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»Oder erfinde es? Haltet Ihr das für Eifersucht, al’Thor? Ist es das, was Ihr glaubt?«

»Jetzt hört mir genau zu«, setzte Rand an und hob die Stimme, um ein Gewitterdonnern zu übertönten.

»Ich habe Euch gesagt, dass ich von Euch und Euren Freunden in den schwarzen Mänteln erwarte, dass sie sich mir, meinen Freunden und meinen Gästen gegenüber höflich benehmen«, sagte Cadsuane streng, »aber ich habe entschieden, dass das auch für Euren Umgang untereinander gelten muss.« Ihr Kopf war noch immer über den Stickreifen gebeugt, aber sie sprach, als würde sie beiden mit dem Finger drohen. »Zumindest in meiner Anwesenheit. Das bedeutet, wenn ihr Euch weiter streitet, muss ich Euch beiden den Hintern versohlen.« Harilin und Enaila fingen so laut an zu lachen, dass sie ihren Spielfaden verhedderten. Auch Nynaeve lachte, obwohl sie es hinter vorgehaltener Hand zu verbergen suchte. Selbst Min lächelte!

Logains Kiefermuskeln arbeiteten, bis Rand glaubte, die Zähne des Mannes knirschen zu hören. Er hatte selbst alle Mühe, es ihm nicht nachzutun. Cadsuane und ihre verdammten Regeln. Ihre Bedingungen, seine Beraterin zu werden. Sie tat immer so, als hätte er darum gebeten, und ständig fügte sie der Liste neue hinzu. Die Regeln waren nicht unbedingt lästig, von ihrer grundsätzlichen Existenz einmal abgesehen, aber sie präsentierte sie immer so, als würde sie einem mit einem spitzen Stock in die Rippen stechen. Er öffnete den Mund, um ihr zu sagen, dass Schluss mit ihren Regeln war, und falls nötig auch mit ihr.

»Taim wird mit großer Wahrscheinlichkeit bis nach der Letzten Schlacht warten müssen«, sagte Verin unvermittelt. Ihr Strickwerk, ein formloses Etwas Wolle, das alles Mögliche hätte darstellen können, lag auf ihrem Schoß. »Sie kommt bald. Nach allem, was ich über dieses Thema gelesen habe, sind die Anzeichen deutlich zu erkennen. Die Hälfte der Dienerschaft hat Tote in den Korridoren umherwandeln gesehen, Leute, die sie kannten, als sie noch am Leben waren. Das ist so oft passiert, dass es ihnen nicht einmal mehr Angst einjagt. Und nur ein paar Meilen weiter nördlich haben ein Dutzend Männer, die Vieh auf die Frühlingsweidegründe treiben wollten, mit eigenen Augen gesehen, wie ein Dorf von beträchtlicher Größe sich in Nebel aufgelöst hat.«

Cadsuane hatte den Kopf gehoben und starrte die stämm ige Braune Schwester an. »Danke, dass Ihr wiederholt, was Ihr uns gestern erzählt habt, Verin«, sagte sie trocken. Verin blinzelte, dann nahm sie ihr Strickzeug wieder auf und starrte es an, als wäre auch sie sich nicht sicher, was daraus eigentlich werden sollte.

Min fing Rands Blick ein und schüttelte langsam den Kopf, und er seufzte. Der Bund vermittelte Gereiztheit und Misstrauen, das Letztere vermutlich eine bewusste Warnung für ihn. Manchmal schien sie seine Gedanken lesen zu können. Nun, wenn er Cadsuane brauchte und Min behauptete, dass das so war, dann brauchte er sie eben. Er wünschte nur, er wüsste, was sie ihm angeblich beibringen musste. Abgesehen davon, mit den Zähnen zu knirschen.

»Beratet mich, Cadsuane. Was haltet Ihr von meinem Plan?«

»Endlich fragt der Junge«, murmelte sie und legte den Stickreifen neben den Nähkorb. »Seine sämtlichen Pläne sind in Bewegung gesetzt, einige davon durfte ich nicht erfahren, und jetzt fragt er mich. Also gut. Euer Friede mit den Seanchanern wird unpopulär sein.«

»Ein Waffenstillstand«, unterbrach er sie sofort. »Und ein Waffenstillstand mit dem Wiedergeborenen Drachen wird nur so lange Bestand haben, wie es den Wiedergeborenen Drachen gibt. Wenn ich sterbe, wird jeder wieder gegen die Seanchaner in den Krieg ziehen können, wenn er will.«

Min knallte das Buch zu und verschränkte die Arme unter der Brust. »Rede nicht so!«, sagte sie, dunkelrot vor Wut. Der Bund enthielt auch Angst.

»Die Prophezeiungen, Min«, sagte er traurig. Nicht um seinetwillen, sondern wegen ihr. Er wollte sie beschützen, sie und Elayne und Aviendha, aber am Ende würde er ihnen wehtun.

»Ich sagte, rede nicht so! In den Prophezeiungen steht keinesfalls, dass du sterben musst! Ich werde dich nicht sterben lassen, Rand al’Thor! Elayne und Aviendha und ich werden das nicht zulassen!« Sie starrte Alivia finster an, die Rand beim Sterben helfen würde, wie ihr die Sicht verraten hatte, und ihre Hände näherten sich ihren Ärmeln.

