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»Sie hätten von vorneherein auf meinen Vorschlag eingehen sollen, finde ich. Nun sehen Sie sich doch bloß mal an, Wea-ver. Das alles hat Sie wohl ganz schön mitgenommen, oder?«

»Gegen Mr. Cobb vermag ich vielleicht im Moment nicht viel auszurichten«, sagte ich und sah ihn dabei unverwandt an, um ihn mit meinem Blick zu verunsichern. »Aber bei Ihnen ist das etwas anderes. Vielleicht kann ich einiges über Mr. Cobb in Erfahrung bringen, indem ich Sie mir einmal tüchtig vorknöpfe.«

»Das wäre eine Möglichkeit«, pflichtete er mir bei, »die Sie vielleicht nicht außer Acht lassen sollten. Ich bin nicht besonders mutig und gebe unter Androhung körperlicher Züchtigung leicht klein bei. Ich kann allein schon den Gedanken an Schmerzen nicht ertragen. Und doch sind Ihnen im Umgang mit mir ebenso die Hände gebunden wie im Umgang mit meinem Kompagnon. Wenn Sie mir etwas zu Leide tun, Sir, dann werden Ihre Freunde das auszubaden haben.«

»Vielleicht findet man Ihre Leiche nie. Cobb wird nie sicher sein können, dass ich derjenige gewesen bin, der Sie überredet hat, auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden.«

»Keine Angst, meine Geschäftspartner wissen ganz genau, wo ich mich im Augenblick aufhalte. Sie können erzählen, was Sie wollen. Niemand wird Ihnen glauben. Wenn Ihnen an Ihrem Onkel etwas gelegen ist, Sir, dann beten Sie, dass mir auf meinem Heimweg nichts zustößt.«

»Wenn Ihnen an Ihrem eigenen Wohlergehen etwas gelegen ist, dann beten Sie lieber, dass ich nicht alle Umsicht fahren lasse und dafür sorge, dass Ihnen schon innerhalb dieser vier Wände etwas zustößt.«

Er nickte. »Sie haben recht. Es ist nicht die Art eines Gentlemans, Sie auf diese Weise zu bedrohen. Ich bin gekommen, um Ihnen eine Nachricht zu überbringen, nichts weiter. Ich weiß sehr wohl um Ihre prekäre Situation, Mr. Weaver, aber Sie müssen uns nicht für Ihre Feinde halten. Auch uns tut es weh, müssen Sie wissen, Sie auf diese Weise zu behandeln. Aber wir brauchen Sie nun einmal, und Sie wollten uns nicht helfen. Dies ist nun das Ergebnis.«

»Ich habe keine Zeit, mir weiter dieses Gerede anzuhören. Überbringen Sie Ihre Botschaft, aber denken Sie das nächste Mal bitte daran, dass ich des Lesens mächtig bin. Wenn es noch etwas mitzuteilen gibt, dann sollte es schriftlich geschehen und nicht durch einen Boten.«

»Diese Mitteilung duldete keinen Aufschub. Ich bin gekommen, um Sie noch einmal an Mr. Cobbs Rat zu erinnern, sich nicht in seine Geschäfte einzumischen. Es ist ihm zur Kenntnis gelangt, dass Ihr Onkel und Ihr Bekannter unangebrachte Fragen gestellt haben. Und da Sie und Mr. Gordon sich heute Abend bei Ihrem Onkel getroffen haben und Sie danach zu Mr. Franco gegangen sind, kommt es mir so vor, als steckten Sie Ihre Nase in Dinge, vor denen man Sie gewarnt hat.«

Ich sagte nichts dazu. Wie hatten sie das herausgefunden? Die Antwort lag klar auf der Hand. Ich wurde beschattet. Nicht von Westerly; ein solcher Koloss von einem Mann konnte sich auf der Straße kaum unsichtbar machen, aber von anderen. Wer war dieser Jerome Cobb, dass er so viele Leute in seinen Diensten hatte?

»Ich habe mich mit meinem Onkel und einem Freund getroffen. Na und? Wir haben auch schon vor diesen Ereignissen häufig zusammengesessen.«

»Mag sein, aber Sie haben sich über diese Ereignisse unterhalten, nicht wahr?«

»Nein«, log ich.

Westerly schüttelte den Kopf. »Das kann ich Ihnen nicht glauben. Und es wäre in Ihrer Situation mehr als klug, nicht nur nichts zu tun, was Sie nicht tun sollen, sondern gar nicht erst den Anschein dessen zu erwecken.«

»Ich werde meinen Freunden und Verwandten nicht aus dem Wege gehen«, sagte ich.

