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Sie empfing mich zwar, doch weniger zuvorkommend als beim ersten Mal. Nun begann sie vielleicht doch um die Fortdauer ihrer Apanagenzahlung zu fürchten.

»Auch diesmal habe ich nicht den Wunsch, Ihnen Ungemach zu bereiten, Madam«, begann ich unsere Unterredung. »aber es sind noch Fragen offen. Die Gentlemen von der Seahawk-Versicherung lassen Ihnen ausrichten, dass mit Ihrer Pension allergrößter Wahrscheinlichkeit nach alles seine Ordnung hat. Wir können Sie nicht zwingen, unsere Fragen zu beantworten, aber ich denke, Ihr Ruhegehalt ist noch besser abgesichert, wenn Sie uns entgegenkommen.«

Diese Worte lösten genau die Bestürzung aus, die ich damit beabsichtigt hatte, denn sie erklärte sogleich, sie wolle alles in ihrer Macht Stehende tun, um mir weiterzuhelfen.

»Sie sind sehr freundlich. Ihnen ist sicher bewusst, dass eine Summe von einhundertzwanzig Pfund per Jahr eine ungewöhnlich hohe Pension für einen Mann von dem Einkommen Ihres verstorbenen Gatten darstellt. Haben Sie eine Vorstellung, warum Sie von der Gilde der Seidenweber so großzügig bedacht worden sind?«

»Aber das haben Sie mich doch alles schon gefragt. Ich schätze es nicht, wenn Sie so in meiner dankbaren Erinnerung an meinen Mann herumstochern.«

»In der Tat, das habe ich Sie bereits gefragt«, gab ich zu, »doch ich muss es leider noch einmal tun, da ich bisher keine befriedigende Antwort erhalten habe. Und was das Andenken an Ihren Mann betrifft, werden Sie gewiss gestatten, dass ich darauf hinweise, dass wir dieses Andenken viel besser ehren können, wenn wir herausbekommen, wie sehr sein kluger Kopf uns hätte nützlich sein können.«

Es war mein eigener kluger Kopf, zu dem ich mich nun beglückwünschen konnte, denn meine Worte verfehlten keineswegs ihre Wirkung auf die liebende Witwe. Sie erschien mir zwar immer noch skeptisch, aber ich merkte, dass sie keine Gelegenheit verpassen wollte, ihren heiligen Mr. Pepper zu lobpreisen.

»Ich weiß nicht viel davon, nur, dass er immer mit seinen Büchern beschäftigt war. Er las viel, machte sich alle möglichen Notizen und fertigte Skizzen an.«

Ich fand es sehr ungewöhnlich, dass ein Seidenweber Bücher - und dann gleich noch mehrere - besaß, denn Bücher kosten eine Menge Geld, wovon ein Seidenweber nur wenig zu besitzen pflegt. Allerdings hatte ich bereits genug über Mr. Pepper erfahren, um zu wissen, dass er in beinahe jeder Hinsicht eine Ausnahme darstellte. Und es war ihm dabei bestimmt nicht nur um die Anhäufung von Wissen gegangen. Vielmehr dürfte er gehofft haben, mit seiner Lektüre die Investition an Zeit und Geld auf irgendeine Weise wieder hereinholen zu können. »Wie hat er sich diese Bücher denn leisten können?«, fragte ich.

»Wir haben ihretwegen auf nichts verzichten müssen«, versicherte sie mir. »Es war ihm sehr wichtig, vieles in Erfahrung zu bringen, aber er hätte es nie zugelassen, dass meine Wünsche oder Bedürfnisse deswegen in den Hintergrund hätten treten müssen.«

»Und wissen Sie, was das für Skizzen waren?«

»Darüber hat er mit mir nie gesprochen. Er sagte, er wolle seine Frau nicht mit den Ergüssen seines Geistes behelligen.«

»Also hat Ihr Gatte Ihnen gegenüber nie seine Interessen erwähnt?«

Sie schüttelte den Kopf.

»Sie sagten, er hätte sich Notizen gemacht. Darf ich die einmal sehen?«

Wiederum ein Kopfschütteln. »Als der Mann von der Gilde hier war, sagte er, diese Unterlagen wären von größtem Wert für seine Zunft und erbot sich, mir alles für weitere zehn Pfund abzukaufen. Für mich waren die Sachen ohnehin nicht von Nutzen, und ich hätte in jedem Fall versucht, sie zu verkaufen. Ich weiß nicht, ob zehn Pfund ein angemessener Preis gewesen sind, aber ich sagte mir, dass die Gilde meines Mannes sehr großzügig mit mir verführe und es unhöflich wäre, Ihnen diesen Wunsch abzuschlagen.«

»Also hat man alles mitgenommen?«

»Das habe ich doch eben gesagt.« Ihre Stimme klang leicht gereizt.

