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Ich überlegte, ob ich ihm sagen sollte, dass sein Mr. Cobb mir erlaubt hatte, seinen Diener so oft zu verprügeln, wie ich wollte - ein Teil seiner Arbeitsbedingungen, die sein gütiger Herr sich vielleicht noch nicht zu erwähnen bequemt haben mochte. Aber ich unterließ es, denn ich wollte mich nicht wie ein Kind anhören, das darauf verweist, dass seine Eltern es ihm aber erlaubt hätten. Das Quäntchen Macht, das mir noch blieb, wollte ich fein hüten. Also ließ ich mir etwas anderes einfallen.

»Wir stehen vor einem Problem«, flüsterte ich leise und mit einer Ruhe, die mir eigentlich fern war. »Diese Leute hier kennen mich und sie wissen, dass ich es einem Stiefellecker wie dir nie erlauben würde, so mit mir umzuspringen. Daher bleibt mir nichts übrig, als dich zu schlagen, denn sonst könnten sie argwöhnisch werden und sich fragen, warum ich mir das gefallen lasse. Verstehst du mich?«

»Einen Moment«, hob er an.

»Verstehst du nicht, dass es für alle Welt so aussehen muss, als wäre ich der Gleiche wie immer? Weil sonst Mr. Cobbs geheimer Plan in Gefahr gerät?«

»Ja«, stieß er hervor.

»Was muss ich also tun?«

Edgar schluckte. »Mich schlagen«, keuchte er.

Ich zögerte noch, denn einen Mann zu schlagen, der sich mir scheinbar widerstandslos auslieferte, bewies vielleicht nicht das, was ich damit erreichen wollte. Aber dann tat ich es doch - und sei es nur, um sicherzugehen. Ich versetzte Edgar zwei oder drei Hiebe an den Kopf, bis er zu benommen war, um sich auf den Beinen zu halten. Zum Schluss warf ich dem Wirt einen Silberling für seine Unannehmlichkeiten zu und machte mich auf den Weg.

Wenn es Cobb als sonderbar aufstieß, dass ich ohne seinen Diener im Schlepptau eintraf, ließ er es sich jedenfalls nicht anmerken. Er erwähnte auch nicht die Nachricht und den Jungen, so dass ich mich fragte, ob Edgar ihn vielleicht abgefangen hatte und mir zeigen wollte, dass auch er etwas zu sagen hätte. Aber wahrscheinlich wollte Cobb es nicht auf eine Auseinandersetzung mit mir ankommen lassen. So hatte er es bisher jedenfalls immer gehalten.

Sein Neffe hingegen schien ein Mann zu sein, der sich an nichts so sehr ergötzen konnte wie an einem Missklang. Auch er war wieder zugegen und starrte mich so gehässig an, als hätte ich Schmutz von der Straße in sein Haus geschleppt. Aber er enthielt sich jeder Äußerung und jeder Geste, als ich das Zimmer betrat und schien mit der Leidenschaftslosigkeit eines Reptils meine Unterredung mit Cobb zu verfolgen.

Ich trat Hammond nicht minder kühl entgegen, wandte mich Cobb zu und berichtete ihm alles, was sich bei Ellershaw zugetragen hatte. Er hätte nicht zufriedener sein können. »Alles läuft genau so, wie ich es mir erhofft hatte. Weaver, Sie leisten mir hervorragende Dienste, und ich verspreche Ihnen, dass Sie dafür belohnt werden.«

»Darf ich dann davon ausgehen, dass es Ihrem Wunsch entspricht, wenn ich diese Stellung im Craven House annehme?«

»Aber ja doch. Diese Gelegenheit dürfen wir uns nicht entgehen lassen. Sie müssen alles tun, was Ellershaw von Ihnen verlangt. Widersprechen Sie ihm nie. Trotzdem ist es sehr vorausschauend von Ihnen gewesen, sich Bedenkzeit auszubitten. Lassen Sie ihn ruhig ein bisschen zappeln. Aber in einem oder zwei Tagen müssen Sie wieder zu ihm gehen und sein Angebot annehmen.«

»Warum?«

»Das ist im Moment nicht so wichtig«, ließ Hammond sich vernehmen. »Sie werden es erfahren, wenn wir es für richtig halten. Im Augenblick besteht Ihre Aufgabe nur darin, dafür zu sorgen, dass Ellershaw Sie mag und Ihnen vertraut.«

»Vielleicht sollten wir doch ein wenig näher darauf eingehen«, sagte Cobb. »Es wäre doch zu und zu schade, wenn Mr. Weaver eine günstige Gelegenheit verpasst, weil wir ihm den Grund für seine Anwesenheit im Craven House nicht genannt haben.«

»Und ich fände es zu schade, wenn unser Plan vereitelt wird, nur weil wir zu früh darüber gesprochen haben«, widersprach ihm Hammond.

