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Gaul schlüpfte ins Wasser. Er musste sich beinahe verbieg en, um in den Aquädukt zu passen. Perrin starrte auf die Öffnung. Es war so einfach, Gaul zu folgen. Sich abzuwenden fiel schwer. Die Reihe der seanchanischen Soldaten schlängelte sich noch immer den Abhang hinauf und hinunter.

»Mishima. Ich kehre in mein Lager zurück. Grady wird Euch in Eures bringen, wenn Ihr hier fertig seid. Verwischt die Spuren, soweit es geht, bevor Ihr geht.«

»Gut, mein Lord. Ich habe ein paar Männer abkommand iert, um Schmiere von den Achsen zu kratzen und die Windmühlen zu schmieren. Sie hören sich an, als würden sie jeden Augenblick stehen bleiben. Wir können die auf dem anderen Kamm auch behandeln.«

Perrin nahm Trabers Zügel und schaute zu den sich langsam drehenden Flügeln. Langsam, aber regelmäßig. Sie waren nie dazu gemacht worden, um sich schnell zu drehen.

»Und wenn ein paar Shaido morgen vorbeikommen und sich fragen, wo die frische Schmiere herkommt?«

Mishima sah ihn einen langen Augenblick an, das Gesicht zur Hälfte von den Mondschatten verborgen. Diesmal schienen ihn die glühenden gelben Augen nicht zu stören. Sein Geruch… Er roch, als sähe er etwas Unerwartetes. »Die Bannergeneralin hatte Recht, was Euch betrifft«, sagte er langsam.

»Was hat sie gesagt?«

»Da müsst Ihr sie schon selbst fragen, mein Lord.«

Perrin ritt den Abhang hinunter und zurück zu den Bäum en und dachte die ganze Zeit, wie einfach es doch wäre, jetzt umzukehren. Von jetzt an konnte sich Gallenne um alles kümmern. Der Plan stand fest. Aber der Mayener war der festen Überzeugung, dass der Höhepunkt einer jeden Schlacht der große Kavallerieangriff war. Und sie vorzugsweise auch damit anfing. Wie lange würde er sich an den Plan halten? Arganda war vernünftiger, aber er sorgte sich so sehr um Königin Alliandre, dass auch er möglicherweise den Sturmangriff befahl. Damit blieb nur er übrig. Der Wind wehte stark, und er zog den Umhang enger.

Grady saß auf einer kleinen Lichtung auf einem zur Hälfte bearbeiteten, moosüberwucherten Stein, der teilweise im Boden versunken war und zweifellos bei der Errichtung des Aquädukts übrig geblieben war. Von der Sorte gab es hier noch andere. Der Wind hielt seinen Geruch von Perrins Nase fern. Er schaute erst auf, als Perrin vor ihm den Hengst zügelte. Das Wegetor, mit dem sie hergekommen waren, stand noch immer geöffnet und zeigte eine andere Lichtung zwischen hohen Bäumen, nicht weit vom Lager der Seanchaner entfernt. Vielleicht wäre es bequemer gewesen, sie in die Nähe von Perrins Lager zu bringen, aber er wollte die Aes Sedai und Weisen Frauen so weit wie nur möglich von den Sul’dam und Damane entfernt wissen. Er befürchtete nicht, dass die Seanchaner Tylees Wort brachen, aber Aes Sedai und Weise Frauen verfielen allein schon bei dem Gedanken an Damane in Raserei. Vermutlich würden die Weisen Frauen und Annoura im Augenblick aber nichts unternehmen. Vermutlich. Bei Masuri war er sich da nicht so sicher. In mehrerer Hinsicht. Es war besser, ein paar Meilen Abstand zwischen ihnen zu bewahren, solange das möglich war.

»Alles in Ordnung, Grady?« Das wettergegerbte Gesicht des Mannes schien ein paar neue Falten aufzuweisen. Möglicherweise wurde dieser Eindruck auch nur von den durch die Bäume verursachten Mondschatten hervorgerufen, aber Perrin glaubte das nicht. Die Karren hatten das Wegetor mühelos passieren können, aber war es etwas kleiner als das Erste, das er Grady hatte öffnen sehen?

»Nur etwas müde, mein Lord«, sagte Grady erschöpft. Er blieb sitzen, die Ellbogen auf die Knie gestützt. »Das viele Reisen in letzter Zeit… Nun, ich hätte das Tor gestern nicht lange genug aufhalten können, damit diese vielen Soldaten durchreiten können. Darum habe ich damit angefangen, sie zu verknoten.«

Perrin nickte. Beide Asha’man waren müde. Machtlenken ermüdete einen Mann so sicher, wie den ganzen Tag einen Hammer am Schmiedeofen zu schwingen. Sogar noch mehr. Der Mann mit dem Hammer konnte viel länger durchhalten als jeder Asha’man. Darum war der Aquädukt der Weg nach Maiden hinein und kein Wegetor, darum würde es kein Wegetor geben, um Faile und die anderen dort rauszuholen, sosehr sich Perrin das auch gewünscht hätte. Die beiden Asha’man hatten nicht mehr viel zu geben, bevor sie sich ausruhen konnten, und das Wenige musste dort eingesetzt werden, wo es am meisten gebraucht wurde. Beim Licht, das war eine schwere Entscheidung gewesen. Aber konnten Grady und Neald ein dringend benötigtes Tor nicht mehr öffnen, würde das vielen Männern den Tod bringen. Eine schwere Entscheidung.

