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»Das kann erledigt werden«, sagte Zaida, ohne ihre Erl eichterung besonders gut zu verbergen, obwohl sie Harine mit einem Stirnrunzeln bedachte. Pelanna warf ihr natürlich ebenfalls einen finsteren Blick zu, aber das taten auch Lacine und Niolle und mehrere andere. Harine unterdrückte ein Seufzen.

Einige Einzelheiten des Handels waren ziemlich lästig, wie sie zugeben musste, etwa die Forderung, dass die Herrin der Schiffe bereit sein musste, ihm im Verlauf von zwei Jahren dreimal die Aufwartung zu machen. Die Jendai-Prophezeiung besagte, dass die Atha’an Miere dem Coramoor dienen würden, aber nur wenige Auslegungen, wie sie dienen sollten, schlossen ein, dass die Herrin der Schiffe angerannt kam, wenn er pfiff. Aber die anderen waren nicht dabei gewesen, hatten nicht mit Aes Sedai verhandeln müssen, die davon überzeugt gewesen waren, dass sie gar keine andere Wahl gehabt hatte, als in jedes Abkommen einfach einzuwilligen. Beim Licht der Wahrheit, es war ein Wunder, dass sie so viel herausgeholt hatte!

»Waren für mehr als eine Million Menschen, Herrin der Schiffe«, fügte Logain so beiläufig hinzu, als würde er um einen weiteren Pokal Wein bitten. »Wie viele mehr, das kann ich nicht sagen, aber Bandar Eban leidet Hunger. Die Schiffe müssen so schnell wie möglich dort eintreffen.«

Ein Schock ging durch die Kabine. Harine war nicht die Einzige, die einen Schluck Wein trank. Selbst Zaidas Augen weiteten sich vor Erstaunen. »Das könnte mehr Klipper erfordern, als wir besitzen«, sagte sie schließlich, unfähig, den Unglauben aus ihrer Stimme zu halten.

Logain zuckte mit den Schultern, als würde das nicht zählen. »Trotzdem, das fordert er von Euch. Nehmt andere Schiffe, wenn es sein muss.«

Zaida versteifte sich. Forderte? Ob sie nun ein Abkommen hatten oder nicht, solche Worte durfte man bei ihr nicht benutzen.

Turane schlüpfte wieder in die Kabine und rannte — obwohl es gegen jedes Protokoll verstieß — zu Zaida; ihre nackten Füße klatschten auf die Planken. Sie beugte sich vor und flüsterte der Herrin der Schiffe ins Ohr. Langsam stahl sich Entsetzen in Zaidas Miene. Sie hob ihr Duftkästchen an, dann erbebte sie und ließ es auf ihren Busen fallen.

»Schickt sie rein«, sagte sie. »Schickt sie sofort herein. Es gibt eine Neuigkeit, die selbst einen Anker weinen lassen würde«, fuhr sie fort, als Turane aus der Kabine raste. »Ich werde sie euch allen von der Person mitteilen lassen, die sie überbracht hat. Ihr müsst warten«, fügte sie hinzu, als Logain den Mund öffnete. »Ihr müsst warten.« Er hatte genug Verstand, den Mund zu halten, aber nicht, um seine Ungeduld zu verbergen; er ging auf die andere Seite der Kabine und stand mit angespanntem Mund und gerunzelter Stirn da.

Die junge Frau, die eintrat und sich tief vor Zaida verbeugte, war groß und schlank, und man hätte sie als hübsch bezeichnen können, wäre ihr Gesicht nicht so eingefallen gewesen. Ihre blaue Leinenbluse und die grünen Hosen sahen aus, als würden sie seit Tagen getragen, und sie schwankte vor Müdigkeit. Ihre Ehrenkette hielt nur eine Hand voll Medaillons, wie es sich bei ihrer Jugend auch gehörte, aber Harine entging keinesfalls, dass nicht weniger als drei von ihnen für Taten von großem Mut verliehen worden waren.

»Ich bin Cemeille din Selaan Große Augen, Herrin der Schiffe«, sagte sie heiser, »Herrin der Segel des Springers Windläufer. Ich bin so schnell gesegelt, wie ich konnte, aber ich fürchte, es ist zu spät, um noch etwas tun zu können. Ich habe bei jeder Insel zwischen Tremaiking und hier angehalten, aber ich kam immer zu spät.« Tränen liefen ihr über die Wangen, aber sie schien sich dessen nicht bewusst zu sein.

»Erzählt den Ersten Zwölf Eure traurige Geschichte auf Eure Weise, so wie Ihr es für richtig haltet«, sagte Zaida sanft. »Amylia, gebt Ihr Wein!« Das kam nicht sanft heraus. Die Aes Sedai sprang.

