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»Du… brauchst mich?«

»Loial, ich habe die Tore des Kurzen Weges versiegelt, die ich kenne, jene in Caemlyn und Cairhien, Illian und Tear, und ich habe das, das in der Nähe von Fal Dara geöffnet wurde, mit einer sehr hässlichen Falle versehen, aber das in der Nähe von Far Madding konnte ich nicht finden. Selbst wenn ich weiß, dass so ein Tor in der Stadt ist, kann ich es selbst nicht finden, und dann sind da noch alle diese Städte, die es nicht mehr gibt. Ich brauche dich, damit du für mich den Rest findest, oder Trollocs werden gleichzeitig in jedes Land strömen können, und keiner wird es mitbekommen, bevor sie im Herzen von Andor oder Cairhien sind.«

Loials Lächeln verschwand. Seine Ohren zuckten, und seine Brauen senkten sich, bis ihre Enden seine Wangen berührten. »Das kann ich nicht, Rand«, sagte er traurig.

»Ich muss morgen in aller Frühe aufbrechen, und ich weiß nicht, wann ich wieder nach Draußen kommen kann.«

»Ich weiß, dass du schon lange außerhalb eines Stedding bist.« Rand bemühte sich um einen sanften Tonfall, aber es klang trotzdem hart. Sanftheit schien nur noch eine verblassende Erinnerung zu sein. »Ich werde mit deiner Mutter sprechen. Ich werde sie davon überzeugen, dich wieder gehen zu lassen, wenn du dich etwas erholt hast.«

»Er braucht mehr als nur eine kleine Ruhepause.« Ältester Haman stellte den Knauf der Axt auf den Boden, umfasste den aus dem Axtkopf herausragenden Schaft mit beiden Händen und richtete einen strengen Blick auf Rand. Ogier waren friedliche Wesen, aber er sah nicht im mindesten so aus. »Er war jetzt länger als fünf Jahre draußen, viel zu lange.

Er braucht mindestens wochenlange Ruhe in einem Stedd ing. Monate wären besser.«

»Rand, meine Mutter trifft nicht länger solche Entscheidungen. Obwohl, um die Wahrheit zu sagen, ich glaube, diese Erkenntnis überrascht sie immer noch. Erith tut das. Meine Gemahlin.« Seine dröhnende Stimme legte so viel Stolz in dieses Wort, dass er förmlich davor zu platzen schien. Auf jeden Fall schwoll seine Brust damit an, und das Lächeln schien sein Gesicht in zwei Teile zu spalten.

»Und ich habe dir noch nicht einmal gratuliert«, sagte Rand und schlug ihm auf die Schulter. Sein Versuch, herzlich zu klingen, klang selbst in seinen eigenen Ohren einfach nur falsch, aber es war das Beste, zu dem er imstande war. »Wenn du Monate brauchst, dann sollst du auch Monate haben. Aber ich brauche trotzdem einen Ogier, der diese Tore findet. Ich bringe euch morgen früh selbst zum Stedding Shangtai. Vielleicht kann ich da jemanden überzeugen, diese Aufgabe zu erledigen.« Ältester Haman richtete das Stirnrunzeln auf die Hände auf dem Axtschaft und fing wieder an zu murmeln, zu leise, um die Worte verstehen zu können; es klang wie eine Hummel von der Größe einer gewaltigen Bulldogge, die im Nebenraum in einem riesigen Glas umherschwirrte. Er schien mit sich zu ringen.

»Das könnte einige Zeit beanspruchen«, sagte Loial zweif elnd. »Du weißt, dass wir nicht gern hastige Entscheidungen treffen. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob sie einen Menschen in das Stedding lassen, wegen des Stumpfs. Rand? Wenn ich vor der Letzten Schlacht nicht zurückkommen kann… Du wirst mir doch erzählen, was während meines Aufenthalts im Stedding passiert ist, oder? Ich meine, ohne dass ich dir alles aus der Nase ziehen muss?«

»Wenn ich es kann, werde ich es tun«, erwiderte Rand.

Wenn du kannst, fauchte Lews Therin. Du hast eingewilligt, dass wir bei Tarmon Gai’don endlich sterben können. Du hast eingewilligt, du Wahnsinniger!

»Er wird dir alle Fragen beantworten, Loial«, sagte Min fest, »und wenn ich ihm die ganze Zeit über die Schulter sehen muss.« Der Bund war von Wut erfüllt. Sie schien wirklich zu wissen, was er dachte.

