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Aber nun verhöhnten die Zwerge Eugen. »Das war eine Überraschung für dich, kleiner Bub, wie? Du dachtest wohl, wir wären auf eurer Seite? Keine Angst! Wir wollen keine sprechenden Pferde. Wir wollen, daß weder ihr noch die andere Sippschaft gewinnt. Ihr könnt uns nicht betrügen. Die Zwerge sind nur für die Zwerge.«

Rischda Tarkhan sprach noch zu seinen Männern. Er schmiedete Pläne für den nächsten Angriff: er wollte seine ganze Streitmacht auf einen Schlag einsetzen. Dauernd ertönte die Trommel. Dann aber hörten Tirian und seine Freunde zu ihrem Schrecken, wie aus weiter Ferne eine Trommel antwortete. Eine andere Truppe von Kalormenen hatte Rischdas Signal gehört und kam ihm zu Hilfe. Von Tirians Gesicht war nicht abzulesen, ob er nun alle Hoffnung aufgegeben hatte.

»Hört zu«, flüsterte er mit beherrschter Stimme, »wir müssen jetzt angreifen, ehe die Schurken da drüben von ihren Freunden Verstärkung bekommen.«

»Bedenkt, Majestät«, sagte Pogge, »daß wir hier die gute Holzwand des Stalles als Rückendeckung haben. Werden wir nicht eingekreist, und bekommen wir keine Schwertspitzen zwischen unsere Schultern, wenn wir vorgehen?«

»Genauso möchte ich sprechen, Zwerg«, sagte Tirian, »wenn es nicht ihr Plan wäre, uns in den Stall zu zwingen. Je weiter wir von der gefährlichen Tür entfernt sind, um so besser.«

»Der König hat recht«, bemerkte Weitsicht. »Um jeden Preis fort von diesem verwünschten Stall, was für ein Unhold auch immer darin lebt.«

»Ja, gehen wir doch«, sagte Eugen. »Ich kann den Stall schon nicht mehr sehen.«

»Gut«, sagte Tirian. »Nun blickt nach links hinüber. Dort seht ihr einen großen Felsen, der im Feuerschein weiß wie Marmor glänzt. Erst wollen wir die Kalormenen überfallen. Du, Mädchen, gehst links von uns und schießt, so schnell du kannst, in ihre Linie. Du, Adler, fliegst von rechts in ihre Gesichter. Inzwischen wollen wir andern auf sie losstürmen. Wenn wir so nahe sind, Jutta, daß du nicht länger auf sie schießen kannst, ohne uns auch zu treffen, geh zu dem weißen Felsen zurück und warte da. Ihr andern haltet eure Ohren steif, sogar in der Schlacht. In wenigen Minuten müssen wir den Feind in die Flucht schlagen oder auch nicht, denn wir sind weniger zahlreich als sie. Sobald ich ›zurück‹ rufe, stürzt zu Jutta am weißen Felsen. Wir haben dort Rückendeckung und können eine ganze Weile aufatmen. Nun los, Jutta!«

Jutta, die sich allein gelassen fühlte, rannte gut zwanzig Schritt, stellte ihr rechtes Bein zurück, ihr linkes vor und setzte einen Pfeil an die Sehne. Sie wünschte, daß ihre Hände nicht so zitterten.

»Das war ein Fehlschuß«, stellte sie fest, als ihr erster Pfeil dem Feind entgegenschwirrte und über seine Köpfe hinwegflog. Aber im nächsten Augenblick hatte sie wieder einen Pfeil an der Sehne, denn sie wußte, Eile tat not. Sie sah, wie etwas großes Schwarzes in die Gesichter der Kalormenen flog. Das war Weitsicht. Erst ein Mann, dann noch ein anderer ließ sein Schwert fallen und hob beide Hände auf, um seine Augen zu schützen. Dann verletzte Juttas Pfeil einen Mann, ein anderer verwundete einen narnianischen Wolf, der wohl dem Feinde zugelaufen war.

Jutta hatte nur ein paar Sekunden geschossen, als sie wieder aufhören mußte. Mit einem Blitzen der Schwerter, des Ebers Stoßzahn, Kleinods Horn und dem tiefen Gebell der Hunde stürzten Tirian und seine Gesellen auf die Feinde los, wie Menschen bei einem Hundertmeterlauf. Jutta war erstaunt, wie unvorbereitet die Kalormenen kämpften. Sie erkannte nicht, daß sie und der Adler daran schuld waren. Nur wenige Krieger können ständig auf die vordere Front blicken, wenn sie von einer Seite Pfeile ins Gesicht bekommen und auf der anderen Seite von einem Adler angegriffen werden.

»Gut gemacht, gut gemacht!« rief Jutta. Des Königs Gesellen schlugen ihren Weg mitten durch die feindliche Reihe. Das Einhorn schleuderte Männer hoch, wie man Heu mit der Gabel wendet. Jutta schien es sogar, als ob Eugen (der doch kaum etwas über die Fechtkunst wußte) glänzend kämpfte. Die Hunde fuhren den Kalormenen an die Kehle. Alles schien gut zu werden. War ihnen am Ende der Sieg sicher?

