Выбрать главу

»Dem möchte ich etwas entgegensetzen«, sagte Ellershaw. »Mr. Forester mag nicht in der Lage sein, amerikanische Baumwolle von seiner eigenen Handelsware zu unterscheiden, aber es gibt keine modische Dame und keinen in seine Bekleidung vernarrten Beau auf dieser Insel, der sich so hinters Licht führen ließe.«

»Bald, sagte ich. Noch nicht gleich.«

»Und woher soll Ihr viel zitierter Fortschritt kommen?«, verlangte Ellershaw zu wissen. »Wenn die Menschen keinen Stoff aus Indien mehr kaufen können, was sollte die hiesigen Weber dann veranlassen, ihre eigenen Waren zu verfeinern? Denn dann haben sie den Markt ganz für sich allein. Der Wettbewerb ist es, der sie zu größeren Anstrengungen treibt.«

»Aber sie können im Wettbewerb mit den indischen Arbei-tern, Männern und Frauen, die wie Sklaven leben und am Tag allerhöchstens ein paar Pennys verdienen, nicht mithalten. Selbst wenn wir hier Stoffe herstellen könnten, die in jeder Hinsicht denen aus Indien gleichen, wären sie weit teurer, weil wir unseren Arbeitern mehr bezahlen müssen.«

»Dann müssen die Arbeiter eben lernen, mit weniger auszukommen«, schlug Forester vor.

»Pfui, Mr. Forester, pfui. Menschen müssen essen und schlafen und etwas anzuziehen haben. Nur weil die Mogule in Indien das von ihren Untertanen verlangen, können wir unseren Leuten nicht sagen, sie sollen sich eben mehr bescheiden. Aus diesem Grund ist das Gesetz nötig. Ist es nicht Aufgabe der Regierung, bei solchen Ungerechtigkeiten einzuschreiten und sie abzustellen?«

»Das muss es nicht sein«, argumentierte Ellershaw. »Ich habe mein ganzes Leben mit dem Ostindienhandel verbracht, und wenn ich etwas dabei gelernt habe, dann, dass Regierungen keine Probleme lösen können. Die Regierungen, Sir, sind vielmehr das Problem. Eine Freihandelsgesellschaft, in der der Unternehmer nicht durch Steuern geknebelt, drangsaliert oder behindert wird, ist die einzig wahre freie Gesellschaft.«

»Was soll denn das für eine Freiheit sein?«, empörte sich Thurmond. »Sir, ich weiß, wie Sie sich diese Freiheit vorstellen. Ich weiß, dass die East India Company mehr als eine Manufaktur befehligt und vorhat, Seidenweber in Haft nehmen zu lassen, damit ihre Leibeigenen deren Arbeit möglichst ohne Lohn erledigen. Und Sie haben durch Ihren Einfluss dafür gesorgt, dass sich zunehmend Gemeinschaften von Seidenwebern außerhalb der Stadt ansiedeln, wo die Löhne niedriger sind.«

»Und was ist daran falsch?«

»Glauben Sie, die Welt sieht Ihrem Treiben blind zu? Ich habe sogar gehört, dass sich von der East India Company bezahlte Aufwiegler unter die Seidenweber mischen, damit die armen Arbeiter zu ihnen aufsehen und glauben, sie würden ihre Sache vertreten, und damit doch nur die Sache ihrer eigenen Unterdrücker vorantreiben. Sie haben vor, die Löhne der Seidenweber so weit zu beschneiden, dass niemand mehr sich mit diesem Handwerk seinen Lebensunterhalt verdienen kann. Ich durchschaue Ihre Pläne für die Zukunft. Sie wollen Seide hierzulande so unbezahlbar machen, dass die Menschen wieder nach Importen aus Indien schreien.«

Ich musste an Devout Hales Mann denken, den man ins Arbeitshaus geworfen hatte. Nun wurde mir klar, dass er in eine Falle getappt war, die die East India Company aufgestellt hatte, um sich lästige Mitbewerber vom Hals zu schaffen. Wie stand es denn um die Zukunftsaussichten von Hale und seinen Männern? Sie waren doch nur Menschen, die leben und essen und ihre Familien ernähren mussten. Die East India Company prosperierte und protzte seit hundert Jahren und würde das noch in weiteren hundert Jahren tun. Es kam einem vor, als würden sterbliche Seelen sich mit Göttern anlegen.

