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»Ich kann es nicht glauben, was ich da höre«, sagte Thur-mond. »Ich kann es nicht glauben, dass Sie so tief sinken, mich mit Gewalt und Drohungen zu etwas zu zwingen.«

»Ich bewundere Ihren Eifer, Sir, aber das geht doch wohl etwas zu weit«, wollte Forester sich einmischen.

»Halten Sie Ihren Mund, Forester, oder Sie finden sich gleich selber in diesem unbequemen Stuhl wieder. Ich bezweifle, dass Mr. Weaver bei Ihnen auch nur ein Zehntel der Skrupel wie bei Thurmond haben wird.«

Ich war froh, dass niemand mich ansah oder dazu eine Äußerung von mir erwartete.

»Glauben Sie, was Sie wollen«, fuhr Ellershaw fort. »Ich beliebe nicht zu scherzen. Und Sie müssen begreifen, dass es einen profunden moralischen Unterschied zwischen dem Gebrauch von Gewalt zum Zwecke der Befreiung und dem Gebrauch von Gewalt zum Zwecke der Eroberung gibt. Ich wende nun Gewalt gegen Sie an, um den britischen Handel zu befreien, damit er nicht für alle Zeiten ein Sklave der Tyrannei kleingeistiger Gesetzgebung bleibt.«

»Sie müssen vollkommen verrückt sein, mich so benutzen zu wollen«, brachte Thurmond hervor.

Ellershaw schüttelte den Kopf. »Nicht verrückt. Das dürfen Sie nicht denken. Ich habe lediglich unter der Sonne Indiens meine Methoden verfeinert. Ich habe von den Führern Südostasiens viel gelernt - dass man in ganz unterschiedlichen Situationen auf unterschiedliche Weise einen entscheidenden Sieg davontragen kann. Ich gebe mich nicht mit dem Versuch zufrieden, Sie, Sir, zu beeinflussen, um dann auf einen günstigen Ausgang zu hoffen. Ich habe Ihnen meinen Standpunkt dargelegt, und Sie begreifen mein Vorhaben und meinen festen Willen, das Notwendige zu tun. Nun ist es an Ihnen, Ihren Teil beizutragen. Lassen Sie sich gesagt sein, dass die East In-dia Company mancherlei Ohren im Parlament hat. Wenn ich nicht bald erfahre, dass Sie beginnen, mit Aussicht auf Erfolg über eine Aufhebung des Gesetzes zu debattieren, wird Mr. Weaver Ihnen einen Besuch abstatten, bei dem er nichts von der Zurückhaltung an den Tag legen wird, die er heute Abend gezeigt hat.«

Nun schüttelte Thurmond den Kopf. »Ich lasse mich von Ihnen nicht einschüchtern.«

»Ihnen bleibt keine andere Wahl.« Ellershaw erhob sich aus seinem Sessel und ging zum Kamin, aus dem er ein rotglühendes Schüreisen nahm. »Sind Sie mit den näheren Umständen des Todes von Edward dem Zweiten vertraut?«

Thurmond starrte ihn an, brachte aber kein Wort hervor.

»Ein glühendes Eisen ist ihm durch den Anus in die Eingeweide eingedrungen. Aber natürlich wissen Sie das. Jeder weiß es. Aber wissen Sie auch, warum man gerade diese Methode gewählt hat? Alle Welt meint, es wäre eine passende Bestrafung für seine sodomitischen Neigungen, die sich die Geistesführer seiner Zeit da ersonnen hatten, und ich zweifele nicht daran, dass seinen Mördern die Anspielung auf den Tod durch Analverkehr durchaus bewusst gewesen ist. Aber in Wahrheit hat man ihm diese Todesart zugedacht, damit keine

Spuren an seinem Körper zurückbleiben. Wenn das Schüreisen schmal genug ist und mit der notwendigen Sorgfalt eingeführt wird, bleibt die Todesursache ein Rätsel. Nun wissen Sie so gut wie ich, dass der Tod eines Königs eine hochnotpeinliche Untersuchung nach sich zieht, aber glauben Sie, dass man sich bei einem Wurm wie Ihnen dieser Mühe unterziehen wird?«

Jetzt erhob sich auch Forester. »Sir, ich kann das nicht länger ertragen.«

Ellershaw zuckte nur die Achseln. »Es steht Ihnen frei zu gehen.«

Forester sah Thurmond an, dann wieder Ellershaw. Mich würdigte er keines Blickes. Mit gesenktem Haupte, ganz in der Manier eines Feiglings, folgte er Ellershaws Aufforderung und verließ den Raum.