»Min, benimm dich«, sagte er. Ihre Hände schössen von den Ärmeln fort, aber sie reckte das Kinn vor, und der Bund wurde plötzlich von Sturheit überflutet. Beim Licht, musste er sich jetzt auch noch Sorgen machen, dass Min versuchte, Alivia zu töten? Nicht, dass sie es aller Voraussicht nach schaffen würde — sie hätte genauso gut ein Messer auf eine Aes Sedai werfen können wie auf die Seanchanerin —, aber sie könnte sich dabei verletzen. Er war sich nicht sicher, ob Alivia überhaupt Gewebe kannte, die keine Waffen darstellten.

»Unpopulär, wie ich sagte«, sagte Cadsuane und hob die Stimme. Sie widmete Min ein kurzes Stirnrunzeln, bevor sie ihre Aufmerksamkeit wieder Rand zuwandte. Ihr Gesicht war glatt, beherrscht, das Gesicht einer Aes Sedai. Ihre dunklen Augen waren hart, wie polierte schwarze Steine. »Vor allem in Tarabon, Amadicia und Altara, aber auch an anderen Orten. Wenn Ihr Euch damit einverstanden erklärt, dass die Seanchaner behalten können, was sie sich bereits genommen haben, welche Länder werdet Ihr dann als Nächstes weggeben? So werden die meisten Herrscher diese Sache betrachten.«

Rand ließ sich wieder auf seinen Stuhl fallen, streckte die Beine aus und schlug die Knöchel übereinander. »Es spielt keine Rolle, wie unpopulär das ist. Ich bin durch dieses Türrahmen-Ter’angreal in Tear gegangen, Cadsuane. Ihr wisst darüber Bescheid?« Goldener Schmuck wippte, als sie ungeduldig nickte. »Eine meiner Fragen an die Aelfinn lautete: ›Wie kann ich die Letzte Schlacht gewinnen ?‹«

»Eine gefährliche Frage«, sagte sie leise, »da sie den Schatten berührt. Angeblich können diese Ergebnisse ziemlich unangenehm sein. Wie lautete die Antwort?«

»Der Norden und der Osten müssen eins sein. Der Westen und der Süden müssen eins sein. Die zwei müssen eins sein.« Er blies einen Rauchring aus, pustete einen weiteren in seine Mitte, als er sich ausbreitete. Das war nicht die ganze Wahrheit gewesen. Er hatte gefragt, wie er siegen und überleben konnte. Der letzte Teil der Antwort hatte gelautet: »Um zu leben, musst du sterben.« Nichts, was er in nächster Zeit vor Min zur Sprache bringen würde. Oder vor jemand anderem. Ausgenommen Alivia, was das anging. Jetzt musste er nur noch herausfinden, wie man leben konnte, indem man starb. »Zuerst glaubte ich, es würde bedeuten, dass ich alles erobern muss, aber das haben sie damit nicht gesagt. Wenn es jedoch bedeutet, dass die Seanchaner den Westen und Süden halten, was, wie man behaupten könnte, sie bereits tun, und es eine Allianz gibt, um die Letzte Schlacht auszufechten, mit den Seanchanern und allen anderen?«

»Es ist möglich«, räumte sie ein. »Aber wenn Ihr dies en… Waffenstillstand… schließen wollt, warum verlegt Ihr dann ein allem Anschein nach beträchtliches Heer nach Arad Doman und verstärkt jenes, das bereits in Illian ist?«

»Weil Tarmon Gai’don kommt, Cadsuane, und ich kann nicht gleichzeitig gegen die Seanchaner und den Schatten kämpfen. Ich werde meinen Waffenstillstand bekommen, oder ich werde sie vernichten, koste es, was es wolle. Die Prophezeiungen sagen, dass ich die neun Monde an mich binden muss. Ich habe erst vor wenigen Tagen verstanden, was damit gemeint ist. Sobald Bashere zurückkehrt, werde ich wissen, wo und wann ich die Tochter der Neun Monde treffen werde. Es bleibt nur noch die Frage übrig, wie ich sie an mich binde, und das wird sie wissen.«

Er sprach jetzt ganz nüchtern, stieß gelegentlich einen Rauchring zur Unterstreichung aus. Loial schrieb sehr schnell, versuchte jedes Wort einzufangen, während Harilin und Enaila einfach weiterspielten. Wenn die Speere getanzt werden mussten, waren sie bereit. Alivia nickte nachdrücklich, zweifellos von der Hoffnung getrieben, dass man am Ende unweigerlich jene zerschmettern würde, die sie fünfhundert Jahre lang gezwungen hatten, das A’dam zu tragen. Logain hatte einen neuen Becher gefunden und füllte ihn mit dem Rest, der noch in der Kanne war, hielt ihn dann aber nur in der Hand, statt zu trinken, seine Miene unleserlich. Jetzt war es Rand, den Verin intensiv musterte. Aber sie hatte sich schon immer für ihn interessiert. Doch warum beim Licht sollte Min eine Traurigkeit verspüren, die bis ins Mark ging? Und Cadsuane…