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»Der hier hat den Streit angefangen«, bemerkte einer der Schutzmänner.

»Ohne Zweifel, ohne Zweifel«, pflichtete sein Kollege ihm bei.

»Immer langsam«, rief Hale dazwischen. »Was ist mit dem anderen?«

Dieser andere war nirgendwo zu entdecken.

Nur mit größter Mühe gelang es Hale, seine Zunftbrüder zu überzeugen, in dem Wirtshaus zu warten, während er das Opfer dieses Justizirrtums mit aufs Gericht begleitete. Dies löste eine lebhafte Debatte aus, der ich entnehmen konnte, dass mein Freund mit dem unglücklichen Feathers auf nicht allzu gutem Fuße stand, die anderen aber dennoch einsahen, dass er wohl der beste Repräsentant ihres Kameraden sei, und dass ihr zahlenmäßig gehäuftes Erscheinen bei Gericht von dem Magistrat vermutlich als Verstoß gegen die Ordnung gewertet würde. Mich jedoch bat Hale, ihn auf diesem Gang zu begleiten, da ich doch etwas, wie er es ausdrückte, von den Gepflogenheiten der Justiz verstünde.

Ich hatte schon mit Justiz und Gericht zu tun gehabt, und ich wusste, dass mir das, was ich bisher gesehen hatte, gar nicht gefallen wollte. Die beiden Konstabler waren zu sehr wie aus heiterem Himmel aufgetaucht, und der Angreifer war viel zu plötzlich verschwunden. Irgendwas ging hier nicht mit rechten Dingen zu.

In den Amtsräumen von Richard Umbread, dem Magistrat von Spitalfields, war es abends immer ziemlich ruhig. In dem spärlich beleuchteten Saal hielten sich nur ein paar Schutzleute und ein Gerichtsdiener auf. Im Kamin flackerte zwar ein Feuer, aber nur ein kleines, und es brannten zu wenig Kerzen, so dass eine Stimmung wie in einem Verlies herrschte. Mr. Fea-thers, der seine blutende untere Gesichtshälfte mit einem rot getränkten Tuch abtupfte, schaute ziemlich benommen drein.

»Nun denn«, sagte der Richter zu ihm, »Ich höre von meinen Konstablern, dass Sie im Zustand der Trunkenheit einem anderen Mann gegenüber handgreiflich geworden sind.«

»Nein, Sir, das stimmt nicht. Er hat meine Eltern beleidigt, Sir, und als ich mich deswegen beschwerte, hat er mich grundlos geschlagen.«

»Hmm. Doch da nicht er hier ist, sondern Sie, fällt es Ihnen natürlich leicht, die Schuld auf ihn zu schieben.«

»Es gibt Zeugen, die das bestätigen können, Sir«, rief De-vout Hale dazwischen, aber der Richter schenkte ihm keine Beachtung.

»Und mir ist zu verstehen gegeben worden«, fuhr er stattdes-sen fort, »dass Sie keiner regelmäßigen Beschäftigung nachgehen. Ist das korrekt?«

»Auch das stimmt nicht«, korrigierte ihn Feathers. »Ich bin Seidenweber, Sir, und ich arbeite in unserem Standesquartier fleißig an der Seite meiner Kollegen. Der Mann, der dort steht, Mr. Devout Hale, hat seinen Webstuhl neben dem meinen. Er hat mich schon als Lehrjungen gekannt, obwohl er nicht mein Lehrherr war.«

»Es ist für jedermann ein Leichtes«, sagte der Richter, »seinen Kameraden zu dieser oder jener Aussage zu seinen Gunsten zu bewegen, aber es ändert nichts an der Tatsache, dass Sie ohne Beschäftigung und daher zu Gewalt bereit sind.«

»Aber so ist es nicht!«, setzte Feathers sich wütend zur Wehr. Vor lauter Ungläubigkeit, wie ihm geschah, hatte er die Augen weit aufgerissen.

»Können Sie einen Beweis für das Gegenteil erbringen?«

»Verzeiht, Euer Ehren«, wagte ich einen Vorstoß, »aber ich denke, er hat dem Gericht reichlich Beweise für das Gegenteil erbracht. Mr. Hale und ich waren Zeugen des Vorfalls, und wir können beide beschwören, dass Mr. Feathers dabei das Opfer und nicht der Angreifer war. Was nun die berufliche Tätigkeit des Mannes angeht, wird Mr. Hale schwören, dass er die Wahrheit sagt, und es dürfte keine Mühe machen, noch mindestens ein Dutzend weiterer Männer zu finden, die einen ähnlichen Eid ablegen könnten.«

