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»Das tue ich«, erwiderte Romanda. Mit siebenundvierzig Männern, die die Macht lenken konnten, würden sie ihre Zirkel so weit ausdehnen können, wie das möglich war. Vielleicht sogar einen Zirkel, der sie alle mit einschloss. Falls es Grenzen gab, würde man die in Erfahrung bringen müssen.

Faiselle sprang auf die Füße, als wäre das hier eine formelle Sitzung. »Das muss besprochen werden. Ich verlange eine formelle Sitzung.«

»Dafür sehe ich keine Notwendigkeit«, sagte Romanda und blieb sitzen. »Das ist viel besser als… als das, auf das wir uns zuvor geeinigt hatten.« Es machte keinen Sinn, zu viel vor dem Jungen zu sagen. Oder vor Merise. Was war ihre Verbindung zu dem Wiedergeborenen Drachen? Konnte sie eine der Schwestern sein, die ihm angeblich den Treueid geschworen hatten?

Saroiya stand bereits, bevor Romanda zu Ende gesprochen hatte. »Da ist noch immer die Frage der Vereinbarungen, um sicherzugehen, dass wir die Kontrolle haben. Darauf haben wir uns noch immer nicht geeinigt.«

»Ich glaube, der Behüterbund wird sämtliche Vereinb arungen überflüssig machen«, sagte Lyrelle trocken.

Faiselle erhob sich hastig, und sie und Saroiya sprachen fast gleichzeitig. »Der Makel…« Sie verstummten, starrten sich gegenseitig misstrauisch an.

»Saidin ist sauber«, sagte Jahar, obwohl ihn niemand ang esprochen hatte. Merise hätte dem Jungen wirklich Benehmen beibringen können, wenn sie ihn schon in den Saal brachte.

»Sauber?«, sagte Saroiya verächtlich.

»Es ist seit mehr als dreitausend Jahren beschmutzt«, warf Faiselle scharf ein. »Wie kann es da sauber sein?«

»Ruhe!«, fauchte Romanda und versuchte, die Kontrolle wiederzuerlangen. »Ruhe!« Sie starrte Saroiya und Faiselle so lange an, bis sie wieder ihre Sitze einnahmen, dann wandte sie ihre Aufmerksamkeit erneut Merise zu. »Kann ich davon ausgehen, dass Ihr Euch mit ihm verknüpft habt?« Die Grüne nickte bloß. Sie mochte ihre gegenwärtige Gesellschaft wirklich nicht und wollte kein Wort mehr als nötig sagen. »Könnt Ihr bestätigen, dass Saidin vom Makel befreit ist?«

Die Frau zögerte nicht. »Das kann ich. Ich habe lange gebraucht, bis ich davon überzeugt war. Die männliche Hälfte der Macht ist viel fremder, als ihr euch vorstellen könnt. Nicht die unerbittliche und dennoch sanfte Macht Saidars, sondern eher ein wildes Meer aus Feuer und Eis, das von einem Wirbelsturm aufgepeitscht wird. Und doch bin ich überzeugt. Es ist sauber.«

Romanda atmete tief aus. Ein Wunder, um wenigstens einige der Schrecken auszugleichen. »Wir haben keine formelle Sitzung, aber ich stelle die Frage. Wer steht auf, um dieses Angebot zu akzeptieren?« Sie stand, bevor sie zu Ende gesprochen hatte, aber Lelaine war noch schneller als sie, und Janya schlug sie beide. Augenblicke später waren bis auf Saroiya und Faiselle alle auf den Beinen. Außerhalb der Abschirmung drehten sich Köpfe, als Schwestern zweifellos darüber zu diskutieren begannen, was möglicherweise gerade beschlossen worden war. »Der geringere Konsens ist getroffen, das Angebot, mit siebenundvierzig Asha’man den Bund einzugehen, ist angenommen.« Saroiya ließ die Schultern hängen, und Faiselle atmete heftig aus.

Romanda rief im Namen der Einheit nach dem großen Konsens, aber es überraschte sie nicht, dass die beiden stur auf ihren Plätzen sitzen blieben. Schließlich hatten sie vehement gegen eine Annäherung an die Asha’man gekämpft, hatten sich trotz Gesetz und Brauchtum darum bemüht, sie zu verhindern, selbst nachdem man sie beschlossen hatte. Aber nun war es vollbracht, und das sogar ohne die Notwendigkeit einer zeitweiligen Allianz. Der Bund würde natürlich ein Leben lang halten, und doch würde es besser als jede Allianz sein. Sie hätte zu viel Gleichheit impliziert.

»Eine seltsame Zahl, siebenundvierzig«, meinte Janya nachdenklich. »Darf ich Eurem Behüter eine Frage stellen, Merise ? Danke. Jahar, wie ist der Wiedergeborene Drache auf diese Zahl gekommen?« Eine sehr gute Frage, dachte Romanda. Durch den Schock, das erreicht zu haben, was sie brauchten, ohne auch nur im mindesten eine Partnerschaft eingehen zu müssen, war sie selbst gar nicht darauf gekommen.

