»Ach, wie können Sie das denn ermessen«, sagte sie. »Niemand, der nicht mit ihm verheiratet gewesen ist, kann ermessen, was es bedeutet, ihn zu verlieren, meinen Absalom - er war der beste aller Männer, das kann ich Ihnen sagen, meine Herren. Sind Sie deswegen gekommen? Um zu erfahren, dass er der beste aller Männer war? Dann kennen Sie die Antwort bereits - er war es.«
»Nun, wir sind tatsächlich zum Teil hier, um etwas über die Qualitäten Ihres Mannes in Erfahrung zu bringen«, sagte Elias. »In Gänze ist uns dies sicherlich nicht möglich.«
Schlau eingefädelt, dachte ich bei mir. Indem er die Vorzüge ihres Mannes betonte und gleichzeitig andeutete, dass wir in seine Lobpreisung mit einzustimmen trachteten, hatte Elias uns Tür und Tor weit aufgestoßen.
»Aber nehmen Sie doch Platz, Gentlemen«, sagte Mrs. Pep-per mit einer Geste auf ihr wohnlich eingerichtetes Zimmer. Die Möbel waren zwar nicht neu, aber elegant und gepflegt.
Nachdem wir uns gesetzt hatten, hieß sie das Dienstmädchen, uns Erfrischungen zu reichen, wobei es sich zu Elias Freude um einen süffigen Wein handelte.
Ich nahm nur einen kleinen Schluck. Ich hatte bereits etwas getrunken und wollte einen klaren Kopf behalten. »Madam, was können Sie uns über Ihren verstorbenen Ehemann, über Ihr gemeinsames Leben erzählen?«
»Mein Absalom«, begann sie verträumt. Sie stellte ihr Glas ab, damit nichts verschüttet wurde, während sie einen tiefen Seufzer ausstieß. Sie müssen wissen, dass mein Vater gegen unsere Heirat eingestellt war. Er konnte nicht das in ihm sehen, was ich in ihm sah.«
»Und was haben Sie in ihm gesehen?« Elias ließ für einen kurzen Moment von seinem Wein ab.
»Seine Anmut. Meine Mutter, die konnte mich schon verstehen, aber auch sie war gegen unsere Ehe, weil sie auf seine Schönheit eifersüchtig war. Absalom war der schönste Mann, den es je gegeben hat, und gutherzig war er auch. Mein Vater meinte, er hätte mich nur wegen meiner Mitgift zur Frau haben wollen, und es stimmt auch, dass diese nicht lange vorgehalten hat, aber nur, weil Absalom große Träume hatte.«
»Was für Träume waren das?«, fragte ich.
Sie sah mich gleichzeitig wohlwollend, aber auch ein wenig mitleidig an - so, wie ein Geistlicher einen Simpel anschauen würde, der von ihm wissen wollte, was es denn mit Gott auf sich hätte. »Er wollte uns reich machen«, sagte sie.
»Und wie?«
»Wie? Mit seinem Verstand. Er dachte ständig über irgendetwas nach, war ständig mit seinen Aufzeichnungen beschäftigt. Und er muss auch ein paar wichtige Gedanken gehabt haben, denn dafür hat man mir schließlich meine Apanage ausgesetzt.
Selbst mein Vater wäre davon beeindruckt, wenn er mir erlaubte, ihm davon zu erzählen, aber seit Absalom all unser Vermögen durch die Finger geronnen ist, hat er sich geweigert, auch nur ein Wort mit mir zu wechseln. Es hieß dann immer nur, er habe es ja gleich gewusst und hätte mich gewarnt, aber ich bin mir sicher, dass Absalom auf dem richtigen Wege war und nun vergebungsvoll vom Himmel auf mich herabblickt.«
»Übrigens«, meldete sich Elias zu Wort, »ist es zum Teil auch wegen dieser Apanage, weswegen wir Sie aufgesucht haben.«
Das Lächeln verschwand aus ihrem Gesicht. »Nun weiß ich, worum es geht. Aber ich muss den Gentlemen mitteilen, dass es mir an Bewerbern nicht fehlt, ich jedoch keinem von ihnen zugetan bin. Eine Witwe mit einer Apanage ist wie eine unbeaufsichtigte Süßspeise für die Fliegen, wenn Sie mir vergeben, dass ich es so direkt ausdrücke, aber ich bin keine Rose, die man so einfach pflücken kann. Ich war mit Absalom Pepper verheiratet und könnte den Gedanken nicht ertragen, einen anderen Mann zu ehelichen. Ich weiß, wie die Herren denken. Sie meinen, eine an eine Witwe ausbezahlte Apanage wäre vergeudetes Geld. Mir aber ist sie ein ewiges Sinnbild für Absa-loms Leben und seine Seele, und ich kann es nicht beflecken, indem ich meine Hand einem anderen gebe.«