Cobb schüttelte den Kopf. »Es ist weit riskanter, einem so wichtigen Mittelsmann keine Weisungen mitzugeben.«

Hammond zuckte darauf nur mit den Achseln - eher verächtlich als nachdenklich. »Gut, dann soll er es meinetwegen hören.«

Cobb wandte sich wieder mir zu. »Ihnen werden im Craven House zahlreiche Aufgaben zufallen, aber die wichtigste davon ist, dass Sie die Hintergründe des Todes eines Mannes namens Absalom Pepper aufdecken.«

Aus irgendwelchen Gründen stimmte mich diese Eröffnung froh. Endlich befand ich mich wieder auf vertrautem Terrain.

»Sehr gut«, sagte ich. »Also, was können Sie mir über ihn sagen?«

»Nichts«, fauchte Hammond. »Das ist ja das Problem. Wir wissen so gut wie nichts über ihn, nur, dass die East India Company ihn hat umbringen lassen. Es ist Ihre Aufgabe herauszufinden, warum die East India Company ihn als eine solche Bedrohung empfunden hat, und, wenn möglich, die Namen derer, die das Verbrechen ausgeführt haben.«

»Wenn Sie gar nicht wissen, wer er ist, warum ist es Ihnen dann so wichtig ...«

»Das«, schnitt mir Hammond das Wort ab, »soll nicht Ihre Sorge sein, sondern unsere. Sie tun, was man Ihnen sagt, um damit Ihre Freunde davor zu bewahren, im Gefängnis zu verkümmern. Nun, da Sie wissen, was wir von Ihnen verlangen, hören Sie gut zu, damit Sie auch wissen, wie Sie es anzustellen haben. Sie dürfen niemandem in dieser Angelegenheit Fragen stellen - weder im Craven House noch sonst wo. Sie dürfen nicht einmal den Namen Absalom Pepper in den Mund nehmen, außer, jemand erwähnt diesen Namen ganz von sich aus. Sollten Sie diese Regeln verletzen, werde ich es erfahren, und Sie können sich darauf verlassen, dass es nicht ungestraft bleiben wird. Haben Sie das alles verstanden?«

»Ich weiß nicht, wie ich irgendwas über diesen Mann herausfinden soll, wenn es mir nicht erlaubt ist, Erkundigungen anzustellen.«

»Das ist Ihre Sache, und wenn Ihnen an Ihren Freunden etwas liegt, würde ich mir an Ihrer Stelle alle Mühe geben.«

»Und Sie können mir nichts weiter über ihn sagen?«

Hammond seufzte, als würde ich seine Geduld auf eine harte Probe stellen. »Uns ist angedeutet worden, dass die East India Company dafür gesorgt hat, dass Pepper eines späten Abends überfallen wurde, und dabei ist er vermutlich totgeschlagen worden. Oder aber er ist ertrunken, denn man hat ihn danach in die Themse geworfen und seinem Schicksal überlassen. Man hat ihn erst nach mehreren Tagen gefunden, wie es solchen Unglücklichen oft ergeht, und die Fische hatten ihm schon fast die Arme und Beine abgefressen. Nur sein Gesicht blieb einigermaßen unversehrt, so dass er identifiziert werden konnte.«

»Von wem?«

»Verdammt, Weaver, woher soll ich das wissen? Die wenigen Informationen, die ich habe, stammen aus abgefangenen Briefen. Mehr weiß ich nicht.«

»Wo hat man ihn denn gefunden? Es muss doch eine gerichtliche Untersuchung gegeben haben.«

»Sind Sie taub? Ich habe doch gesagt, dass wir nicht mehr wissen. Ich weiß weder, wo er gefunden worden ist, noch, wo er begraben liegt. Ich weiß nur, dass die East India Company ihn hat umbringen lassen und wir in Erfahrung bringen müssen, warum.«

»Ich werde tun, was ich kann.«

»Das rate ich Ihnen«, sagte Hammond. »Und vergessen Sie nicht, was Ihnen auferlegt ist. Wenn wir hören, dass Sie irgendwo den Namen dieses Mannes erwähnt haben, ist es mit unserem Geschäft vorbei, und Sie und Ihre Freunde können fröhlich zusammen im Kerker verrotten. Behalten Sie diese Warnung stets im Sinn. Nun los, tun Sie, was man Ihnen gesagt hat.«

Ich hätte gerne gewusst, wie, aber mir blieb keine andere Wahl, also zog ich mich für den Rest des Nachmittags in meine Wohnung zurück, denn ohne einen Anhaltspunkt waren mir die Hände gebunden. Die ganze Stadt war mir fremd und bedrohlich geworden.