Jahar nahm die Schultern zurück, als hätte er mit dieser Frage gerechnet und würde eine Antwort fürchten. Aber sein Gesicht blieb hart und kalt. »Es sind bereits einundfünfzig Schwestern von Asha’man gebunden worden, und vier von uns sind mit Aes Sedai verbunden. Es waren fünf von uns, aber einer starb, als er seine Aes Sedai verteidigte. Haltet seinen Namen in Erinnerung. Eben Hopwil. Haltet ihn in Erinnerung!«

Auf den Bänken herrschte verblüfftes Schweigen. Romanda kam sich vor, als hätte sie einen Eisklumpen im Leib. Einundfünfzig Schwestern? Von Asha’man gebunden? Das war abscheulich!

»Manieren, Jahar!«, fauchte Merise. »Ich will Euch das nicht noch einmal sagen müssen!«

Schockierenderweise ging er jetzt auf sie los. »Sie müssen es wissen, Merise. Sie müssen es wissen!« Er drehte sich wieder um und ließ die Blicke über die Bänke schweifen. In seinen Augen loderte es. Er hatte sich nicht gefürchtet. Er war wütend gewesen und war es immer noch. »Eben war mit seiner Daigian und Beldeine verknüpft, und Daigian kontrollierte die Verknüpfung, und als sie sich einer der Verlorenen gegenübersahen, konnte er nur noch rufen ›Sie lenkt Säidirk und sie mit dem Schwert angreifen. Und trotz allem, was sie ihm angetan hat, so zerstört er war, er schaffte es, sich am Leben festzuklammern, an Saidin festzuklammern, lange genug, dass Daigian sie vertreiben konnte. Also haltet seinen Namen in Erinnerung! Eben Hopwil. Er hat noch für seine Aes Sedai gekämpft, lange nachdem er hätte tot sein müssen!«

Nachdem er verstummt war, sagte keiner ein Wort, bis Escaralde schließlich ganz leise sagte: »Wir werden ihn in Erinnerung behalten, Jahar. Aber wie konnten einundfünfzig Schwestern von Asha’man… gebunden werden?« Sie beugte sich vor, als würde seine Antwort genauso leise erfolgen.

Der Junge zuckte mit den Schultern, noch immer wütend. Asha’man, die Aes Sedai an sich banden, das kümmerte ihn nicht. »Elaida hat sie geschickt, um uns zu vernichten. Der Wiedergeborene Drache hat einen Befehl erlassen, dass keine Aes Sedai verletzt werden darf, es sei denn, sie versucht zuerst, einen von uns zu verletzen, also entschied sich Taim, sie gefangen zu nehmen und zu binden, bevor sie Gelegenheit dazu hatten.«

Aha. Sie waren Elaidas Anhängerinnen. Sollte das einen Unterschied machen? Irgendwie tat es das, jedenfalls ein kleines bisschen. Aber jede Schwester, die von einem Asha’man gebunden wurde, brachte das Thema Gleichheit erneut zur Sprache, und das war nicht zu tolerieren.

»Ich habe eine andere Frage an ihn, Merise«, sagte Moria und wartete, bis die Grüne nickte. »Ihr habt Euch jetzt zweimal so ausgedrückt, als hätte eine Frau Saidin gelenkt. Warum? Das ist unmöglich.« Zustimmendes Gemurmel ertönte im Pavillon.

»Das mag unmöglich sein«, erwiderte der Junge kühl, »aber das hat sie getan. Daigian hat uns erzählt, was Eben gesagt hat, und sie konnte nicht das Geringste fühlen, nicht einmal, als die Frau die Macht lenkte. Es muss Saidin gewesen sein.«

Abermals ertönte der leise Gong in Romandas Hinterkopf, und sie wusste wieder, wo sie den Namen Cabriana Mecandes gehört hatte. »Wir müssen sofort die Festnahme von Delana und Halima anordnen«, sagte sie.

Natürlich musste sie das erklären. Nicht einmal der Amyrlin-Sitz konnte ohne Erklärung die Festnahme einer Sitzenden anordnen. Die Ermordung von zwei Schwestern mit Hilfe von Saidin, die enge Freundinnen Cabrianas gewesen waren, eine Frau, mit der Halima angeblich ebenfalls befreundet gewesen war. Eine Verlorene, die die männliche Hälfte der Macht lenkte. Die anderen waren nicht überzeugt, vor allem nicht Lelaine, nicht bevor eine gründliche Durchsuchung des Lagers keine der Frauen zum Vorschein brachte. Man hatte gesehen, wie sie zum Reisegrund gingen, Delana und ihre Dienerin mit schweren Bündeln und hinter Halima her eilend, aber sie waren weg.