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Ich hielt es für angebracht, diesen Punkt geflissentlich zu übergehen. »Je weniger wir darüber sprechen, umso besser.«

»Sie mögen nicht dazu beigetragen haben, mich in diese missliche Lage zu bringen, Mr. Weaver, aber ich stecke nun mal darin, und es wäre nicht anständig, mich im Unklaren zu belassen.«

Dagegen gab es nichts einzuwenden, und nachdem ich ihm eingeschärft hatte, dass er, um seiner und anderer Unversehrtheit willen, mit niemandem darüber sprechen dürfe, weihte ich ihn so weit ein, wie es mir ungefährlich erschien. Ich erklärte ihm, ein sehr vermögender Mann von erheblichem Einfluss hätte mich in seine Dienste gezwungen, weil er etwas gegen einen der Direktoren der East India Company im Schilde führe.

»Ha«, sagte Mr. Franco triumphierend, »ich hatte geschäftlich mit der East India Company zu tun, wie übrigens auch mit ihren Konkurrenten. Ich versichere Ihnen, kein blutiger Anfänger in diesem Spiel zu sein. Wir werden sie überlisten.«

»Leichter gesagt als getan«, gab ich zu bedenken.

Er lächelte wissend. »Sie glauben, nur weil diese Männer reich und mächtig sind, würde man mit ihnen nicht fertig? Das Glück kann eine sehr launische Göttin sein und jeden von uns verlassen, wenn er am wenigsten damit rechnet, doch gleichzeitig den Untersten der Unteren zu den höchsten Höhen aufsteigen lassen. Die Direktoren der East India Company haben keinen Grund, mich zu lieben, aber ihre Animosität hat mir nie geschadet. In dem Spiel, das wir spielen, gibt es Regeln, müssen Sie wissen.«

»Aber nun, da Sie, ich, mein Onkel und ein guter Freund von mir am Rande des Ruins stehen, könnte man wohl sagen, dass die Regeln sich geändert haben.«

»Ja, so könnte man es sehen. Nun sagen Sie mir aber, wer der Mann ist, der der East India Company Schaden zufügen will? Wie lautet sein Name? Welche Verbindungen hat er?«

»Es hat noch nie jemand von ihm gehört, und ich spreche seinen Namen so selten aus wie möglich. Ich fürchte, der geringste Fehler könnte fatale Folgen für einen von uns haben. Man hat mich sogar ausdrücklich davor gewarnt, solche Gespräche wie das unsere zu führen, und ich gehe das Risiko auch nur ein, weil ich meine, dass Sie wissen sollten, dass Sie möglicherweise unter Beobachtung stehen. Und obwohl es Ihr gutes Recht ist, dies zu erfahren, muss ich Sie bitten, sich keinesfalls etwas anmerken zu lassen oder etwas auf eigene Faust zu unternehmen. Vorerst können wir wenig tun, außer uns wie brave Lämmer zu benehmen, bis sich die richtige Gelegenheit bietet, zurückzuschlagen.«

»Sie kennen mich nicht sehr gut, Mr. Weaver, aber ich glaube, Sie wissen, dass ich kein Mann bin, der sein einmal gegebenes Versprechen bricht, und ich kann Ihnen versichern, dass mir erst recht nicht danach zu Mute ist, wenn mich dieser Vertrauensbruch ins Hofmarschallgefängnis oder an einen ähnlich furchtbaren Ort bringt. Ich hatte über Umwege im Asienhandel viel mit englischen und holländischen Firmen zu tun und war auch an den ersten zaghaften Versuchen der Franzosen in dieser Richtung nicht ganz unbeteiligt. Wenn unser Mann je eine Position im Ostindienhandel bekleidet hat, nenne ich seinen Namen, und damit könnte ich Ihnen einen Vorteil ihm gegenüber verschaffen.«

Ich konnte ihm seinen Wunsch nicht abschlagen, und ich musste mich sehr überwinden, um den bewussten Namen auszusprechen. »Jerome Cobb.«

Eine ganze Weile sagte Mr. Franco gar nichts. »Von dem habe ich noch nie etwas gehört.«

»Das hat niemand. Sowohl mein Onkel als auch das andere Opfer, mein Freund Elias Gordon, ein Arzt mit besten Verbindungen, haben nichts über ihn herausfinden können. Die-ser Mann verfügt über gewaltige finanzielle Mittel, und doch kennt niemand in London ihn.«

