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Du musst mir vertrauen, knurrte Lews Therin. Wenn wir es bis Tarmon Gai’don schaffen wollen, damit wir sterben können, dann musst du mir vertrauen.

Du hast mir mal gesagt, keinem zu vertrauen, dachte Rand. Dir eingeschlossen.

Nur Verrückte vertrauen niemandem, flüsterte Lews Therin. Plötzlich fing er an zu weinen. Oh, warum habe ich einen Verrückten in meinem Kopf? Rand verdrängte die Stimme.

Als er den hohen Torbogen durchschritt, der aus dem Herzen führte, war er erstaunt, zwei Verteidiger des Steins in Helmen und funkelnden Brustharnischen vorzufinden. Die Pluderärmel ihrer schwarzen Mäntel waren mit schwarzen und goldenen Streifen versehen. Mit gezogenen Schwertern starrten sie auf den Torbogen, auf ihren Gesichtern zeichnete sich mit Verwirrung gepaarte grimmige Entschlossenheit ab. Zweifellos hatte es sie überrascht, in einem Raum mit nur einem Eingang Lichter zu sehen und Schritte zu hören, einen Eingang, den sie bewachten. Die Töchter breiteten sich auf beiden Seiten aus, duckten sich, hoben die Speere, kreisten die beiden langsam ein.

»Beim Stein, er ist es«, sagte einer der Männer und steckte das Schwert schnell weg. Er war stämmig und hatte eine wulstige Narbe, die auf seiner Stirn begann und sich über seinen Nasenrücken bis zum Kiefer hinunterzog. Er machte eine tiefe Verbeugung, breitete die Hände in den stahlverstärkten Handschuhen weit aus. »Mein Lord Drache«, sagte er. »lagin Handar, mein Lord. Der Stein steht. Ich habe das hier an diesem Tag davongetragen.« Er berührte die Narbe.

»Eine ehrenwerte Wunde, Handar, und ein Tag, den man in Erinnerung behalten soll«, sagte Rand zu ihm, während der andere, viel schlankere Mann hastig die Klinge wegsteckte und sich verbeugte. Erst dann senkten die Töchter die Speere, aber ihre Gesichter blieben verschleiert. Ein Tag, den man in Erinnerung behalten sollte? Trollocs und Myrddraals im Inneren des Steins. Das zweite Mal, dass er Callandor wirklich benutzt hatte, Das Schwert, das kein Schwert war, so benutzt hatte, wie es gedacht war. Überall hatten die Toten herumgelegen. Ein totes Mädchen, das er nicht wieder zum Leben erwecken konnte. Wer konnte schon so einen Tag vergessen? »Ich weiß, dass ich den Befehl gegeben habe, dass man das Herz bewacht, solange Callandor dort ist, aber warum steht ihr beide noch immer Wache?«

Beide Männer wechselten verblüffte Blicke. »Ihr habt den Befehl gegeben, Wachtposten aufzustellen, mein Lord Drache«, sagte Handar, »und die Verteidiger gehorchen, aber Ihr habt nie etwas von Callandor gesagt, außer dass sich ihm niemand nähern soll, es sei denn, sie haben Beweise, dass sie von Euch kommen.« Plötzlich zuckte der stämmige Mann zusammen und verbeugte sich erneut, diesmal nur tiefer. »Vergebt mir, mein Lord, wenn ich Eure Anordnungen scheinbar in Frage stelle. Das habe ich nicht vor. Soll ich die Hochlords in Eure Gemächer rufen? Eure Gemächer sind für Eure Rückkehr bereitgehalten worden.«

»Das ist nicht nötig«, sagte Rand. »Darlin wird mich erwarten, und ich weiß, wo ich ihn finde.«

Handar verzog das Gesicht. Der andere Mann fand plötzlich etwas ungeheuer Interessantes auf dem Boden, was es zu studieren galt. »Ihr werdet vielleicht einen Führer brauchen, mein Lord«, sagte Handar langsam. »Die Korridore… Manchmal verändern sich die Korridore.«

Aha. Also löste sich das Muster tatsächlich. Das bedeutete, der Dunkle König berührte die Welt mehr, als er es seit dem Krieg des Schattens getan hatte. Falls es sich vor Tarmon Gai’don zu stark lockerte, konnte sich das Zeitaltergewebe auflösen. Das Ende von Zeit und Realität und Schöpfung. Irgendwie musste es ihm gelingen, die Letzte Schlacht herbeizuführen, bevor das geschah. Aber er wagte es nicht. Noch nicht.

