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»Das Licht wird Euch sicherlich gewogen sein, Ehrenwerte«, murmelte Tylee. »Mein Lord, würdet Ihr mir den Gefallen tun, der Ehrenwerten Euer Dokument zu zeigen?« Das sagte sie mit einer Verbeugung Perrin gegenüber, die entschieden tiefer als jene war, die sie der Ehrenwerten erwiesen hatte. Die Augenbrauen der molligen Frau zuckten.

Sie streckte die Hand aus, um das Blatt Papier von ihm entgegenzunehmen, und erstarrte. Ihr waren endlich seine Augen aufgefallen. Sie schüttelte sich leicht, las ohne jedes äußere Anzeichen von Überraschung, faltete das Papier wieder zusammen und tippte sich damit gegen die freie Hand.

»Anscheinend wandelt Ihr in großer Höhe, Bannergeneralin.

Und mit einem sehr seltsamen Gefährten. Um was bittet Ihr- oder er — mich?«

»Spaltwurzel, Ehrenwerte«, sagte Tylee sanft. »Alles, was Ihr habt. So schnell wie möglich auf Karren verladen. Und ich fürchte, Ihr müsst auch für die Karren und die Kutscher sorgen.«

»Unmöglich!«, fauchte die Frau und richtete sich hochmütig zu ihrer vollen Größe auf. »Ich habe strikte Pläne erstellt, wie viele Pfund fertige Spaltwurzel jede Woche verschifft werden, die ich streng eingehalten habe, und ich lasse nicht zu, dass diese Erfolgsbilanz besudelt wird. Das wäre ein immenser Schaden für das Kaiserreich. Die Sul'dam legen mit beiden Händen Marath'damane an die Leine.«

»Vergebt mir, Ehrenwerte«, sagte Tylee und verneigte sich erneut. »Falls Ihr eine Möglichkeit seht, uns…«

»Bannergeneralin«, unterbrach Perrin sie. Offensichtlich war das eine heikle Begegnung, und er versuchte eine unberührte Miene beizubehalten, aber er konnte ein Stirnrunzeln nicht unterdrücken. Es war fraglich, ob selbst fünf Tonnen von dem Zeug ausreichten, und sie wollte um noch weniger verhandeln! Seine Gedanken rasten auf der Suche nach einer Lösung. Seiner Meinung nach waren schnelle Gedanken schlampige Gedanken — sie führten zu Fehlern und Unfällen —, aber er hatte keine andere Wahl. »Das wird die Ehrenwerte vermutlich nicht interessieren, aber Suroth hat jedem den Tod und Schlimmeres versprochen, falls ihre Pläne behindert werden sollten. Ich glaube zwar nicht, dass ihre Wut über Euch und mich hinausgehen wird, aber sie hat gesagt, dass wir alles nehmen sollen.«

»Natürlich wird der Zorn der Hochlady nicht die Ehrenwerte treffen.« Aber Tylee klang, als wäre sie sich da nicht so sicher.

Die mollige Frau atmete schwer, das blaue Oval mit den goldenen Händen hob und senkte sich. Sie verneigte sich genauso tief vor Perrin wie Tylee. »Ich werde den größten Teil des Tages benötigen, um genügend Karren zu besorgen und zu beladen. Wird das ausreichen, mein Lord?«

»Das wird es wohl müssen, oder?«, sagte Perrin und zupfte ihr das Papier aus der Hand. Sie ließ es zögernd los und sah voller Verlangen zu, wie er es in die Manteltasche steckte.

Draußen schüttelte die Bannergeneralin den Kopf, als sie sich in den Sattel schwang. »Es ist immer schwierig, mit den Niederen Händen umzugehen. Keine von ihnen hält ihren Rang für weniger bedeutend. Ich hatte angenommen, dass hier jemand vom Vierten oder Fünften Rang das Kommando hat, und das wäre schon schwer genug gewesen. Als ich sah, dass sie den Dritten Rang innehält — das ist nur zwei Schritte unter einer Hand der Kaiserin, möge sie ewig leben —, war ich überzeugt, dass wir höchstens ein paar Hundert Pfund bekommen. Aber Ihr habt das wunderbar gemacht. Ein Risiko, sicher, aber trotzdem wunderbar gemacht.«

»Nun, niemand will den Tod riskieren«, sagte Perrin, als sie den Hof verließen und sich alle ihnen anschlossen. Jetzt mussten sie auf die Karren warten, vielleicht ein Gasthaus finden. In ihm brannte die Ungeduld. Mochte das Licht dafür sorgen, dass sie hier nicht die Nacht verbringen mussten.

