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Die Bannergeneralin zügelte ihren Braunen und betrachtete das Feld stirnrunzelnd. Am anderen Ende fütterten Männer vier weitere der seltsamen Tiere, hielten ihnen große Körbe zum Fressen hin, hornige Schnauzen schössen hinein und hornige Mäuler mahlten. Perrin wollte gar nicht wissen, was eine Kreatur, die so aussah, wohl fraß. »Sie müssten hier mehr Raken haben«, murmelte sie. »Wenn das alle sind .. .«

»Wir nehmen, was wir kriegen können, und gehen wieder«, sagte Perrin. »Wir wissen bereits, wo die Shaido sind.«

»Ich würde gern wissen, ob etwas hinter mir aufmarschiert«, sagte sie trocken zu ihm und legte wieder an Tempo zu.

Auf einem nahe gelegenen Bauernhof, der allem Anschein nach von den Seanchanern übernommen worden war, saßen etwa ein Dutzend Soldaten an Tischen, die wahllos vor dem Haus mit dem Strohdach aufgestellt worden waren, und würfelten. Andere gingen in der steinernen Scheune ein und aus, obwohl Perrin keine Spur von Pferden sah. Abgesehen von einem Gespann an einem Wagen, der von zwei Männern in grober Wollkleidung entladen wurde. Zumindest nahm Perrin an, dass es sich bei den anderen um Soldaten handelte. Fast die Hälfte waren Frauen, die Männer größtenteils so klein wie die Frauen, und niemand hatte ein Schwert; alle trugen eng sitzende blaue Mäntel, und jeder hatte zwei Messer in Scheiden, die an ihren eng sitzenden Stiefeln festgenäht waren. Uniformen deuteten auf Soldaten hin.

Mat würde sich bei diesem Haufen sofort wie zu Hause fühlen, dachte er, sah zu, wie sie bei erfolgreichen Würfen lachten und bei schlechten stöhnten. In seinem Kopf wirbelten diese Farben auf, und einen Augenblick lang sah er Mat von einer Straße abbiegen und in einen Wald reiten, gefolgt von einer Reihe Reitern und Lastpferden. Nur einen Augenblick lang, weil er das Bild sofort verdrängte, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, warum Mat in den Wald ritt oder wer seine Begleiter waren. Allein Faile zählte. An diesem Morgen hatte er den einundfünfzigsten Knoten in die Lederschnur geknüpft, die er in der Tasche trug. Seit einundfünfzig Tagen war sie nun eine Gefangene. Er hoffte, dass sie so lange eine Gefangene gewesen war. Es würde bedeuten, dass sie noch am Leben war, um gerettet zu werden. Wenn sie tot war… Seine Faust verkrampfte sich um den Kopf des Hammers, der an seinem Gürtel hing, verkrampfte sich, bis seine Knöchel schmerzten.

Ihm wurde bewusst, dass die Bannergeneralin und Mishima ihn betrachteten, Mishima voller Misstrauen, die Hand in der Nähe des Schwertgriffes, Tylee nachdenklich. Eine zerbrechliche Allianz, mit wenig Vertrauen auf beiden Seiten. »Einen Augenblick lang habe ich geglaubt, Ihr wolltet vielleicht die Flieger töten«, sagte sie ruhig. »Ihr habt mein Wort. Wir werden Eure Frau befreien. Oder sie rächen.«

Perrin holte schaudernd Luft und ließ den Hammer los.

Faile musste noch am Leben sein. Alyse hatte gesagt, sie würde unter ihrem Schutz stehen. Aber für wie viel Schutz konnte die Aes Sedai sorgen, wo sie doch selbst das Weiß der Gai’schain trug? »Bringen wir es hinter uns. Die Zeit vergeht.« Wie viele Knoten würde er noch in die Lederschnur knüpfen müssen? Gebe das Licht, dass es nicht mehr viele sein würden.

Er stieg ab und gab Carlon Belcelona Stehers Zügel, einem glatt rasierten Tairener mit langer Nase und einem unglücklich schmalen Kinn. Carlon hatte die Angewohnheit, an diesem Kinn herumzufingern, so als würde er sich fragen, wo sein Bart geblieben war, oder er fuhr sich über das Haar, als würde er sich fragen, warum es im Nacken zusammengebunden war und der Pferdeschwanz bis zu seinen Schultern reichte. Aber davon abgesehen gab es keine weiteren Anzeichen, dass er das alberne Getue aufgeben würde, die Aielbräuche zu imitieren, genauso wenig wie die anderen. Balwer hatte ihnen ihre Instruktionen gegeben, und immerhin gehorchten sie ihnen. Die meisten von ihnen überließen ihre Pferde bereits anderen und befanden sich auf dem Weg zu den Tischen; einige holten Münzen hervor, andere boten mit Wein gefüllte Feldflaschen an. Die die Soldaten seltsamerweise ablehnten, auch wenn es den Anschein hatte, dass jeder, der Silber hatte, bei ihren Spielen willkommen war.

