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Aber das gab mir Gelegenheit, mich mit der Eheschließung zu beschäftigen, hinter die ich gekommen war. Die Eintragung nannte auch den Wohnort des glücklichen Paares, und obwohl ich kaum damit rechnete, dass die Angaben der Wahrheit entsprachen, fand ich mich doch angenehm überrascht: Ich hatte ohne viele Umstände und ohne hochnotpeinliche Befragung die Tochter entdeckt, die Mrs. Ellershaw so sehr zu verbergen suchte.

Es beruhigte mich, dass jene Tochter im Gegensatz zu der zweiten Witwe Absalom Peppers in durchaus respektablen Räumen am Durham Yard lebte, wenn auch gewiss weit unter der Pracht, mit der ihre Mutter und ihr Stiefvater sich umgaben. Dennoch verfügte sie über äußerst elegantes Mobiliar, mit Tischen, Schränken und Kommoden aus edlem Holz, weich gepolsterten Stühlen und einem dem Zeitgeschmack entsprechenden Orientteppich. Auch sie und ihre Magd waren mit ihren weiten Reifröcken modisch gekleidet, und zumindest die Dame des Hauses ließ es nicht an seidenen Stickereien und einer mit Bändern geschmückten Haube fehlen.

Jene Dame empfing mich im Wohnzimmer und ließ uns durch ihr Dienstmädchen Wein bringen, das sich danach artig in eine Ecke setzte, wo sie sich brav mit einer Näharbeit beschäftigte.

»Es tut mir sehr leid, Sie zu stören, Madam, aber ich muss Ihnen ein paar Fragen über Ihren verstorbenen Ehegatten stellen.«

Ellershaws Stieftochter, von der ich von nun an als Mrs. Pep-per reden muss, obwohl es mittlerweile bereits eine kleine Armee von Frauen dieses Namens gab, schien die Erwähnung ihres toten Mannes schwer zuzusetzen. »Ach, Mr. Pepper. Er war der liebste und beste aller Männer, Sir. Der Allerbeste.«

Es war kaum zu glauben, dass drei so unterschiedliche Frauen allesamt mit den fast gleichen Worten von ein und demselben Mann schwärmten. »Verzeihen Sie, Madam, aber hat der Dahingeschiedene je in diesen Worten von sich selber gesprochen?«

Sie errötete, und ich wusste, dass ich den Nagel auf den Kopf getroffen hatte. Es vermochte allerdings auch kaum zu überraschen, dass ein Mann, der so große Stücke auf sich hielt, dass er mit (mindestens) drei Frauen gleichzeitig verheiratet war, nicht auch eine gehörige Portion Eitelkeit besaß. »Mein verstorbener Mann«, sagte sie, »war ein höchst bemerkenswerter Mensch, und das nicht nur zum Teil deswegen, weil er sich seiner Überlegenheit durchaus bewusst war.«

Ich machte eine Verbeugung auf meinem Stuhl, denn solche Sophisterei rang mir Anerkennung ab. »Es muss ein Segen für ihn gewesen sein, eine so ergebene Frau gehabt zu haben.«

»Ich wünschte, dass es so gewesen ist. Aber verraten Sie mir doch, Sir, wie ich Ihnen behilflich sein kann und warum Sie sich für meinem verstorbenen Gatten interessieren.«

Ja, warum eigentlich? Mir ging auf, dass ich dieser Frage mehr Beachtung hätte schenken sollen, aber ich hatte mich so daran gewöhnt, Peppers Witwen zu befragen, dass ich mich nicht auf die Besonderheiten dieses Besuches vorbereitet hatte. Ich hatte keine Ahnung, als was sich Pepper dieser Dame gegenüber ausgegeben hatte, also konnte ich diesen Kurs nicht steuern, noch konnte ich die Sache aus dem Blickwinkel meiner Position im Craven House angehen, denn die Erwähnung einer Verbindung zwischen mir und Ellershaw hätte das Schiff sofort auf Grund gesetzt. Die beiden ersten Witwen waren, zumindest in meiner Einschätzung, unbedarft genug, dass ich mein Trugbild mit breiten Pinselstrichen malen konnte - vorausgesetzt, es war in sich überzeugend. Aber in den Augen dieser Lady erkannte ich zumindest ein gewisses Maß an Gewitztheit.

