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»Das überrascht mich kaum bei einer Frau in ihrem Alter. Man sollte immer eine jüngere Frau heiraten und keine ältere. Das wäre mein Ratschlag an Sie gewesen, Forester, wenn Sie mich vor Ihrer Entscheidung um Rat gefragt hätten. Es wäre besser für Sie gewesen. Ja, ja, ich weiß, dass Ihr Vater Sie dieses Weib wegen ihres Geldes hat heiraten lassen, aber Sie hätten vielleicht mit der Missachtung seiner schlechten Empfehlung einen größeren Eindruck bei ihm hinterlassen.«

Als er sah, dass Forester viel zu sehr vor den Kopf geschlagen war, um etwas zu erwidern, unternahm Thurmond den Versuch, die Wogen zu glätten. »Ich begreife nicht, wieso Unterschiede im Alter einer glücklichen Ehe im Wege stehen sollten, solange Mann und Frau nur gut zueinanderpassen.«

Forester sagte immer noch nichts, aber der Ausdruck auf seinem Gesicht verriet, dass in seinem Falle Mann und Frau keineswegs gut zueinanderpassten.

Ellershaw zog es vor, gar nicht erst weiter auf all das einzugehen. »Setzen Sie sich, Forester. Es gibt noch viel zu bereden.«

»Das wäre mir nicht genehm.«

»Und mir wäre es genehm, wenn Sie sich jetzt wieder hinsetzen.« An Thurmond gewandt fügte er hinzu: »Sie müssen wissen, dass der Junge es auf meinen Posten im Craven House abgesehen hat. Wird Zeit, dass er lernt, wann es für einen Mann gut ist, zu bleiben, und wann es besser ist zu gehen.«

Die Spannung, die sich im Raum aufbaute, durfte Thurmond kaum behagt haben. Er erhob sich seinerseits. »Vielleicht sollten wir uns ebenfalls entschuldigen.«

»Was soll das heißen? Eine Meuterei? Alles bleibt an Bord!«, kreischte Ellershaw.

»Es ist spät, und ich bin nicht mehr der Jüngste«, sagte Thur-mond. »Wir wollen Ihnen nun Ihre Ruhe lassen.«

»Ich brauche nicht in Ruhe gelassen zu werden. Sie beide setzen sich jetzt hin. Ich bin und bleibe Ihr Gastgeber!«

»Zu zuvorkommend, Sir«, sagte Thurmond mit einem gezwungenen Lächeln. Er schien mehr als genug von Ellershaws Gastfreundschaft genossen zu haben. »Ich fürchte, ich hatte einen langen Tag.«

»Ich habe mich wohl nicht deutlich genug ausgedrückt«, fuhr ihm Ellershaw über den Mund. »Ich muss darauf bestehen, dass Sie bleiben. Wir haben unsere Unterredung noch nicht beendet.«

Thurmond blieb neben seinem Sessel stehen und sah sein Gegenüber scharf an. »Sollte ich mich verhört haben, Sir?«

»Sie dürfen jetzt nicht gehen. Glauben Sie, ich habe einen faustkämpfenden Juden wegen seiner charmanten Konversation und seinem sprühenden Geist eingeladen, mit uns zu es-sen? Da haben Sie sich aber getäuscht. Mr. Weaver, würden Sie bitte dafür sorgen, dass Mr. Thurmond seinen Platz wieder einnimmt?«

»Ich muss in aller Form protestieren, Mr. Ellershaw«, sagte Forester. »Ich glaube nicht, dass Sie das Recht haben ...«

Ellershaw schlug mit der geballten Faust auf den Tisch. »Niemand«, schrie er, »hat Sie nach Ihrer Meinung gefragt.« Doch dann schien seine Wut verraucht, als hätte jemand eine Kerze ausgepustet. »Es gibt vieles für Sie zu lernen, und ich könnte es Ihnen beibringen«, sagte er mit ausgesuchter Freundlichkeit. »Thurmond geht nirgendwohin, und auch Sie setzen sich besser wieder.«

Forester gehorchte.

Ellershaw wandte sich noch einmal mir zu. »Weaver, sehen Sie zu, dass Mr. Thurmond seinen werten Hintern wieder in den Sessel pflanzt.«

Erwartete er tatsächlich, dass ich für ihn den Schläger spielte? Danach war mir keineswegs zu Mute. Doch ich begriff auch, dass diese Situation hier anders gelagert war als der Zwischenfall im Lagerhaus. Er würde es mir diesmal nicht so augenzwinkernd durchgehen lassen, wenn ich mich seinen Befehlen widersetzte. Nein, diesmal würde ich Zeit schinden müssen, um zu sehen, wie weit der Kerl es treiben wollte. Schließlich würde er gewiss einsehen, dass jemand, der sich weigerte, den Wachmann eines Lagerschuppens zu verprügeln, sich erst recht nicht an einem ehrwürdigen Parlamentarier vergreift. Darauf jedenfalls hoffte ich.

Um einen besseren Einfall verlegen stand ich auf und stellte mich zwischen Mr. Thurmond und die Tür. Ich verschränkte die Arme vor der Brust und versuchte, ein grimmiges Gesicht zu ziehen.

