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»Blasic Faloun, Bannergeneralin«, sagte er mit einer Verbeugung, während der Schreiber zu seinem Tisch eilte. »Wie kann ich Euch dienen?«

»Hauptmann Faloun, wir müssen unter .. .« Tylee wurde unterbrochen, als der Mann, der gehustet hatte, auf die Füße sprang und sein Hocker krachend umstürzte.

Er hielt sich den Leib, krümmte sich zusammen und erbrach einen schwarzen Strom, der sich am Boden in einen Schwärm winziger schwarzer Käfer aufteilte, die in alle Richtungen schössen. Jemand fluchte, was in der Totenstille schockierend laut klang. Der junge Mann starrte die Käfer entsetzt an, schüttelte den Kopf, als könnte er sie ungeschehen machen. Mit wildem Blick schaute er sich in dem Raum um, schüttelte den Kopf und öffnete den Mund, als wollte er noch etwas sagen.

Stattdessen krümmte er sich wieder und spuckte einen weiteren schwarzen Strom aus, diesmal viel länger, wieder Käfer, die über den Boden eilten. Seine Gesichtshaut geriet in Bewegung, als würden weitere Käfer in seinem Schädel umherkrabbeln.

Eine Frau schrie auf, ein lang gezogener Entsetzensschrei, und plötzlich brüllten die Schreiber durcheinander und sprangen auf, kippten in ihrer Hast Hocker und sogar Tische um, wichen hektisch den krabbelnden schwarzen Insekten aus.

Der Mann erbrach sich immer wieder, sank auf die Knie, kippte dann nach vorn, zuckte wild, während er in einem stetigen Strom immer neue Käfer ausspuckte. Er schien irgendwie .. . flacher zu werden. Sein Körper sackte zusammen. Die Krämpfe hörten auf, aber aus seinem aufklaffenden Mund ergossen sich noch immer schwarze Käfer und breiteten sich auf dem Boden aus. Endlich — es hatte den Anschein, als hätte das alles eine Stunde gedauert, dabei konnte es nicht mehr als eine Minute oder zwei gewesen sein —, endlich wurde der Insektenstrom dünner und hörte dann auf. Von dem Burschen blieb nur ein blasses, flaches Etwas in seinen Kleidern übrig, wie ein Weinschlauch, den man geleert hatte. Das Gebrüll ging natürlich weiter. Die Hälfte der Schreiber stand auf den Tischen, die nicht umgestürzt waren, Männer wie Frauen, fluchten oder beteten oder manchmal abwechselnd auch beides, so laut sie nur konnten. Die andere Hälfte war nach draußen geflohen. Überall krabbelten kleine schwarze Käfer herum. Der Raum stank nach Entsetzen.

»Ich habe ein Gerücht gehört«, sagte Faloun heiser. Seine Stirn war schweißbedeckt. Er roch nach Furcht. Kein Entsetzen, sondern eindeutig Furcht. »Von östlich von hier. Aber da waren es Tausendfüßler. Kleine schwarze Tausendfüßler.« Ein paar Käfer eilten auf ihn zu, und er wich mit einem Fluch zurück, machte dabei die gleiche seltsame Geste wie Tylee und Mishima zuvor.

Perrin zertrat die Käfer. Seine Nackenhaare wollten sich sträuben, aber nur Faile war wichtig. Nur sie! »Das sind bloß Bohrerkäfer. Man findet sie in fast jedem verrottetem Holz.«

Der Mann zuckte zusammen, hob den Blick und zuckte erneut zusammen, als er Perrins Augen bemerkte. Ihm fiel der Hammer an Perrins Gürtel auf, und er warf der Bannergeneralin einen schnellen, überraschten Blick zu. »Diese Käfer kamen aus keinem Holz. Sie sind das Werk des Seelenbinders!«

»Das mag schon sein«, erwiderte Perrin ruhig. Vermutlich war Seelenbinder ein Name für den Dunklen König. »Es macht keinen Unterschied.« Er hob den Fuß und zeigte die zerquetschten Panzer von sieben oder acht Insekten. »Sie können getötet werden. Und ich kann meine Zeit nicht mit Käfern verschwenden, die ich zertreten kann.«

»Wir müssen unter vier Augen reden, Hauptmann«, fügte Tylee hinzu. Auch ihr Geruch war voller Furcht, aber sie hatte sie fest unter Kontrolle. Mishimas Hand war zu der seltsamen Geste erstarrt. Seine Furcht war fast so kontrolliert wie die ihre.

Faloun riss sich sichtlich zusammen, der Angstgeruch verwehte. Er ging nicht weg, aber er hatte sich jetzt wieder unter Kontrolle. Allerdings vermied er es, die Käfer anzusehen.