Ich beschloss daher, einen Kurs zu wählen, der sich so nahe an die Wahrheit hielt, wie es unter den gegebenen Umständen möglich war. »Madam, ich bin so etwas wie ein privater Ermittler«, begann ich, »und führe derzeit eine Untersuchung betreffs des zu frühen Todes von Mr. Pepper durch. Manche halten sein Ertrinken nicht für einen bedauerlichen Unfall, sondern für einen Akt unaussprechlicher Bösartigkeit.«

Die Lady japste laut auf und rief dann dem Mädchen zu, sie solle ihr einen Fächer bringen. Sogleich hielt sie einen wunderschön golden und schwarz lackierten, orientalisch wirkenden Fächer in der Hand, mit dem sie sich heftig Luft zuwedelte. »Davon will ich nichts hören«, entfuhr es ihr mit dringlicher Stakkatostimme. »Ich kann mich damit abfinden, dass es ein Akt der Vorsehung gewesen ist, der mir meinen Absalom schon mit so jungen Jahren genommen hat, aber nicht damit, dass es die Tat eines Menschen gewesen sein soll. Wer hätte ihn so hassen können?«

»Das ist es ja gerade, was ich zu erfahren suche, Mrs. Pep-per. An der Theorie mag mehr dran sein, als es auf den ersten Blick den Anschein hat, aber wenn wirklich jemand Ihrem Gatten etwas angetan hat, dann sollten Sie doch davon erfahren wollen?«

Sie antwortete nicht, hörte aber damit auf, sich hektisch vor dem Gesicht herumzuwedeln, und legte den Fächer auf die Tischplatte. Dann nahm sie von dort meine Karte und besah sie sich noch einmal. »Sie sind also Benjamin Weaver«, sagte sie. »Ich glaube, ich habe schon von Ihnen gehört.«

Ein weiteres Mal verbeugte ich mich auf meinem Stuhl. »Ich hatte das Glück, von der Öffentlichkeit nicht unbemerkt zu bleiben, wenn auch leider nicht immer auf schmeichelhafte Weise, doch schlussendlich kann ich mich rühmen, von der Presse stets wohlwollende Behandlung erfahren zu haben.«

Sie bewegte die Kinnladen, als kaue sie meine Worte durch. »Ich habe mich wenig um solche Dinge gekümmert, Sir, aber ich kann mir vorstellen, dass ein Mann von Ihren Fähigkeiten nicht billig zu haben ist. Wer hat Sie denn nun mit Ihren Ermittlungen beauftragt?«

Ich merkte, dass ich recht daran tat, mich vor ihrer Schläue zu hüten. »Ich diene sowohl den Reichen wie den Armen. Ich bin nicht abgeneigt, mein Brot zu verdienen, aber ich scheue auch nicht davor zurück, begangenes Unrecht an den Armen wiedergutzumachen.«

Meine vollmundigen Worte ließen sie unberührt. »Und wem dienen Sie in diesem Falle?«

Es war Zeit zu überprüfen, ob mein Plan standhielt. Entweder würde ich auf dem Schlachtfeld fallen oder den Sieg heimtragen. »Es gehört zu meinen Gepflogenheiten, solche Dinge mit Diskretion zu behandeln, doch da es sich bei dem Bewussten um Ihren geliebten Gatten handelt, wäre es unverzeihlich, auf Prinzipien zu beharren. Ich bin von einem Gentleman im Seidengewerbe beauftragt, der glaubt, Mr. Pepper wäre in bösartiger Absicht niedergestreckt worden.«

»Im Seidengewerbe?«, wiederholte sie. »Was könnte so jemanden das Schicksal meines Mannes interessieren?«

»Mrs. Pepper, verzeihen Sie mir die indiskrete Frage, aber womit hat Ihr Gatte Ihren Lebensunterhalt bestritten?«

Sie wurde wieder rot. »Mr. Pepper war ein Gentleman«, sagte sie mit Nachdruck. »Er hatte es nicht nötig ...«

Doch dann besann sie sich eines Besseren. »Er sollte das Erbe seines Vaters antreten«, sagte sie, »aber leider hat eine Bande gieriger Anwälte sich verbündet, um das Erbe in einen Goldtopf für sich selber umzuwandeln, aus dem ein jeder sich bedienen konnte.« Sie fächerte sich wieder heftig Luft zu. »Die Gerichtskosten haben meine ganze Mitgift verschlungen, aber sein Recht hat Absalom doch nicht bekommen, und seit seinem Tod besitzt man die Dreistigkeit, einfach so zu tun, als hätte es seinen Fall nie gegeben.«

»Verzeihen Sie mir, wenn ich noch einmal eine indiskrete .«

»Sagen wir, dass ich Ihnen sämtliche indiskreten Fragen vergebe, bis es mir zu viel wird. Das werden Sie merken, weil ich Sie dann bitten werde zu gehen und es auch keine weiteren Fragen mehr geben wird. Wenn es Ihnen wirklich um Gerechtigkeit für Mr. Pepper geht, stellen Sie diese Fragen ja auch in meinem Sinne.«