»Sie haben uns ganz und gar missverstanden«, beeilte ich mich sie zu beschwichtigen. »Zwar kann ich es keinem Mann verdenken, wenn er um Ihre Hand anhält, sei es nun mit oder ohne Apanage, doch das ist nicht der Grund unseres Kommens. Vielmehr würden wir gerne wissen, wie Sie in den Genuss dieser Rente gelangt sind, Madam.«
Der Glorienschein der Selbstgefälligkeit, die Ausstrahlung derjenigen, die den Saum eines Heiligen berührt hat, war augenblicklich verflogen. »Wollen Sie etwa sagen, dass es damit Schwierigkeiten gibt? Mir ist versichert worden, dass mir diese Apanage mein Leben lang ausbezahlt wird. Es ist nicht recht, wenn sich daran jetzt etwas ändern soll, Sir. Nein, es wäre nicht recht, und lassen Sie sich gesagt sein, dass einer meiner Bewerber ein Gelehrter der Rechte ist, und obwohl er niemals meine Gunst erlangen wird, weiß ich doch, dass er keine Mühe scheuen dürfte, mir mit seinen Diensten zu Hilfe zu eilen. Er wird dafür sorgen, dass ich kein solches Unrecht erdulden muss.«
»Ich bitte Sie um Entschuldigung«, unterbrach Elias sie, »dass wir Ihnen Anlass zur Sorge gegeben haben. Mein Freund hat nichts dergleichen gemeint. Wir haben keinerlei Verfügungsgewalt über Ihre Apanage und wollen Ihnen keineswegs schaden. Wir möchten lediglich erfahren, auf Grund wessen man Ihnen diese Apanage ausgesetzt hat. Warum bekommen Sie das Geld?«
»Warum?« Sie ereiferte sich zusehends mehr. »Warum nicht? Ist das nicht so bei den Seidenwebern?«
»Den Seidenwebern?«, entfuhr es mir, obwohl ich wusste, dass ich besser meine Zunge hüten sollte. »Was hat das mit den Seidenwebern zu tun?«
»Wieso sollte es nicht mit ihnen zu tun haben?«, erwiderte Mrs. Pepper spitz.
»Madam«, sagte Elias, »wir hatten den Eindruck, dass die Apanage von der East India Company stammt.«
Sie starrte mich an, als hätte ich sie auf die schlimmste nur denkbare Weise beleidigt. »Wieso sollte die East India Company mir eine Apanage ausbezahlen? Was sollte Mr. Pepper mit diesen Leuten zu tun gehabt haben?«
Mir lag es auf der Zunge, ihr zu sagen, dass wir gehofft hätten, gerade dies von ihr zu erfahren, und ich glaube, dass auch Elias dieser Gedanke gekommen war, aber auch er unterließ es, ihn auszusprechen. Was konnten wir gewinnen, indem wir eine so einfach zu beantwortende Frage stellten?
»Madame, wir reden offensichtlich aneinander vorbei«, sagte Elias. »Würden Sie uns sagen, wo die Apanage herkommt?«
»Das habe ich doch soeben erklärt. Von der Gilde der Seidenweber. Nach Mr. Peppers Tod hat mich ein Mann aufge-sucht und mir gesagt, Absalom wäre eines ihrer Mitglieder gewesen, und ich als seine Witwe wäre berechtigt, seine Apanage zu kassieren. Sie müssen mir schwören, dass Sie sie mir nicht wegnehmen wollen.«
»Erlauben Sie mir, dass ich erkläre«, sagte ich. »Sehen Sie, Madam, wir repräsentieren die Seahawk-Versicherung, und es hat bei der Bearbeitung eines der Ansprüche in Zusammenhang mit der East India Company einen Fehler durch einen unserer Angestellten gegeben. Ich werde mein ganzes Bemühen daransetzen, dafür zu sorgen, dass niemandem ein Verlust entsteht, verstehen Sie. Es geht lediglich darum, die Buchführung in Ordnung zu bringen. Wir waren davon ausgegangen, dass die East India Company diese Apanage an Sie auszahlt, aber unsere Unterlagen mögen in dieser Hinsicht noch mehr Irrtümer enthalten. Lassen Sie mich Ihnen versichern, dass nichts Ihren Apanagenanspruch gefährden kann. Sie können uns nur helfen, die Verwaltung desselben besser zu organisieren.«
Dies schien sie einigermaßen zu beruhigen. Sie nahm ein Medaillon von ihrer Brust und betrachtete das Bild darin, zweifellos eines ihres verstorbenen Mannes. Nachdem sie dem Bild ein paar Worte zugeflüstert und es liebevoll mit dem Finger berührt hatte, steckte sie es wieder weg und wandte sich uns zu. »Nun gut, dann will ich es gerne versuchen.«
Ich bedankte mich für das Entgegenkommen. »Wenn ich also recht verstehe, sagen Sie, dass die Apanage einen Teil der Bezüge darstellt, die Mitgliedern der Gilde der Seidenweber zustehen?«