Ellershaw legte das Schüreisen zurück in den Kamin und trat an den Tisch. Er schenkte Mr. Thurmond ein Glas Wein ein und dann eines für sich selber. Nachdem er wieder Platz genommen hatte, hob er sein Glas. »Auf unsere neue Partnerschaft, Sir.«

Thurmond rührte sich nicht.

»Es wäre vernünftig, mit mir anzustoßen«, sagte Ellershaw.

Vielleicht lag es an der freundschaftlichen, wenn auch höchst grotesken Geste, aber irgendwas hatte sich plötzlich verändert. Thurmond griff nach seinem Glas, brachte aber keinen Toast aus, sondern führte es sich an die Lippen und trank gierig.

Ich muss sagen, dass mich dieses Zeichen von Kleinmut zutiefst enttäuschte. Gut, er war ein alter Mann, der um sein Leben fürchtete, aber ich hätte mir doch sehr gewünscht, dass er den Mut aufgebracht hätte, Ellershaw die Stirn zu bieten, es auf einen Zweikampf mit ihm ankommen zu lassen. Ich würde mich jedenfalls geweigert haben, Thurmond auch nur ein Haar zu krümmen, und das hätte vielleicht den unversöhnlichen Bruch zwischen Ellershaw und mir herbeigeführt.

»Nun«, sagte Ellershaw nach einem Moment ungemütlichen Schweigens, »ich glaube, wir haben alles besprochen. Sie hatten vorhin etwas davon geäußert, dass Sie gerne gehen möchten. Nur zu, ich hindere Sie nicht.«

Auf dieses ersehnte Stichwort hin kehrte ich zu meinem Platz zurück. Irgendwie gelang es mir, das Zittern meines Armes zu unterdrücken, während ich eilig mein Glas leerte.

Thurmond erhob sich mit Mühe, stand aber dann bemerkenswert sicher auf den Beinen. Von einem Mann in seinem Alter hätte ich nach einem solchen Schock erwartet, dass er am ganzen Leibe bebte, aber er schien nur ein wenig verstört. Er legte die Hand auf den Türknauf und drehte sich noch einmal nach Ellershaw um, der ihn mit einer lapidaren Geste entließ. Und dann war Thurmond fort.

Ich sah Ellershaw an und hoffte - ja, auf was eigentlich? Ein Anzeichen von Beschämung, schätze ich. Stattdessen wurde ich mit einem Lächeln bedacht. »Ich finde, das ist ganz gut gelaufen.«

Ich schwieg und versuchte, möglichst teilnahmslos dreinzu-blicken.

»Sie verurteilen mein Handeln, nicht wahr, Weaver? Sie, ein Mann der Tat? Ein Held im hitzigen Zweikampf?«

»Ich bezweifle, ob Sie mit den Drohungen, die Sie ausgesprochen haben, wirklich das erreichen werden, was Sie beabsichtigen«, bemerkte ich.

»Ob ich erreiche, was ich beabsichtige?«, wiederholte er spöttisch. »Sie sind der Prügel, den ich schwinge, Sir, und nicht mein Herr und Meister, dem ich Rede und Antwort stehen muss. Die Versammlung der Anteilseigner steht mir bald bevor, und meine Feinde werden versuchen, mich zu vernichten. Sie führen etwas im Schilde, das weiß ich, und wenn ich nicht eine Änderung im Lauf der Dinge herbeiführe, sind meine Tage im Craven House gezählt. Was ist dagegen das Rektum eines alten Mannes?«

Ich zog es vor, diese Frage als rein rhetorisch zu betrachten.

Mit einem kurzen Kopfnicken sagte er mir, dass er mein Schweigen als Zustimmung aufnahm. »Nun ab mit Ihnen. Ich nehme an, Sie finden selber hinaus. Aber benutzen Sie die Hintertür, Weaver. Ich glaube, meine Gäste hatten für heute Abend genug von Ihnen.«

13

Verständlicherweise brauchte Thurmond ein wenig Zeit, um sich so weit zu sammeln, dass er seiner Frau unter die Augen treten konnte. Ich stellte mir vor, dass er sich in irgendeine dunkle Ecke zurückziehen würde, bis sein Zittern sich gelegt hatte und er mit gespielter Munterkeit verkünden konnte, man wolle nun aufbrechen. Ich indessen war angewiesen worden, den Vordereingang zu meiden und mich zur Hintertür hinaus-zustehlen. Aber wohin?