Er versicherte Handar und dem anderen Mann, dass er keinen Führer brauchte, und die beiden verneigten sich erneut, anscheinend davon überzeugt, dass der Wiedergeborene Drache alles tun konnte, was er sagte. In Wahrheit wusste er, dass er Alanna lokalisieren konnte — er hätte direkt auf sie zeigen können —, und sie hatte sich bewegt, seit er sie das erste Mal gefühlt hatte. Sicher um Darlin zu finden und ihn darüber zu informieren, dass Rand al’Thor kam. Min hatte sie als eine von jenen bezeichnet, die er in der Hand hatte, aber Aes Sedai fanden immer eine Möglichkeit, alle gegeneinander auszuspielen. Sie hatten immer eigene Pläne, eigene Ziele. So wie Nynaeve und Verin. So wie sie alle.

»Sie springen, wenn Ihr nur Kröte sagt«, bemerkte Cads uane kühl und schlug die Kapuze zurück, während sie sich vom Herz entfernten. »Das kann schlecht für Euch sein, wenn zu viele Leute springen, wenn Ihr nur den Mund aufmacht.« Sie hatte wirklich Nerven! Das musste ausgerechnet sie sagen! Verfluchte Cadsuane Melaidhrin!

»Ich führe einen Krieg«, erwiderte er grob. Die Übelkeit zerrte an seinen Nerven. Das war teilweise der Grund für seine Schroffheit. »Je weniger Leute gehorchen, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass ich verlieren werde, und wenn ich verliere, verlieren alle. Wenn ich jeden zum Gehorsam zwingen könnte, dann würde ich das tun!« Es gab schon genügend Leute, die nicht gehorchten oder so gehorchten, wie sie es für richtig hielten. Warum, beim Licht, sollte Min Mitleid verspüren?

Cadsuane nickte. »Wie ich mir gedacht habe«, murmelte sie nachdenklich. Und was sollte das jetzt schon wieder bedeuten?

Der Stein hatte alles, was ein Palast brauchte, von Wandteppichen aus Seide und dicken Läufern aus Tarabon und Altara und Tear selbst auf den Böden bis hin zu goldenen Spiegelkandelabern. Truhen an den Steinwänden dienten zwar als Stauraum für die Putzsachen der Dienerschaft, aber sie waren aus seltenen Hölzern gefertigt, oft aufwändig beschnitzt und immer mit vergoldeten Reifen versehen. In Nischen standen Schüsseln und Vasen aus Meervolkporzellan, dünn wie Blätter und das Vielfache ihres Gewichts in Gold wert, oder massive, edelsteinübersäte Statuen. Ein goldener Leopard mit Rubinaugen versuchte einen Silberhirschen von einem Fuß Größe mit perlenbesetztem Geweih zu reißen, und da war ein goldener Löwe mit Smaragdaugen und Feuertropfen als Krallen, der noch größer war; andere waren so übertrieben mit Edelsteinen besetzt, dass kein Metall mehr zu sehen war. Diener in schwarzgoldener Livree verbeugten sich oder machten einen Knicks, während Rand durch den Stein schritt, und jene, die ihn erkannten, verbeugten sich besonders tief. Ein paar Augen weiteten sich beim Anblick der Töchter, die hinter ihm hergingen, aber ihre Überraschung verlangsamte nie ihre Ehrenbezeugungen.

Alles, was ein Palast brauchte, aber der Stein war sowohl im Inneren wie im Äußeren für den Krieg gebaut worden. Wo immer sich zwei Korridore kreuzten, war die Decke mit Mordlöchern übersät. Hoch oben in den Wänden zeigten sich Schießscharten zwischen Wandteppichen, in einem Winkel, dass der Korridor in beide Richtungen gedeckt war, und keine Treppenflucht, die nicht mit Pfeilen oder Armbrustbolzen überschüttet werden konnte. Nur ein Angreifer hatte es je geschafft, sich den Zugang zum Stein zu erzwingen, die Aiel, und sie hatten die Opposition zu schnell zur Seite gefegt, als dass viele dieser Verteidigungseinrichtungen ins Spiel gekommen wären, aber jeder andere Feind, der in den Stein gelangte, würde für jeden Korridor einen hohen Blutzoll zahlen. Aber das Schnelle Reisen hatte die Kriegsführung für immer verändert. Wegetore und Feuerblüten und so viel mehr. Der Blutzoll würde immer noch gezahlt werden müssen, aber Steinmauern und hohe Türme konnten keinen Angriff mehr abhalten. Die Asha’man hatten den Stein so überflüssig gemacht wie die Bronzeschwerter und Steinäxte, die Männer nach der Zerstörung der Welt so oft gezwungen waren zu benutzen. Die älteste Festung der Menschheit war jetzt ein Relikt.