegenüberzutreten, damit ich Heilung erfahre.«

»Wirklich, Devout, es überrascht mich, dies von dir zu hören. Du bist doch noch nie abergläubisch gewesen.«

»Das ist kein Aberglaube, sondern eine Tatsache.«

»Aber denk doch mal darüber nach. Vor dem Tod von Queen Anne war King George lediglich Georg, Kurfürst von Hannover. Konnte er da auch schon die Skrofulose heilen?«

»Das bezweifle ich sehr.«

»Und der Thronprätendent? Kann der es?«

»Das steht nicht zur Debatte. Er möchte König werden, ist es aber nicht.«

»Aber das Parlament könnte ihn zum König ernennen. Könnte er dich heilen, wenn es das täte?«

»Sowie er König ist, kann er mich heilen.«

»Warum reichst du beim Parlament dann nicht eine Petition ein?«

»Ich will mich mit dir hier nicht auf Scheinbeweise einlassen, Weaver. Du kannst glauben, was du willst, und es tut dir nicht weh, wenn ich glaube, was ich will, also brauchst du gar nicht so schnippisch zu werden. Du leidest ja nicht an dieser Krankheit, sondern ich. Und ich kann dir sagen, dass ein Mann mit dem Gebrechen des Königs alles täte, alles, sage ich, um von diesem Leiden befreit zu werden.«

Ich senkte den Kopf. »Das glaube ich dir gern«, sagte ich. Ich schämte mich ob meines Versuchs, die Hoffnung eines Verzweifelten zu zerstören, anstatt sie zu bestätigen.

»Die Berührung durch den König kann mich heilen, und daran gibt es nichts zu deuten. Ein Mann muss sich dem König in den Weg stellen, um von ihm berührt zu werden, und das ist oft nicht so einfach, wie man es sich vorstellt, oder? Übrigens hört man«, fügte er in einem Ton hinzu, der mir bedeutete, er wolle nun das Thema wechseln, »dass unser König so etwas wie ein Bewunderer von dir war, als du noch im Ring standest und einen Sieg an den anderen gereiht hast.«

»Das habe ich auch gehört, und ich fühle mich geschmeichelt, aber einen Beweis dafür habe ich nie erhalten.«

»Hast du dich darum bemüht?«

»Kann ich nicht behaupten.«

»Ich würde es dir raten.«

»Warum sollte es mir irgendetwas bedeuten?«

»Wegen der Berührung durch den König, Weaver. Das ist der Preis, den ich verlange. Wenn du möchtest, dass meine Männer vor dem Craven House einen Aufstand anzetteln, dann musst du schwören, alles in deiner Macht Stehende zu tun, um dafür zu sorgen, dass der König mich berührt.« Er nahm einen weiteren tiefen Zug aus dem Krug. »Das und die fünf Pfund und die vier Schilling, von denen du gesprochen hast.«

Bei dieser Unterhaltung redeten wir wiederholt aneinander vorbei. »Du irrst dich leider«, sagte ich, »wenn du glaubst, dass ich über die notwendigen Verbindungen zu höheren Kreisen verfüge. Hast du den Ärger vergessen, den ich mir bei der letzten Wahl eingehandelt habe? Seitdem fehlt es mir nicht an politischen Gegnern.«

»Es gibt nur zwei Parteien in diesem Land, so dass ein Mann, der sich Feinde schafft, im gleichen Zug auch Freunde gewinnen muss. Das würde ich fast als ein Naturgesetz bezeichnen.«

Ich kann nicht sagen, wie unser Gespräch ausgegangen wäre, wenn nicht ein plötzliches Getöse es unterbrochen hätte -scharfe Stimmen, umstürzende Stühle, der hohle Klang von Zinnbechern, die gegen Zinnbecher schlugen. Als Devout Hale und ich uns umdrehten, sahen wir unmittelbar neben uns zwei Burschen mit vor Wut rot angelaufenen Gesichtern stehen. Den einen, einen stämmigen Kerl mit grotesk buschigen Augenbrauen, erkannte ich als einen von Devout Hales ergebenen Seidenwebern. Der zweite Mann war größer als er, aber nicht minder kräftig gebaut und mir fremd. Ein rascher Blick auf Devout Hale sagte mir, dass auch er ihn nicht kannte.

Obwohl er durch seine Krankheit geschwächt und dementsprechend unsicher auf den Beinen war, erhob sich Devout Hale auf der Stelle und stolperte mit so raschen Schritten auf die beiden Männer zu, wie seine Beine es erlaubten. »Wollt ihr wohl einhalten! Was ist hier los?«, verlangte er zu wissen. »Worum geht der Streit, Feathers?«

Feathers, der kleinere der beiden, antwortete Hale, ohne auch nur einmal den Blick von seinem Widersacher zu wenden. »Nun, dieser Lümmel hat all diejenigen unter uns beleidigt, deren Eltern aus Frankreich herübergekommen sind«, sagte er. »Er meint, wir wären doch nichts als Papisten.«

»Ich habe nie etwas dergleichen geäußert«, verteidigte sich der größere der beiden. »Ich glaube, der Kerl ist betrunken.«

»Ich bin sicher, dass es sich um ein Missverständnis handelt«, sagte Hale. »Und wir wollen hier keine Händel, also was sagt ihr dazu, wenn ich euch beiden einen ausgebe und wir alle wieder Freunde sind?«

Der, den Hale mit Feathers angesprochen hatte, sog scharf die Luft ein, als müsse er sich für den Friedensschluss stählen. Er hätte sich lieber auf etwas anderes vorbereiten sollen, denn sein Gegenüber versetzte ihm völlig unerwartet einen Fausthieb auf den Mund. Noch ehe Feathers zu Boden sank, troff ihm schon das Blut aus den Lippen, und ich war mir sicher, dass sein Angreifer es nun gründlich mit den Gefährten seines Opfers zu tun bekommen würde, doch mit einem Male ertönte der Pfiff eines Konstablers, und schon standen zwei Männer in Uniform zwischen uns. Mir blieb kaum Zeit, mich zu wundern, wo sie so schnell hergekommen waren, als sie auch schon anfingen, den niedergeschlagenen Feathers aufzusammeln.