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»Oh. Nein. Ich habe nur drei Banner Pferde und viertaus end berittene Armbrustmänner mitgebracht. In Murandy habe ich drei Banner Pferde und fünf Infanterien zurückgelassen, die jetzt etwas knapp mit Armbrustmännern sind, mit dem Befehl, nach Norden auf Andor zu marschieren. Und natürlich das Banner Maurer. Praktisch, Maurer dabeizuhaben, wenn man eine Brücke oder so etwas braucht.«

Einen Augenblick lang kniff Mat fest die Augen zu. Sechs Banner Pferde und fünf zu Fuß. Und ein Banner Maurer! Als er die Bande in Salidar zurückgelassen hatte, hatte sie nur aus zwei Bannern Pferde und Fußsoldaten bestanden! Er wünschte sich, er könnte die Hälfte des Goldes zurückfordern, das er Luca so freigebig gegeben hatte. »Wie soll ich so viele Männer bezahlen?«, wollte er wissen. »In einem Jahr könnte ich nicht so viele Würfelspiele finden!«

»Nun, was das angeht, ich habe mit König Roedran ein kleines Geschäft gemacht. Wir sind fertig mit ihm, und keinen Augenblick zu früh… ich glaube, er stand kurz davor, sich gegen uns zu wenden; ich erkläre das später. Aber die Schatztruhen der Bande enthalten den Sold für ein Jahr und länger. Davon abgesehen wird der Wiedergeborene Drache Euch früher oder später Güter geben, und zwar großartige. Wie ich gehört habe, hat er Männer zu Herrschern über Nationen gemacht, und Ihr seid zusammen mit ihm aufgewachsen.«

Diesmal kämpfte er nicht gegen die Farben an, als sie sich zu Rand und der Aes Sedai verfestigten. Es war eine Aes Sedai, bestimmt. Sie wirkte wie eine harte Frau. Sollte Rand versuchen, ihm irgendwelche Titel aufzudrängen, würde er sie ihm in den Rachen rammen, genau das würde er tun. Mat Cauthon mochte keine Adligen — nun ja, ein paar wie Talmanes waren schon ganz in Ordnung, und da war Tuon; die durfte man nicht vergessen! —, und er hatte bestimmt nicht das Verlangen, einer zu werden! Trotzdem sagte er: »Kann schon sein.«

Selucia räusperte sich laut. Sie und ihre Herrin lenkten ihre Pferde an Mats Seite, und Tuon saß so gerade im Sattel, so kühl und so majestätisch, dass er erwartete, dass Selucia ihre Titel verkünden würde. Das tat sie jedoch nicht. Stattdessen rutschte sie auf ihrem Braunen herum und schaute ihn finster an, ihre Augen waren wie blaue Kohlen in einem Feuer, dann räusperte sie sich erneut. Sehr laut. Ah.

»Tuon«, sagte Mat, »erlaubt mir, Euch Lord Talmanes Delovinde von Cairhien vorzustellen. Seine Familie ist alt und ehrenhaft, und er hat ihr noch mehr Ehre gemacht.« Die kleine Frau neigte den Kopf. Vielleicht einen ganzen Fingerbreit. »Talmanes, das ist Tuon.« Solange sie ihn Spielzeug nannte, würde sie von ihm keine Titel zu hören bekommen. Selucia starrte wieder, mit noch hitzigerem Blick, so unmöglich das auch erschien.

Talmanes jedoch blinzelte überrascht und verbeugte sich sehr tief auf seinem Sattel. Vanin zog die hängende Krempe seines Hutes noch tiefer und verbarg sein Gesicht zur Hälfte. Er vermied es noch immer, Mat direkt anzusehen. Aha. Also hatte der Mann Talmanes anscheinend schon genau darüber informiert, wer Tuon war.

Mat knurrte kaum hörbar und beugte sich vor, um den Hut vom Speer zu nehmen und den Ashandarei aus dem Boden zu ziehen. Er rammte sich den Hut auf den Kopf.

»Wir wollten weiterreiten, Talmanes. Bringt uns zu Euren Männern, und wir werden sehen, ob wir auf dem Weg aus Altara genauso viel Glück haben werden, die Seanchaner zu meiden, wie Ihr auf dem Weg ins Land.«

»Wir haben viele Seanchaner gesehen«, sagte Talmanes und wendete seinen Braunen, um sich an Pips’ Seite zu setzen.