»Vielleicht ist das nicht sein richtiger Name.«

»Das habe ich auch schon in Erwägung gezogen.« »Zweifellos. Ja, Mr. Weaver, wir sehen uns tatsächlich vor einige Schwierigkeiten gestellt. Ich bitte Sie sehr, mich über alles, was weiter geschieht, auf dem Laufenden zu halten. Wenn ich kurz davor stehe, mich im Schuldturm wiederzufinden, wäre ich für einen rechtzeitigen Hinweis dankbar. Und da ich mit dem Ostindienhandel vertraut bin, kann ich Ihnen vielleicht den einen oder anderen Rat geben.«

Ich versicherte ihm, dass ich tun würde, um was er mich gebeten hatte. Ich hatte wirklich das Gefühl, dass Mr. Franco mir in dieser Angelegenheit ein unerwarteter Verbündeter sein könnte. Doch um davon zu profitieren, musste ich seine Freiheit aufs Spiel setzen, und ich war mir noch nicht sicher, wie weit ich mit meinem Einsatz in diesem Spiel gehen durfte.

8

M ein Onkel und Mr. Franco wohnten beide am Duke's Place im Pfarrbezirk von St. James. Auch ich hatte einige Jahre lang in dieser Gegend gelebt, allerdings in einer weit weniger vornehmen Gasse namens Grey Hound Alley. Die meisten Häuser hier wurden von Juden bewohnt, solchen wie den Mitgliedern meiner Familie, den Portugiesischsprachigen, obwohl sie aus aller Herren Länder stammten, und denen, die wir die Aschkenasim hießen. Sie selber nannten sich anders, aber ich wusste nicht, wie. Die Aschkenasim stammten aus osteuropäischen Ländern wie Polen oder Russen und strömten in immer größeren Scharen nach England, was unter uns Sephardim einige Unruhe auslöste, denn es gab zwar Arme unter uns, aber niemand war derart arm wie diese Juden, die uns mit ihrem Altkleiderhandel und ihrer Hausiererei bei den Nichtjuden in Misskredit brachten.

Fast alle, die mit mir im Haus wohnten, waren portugiesische Juden, und ich konnte mich der besten Räume im Gebäude rühmen. Die Miete war niedrig, so dass ich mir ohne Weiteres drei geräumige Zimmer leisten konnte, die dank mehrerer zu öffnender Fenster während der Sommermonate schön luftig waren, während in den Wintermonaten ein angemessen großer Kamin behagliche Wärme verströmte. Ich hatte sogar das Gefühl, dass meiner Vermieterin besonders an meinem Wohlergehen gelegen war, denn einen Mann von meinem Rufe im Haus zu haben, sagte sie sich wahrscheinlich, schreckte bestimmt Einbrecher und anderes Gesindel ab.

Ja, auch ich hätte gerne daran geglaubt, doch als ich an diesem Abend mit der Öllampe in der Hand meine dunkle Wohnung betrat, fuhr ich jäh zusammen, als ich eine Gestalt gewahrte, die, die Hände im Schoß gefaltet, geduldig wartend in einem meiner Sessel saß. Zuerst wollte ich die Lampe fallen lassen und nach einer Waffe greifen, aber dann sah ich gerade noch im Augenwinkel, dass die Person keine bedrohliche Bewegung machte, also offenbar nichts Böses im Schilde führte. Daher nahm ich mir die Zeit, noch ein paar Kerzen anzuzünden, ohne jedoch meinen Besucher dabei ganz und gar aus den Augen zu lassen, obwohl ich den Eindruck zu erwecken suchte, seine Gegenwart wäre für mich von untergeordneter Bedeutung.

Sobald alles genügend erhellt war, drehte ich mich um und sah in das mir nicht gänzlich unvertraute Lächeln eines ziemlich großen Mannes. Es war Mr. Westerly, der mich vor einigen Wochen aufgesucht hatte, um mich zu fragen, ob ich versuchen wolle, für ihn in das Geschäftsgebäude der East In-dia Company einzubrechen. Nun saß er, die plumpen Hände im Schoß, da, als gefiele es ihm nirgendwo auf der Welt so gut wie in meinem Wohnzimmer und in meinem Sessel. Seine Wangen waren vor Zufriedenheit rosig angelaufen, und seine übertrieben gekräuselte Perücke war ihm bis knapp über die Augen gerutscht, was den Eindruck erweckte, als schliefe er.

»Ich hoffe, Sie haben nichts dagegen, dass ich Ihren Nachttopf benutzt habe«, sagte er. »Keine Angst, ich habe ihn bei Weitem nicht gefüllt, aber es gibt ja manche Menschen, die es nicht mögen, wenn ein anderer seine Pisse mit der ihren mischt.«

»Von allem, was ich Ihnen vorzuwerfen habe, einem Mann, der ohne Befugnis in meine Räume eingedrungen ist, wäre dies wohl noch meine geringste Sorge«, sagte ich. »Also, was wollen Sie hier?«