»Auch ein Eid macht aus einer Lüge keine Wahrheit«, beharrte der Richter. »Während all der Jahre, die ich auf dem Richterstuhl sitze, habe ich sehr wohl gelernt zu erkennen, wen ich vor mir habe. Mr. Feathers, es ist meine Erfahrung, dass Männer, die zu Gewalt neigen und keine geregelte Arbeit nachweisen können, eine nützliche Betätigung brauchen, damit sie sich bessern. Ich verurteile Sie daher zu Zwangsarbeit im Arbeitshaus in der Christwell Street, wo Sie während der nächsten drei Monate die Tätigkeit eines Seidenwebers er-lernen können. Ich hoffe, dass eine solche Fertigkeit Ihnen helfen wird, nach Ihrer Entlassung eine Arbeit zu finden, und ich Sie hier nicht noch einmal unter einer ähnlichen Anklage sehen werde.«

»Die Tätigkeit eines Seidenwebers erlernen?«, entfuhr es Feathers. »Aber ich beherrsche doch diese Tätigkeit, und ich besitze den Gesellenbrief. So verdiene ich mir schließlich mein Brot.«

»Schafft ihn hier raus«, befahl der Richter seinen Konstab-lern. »Und diese Herumlungerer gleich mit.«

Wäre Devout Hale von kräftigerer Konstitution gewesen, hätte ich erwartet, dass er seinem Zorn auf eine Weise Luft machte, die auch ihm das Gefängnis eingebracht hätte, aber in seinem Zustand hatte er dem Griff des Schutzmannes nicht viel entgegenzusetzen, und auch ich war nicht hier, um mich als Faustkämpfer zu betätigen, also folgte ich ihm nach draußen.

»Ich habe von diesen Spitzfindigkeiten schon gehört«, keuchte Hale. »Aber ich hätte nie geglaubt, einmal mit ansehen zu müssen, wie sie gegen einen meiner eigenen Leute angewendet werden.«

Ich nickte, denn auch ich begriff nun nur zu gut. »Ein Druckmittel gegen euch Seidenweber.«

»Ja. Christwell Street ist ein privat geführtes Arbeitshaus, und der Mann, dem es gehört, bezahlt den Richter, damit der die Konstabler bezahlt, damit sie Männer mit den gewünschten Fertigkeiten grundlos verhaften. Dann schickt man sie ins Arbeitshaus, damit sie dort ihr Handwerk >erlernen<. Es ist einfach nicht zu fassen. Das ist die reinste Sklavenhaltung. Jetzt muss Feathers ohne Lohn drei Monate für sie schuften, und wenn er seine Arbeit nicht gut macht, bestrafen sie ihn, indem sie ihn einfach noch länger dabehalten.«

»Und man kann nichts dagegen unternehmen?«

»Oh doch. Ich muss jetzt gehen, Weaver. Es gibt Anwälte und Eide zu leisten. Sie verlassen sich darauf, dass wir zu schlichten Gemütes sind, um unsere Rechte zu kennen, und bei den meisten Männern, die sie sich greifen, trifft das auch zu. Aber du kannst Gift darauf nehmen, dass wir es ihnen heimzahlen werden. Das nächste Mal werden sie es sich gründlich überlegen, bevor sie sich noch einmal einen von meinen Männern vornehmen.«

»Es freut mich, das zu hören. Da du nun ganz andere Sorgen hast, hasse ich es, noch einmal auf das Thema ...«

»Dein Ausstand, nicht wahr? Also, um den brauchst du dir keine Sorgen zu machen. Nun hat mich die Wut gepackt, und ein solcher Aufruhr ist genau das, was ich jetzt brauche, um mich abzureagieren. Du besorgst mir nur den König. Versprich, alles in deiner Macht Stehende zu tun. Das reicht mir.«

6

Ich versprach es ihm, aber ich hatte dabei das Gefühl, als verspräche ich jemandem, sein Lotterielos würde ihm ein Vermögen einbringen. Noch schlimmer - eine Lotterie, ein Glücksspiel kann man manipulieren, wie ich nur zu gut wusste, aber ein Zusammentreffen mit dem König ließ sich nicht durch irgendwelche Machenschaften herbeiführen. Aber das Versprechen zahlte sich aus, denn zwei Abende später fand ich mich auf dem Gemüsemarkt westlich des Geländes der East India Company ein, wo ich so tat, als untersuche ich die Qualität herabgesetzter Kohlköpfe, die während des Tages keinen Käufer gefunden haben und die für einen gewitzten Kunden, der auf Sauberkeit nicht allzu viel Wert legte und sich an einer Made zwischen den Blättern nicht störte, ein gutes Angebot darstellten. Im Verlaufe des Nachmittags hatte es sich merklich abgekühlt, und ich strich mit meinen Handschuhen über eine Vielzahl von Gemüsesorten, wobei ich mit gespielter Enttäuschung die Augen verdrehte. Ich war besser gekleidet als die meisten, die hier ein günstiges Abendessen zu ergattern trachteten und erweckte dementsprechend mehr Aufmerksamkeit, als mir lieb war, also war ich mächtig froh, als es losging.