»Allerdings scheinen die meisten Männer, die wir unterwegs gesehen haben, Altaraner gewesen zu sein. Anscheinend haben sie überall Lager aufgeschlagen. Glücklicherweise haben wir keine dieser fliegenden Kreaturen gesehen, von denen Ihr erzählt habt. Aber es gibt ein Problem, Mat. Da gab es einen Erdrutsch. Ich habe meine Nachhut und einige der Lastpferde verloren. Der Pass ist blockiert, Mat. Ich habe drei Männer losgeschickt, die versuchen sollten, mit Befehlen, die die Bande nach Andor schickten, darüber hinwegzuklettern. Einer hat sich den Hals gebrochen, ein anderer das Bein.«

Mat hielt Pips an. »Ich nehme an, das ist derselbe Pass, von dem Vanin gesprochen hat?«

Talmanes nickte, und Vanin, der sich noch weiter nach hinten verziehen wollte, sagte: »Verdammt richtig, das war er. Pässe wachsen nicht auf Bäumen, nicht in Bergen wie den Damonas.« Er hatte Ränge noch nie respektiert.

»Dann werdet Ihr einen anderen finden müssen«, erwiderte Mat. »Ich habe gehört, dass Ihr auch einen Weg um Mitternacht mit verbundenen Augen findet. Das sollte Euch nicht schwerfallen.« Schmeichelei konnte nie schaden. Davon abgesehen hatte er das tatsächlich über den Mann gehört.

Vanin gab einen Laut von sich, als würde er seine Zunge verschlucken. »Einen anderen Pass finden, sagt der Mann. In Bergen wie den Damonas findet man nicht so einfach einen anderen Pass. Warum, glaubt Ihr, kannte ich nur den einen?« Er musste erschüttert sein, um das zuzugeben. Zuvor hatte er steif und fest behauptet, nur davon gehört zu haben.

»Was meint Ihr?«, wollte Mat wissen, und Vanin erklärte es. Ziemlich ausführlich, soweit es ihn betraf.

»Das hat mir mal eine Aes Sedai erklärt. Versteht Ihr, es gibt alte Berge. Die gab es schon vor der Zerstörung der Welt, vielleicht auf dem Meeresgrund oder so. Die haben viele Pässe, sind breit und sanft. Da kann man hineinreiten, und solange man die Nerven behält und die Richtung kennt und genügend Vorräte hat, kommt man früher oder später auf der anderen Seite an. Und dann gibt es die Berge, die während der Zerstörung der Welt erschaffen wurden.« Der fette Mann wandte den Kopf und spuckte großzügig aus.

»In denen sind die Pässe schmale, gewundene Dinge, und manchmal sind sie auch nicht das, was man als Pass bezeichnen kann. Reitet man in einen von denen hinein, kann man umherwandern, bis der Proviant alle ist, ohne einen Weg auf die andere Seite zu finden. Der Verlust dieses Passes wird einer Menge Leute schaden, die ihn für, sagen wir, unversteuerte Ware benutzen, und Männer werden sterben, bevor sie einen neuen finden, der sie auf die andere Seite bringt. Ziehen wir ohne diesen Pass in die Damonas, werden wir vermutlich auch alle sterben. Die, die nicht rechtzeitig umkehren, die werden auch den Rückweg nicht mehr finden.«

Mat sah sich um, schaute Tuon an, die Aes Sedai, Olver.

Sie alle verließen sich darauf, dass er sie in Sicherheit brachte, aber seine sichere Route aus Altara heraus gab es nicht länger. »Reiten wir«, sagte er. »Ich muss nachdenken.« Er musste verflucht noch mal so angestrengt nachdenken, wie er nur konnte.

26

Wie eine Welt aus Nebel

Spielzeug legte ein schnelles Tempo durch den Wald vor, aber Tuon ritt dicht hinter ihm — natürlich mit Selucia an ihrer Seite —, damit sie ihm und Talmanes zuhören konnte. Allerdings lenkten sie ihre eigenen Gedanken beim Lauschen ab. Er war also zusammen mit dem Wiedergeborenen Drachen aufgewachsen? Dem Wiedergeborenen Drachen! Und er hatte abgestritten, etwas über den Mann zu wissen. Das war eine seiner Lügen, die ihr durchgegangen war, und sie war gut darin, Lügen zu erahnen. In Seandar konnte die nicht erahnte Lüge die Lüge sein, die einen das Leben kostete oder einen auf den Sklavenmarkt brachte. Hätte sie von seinen Ausflüchten gewusst, hätte sie ihn vermutlich eher geohrfeigt, als ihm zu erlauben, sie zu küssen. Nun, das war eine Überraschung gewesen, und sie war sich nicht sicher, ob sie sich davon schon erholt hatte. Selucia hatte ihr beschrieben, wie es war, von einem Mann geküsst zu werden, aber die Wirklichkeit wurde der Beschreibung nicht einmal annähernd gerecht. Nein, sie musste zuhören.