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»Das war Aldin Miheres Kompanie«, sagte ein hochgewachsener Söldner mit einem rauen murandianischen Akzent, während er den Helm abnahm und ein schmales, verschwitztes Gesicht mit einem ergrauenden Schnurrbart enthüllte, dessen Enden gewachst waren. Er nannte sich Rhys a'Balaman, hatte Augen wie Steine und ein schmallippiges Lächeln, das immer wie ein lüsternes Grinsen wirkte. Er hatte ihrer Unterhaltung zugehört, und er sah Elayne ständig von der Seite an, während er mit Birgitte sprach. »Ich habe ihn erkannt, das habe ich. Guter Mann, dieser Miheres. Ich habe öfter an seiner Seite gekämpft, als ich zählen kann, das habe ich. Er hatte es fast bis zur Lagerhaustür geschafft, als Euer Pfeil ihn in den Nacken traf, Generalhauptmann. Eine Schande, das.«

Elayne runzelte die Stirn. »Er hat seine Wahl getroffen, genau wie Ihr, Hauptmann. Ihr könnt den Tod eines Freundes bedauern, aber ich hoffe, Ihr bereut Eure Entscheidung nicht.« Die meisten der Söldner, die sie aus der Stadt gewiesen hatten, hatten sich bei Arymilla verdingt, wenn nicht sogar alle. Im Augenblick bestand ihre größte Furcht darin, dass es der Frau gelingen würde, eine der noch in der Stadt befindlichen Kompanien zu bestechen. Keiner der Söldnerhauptmänner hatte etwas Derartiges berichtet, aber Frau Harfor sagte, dass erste Kontaktaufnahmen stattgefunden hatten. Einschließlich einer Kontaktaufnahme mit a'Balaman.

Der Murandianer widmete ihr eine förmliche Verbeugung und schwenkte den Umhang, den er nicht trug. »Oh, ich habe genauso oft gegen ihn gekämpft wie mit ihm, meine Lady. Wären wir uns an diesem schönen Tag begegnet, hätte ich ihn getötet oder er mich. Mehr ein Bekannter als ein Freund, müsst Ihr wissen. Und ich würde lieber Gold nehmen, um so eine Mauer zu verteidigen statt sie anzugreifen.«

»Wie ich sehe, tragen einige Eurer Männer Armbruste auf dem Rücken, Hauptmann, aber ich habe nicht gesehen, dass sie sie auch benutzt haben.«

»Das ist nicht die Art der Söldner«, sagte Birgitte trocken. Missmut strömte durch den Bund, aber es war unmöglich festzustellen, ob sie a'Balaman oder Elayne galt. Das Gefühl verschwand schnell. Birgitte hatte gelernt, ihre Gefühle zu beherrschen, nachdem sie entdeckt hatten, wie sie und Elayne ihre Emotionen durch den Bund spiegelten. Sicher wünschte sich ihre Behüterin, sie könnte das Gleiche tun, aber der Wunsch war gegenseitig.

A'Balaman legte den Helm auf die Hüfte. »Ihr müsst wissen, meine Lady, es ist folgendermaßen. Wenn man einen Mann zu hart bedrängt, wenn er das Schlachtfeld verlassen will, versucht, ihn niederzureiten oder dergleichen, nun, beim nächsten Mal, wenn man selbst versucht, das Schlachtfeld zu verlassen, dann könnte er den Gefallen erwidern. Wenn ein Mann das Feld verlässt, dann ist er ja schließlich kein Kämpfer mehr, oder?«

»Bis er morgen zurückkommt«, fauchte Elayne. »Beim nächsten Mal will ich sehen, dass diese Armbrüste eingesetzt werden!«

»Wie Ihr befehlt, meine Lady«, sagte a'Balaman steif und machte eine genauso steife Verbeugung. »Wenn Ihr mich jetzt entschuldigen wollt, ich muss nach meinen Männern sehen.« Er ging, ohne die Erlaubnis abzuwarten, und brüllte seine Männer an, ihre faulen Hintern zu bewegen.

»Wie weit kann man ihm vertrauen?«, fragte Elayne leise.

»So weit wie jedem Söldner«, erwiderte Birgitte genauso leise. »Falls ihm jemand genug Gold bietet, wird das ein Würfelspiel, und nicht einmal Mat Cauthon könnte sagen, wie die Würfel fallen.«

Das war eine sehr seltsame Bemerkung. Sie wünschte sich, sie wüsste, wie es Mat ging. Und dem guten Thom. Und dem armen kleinen Olver. Sie betete jede Nacht, dass sie den Seanchanern sicher entkommen waren. Aber es gab nichts, das sie tun konnte, um ihnen zu helfen. Sie hatte genug um die Ohren und musste erst einmal sich selbst helfen. »Wird er mir gehorchen? Mit den Armbrüsten?«

Birgitte schüttelte den Kopf, und Elayne seufzte. Es war schlecht, Befehle zu geben, die nicht befolgt werden würden. Es führte dazu, dass die Leute aus Gewohnheit nicht gehorchten.