Perrin warf nur einen flüchtigen Blick in ihre Richtung, steckte seine Panzerhandschuhe in den Gürtel und folgte den beiden Seanchanern ins Haus, schlug den Umhang zurück, damit der Seidenmantel zu sehen war. Wenn er wieder herauskam, würden Failes Anhänger — die vermutlich auch seine Anhänger waren — in der Zwischenzeit viel von dem in Erfahrung gebracht haben, was diese Männer und Frauen wussten. Eines hatte er von Balwer gelernt. Wissen konnte sehr nützlich sein, und man wusste nie, welches aufgeschnappte Bruchstück sich wertvoller als Gold erweisen mochte. Aber im Augenblick würden die einzigen Informationen, an denen er interessiert war, nicht von diesem Ort kommen.

Der Vorderraum des Bauernhauses war mit der Tür zugewandten Tischen gefüllt, an denen Schreiber emsig über Papiere gebeugt saßen. Der einzige Laut war das Kratzen von Federn auf Papier und das hartnäckige Husten eines Mannes. Die Männer trugen dunkelbraune Mäntel und Hosen, die Frauen Kleider in genau demselben Farbton. Ein paar hatten Anstecknadeln aus Silber oder Messing in Form einer Schreibfeder. Anscheinend hatten die Seanchaner Uniformen für alles. Ein pausbäckiger Bursche im hinteren Teil des Raumes mit zwei Silberfedern auf der Brust stand auf und verneigte sich bei Tylees Eintreten tief, und sein Bauch drängte gegen den Stoff. Ihre Stiefel polterten laut auf den Holzdielen, als sie zwischen den Tischen auf ihn zugingen. Er richtete sich erst wieder auf, nachdem sie seinen Tisch erreicht hatten.

»Tylee Khirgan«, sagte sie knapp. »Ich will mit demjenigen reden, der hier das Kommando hat.«

»Wie die Bannergeneralin befiehlt«, erwiderte der Bursche demütig, machte noch eine tiefe Verbeugung und eilte durch eine Tür hinter ihm.

Der Schreiber, der hustete, ein Bursche mit glattem Gesicht, der jünger als Perrin war und seinem Aussehen nach von den Zwei Flüssen hätte stammen können, hustete noch stärker und hielt die Hand vor den Mund. Er räusperte sich laut, aber das raue Husten kehrte zurück.

Mishima sah ihn stirnrunzelnd an. »Der Kerl sollte nicht hier sein, wenn er krank ist«, murmelte er. »Was, wenn es ansteckend ist? Im Moment hört man ständig von allen möglichen seltsamen Krankheiten. Ein Mann ist bei Sonnenaufgang noch gesund und bei Sonnenuntergang eine aufgequollene Leiche, und keiner weiß, woran er gestorben ist. Ich habe von einer Frau gehört, die innerhalb einer Stunde verrückt wurde, und jeder, der sie berührte, wurde ebenfalls verrückt. Nach drei Tagen waren sie und ihr ganzes Dorf tot, jedenfalls jene, die nicht geflohen waren.« Er vollführte eine seltsame Geste, formte mit Daumen und Zeigefinger einen Kreis, während er die restlichen Finger eng krümmte.

»Ihr wisst es besser, als Gerüchten zu glauben oder sie zu wiederholen«, sagte die Bannergeneralin scharf und machte dieselbe Geste. Sie schien sich dessen gar nicht bewusst zu sein.

Der dicke Schreiber erschien wieder und hielt einem Mann mit hagerem Gesicht und grauen Haaren die Tür auf; dort, wo sein rechtes Auge gewesen war, hing nun eine schwarze Lederklappe. Eine wulstige weiße Narbe lief seine Stirn herunter, verschwand hinter der Klappe und führte dann über die Wange. Er war so klein wie die Männer draußen und trug einen Mantel von einem dunkleren Blau mit zwei kleinen weißen Streifen auf der Brust, obwohl auch er die gleichen Messerscheiden an die Stiefel genäht hatte.