»Wie Ihr befehlt, Bannergeneralin. Atal, kommt vom Tisch herunter und lasst diese… diese Dinger hier rausfegen. Und sorgt dafür, dass Mehtan den Riten entsprechend begraben wird.« Der dicke Schreiber verbeugte sich, bevor er vom Tisch kletterte, und dann noch einmal, als er wieder auf dem Boden stand, aber der Hauptmann hatte sich bereits abgewandt. »Wenn Ihr mir folgen möchtet, Bannergeneralin?«

Sein Arbeitszimmer war vermutlich einst ein Schlafzimmer gewesen, aber jetzt stand hier ein Schreibtisch mit flachen Kästen voller Papier sowie ein weiterer, größerer Tisch, auf dem mit Tintenfässchen, Steinen und kleinen Messingfiguren beschwerte Karten ausgebreitet lagen. Ein Regal an der einen Wand enthielt Papierrollen, die vermutlich ebenfalls Karten waren. Der graue Steinkamin war kalt. Faloun deutete auf ein halbes Dutzend nicht zueinander passender Stühle, die vor dem Schreibtisch auf dem nackten Boden standen, und bot an, Wein holen zu lassen. Es schien ihn zu enttäuschen, dass Tylee beides ablehnte. Vielleicht wollte er etwas zu trinken, um seine Nerven zu beruhigen. Noch immer haftete ein kleiner Hauch von Angst an ihm.

Tylee fing an. »Ich muss sechs Raken ersetzen, Hauptmann, und achtzehn Morat’raken. Und eine volle Kompanie Bodenlinge. Jene, die ich hatte, sind irgendwo in Amadicia und bewegen sich nach Westen und sind unauffindbar.«

Faloun zog eine Grimasse. »Bannergeneralin, wenn Ihr Raken verloren habt, dann wisst Ihr, dass alles bis auf die Knochen abgenagt wurde, weil…« Sein Auge sah in Perrins Richtung, und er räusperte sich, bevor er fortfuhr. »Ihr bittet mich um drei Viertel der Tiere, die ich noch habe. Könnt Ihr Euch möglicherweise nicht mit weniger begnügen, vielleicht eines oder zwei?«

»Vier«, sagte Tylee fest, »und zwölf Flieger. Ich gebe mich damit zufrieden.« Sie konnte den lang gezogenen seanchanischen Akzent energisch klingen lassen, wenn sie wollte.

»Soviel ich gehört habe, ist diese Region so befriedet wie Seandar, aber ich lasse euch vier.«

»Wie Ihr wünscht, Bannergeneralin.« Faloun seufzte.

»Dürfte ich bitte den Befehl sehen? Alles muss niedergeschrieben werden. Seit ich selbst nicht mehr fliegen kann, verbringe ich meine ganze Zeit damit, wie ein Schreibstubenhengst Papiere hin und her zu schieben.«

»Lord Perrin?«, sagte Tylee, und er zog das Dokument aus der Manteltasche, das Suroth unterschrieben hatte.

Falouns Brauen hoben sich immer mehr, während er las, und er befingerte vorsichtig das Wachssiegel, aber er stellte es genauso wenig in Frage wie zuvor die Bannergeneralin. Anscheinend waren Seanchaner an solche Dinge gewöhnt. Er schien erleichtert zu sein, es wieder zurückgeben zu dürfen, und wischte sich unbewusst die Hände am Mantel ab. Daran gewöhnt, aber es bereitete ihnen Unbehagen. Er musterte Perrin, versuchte unauffällig zu sein, und Perrin konnte aus seiner Miene förmlich die Frage herauslesen, die die Bannergeneralin gestellt hatte. Wer war er, dass er so etwas bei sich trug?

»Ich brauche eine Karte von Altara, Hauptmann, wenn Ihr eine habt«, sagte Tylee. »Ich komme auch ohne aus, wenn nicht, aber es wäre besser, wenn Ihr eine hättet. Ich interessiere mich für das Nordwestliche Viertel des Landes.«

»Das Licht ist Euch gewogen, Bannergeneralin«, sagte er und bückte sich, um eine Rolle vom untersten Regalfach zu holen. »Ich habe genau das, was Ihr braucht. Zufällig war sie bei den Karten von Amadicia, die man mir zuteilte. Ich hatte vergessen, dass ich sie habe, bis Ihr sie erwähnt habt.« Perrin schüttelte leicht den Kopf. Ein Zufall, nicht das Werk von ta’veren. Nicht einmal Rand war ein so starker Ta’veren, um das geschehen zu lassen. Die Farben wirbelten, aber er vertrieb sie, bevor sie sich zu einem Bild verfestigen konnten.