Sie ging näher an Birgitte heran und flüsterte fast. »Du siehst müde aus, Birgitte.« Das ging fremde Ohren nichts an. Birgittes Gesicht war hager, die Augen lagen tief in den Höhlen. Das konnte jeder sehen, aber der Bund verriet, dass sie müde bis auf die Knochen war, jetzt schon seit Tagen. Andererseits fühlte Elayne die gleiche tief sitzende Erschöpfung, als wären ihre Glieder aus Blei. Ihr Bund spiegelte mehr als bloß Gefühle. »Du musst nicht jeden Gegenangriff selbst führen.«

»Und wer soll es tun?« Einen Augenblick lang schimmerte die Müdigkeit auch in Birgittes Stimme durch, und ihre Schultern sackten doch tatsächlich nach unten, aber sie richtete sich schnell wieder auf, und ihre Stimme wurde stärker. Es war reine Willenskraft. Elayne konnte es fühlen, in dem Bund, so hart wie Stein, so hart, dass sie am liebsten geweint hätte. »Meine Offiziere sind unerfahrene Jungen«, fuhr Birgitte fort, »oder Männer, die aus dem Ruhestand zurückgekehrt sind und ihre Knochen am Kamin ihrer Enkel wärmen sollten. Ausgenommen die Söldnerhauptmänner, und da ist keiner dabei, dem ich vertrauen kann, ohne ihm über die Schulter zu sehen. Was uns zu der Frage zurückbringt: wer außer mir?«

Elayne wollte widersprechen. Nicht was die Söldner betraf. Birgitte hatte erklärt, wie es sich mit ihnen verhielt, bitter und ausführlich. Manchmal würden Söldner so hart wie Gardisten kämpfen, aber bei anderen Gelegenheiten zogen sie sich lieber zurück, als zu große Verluste hinzunehmen. Weniger Männer bedeuteten bei ihrem nächsten Arbeitgeber auch weniger Gold, es sei denn, sie konnten durch genauso gute Männer ersetzt werden. Schlachten, die gewonnen werden hätten können, waren stattdessen verloren gegangen, weil die Söldner das Schlachtfeld verlassen hatten, um ihre Mannschaftszahl zu bewahren. Allerdings taten sie das nicht gern, solange andere außer ihresgleichen davon Zeugen wurden. Es schadete ihrem Ruf und senkte ihren Preis.

Aber es musste jemand anderen geben. Sie konnte es sich nicht leisten, dass Birgitte vor Erschöpfung umkippte. Beim Licht, sie wünschte sich, Gareth Bryne wäre da. Egwene brauchte ihn, aber sie auch. Sie öffnete den Mund, doch plötzlich donnerte es hinter ihr in der Stadt. Sie drehte sich um und schaute mit offen stehendem Mund zu.

Wo sich noch Augenblicke zuvor über der Innenstadt ein klarer Himmel erstreckt hatte, erhoben sich jetzt schwarze Wolken vom Ausmaß ganzer Gebirge, geäderte Blitze zerschlitzten eine graue Regenwand, die so massiv wie die Stadtmauern erschien. Die goldenen Kuppeln des Königlichen Palasts, die in der Sonne hätten funkeln sollen, waren hinter dieser Mauer nicht mehr zu sehen. Die Regenflut fiel nur über der Innenstadt. Überall sonst blieb der Himmel hell und wolkenlos. Das war nicht natürlich. Aber ihr Erstaunen dauerte nur Augenblicke. Diese silberblauen Blitze, die sich dreifach oder fünffach verästelten, schlugen in Caemlyn ein, richteten Schäden an und kosteten vielleicht sogar Leben. Wie hatten diese Wolken entstehen können? Sie griff nach Saidar, um sie aufzulösen. Die Wahre Quelle entglitt ihr. Es war wie der Versuch, eine Perle zu erwischen, die in einem Schmalztopf begraben war. Immer wenn sie glaubte, sie zu haben, entglitt sie ihr wieder. Das geschah im Moment viel zu häufig.

»Aviendha, würdest du dich bitte darum kümmern?«

»Natürlich«, erwiderte Aviendha und umarmte Saida r mühelos. Elayne unterdrückte ihre aufsteigende Eifersucht. Ihre Probleme waren allein Rands verdammte Schuld, nicht die ihrer Schwester. »Und danke. Ich brauche die Übung.«

Das stimmte nicht, ein Versuch, ihre Gefühle zu schonen. Aviendha fing an, Luft, Feuer, Wasser und Erde in komplexen Mustern zu verweben, und machte es beinahe so mühelos, wie sie selbst es geschafft hätte, wenn auch langsamer. Ihrer Schwester fehlten ihre Fertigkeiten mit dem Wetter, aber sie hatte auch nicht den Vorteil genossen, beim Meervolk zu lernen. Die Wolken verschwanden natürlich nicht einfach so. Zuerst verschmolzen die gespaltenen Blitze, wurden wieder zu nur einem Blitzschlag, dann nahm deren Häufigkeit ab, und schließlich hörten sie ganz auf. Das war der schwere Teil. Den Blitz zu rufen war, als würde man eine Feder zwischen den Fingern umherwirbeln lassen. Ihm Einhalt zu gebieten hingegen war mehr so, als würde man einen Amboss hochheben. Dann kam Bewegung in die Wolken, sie wurden dünner und heller. Auch das geschah langsam. Mit dem Wetter zu viel zu schnell zu machen konnte Auswirkungen haben, die das Land noch meilenweit heimsuchten, und man konnte nie vorhersagen, wie diese Auswirkungen aussahen. Wütende Stürme und Sturmfluten waren genauso wahrscheinlich wie sonnige Tage und sanfte Brisen. Als sich die Wolken weit genug ausgebreitet hatten, um bis zur Stadtmauer Caemlyns zu reichen, waren sie grau und entließen gleichmäßige Regenschauer, die Elaynes Locken schnell an ihren Kopf anklatschten.