Thurmond, der vielleicht ein wenig zu sehr dem Wein zugesprochen hatte, fuhr fort, Ellershaw die Leviten zu lesen. »Sie tun, was Ihnen gefällt, Sie schaden, wem Sie wollen, und nennen sich doch die Ehrenwerte Gesellschaft? Sie sollten sich ehrenwerterweise lieber als Teufelsgesellschaft bezeichnen. Sie kerkern Menschen ein, brechen ihren Lebensmut und wollen sämtlichen Handel und Wandel an sich reißen. Aber sie tönen von Freiheit. Wessen Freiheit denn?«

»Die einzig wahre Freiheit, Sir. Eine Republik des Handels, die den ganzen Globus umspannt, die ohne Behinderung durch Zölle und Abgaben kaufen und verkaufen kann. Dies ist die natürliche Entwicklung der Dinge, und ich werde dafür kämpfen, dieses Ideal zu verwirklichen.«

Thurmond blieb skeptisch. »Eine Welt, in der nur die das Sagen haben, denen es ausschließlich um den eigenen Profit geht, ist eine scheußliche Vorstellung. Unternehmen wie die East

India Company interessieren sich nur dafür, wie viel Geld sie verdienen können. Regierungen zumindest kümmern sich um die Belange aller - der Armen, der Unglücklichen und selbst um die der Arbeiter, deren Kraft gefördert und nicht ausgebeutet werden muss.«

»Ach, was sind Sie doch für ein guter Mensch, dass Ihnen die Arbeiter so am Herzen liegen«, meldete Forester sich wieder zu Wort. »Sie, Sir, besitzen ausgedehnte Ländereien, auf denen Sie Schafzucht als hauptsächliche Quelle Ihrer Einnahmen betreiben. Ist es da nicht von Ihrem eigenen Nutzen, zum Besten Ihres eigenen Kapitals, dass Sie sich so für die Wollmanufaktur stark machen und versuchen, den Importhandel einzudämmen? Geht es Ihnen wirklich um das Wohlergehen Ihrer Arbeiter?«

»Es stimmt schon, dass ich mein Geld mit Wolle verdiene, aber ich sehe nicht, wieso man mich deswegen verdammen sollte. Ja, mein Land bringt mir Reichtum ein, aber es schafft auch Arbeit und Auskommen für die, die darauf beschäftigt sind, für all jene, die die Wolle weiterverarbeiten, die wir produzieren, all jene, die das fertige Produkt verkaufen. Wir sind Teil einer Kette, die allgemeinen Wohlstand schafft. Aus Importen hingegen, die lediglich dem Geschmack derer, die sie sich leisten können, entgegenkommen, ziehen nur wenige Auserwählte ihren Nutzen. Importe tragen nichts zum Allgemeinwohl bei.«

»Der Wohlstand einer Nation ist das größere Gut, Sir. Das einzige Gut, auf das es ankommt. Und wenn die Männer des Handels und der Industrie eines Landes es zu Wohlstand bringen, verteilt sich dieser Wohlstand auf alle Menschen, die in diesem Lande leben. Das, Sir, ist die schlichte Wahrheit.«

»Ich fürchte, wir können bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag reden und werden unseren Freund hier doch nicht überzeugen«, warf Forester ein. »Ist es nicht besser, wenn wir ihm seinen Standpunkt gönnen und er uns den unseren und wir in gegenseitigem Einvernehmen leben?«

»Ja, ja, das ist äußerst diplomatisch, Mr. Forester, aber diplomatische Vermittlungskunst bringt uns hier nicht weiter, und außerdem ist sie in meinen Augen ein Zeichen von Schwäche. Doch ich weiß Ihre Bemühungen zu schätzen. Eine Krähe sollte der anderen kein Auge aushacken.«

»Dennoch möchte ich die Gentlemen bitten, mich nun zu entschuldigen. Ich fürchte, ich muss heute ziemlich zeitig aufbrechen.« Forester erhob sich aus seinem Sessel.

»Ach, Sie haben noch etwas Wichtigeres vor, Sir?«, bemerkte Ellershaw spitz, aber doch mit gespieltem Wohlwollen in der Stimme. Doch die Gehässigkeit war nicht zu überhören.

»Nein, nichts dergleichen. Meine Frau hat bereits vorhin mir gegenüber bemerkt, dass ihr unwohl ist, und ich entnahm ihren Worten den Wunsch, es nicht zu spät werden zu lassen.«

»Ein Unwohlsein? Wollen Sie etwas gegen die Speisen sagen, die ich serviert habe?«

»Aber keineswegs, das darf ich Ihnen versichern. Wir haben nur zu gerne Ihre Gastfreundschaft genossen, aber meine Frau hatte es in letzter Zeit ein wenig auf der Brust, und ich denke, dass sich das Leiden wieder einstellt.«