Ältester Haman räusperte sich. »Ich habe den Eindruck, dass ich abgesehen von den Steinmetzen mehr an das Draußen gewöhnt bin als sonst jemand. Hm. Ja. Tatsächlich glaube ich, dass ich vermutlich der beste Kandidat für Eure Aufgabe bin.«

»Pff«, machte Cadsuane. »Anscheinend könnt Ihr jeden Ogier beeinflussen, mein Junge.« Ihr Tonfall war streng, aber ihr Gesicht trug die Miene einer typischen Aes Sedai, unleserlich verbarg es alles, was hinter diesen dunklen Augen vorging.

Loials Ohren versteiften sich vor Überraschung, und er ließ beinahe die Axt fallen. »Du? Aber der Stumpf, Ältester Haman! Der Große Stumpf?«

»Ich glaube, ich kann das beruhigt dir überlassen, mein Junge. Deine Worte waren einfach, aber wohl gewählt. Hm. Hm. Ich rate dir, versuch nicht, es schön klingen zu lassen. Bewahre die schlichte Beredsamkeit, und du könntest einige überraschen. Deine Mutter eingeschlossen.«

Es erschien unmöglich, dass Loials Ohren noch steifer wurden, aber das taten sie. Seine Lippen bewegten sich, doch es kamen keine Worte. Also sollte er zum Stumpf sprechen. Was war daran so geheim?

»Mein Lord Drache, Lord Davram ist zurückgekehrt.« Das sagte Elza Penfell, die Bashere in die Scheune eskortierte. Sie war eine attraktive Frau in einem dunkelgrünen Reitgewand; der Blick ihrer braunen Augen erhielt einen fiebrigen Glanz, als sie Rand erblickten. Wenigstens musste er sich ihretwegen keine Sorgen machen. Elza war fanatisch in ihrer Ergebenheit.

»Danke, Elza«, sagte er. »Am besten kehrt Ihr zurück und helft beim Aufräumen. Da ist noch immer viel zu tun.«

Ihre Lippen spannten sich etwas an, und ihr Blick nahm alle eifersüchtig auf, von Cadsuane bis zu den Ogiern, bevor sie einen Knicks machte und sich entfernte. Ja, fanatisch war das richtige Wort.

Bashere war ein kleiner schlanker Mann in einem goldbestickten, grauen Mantel, der den mit einem goldenen Wolfsschädel versehenen Elfenbeinstab des Generalmarschalls von Saldaea gegenüber von seinem Schwert im Gürtel stecken hatte. Seine Pluderhosen steckten in Stiefeln mit umgeschlagenen Stulpen, die trotz einiger Schlammspritzer funkelten, weil sie so gründlich gewachst worden waren. Sein letzter Auftrag hatte so viel Förmlichkeit und Würde erfordert, wie er nur aufbringen konnte, und er konnte eine Menge davon aufbringen. Selbst die Seanchaner mussten mittlerweile von seinem Ruf gehört haben. Sein schwarzes Haar war mit grauen Strähnen durchsetzt, genau wie der dicke Schnurrbart, der seinen Mund wie zwei nach unten gedrehte Hörner umgab. Mit einem traurigen Ausdruck in den schräg stehenden dunklen Augen ging er mit dem schaukelnden Gang eines Mannes, der mehr an den Sattel als an seine eigenen Füße gewöhnt war, an Rand vorbei, schritt langsam die Reihe der Toten ab, betrachtete intensiv jedes Gesicht. So ungeduldig Rand auch war, er ließ ihm die Zeit zum Trauern.

»So etwas habe ich noch nie gesehen«, sagte Bashere leise, während er sie abschritt. »Ein großer Sturmtrupp aus der Fäule umfasst tausend Trollocs. Die meisten sind nur ein paar hundert groß. Ach, Kirkun, du hast deine linke Flanke nie vernünftig gedeckt. Und selbst dann musste man ihnen dreifach oder vierfach überlegen sein, wenn man nicht in ihren Kochtöpfen landen wollte. Da draußen… Ich glaube, ich sehe einen Vorgeschmack auf Tarmon Gai’don. Einen kleinen Teil von Tarmon Gai’don. Hoffen wir, dass es wirklich die Letzte Schlacht sein wird. Sollten wir das überleben, glaube ich nicht, dass wir noch jemals eine weitere erleben wollen. Aber natürlich werden wir das. Es wird immer eine weitere Schlacht geben. So wird es immer sein, bis die ganze Welt zu Kesselflickern geworden ist.« Am Ende der Reihe blieb er vor einem Mann stehen, dessen Gesicht fast bis zu seinem prächtigen schwarzen Bart verstümmelt war.

»Ahzkan hatte eine blendende Zukunft vor sich. Aber das könnte man von vielen toten Männern sagen.«

Er wandte sich mit einem tiefen Seufzer zu Rand um.

»Die Tochter der Neun Monde wird Euch in drei Tagen in einem Herrenhaus im Norden von Altara treffen, in der Nähe der Grenze zu Andor.« Er berührte seine Mantelbrust.