»Es ist fast drei Wochen her«, sagte Cemeille, »da fingen die Amayar auf Tremaiking an, das Geschenk der freien Überfahrt auf jede Insel zu erbitten. Immer ein Mann und eine Frau zu jeder Insel. Die, die nach Aile Somera baten, verlangten, dass man sie außer Sichtweite vom Land in Booten aussetzte, als sie erfuhren, dass die Seanchaner ganz Somera besetzt halten.« Sie nahm von Amylia einen vollen Pokal entgegen, nickte dankend und trank.

Harine warf Mareil einen fragenden Blick zu, die kaum merklich den Kopf schüttelte. Soweit Harine sich erinnern konnte, hatte kein Amayar jemals um das Geschenk der freien Überfahrt gebeten, obwohl es für sie wirklich ein Geschenk darstellte, ohne dass ein Gegengeschenk erwartet wurde. Und sie mieden das Salz, entfernten sich mit ihren kleinen Fischerbooten nie von der Küste, darum war die Bitte, sie außerhalb der Sichtweite vom Land auszusetzen, genauso seltsam wie die Bitte um Überfahrt. Aber was konnte daran so schlimm sein?

»Alle Amayar in den Häfen gingen, selbst jene, die noch von den Werften oder den Seilmachereien Geld bekamen, aber zwei oder drei Tage lang hat sich keiner etwas dabei gedacht.« Der Wein hatte Cemeilles Kehle nicht genug befeuchtet, um ihre Heiserkeit zu lindern. Sie rieb sich mit dem Handrücken die Tränen von den Wangen. »Nicht, bis uns auffiel, dass keiner zurückgekommen war. Der Gouverneur schickte Leute in die Amayar-Dörfer, und sie fanden…« Sie kniff die Augen zusammen. »Die Amayar waren alle tot oder lagen im Sterben. Männer, Frauen…« — ihre Stimme brach — »… Kinder.«

Trauerklagen erhoben sich in der Kabine, und Harine ertappte sich überrascht dabei, dass der schrille Laut auch aus ihrem Mund kam. Traurig genug, um einen Anker weinen zu lassen? Das sollte den Himmel schluchzen lassen. Kein Wunder, dass die Herrin der Segel heiser war. Wie viele Stunden, wie viele Tage hatte sie geweint, seit sie von dieser Katastrophe erfahren hatte?

»Wie?«, wollte Pelanna wissen, als die Klage erstarb. Sie lehnte sich mit bestürzter Miene auf ihrem Gesicht vor. Sie hielt sich das Duftkästchen vor die Nase, als könnte der Duft den Gestank dieser Nachricht irgendwie abhalten.

»Eine Krankheit? Sprecht, Frau!«

»Gift, Herrin der Wogen«, erwiderte Cemeille. Sie kämpfte um Beherrschung, trotzdem liefen die Tränen weiter.

»Wo ich auch war, es war überall das Gleiche. Sie gaben ihren Kindern ein Gift, das sie in einen tiefen Schlaf versetzte, aus dem sie nicht mehr erwachten. Anscheinend hatten sie nicht genug davon für alle, also nahmen viele der Erwachsenen ein langsamer wirkendes Gift. Einige lebten noch lange genug, um gefunden zu werden und die Geschichte zu erzählen. Die Große Hand auf Tremaiking ist geschmolzen. Der Hügel, auf dem sie stand, ist jetzt Berichten zufolge eine tiefe Senke. Anscheinend hatten die Amayar Prophezeiungen, die von der Hand sprachen, und als sie zerstört wurde, glaubten sie, das würde das Ende der Zeit bedeuten, was sie als das Ende der Illusion bezeichneten. Sie glaubten, die Zeit sei gekommen, diese… diese Illusion…« — dieses Wort ließ sie bitter lachen — »… die wir Welt nennen, zu verlassen.«

»Ist keiner gerettet worden?«, fragte Zaida. »Nicht einer?« Auch auf ihren Wangen funkelten Tränen, aber das konnte Harine ihr nicht zum Vorwurf machen. Ihre Wangen waren ebenfalls feucht.

»Keiner, Herrin der Schiffe.«

Zaida stand auf, und Tränen oder nicht, sie hatte eine befehlsgewohnte Ausstrahlung, und ihre Stimme war beherrscht. »Die schnellsten Schiffe müssen zu jeder Insel geschickt werden. Selbst jene von Aile Somera. Ein Weg muss gefunden werden. Als sich das Salz nach der Zerstörung der Welt glättete, erbaten die Amayar unseren Schutz vor Gesetzlosen und Seeräubern, und wir schulden ihnen diesen Schutz noch immer. Und wenn wir nur eine Hand voll von ihnen noch lebend finden, wir schulden es ihnen noch immer.«