»Ihr konntet das nicht wissen«, sagte die dunkelhäutige Frau leise. »Diese Frau wusste, dass sie im Schatten des Todes stand, sobald sie Suroths Worte las, aber sie war bereit, ihn wegen ihrer Pflicht dem Imperium gegenüber zu riskieren. Eine Niedere Hand des Dritten Ranges bekleidet eine Stellung, die hoch genug ist, um durch Pflichterfüllung dem Tod zu entkommen. Aber Ihr habt Suroths Namen erwähnt. Das geht meistens in Ordnung, ausgenommen natürlich, Ihr sprecht die Hochlady selbst an, aber ihren Namen vor einer Niederen Hand ohne ihren Titel auszusprechen bedeutete entweder, dass Ihr ein ignoranter Einheimischer oder einer von Suroths Vertrauten seid. Das Licht hat Euch beigestanden, und sie hat sich für den Vertrauten entschieden.«

Perrin stieß ein humorloses Lachen aus. Seanchaner. Und vielleicht auch ta'veren.

»Verratet mir, falls Euch die Frage nicht beleidigt, hat Euch Eure Lady mit einflussreichen Verbindungen oder vielleicht großem Landbesitz versorgt?«

Die Frage überraschte ihn so sehr, dass er sich im Sattel umdrehte, um sie anzustarren. Etwas schlug hart gegen seine Brust, schlitzte eine feurige Linie und drang in seinen Arm. Hinter ihm wieherte ein Pferd schmerzerfüllt auf. Verblüfft starrte er auf den Pfeil, der seinen linken Arm durchbohrte.

»Mishima«, fauchte die Bannergeneralin und deutete mit der Hand. »Das dreistöckige Gebäude mit dem Strohdach zwischen zwei Schieferdächern. Ich habe auf dem Dach Bewegungen gesehen.«

Mishima brüllte einen Befehl, dass man ihm folgen sollte, dann galoppierte er mit sechs seiner Lanzenträger die bevölkerte Straße entlang, und die Hufe klirrten auf dem Pflaster.

Leute sprangen aus dem Weg. Andere starrten. Auf der Straße schien niemand zu begreifen, was passiert war. Zwei Lanzenreiter waren abgestiegen und kümmerten sich um ein zitterndes Reittier eines ihres Kameraden, aus dessen Schulter ein Pfeil ragte. Perrin befühlte einen zerbrochenen Knopf, der nur noch an einem Faden hing. Die Seide des Mantels war ab dem Knopf aufgeschlitzt. Blut quoll hervor, tränkte sein Hemd, tröpfelte seinen Arm herunter. Hätte er sich in genau diesem Augenblick nicht umgedreht, hätte der Pfeil sein Herz durchbohrt statt seinen Arm. Vielleicht hätte ihn der andere auch getroffen, aber der eine hätte seine Aufgabe erfüllt. Ein Pfeil aus den Zwei Flüssen wäre nicht so leicht abgelenkt worden.

Cairhiener und Tairener scharten sich um ihn, als er abstieg, sie alle wollten ihm helfen, was aber unnötig war. Er zog das Gürtelmesser, aber Camaille nahm es ihm ab und schnitt energisch in den Pfeilschaft, sodass sie ihn sauber direkt oberhalb der Haut abbrechen konnte. Das schickte einen durchdringenden Schmerz durch den Arm. Es schien sie nicht zu stören, dass sie sich die Finger blutig machte; sie zog bloß ein Taschentuch mit Spitzenbesatz aus dem Ärmel, das ein helleres Grün aufwies, als für Cairhiener üblich war, wischte sie ab und begutachtete das Ende des Schafts, der aus seinem Arm ragte, um sich zu vergewissern, dass da keine Splitter herausragten.

Auch die Bannergeneralin war von ihrem Braunen gestiegen und blickte finster. »Mein Blick wurde gesenkt, weil Ihr verletzt wurdet, mein Lord. Ich habe gehört, dass die Verbrechensrate in letzter Zeit gestiegen ist, Brandstiftung, Räuber, die töten, obwohl es unnötig ist, Morde, die grundlos verübt werden. Ich hätte Euch besser beschützen sollen.«

»Beißt die Zähne zusammen, mein Lord«, sagte Barmanes und band einen Lederriemen direkt über der Pfeilspitze fest.

»Seid Ihr bereit, mein Lord?« Perrin biss die Zähne zusammen und nickte. Barmanes riss den blutverschmierten Schaft heraus. Perrin unterdrückte ein Aufstöhnen.

»Euer Blick ist nicht gesenkt worden«, sagte er heiser. Was auch immer sie damit meinte. So, wie sie es gesagt hatte, konnte es nichts Gutes sein. »Niemand hat Euch gebeten, mich in Watte zu packen. Ich für meinen Teil jedenfalls nicht.« Neald drängte sich durch die Menge um Perrin, die Hände bereits erhoben, aber Perrin winkte ihn fort. »Nicht hier, Mann. Die Leute schauen zu.« Die Passanten hatten es endlich mitbekommen und sammelten sich, um zuzusehen, während sie aufgeregt miteinander tuschelten. »Er kann das hier Heilen, als wäre ich niemals verletzt worden«, erklärte er und spannte den Arm probeweise an. Und zuckte zusammen. Das war eine blöde Idee gewesen.