Ich hielt es für angebracht, ein wenig von dem Thema abzulenken - wenn auch nur geringfügig. »Sagen Sie mir eines, Mrs. Pepper. Ich habe zwar verstanden, dass sich Ihr Gatte nie über seine Studien mit Ihnen unterhalten hat, aber es ist doch ungewöhnlich, wenn in einem ehelichen Zusammenleben nicht doch etwas durchsickert - so wie der Geruch von Suppe auch die angrenzenden Räume erfüllt.«

Sie nickte. Ich wartete auf eine Antwort, aber sie ging auf meine gezielte Frage nicht ein. Stattdessen verbreitete sie sich darüber, dass sie es nicht schätze, wenn Gerüche aus der Küche sich im ganzen Haus verbreiteten.

»Ist es nicht möglich«, hakte ich noch einmal nach, »dass Sie zufällig mitgehört haben, wie Mr. Pepper Freunden oder Gästen gegenüber etwas über seine Studien geäußert hat. Ich kann gar nicht genug betonen, wie wichtig es für uns ist, an seinen Erkenntnissen teilzuhaben. Damit hätten sich«, fügte ich augenzwinkernd hinzu, »höchstwahrscheinlich sämtliche Fragen die Pension betreffend erledigt.«

»Warum müssen immer Fragen gestellt werden?« Ihr Stimme klang einige Oktaven höher als sonst.

»Es ist mein ehrlichstes Bestreben, diese Fragen als erledigt zu betrachten und die mit Ihnen getroffene Vereinbarung so, wie sie ist, bestehen zu lassen. Wollen Sie mir dabei nicht helfen?«

Es war mehr als deutlich, dass sie das wollte. »Er hat nie viel mit mir über seine Forschungen, wie er sie nannte, gesprochen, aber er hatte einen ganz besonderen Freund, mit dem er diese Dinge zu diskutieren pflegte. Ich habe diesen Gentleman nie kennengelernt, denn Mr.Pepper hat ihn nie zu uns nach Hause eingeladen, aber er sprach stets in den höchsten Tönen von ihm als jemandem, der seine Forschungen zu schätzen wüsste und ihn dabei unterstützen könnte. Er hat sich regelmäßig mit ihm getroffen, und dann haben die beiden lange über ihren Büchern zusammengesessen, um daraus zu erfahren, was sie zu erfahren hofften.«

»Aber den Namen dieses Gentlemen kennen Sie doch?«

»Nein, nicht den vollständigen Namen. Mein Mann hat von ihm immer als Mr. Teaser gesprochen.«

Ich musste mich sehr zusammennehmen, um ein grimmiges Lächeln zu unterdrücken. Mr. Teaser hörte sich so sehr nach einem Namen aus einer Komödie an, dass ich schnell argwöhnte, es handele sich bei ihm nicht um einen Mann, sondern um eine Frau, und dass Mr. Pepper bei seinen Zusammenkünften mit diesem ganz besonderen Freund wenig mit geistigen Studien im Sinn hatte. Trotzdem musste ich zunächst darauf eingehen.

»Was können Sie mir noch über diesen Mr. Teaser sagen?«

»Nur sehr wenig, fürchte ich. Er hat auch nicht sehr oft über ihn gesprochen, und wenn, dann mit einer sonderbaren Mischung aus Zufriedenheit und so etwas wie Geringschätzigkeit. Er pries Mr. Teasers Scharfsinn, amüsierte sich aber gleichzeitig über ihn, weil er so schlicht wäre wie ein Kind und dass er, mein verstorbener Ehemann, mit dem armen Kerl machen könne, was er wolle.«

»Und Sie wissen wohl nicht zufällig, wo diese Treffen stattgefunden haben?«

»Ah, da kann ich Ihnen helfen. Einmal habe ich zufällig gehört, wie Mr. Pepper sich mit einem Freund über ein bevorstehendes Treffen unterhielt. Er sprach dabei davon, dass es in einem Haus in der Field Lane stattfinden sollte, das neben einem Haus lag, dessen Name irgendwas mit Trauben war. Ich weiß nicht, ob es sich dabei um ein privates oder ein Wirtshaus handelte, aber ich erinnere mich noch genau an seine Wegbeschreibung.«

»Sind Sie je selber dort hingegangen?«