»Nein, das sollen Sie auch nicht. Aber wir erwarten, dass Sie ihnen sagen, sie sollen mit ihren Schnüffeleien aufhören.« Westerly wuchtete seine Masse aus meinem Sessel und stützte sich auf seinen Gehstock. »Wir sind uns im Klaren, was für ein neugieriger Mensch Sie sind, und dass die Verlockung, mehr über Mr. Cobb herauszufinden, groß gewesen sein muss, also wollen wir dieses Mal von einer Bestrafung absehen. Aber Sie wissen nun hoffentlich, dass wir unsere Augen und Ohren überall haben. Hören Sie damit auf, sich aus dem Netz freizappeln zu wollen. Akzeptieren Sie unser großzügiges Angebot und tun Sie, wie Ihnen geheißen. Je eher Sie uns ans Ziel bringen, desto früher sind Sie ein freier Mann.«

Mr. Westerly wünschte mir eine gute Nacht und empfahl sich.

Zwei Tage darauf bekam ich Besuch von Edgar, der mir wortlos einen Brief übergab und danach wieder von dannen zog. Seine Blessuren waren einigermaßen verheilt, aber er machte immer noch einen ziemlich mitgenommenen Eindruck und war auch nicht geneigt, ein paar freundliche Worte mit mir zu wechseln.

Nachdem ich die Tür hinter mir geschlossen hatte, riss ich den Brief auf und fand darin die Instruktionen, die Cobb angekündigt hatte. Ich sollte nun mit Mr. Ambrose Ellershaw von der East India Company, dem Mann, dem ich seine Unterlagen gestohlen hatte, Verbindung aufnehmen und ihm erklären, dass ich im Verlaufe meiner Ermittlungen in einer anderen Sache zufällig seinen Bericht sichergestellt und erkannt hätte, dass die Papiere von größter Wichtigkeit für ihren Eigentümer sein könnten, so dass ich ihm diesen gerne umgehend zurückerstatten würde.

Es war mir höchst zuwider, auf jeden von Cobbs Pfiffen hin sofort zu springen, aber ich zog es doch vor, in dieser Angelegenheit etwas zu unternehmen, anstatt untätig zu Hause zu sitzen. Vielleicht sähe ich bald ein wenig klarer, was man eigentlich von mir wollte und wieso Cobb so erpicht darauf war, dass ausgerechnet ich für ihn die Kastanien aus dem Feuer holen sollte.

Ich setzte mich in ein Kaffeehaus, in dem man mich kannte und schrieb ganz nach Cobbs Wunsch einen Brief, in dem ich Ellershaw anwies, mir seine Antwort in bewusste Lokalität zu schicken. Den Nachmittag, sagte ich mir, würde ich halt damit verbringen, die Zeitung zu lesen und meine Gedanken zu ordnen, aber dafür blieb mir kaum eine Stunde. Der gleiche Junge, den ich mit meinem Brief losgeschickt hatte, kam postwendend mit der Antwort zurück.

Lieber Mr. Weaver,

ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie glücklich ich bin zu erfahren, dass Sie die bewussten Dokumente in Ihrem Besitz haben.

Bitte suchen Sie mich, so rasch Ihnen dies möglich ist, im Craven House auf, was, wie ich hoffe, noch heute sein wird. Ich versichere Ihnen, dass Ihre Mühe und Ihre Eile entsprechend belohnt werden, denn ich weiß, was ich meinen Freunden schuldig bin.

Amb. Ellershaw

Ich trank meinen Kaffee aus und machte mich unverzüglich auf den Weg in die Leadenhall Street. Hier betrat ich noch einmal das Gelände der East India Company und das Craven House - diesmal allerdings auf direktem, weniger riskantem Wege.

Ein junger Türhüter, ein stattlicher Bursche, der seinem Akzent nach erst jüngst vom Lande in die Stadt gekommen war und sich glücklich schätzen konnte, hier eine so leichte Arbeit gefunden zu haben, ließ mich ohne Weiteres eintreten. Bei Tageslicht betrachtet kam einem das Hauptquartier der East India Company wie ein ganz gewöhnliches, hässliches altes Gebäude vor. Wie wir heute wissen, würde es schon bald aus allen Nähten platzen und vollkommen umgebaut werden, doch zur Zeit unserer Geschichte bot es noch genügend Platz und verriet nach außen hin kaum etwas von seinem Sinn und Zweck - abgesehen von einer Wandmalerei, die ein großes Schiff zeigte, das von zwei kleineren flankiert wurde, und dem hohen Tor in der Mauer, das Unbefugten den Zutritt verwehrte.

Im Haus herrschte eine Betriebsamkeit wie in einem Bienenstock. Angestellte liefen mit an die Brust gepressten Stapeln von Papieren hin und her, Büroboten rannten vom Haus zu den Lagerschuppen, um Bestände zu überprüfen oder Mitteilungen zu überbringen, Dienstboten brachten Mahlzeiten für die hungrigen Direktoren, die in den Büros im oberen Stockwerk unermüdlich schufteten.