»Ich werde Euch und Neald übermorgen brauchen.«

Genauso gut hätte er sagen können, dass er Luft zum Atmen brauchte. Ohne die Asha’man war alles unmöglich.

»Ihr werdet dann viel zu tun haben.« Noch eine gewaltige Untertreibung.

»So beschäftigt wie ein Einarmiger, der die Decke kalkt, mein Lord.«

»Werdet Ihr es schaffen?«

»Ich werde es wohl müssen, mein Lord, oder?«

Perrin nickte erneut. Man tat, was getan werden musste.

»Bringt mich zurück in unser Lager. Nachdem Ihr Mishima und seine Männer in ihr Lager gebracht habt, könnt Ihr und die Töchter dort schlafen, wenn Ihr wollt.« Das würde es Grady in zwei Tagen etwas leichter machen.

»Ich weiß nicht, was die Töchter machen wollen, mein Lord, aber ich würde heute Nacht lieber nach Hause kommen.« Er drehte den Kopf, um das Wegetor ansehen zu können, ohne aufstehen zu müssen, und es wurde kleiner auf genau die umgekehrte Weise, wie es sich geöffnet hatte, der Ausblick schien zu rotieren, während es kleiner wurde, und es endete mit einem vertikalen Schlitz aus silbrig blauem Licht, das ein leicht purpurnes Schimmern in Perrins Blickfeld hinterließ, als es erlosch. »Diese Damane machen mir eine Gänsehaut. Sie wollen nicht frei sein.«

»Woher wollt Ihr das wissen?«

»Ich habe mich mit ein paar von ihnen unterhalten, wenn keine dieser Sul’dam in der Nähe waren. Sobald ich das Thema anschnitt, ob sie nicht von diesen Leinen befreit werden wollen, es auch nur andeutete, fingen sie an, nach ihren Sul’dam zu schreien. Die Damane weinten, und die Sul’dam tätschelten sie und starrten mich böse an. Hat mir eine Gänsehaut beschert.«

Traber stampfte ungeduldig mit dem Huf auf, und Perrin klopfte auf den Hals des Hengstes. Grady hatte Glück gehabt, dass ihn die Sul’dam in einem Stück hatten abziehen lassen.

»Was auch immer mit den Damane geschieht, Grady, es wird nicht diese Woche passieren und auch nicht nächste. Und es werden nicht wir sein, die das regeln. Also lasst die Damane in Ruhe. Wir haben eine Aufgabe vor uns, die erledigt werden muss.« Und einen Pakt mit dem Dunklen König, um sie zu erledigen. Er verdrängte den Gedanken. Außerdem fiel es mittlerweile schwer, Tylee Khirgan auf der Seite des Dunklen Königs zu sehen. Oder Mishima. »Versteht Ihr das?«

»Ich verstehe, mein Lord. Ich sage nur, dass es mir eine Gänsehaut macht.«

Endlich erschien ein weiterer silberblauer Strich, der sich zu einer Öffnung ausdehnte, die eine Lichtung zwischen großen, weit auseinander stehenden Bäumen zeigte. Perrin beugte sich über Trabers Hals und ritt hindurch. Das Tor schloss sich hinter ihm. Er ritt weiter, bis er zu der großen Lichtung kam, in der sich das Lager befand, ganz in der Nähe dessen, was einst das kleine Dorf Brytan gewesen war, eine Ansammlung von ungezieferverseuchten Hütten, die einen Mann nicht einmal in der regnerischsten Nacht hätten anlocken können. Die Wachtposten oben in den Bäumen gaben natürlich keinen Alarm. Sie erkannten ihn.

In diesem Augenblick wollte er nichts so sehr wie seine Wolldecken. Nun gut, Faile, aber da sie nicht da war, wollte er in der Dunkelheit allein sein. Vermutlich würde er wieder keinen Schlaf finden, aber er würde die Nacht so verbringen, wie schon so oft zuvor, in Gedanken an sie, in der Erinnerung an sie. Doch ein Stück vor dem zehn Schritte breiten Dickicht aus angespitzten Pfählen, das das Lager umgab, zog er an den Zügeln. Direkt vor den Pfählen kauerte ein Raken, der seinen langen grauen Hals senkte, damit eine Frau in einem braunen Kapuzenmantel seine ledrige Schnauze kratzen konnte. Die Kapuze hing auf ihrem Rücken und enthüllte kurz geschnittenes Haar und ein hartes, schmales Gesicht. Sie sah Perrin an, als würde sie ihn erkennen, machte aber mit dem Kratzen weiter. Der Sattel auf dem Rücken der Kreatur bot Platz für zwei Reiter. Anscheinend war ein Bote gekommen. Er ritt in einen der schmalen Wege durch die Pfähle, die für Reiter freigelassen worden waren. Aber langsam.