»Was ... was heißt das, Sir?« Thurmond begann zu stammeln. »Sie können mich doch nicht gegen meinen Willen hierbehalten?«

»Ich fürchte, das kann ich, Sir. Was wollen Sie unternehmen, um mich daran zu hindern?«

»Ich kann mich an den Magistrat wenden, und Sie können gewiss sein, dass ich das auch tue, wenn Sie uns nicht auf der Stelle gehen lassen.«

»Der Magistrat«, lachte Ellershaw. »Forester, er droht mit dem Magistrat. Das ist ein guter Witz. Aber er muss erst Erlaubnis bekommen, uns zu verlassen, ehe er zum Magistrat rennen kann. Doch mal angenommen, ich würde Sie ziehen lassen, Thurmond - sagen wir, Sie schaffen es, mein Haus zu verlassen, ohne vorher einen Schlaganfall zu erleiden, den bei Ihrem fortgeschrittenen Alter wohl niemand in Zweifel zöge -, wer würde Ihnen eine solch lächerliche Geschichte abkaufen? Und wem, glauben Sie, ist der Magistrat mehr verpflichtet, Sir? Der East India Company, die einen Magistraten dafür belohnt, dass er Seidenweber ins Arbeitshaus steckt, oder Ihnen, dem ein Magistrat zu keinerlei Treu verpflichtet ist? Sie können es sich wohl denken.«

Ellershaw erhob sich und ging auf seinen Gast zu, der ganz blass geworden war und am ganzen Leibe zitterte. Seine Augen schossen ängstlich hin und her, und seine Lippen bewegten sich, als murmele er ein Gebet - obwohl ich nicht glaubte, dass er irgendetwas Bestimmtes zum Ausdruck bringen wollte.

»Ich habe Ihnen nicht erlaubt aufzustehen.« Mit diesen Worten versetzte er dem alten Mann einen heftigen Stoß gegen die Brust.

»Sir!«, entsetzte sich Forester.

Thurmond fiel rücklings in seinen Sessel und stieß sich dabei den Kopf an der hölzernen Lehne. Ich wechselte meinen Standort, um sein Gesicht besser sehen zu können. Seine Augen waren rot und feucht geworden. Seine Lippen zitterten weiterhin, aber er war noch Herr seiner klaren Gedanken. »Fühlen Sie sich zu nichts verpflichtet«, sagte er zu Forester. »Wir werden diese Demütigung gleich hinter uns haben.«

Auch Ellershaw setzte sich wieder in seinen Sessel und sah Thurmond unverwandt an. »Nun wollen wir mal klarstellen, woran wir sind. In dieser Parlamentsperiode wird das Gesetz von 1721 rückgängig gemacht. Sie werden die entsprechende Vorlage unterstützen. Wenn Sie sich für die Aufhebung des Gesetzes aussprechen, wenn Sie ein Fürsprecher der Handelsfreiheit werden, ist der Sieg unser.«

»Und wenn ich mich weigere?«, stieß Thurmond hervor.

»Es lebt ein gewisser Mann in diesem Land, Sir, ein Mr. Nathan Tanner. Möglicherweise ist Ihnen der Name schon mal zu Ohren gekommen. Man hat mir versichert, dass er auf Ihren Platz nachrücken wird, falls Ihnen etwas zustößt, Sir, und ich kann Ihnen versprechen, dass er in allen Dingen Partei für die East India Company ergreifen wird, auch wenn so mancher dies nicht glauben möchte. Ich will gar nicht verhehlen, dass wir es viel lieber sehen würden, wenn Sie für uns sprechen, Sir, aber wenn es sein muss, nehmen wir auch mit Tanner vorlieb.«

»Aber das kann ich nicht«, setzte Thurmond sich zur Wehr. Speichel flog ihm aus dem Mund, als er die Worte ausspie. »Ich habe mein ganzes Leben, meine gesamte berufliche Laufbahn in den Dienst der hiesigen Wollindustrie gestellt. Ich würde mich zum Gespött machen. Es wäre das Ende für mich.«

»Niemand wird ihm einen solchen Gesinnungswandel abnehmen«, wandte auch Forester ein.

Ellershaw ignorierte den jüngeren Mann. »Deswegen brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen, und schon gar nicht darüber, was die Leute denken. Wenn Sie der East India Company dienlich sind, wird sich auch die East India Company Ihnen gegenüber als großzügig erweisen. Wenn Sie geneigt sein sollten, weiterhin im Unterhaus zu sitzen, werden wir dort einen Platz für Sie finden. Falls Sie aber lieber auf eine andere Weise dem Volke dienen möchten - und wer könnte Ihnen das verübeln nach all den Jahren in der Politik -, wird sich in un-serem Unternehmen ein lukrativer Posten finden lassen. Wenn Sie sich als loyal erweisen, vielleicht sogar für Ihren Sohn, Ja, es ist mir nicht entgangen, dass der junge Mr. Thurmond Schwierigkeiten damit hat, seinen Platz im Leben zu finden. Es würde ihm sicher gefallen, eines Tages den Ruheposten seines Vaters in der East India Company zu übernehmen. Das müsste seinen Vater doch mit Erleichterung erfüllen.«