Da bemerkte Jutta mit Schrecken, daß zwar Kalormenen mit jedem Schwertstreich der Narnianen fielen, die Zahl der Feinde aber dennoch immer größer wurde. Von allen Seiten liefen sie mit Speeren herbei.

Dann hörte Jutta Tirians Stimme: »Zurück zum Felsen!«

Der Feind hatte Verstärkung erhalten. Die Trommel hatte ihr Werk getan.

12. Hinter der Tür

Jutta sollte schon längst zum weißen Felsen gelaufen sein. Aber noch immer schaute sie zu der Schlacht hinüber. Das war so aufregend, daß sie alles andere vergaß. Nun fiel ihr wieder ein, was Tirian befohlen hatte. Sofort drehte sie sich um und rannte los. Fast gleichzeitig mit den anderen traf sie an dem verabredeten Platz ein. So standen sie alle einen Augenblick lang mit dem Rücken zum Feinde. Als sie den weißen Felsen erreicht hatten, drehten sie sich um, und ein furchtbarer Anblick bot sich ihnen.

Ein Kalormene rannte zur Stalltür. Er trug etwas Zappelndes, das nach ihm stieß. Als er etwas näher an ihnen vorbeikam, konnten sie deutlich sehen: Es war Eugen. Tirian und das Einhorn stürzten vor, um ihn zu retten. Aber der Kalormene war nun viel näher an der Tür als sie. Ehe sie den Weg zur Hälfte zurückgelegt hatten, hatte der Kalormene Eugen schon in den Stall geworfen und die Tür hinter ihm geschlossen. Ein halbes Dutzend Kalormenen war den beiden gefolgt. Sie hatten sich in dichter Reihe an der vorderen Stallwand aufgebaut. Kein Narniane konnte nun mehr herankommen.

Jutta hatte ihr Gesicht abgewandt, so weit wie möglich von ihrem Bogen entfernt.

»Auch, wenn ich nicht aufhören kann zu heulen, meine Sehne soll nicht naß werden«, sagte sie.

»Achtung, Pfeile!« rief Pogge plötzlich.

Jeder duckte sich und zog seinen Helm dicht über die Nase. Die Hunde verkrochen sich hinter ihnen. Die Pfeile galten aber nicht den Narnianen. Diesmal schossen Krall und seine Zwerge kaltherzig auf die Kalormenen.

»Laßt nicht nach, Jungs!« rief Krall. »Alle zusammen. Wir wollen keine Kalormenen, keine Affen, keine Löwen, keine Könige. Die Zwerge sind für die Zwerge!«

Was man auch immer über Zwerge denken mag, keiner kann ihnen nachsagen, sie seien nicht tapfer. Sie hätten leicht zu einem sicheren Ort gefunden, doch sie zogen vor zu bleiben und töteten auf beiden Seiten, so viele sie nur konnten. Sie wollten Narnia für sich selbst.

Sie bedachten dabei nicht, daß die Kalormenen gepanzert, die Pferde aber schutzlos gewesen waren. Die Kalormenen hatten außerdem einen Anführer. Rischda Tarkhan rief jetzt laut: »Dreißig von euch bewachen jene Narren an dem weißen Felsen. Der Rest geht hinter mir her, wir wollen den Unterirdischen einen gehörigen Denkzettel verpassen.«

Tirian und seine Freunde atmeten noch schwer von ihrem Kampf und waren dankbar für jede Minute der Ruhe. Sie standen da und schauten zu, wie der Tarkhan seine Männer gegen die Zwerge führte. Mittlerweile war es ein seltsames Bild geworden. Das Feuer war fast niedergebrannt und flackerte glutrot. So weit man sehen konnte, war jetzt der Versammlungsplatz leer, die Zwerge und die Kalormenen ausgenommen. Bei diesem Licht konnte man kaum erkennen, was geschah. Es klang, als lieferten die Zwerge einen guten Kampf. Tirian konnte Kralls gräßliches Geschimpfe hören. Ab und zu rief der Tarkhan: »Nehmt sie gefangen, nehmt möglichst viele Zwerge lebend fest!«

Der Kampf dauerte nicht lange. Langsam erstarb der Lärm. Dann sah Jutta den Tarkhan zurück zum Stall kommen. Elf Männer folgten ihm und jeder von ihnen zerrte einen gefesselten Zwerg hinter sich her.

»Werft sie auf den Altar von Tasch«, sagte Rischda Tarkhan.

Die elf Zwerge wurden einer nach dem andern in den dunklen Stall hineingeschleudert oder -gestoßen. Als die Tür wieder geschlossen war, verbeugte sich Rischda tief vor dem Stall und sagte: »Auch diese sind ein Brandopfer für dich, Gott Tasch.«