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Sie blieb vor mir stehen, voller Anmut, bis zu den Knöcheln im Sand versunken, von der Sonne beschienen. Ihre Haut war jetzt – vom Schlamm befreit – sehr hell, ihr Haar wunderschön. Sie glänzte förmlich. Dann lächelte sie. Ich glaube, sie wußte, daß sie eine Schönheit war, oder zumindest hielt sie sich dafür. Aber als ich sie unverwandt reglos anblickte, verlor sie ihr Selbstvertrauen.

Ich zeigte auf den Sand zu meinen Füßen.

Augenblicklich ließ sie sich auf die Knie fallen und legte Kopf und Hände in den Sand.

Es ist schön, wenn eine Frau einem Gehorsam erweist. Und es gehört sich so. Mit solchen symbolischen Gesten kann man die der Natur innewohnende Ordnung und die in ihr verborgenen tieferen Wahrheiten auf konventionelle und zivilisierte Art zum Ausdruck bringen.

Zugegeben, diese Geste war diesmal nicht freiwillig erfolgt, diese Frau hatte zu diesem Zeitpunkt nicht von sich aus dem Mann, der Natur und damit sich selbst die nötige Ehrerbietung erwiesen, sondern auf meinen Befehl gehandelt. Und ich hatte diese Position nicht nur um meines eigenen Vergnügens willen angeordnet, um diese Schönheit bewundern zu können, sondern es zu ihrem eigenen Besten getan, damit sie die Natur unserer Beziehung deutlich begriff, damit sie in ihrem tiefsten Inneren verstand, daß sie sich hier unterwarf. Ich hatte es bedingungslos, ja, gnadenlos von ihr verlangt, wie ein Herr von seiner Sklavin.

»Du darfst den Kopf heben«, sagte ich.

Ina blickte zu mir hoch, ihre Unterlippe zitterte.

»Hock dich auf die Fersen«, befahl ich. »Spreiz die Beine, weiter, noch weiter, so ist es gut.« Ich zweifelte keinen Augenblick lang, daß sie sich daran erinnerte, wie sie mir vor Tagen den gleichen Befehl gegeben hatte, damals, als sie noch Macht ausgeübt und zahllose bewaffnete Soldaten hinter sich gewußt hatte. »Leg die Hände auf die Oberschenkel. Heb den Kopf.«

»Das ist eine Sklavinnenposition, nicht wahr?« fragte sie atemlos.

»Ja.«

»Aber ich bin keine Sklavin!«

»Du sollst die Position halten.«

In ihren Augen schimmerten Tränen.

»Du darfst sprechen.«

»Nimm mich mit!« rief sie. »Beschütze mich! Verteidige mich! Ich kann mich nicht allein schützen! Ich bin eine Frau. Ich brauche männlichen Schutz! Ich bin nur eine Frau. Ohne deinen Schutz werde ich im Delta sterben. Ohne deinen Schutz werde ich das Delta niemals lebend verlassen. Ich bin eine Frau, nur eine Frau. Ich brauche dich dringend.«

Ich ließ den Blick über den Sumpf schweifen. Es war schon später Nachmittag.

»Ich glaube, ich könnte ohne große Schwierigkeiten aus dem Delta herauskommen, auf mich allein gestellt«, sagte ich. »Jedoch eine Frau mitzunehmen, ganz besonders eine Frau wie dich, ist, wie du dir sicher vorstellen kannst, eine sehr große Behinderung.«

»Ich mache keine Schwierigkeiten!!« versprach sie eifrig.

»Es ist ja nicht so, als wärst du eine Sklavin«, meinte ich, »ein Besitz, den man nicht zurücklassen will.«

»Ich könnte ja eine Sklavin werden«, erwiderte sie mit einem seltsamen Unterton in der Stimme.

»Außerdem kann man davon ausgehen, daß eine Sklavin keine Scherereien macht.«

»Dann versklave mich!«

»Aber du bist eine freie Frau.«

»Das stimmt.«

»Wenn ich dich als freie Frau mitnehmen würde«, sagte ich, »welche Bedingungen würdest du stellen?«

»Wenige«, antwortete sie. »Nur daß ich mit Respekt und Würde behandelt werde.« Sie verstummte. Dann rief sie: »Komm zurück! Bitte!«

Ich blieb stehen, drehte mich wieder um und sah sie an. Ihre Anspannung war überdeutlich. Aber sie hatte ihre Position nicht verlassen.

»Ich stelle keine Bedingungen!« rief sie. »Nicht die geringsten.«

Ich kehrte zu ihr zurück.

»Ich bin eine Frau aus Ar«, sagte sie. »Du bist aus Port Kar. Unsere Städte führen beide Krieg gegen Cos. Also sind wir Verbündete.«

»Du bist eine cosische Spionin.«

»Ich stelle keine Bedingungen.«

»Wenn ich dich mitnehme, dann ohne jedes Zugeständnis.«

»Einverstanden.«

»Bedingungslos wie eine Sklavin.«

»Einverstanden.«

»Außerdem, wenn ich dich mitnehme, dann nur als Gefangene, als willige Gefangene. Verstehst du, was es bedeutet, eine willige Gefangene zu sein?«

»Ja«, flüsterte sie.

»Du wirst mich behandeln, als wärst du eine Sklavin.«

»Ja.«

»Ich kann mit dir machen, was ich will.«

»Ich verstehe.«

»Ich kann dich weggeben, verkaufen, vermieten, was ich will.«

»Ich verstehe.«

»Und ich kann dich versklaven, oder dich versklaven lassen.«

»Ja.«

»Hast du alles verstanden?«

»Ja.«

Ich betrachtete sie. Ausgiebig.

»Ich hoffe, dir gefällt, was du da siehst.«

»Du bist nicht unattraktiv«, räumte ich ein.

Ina lächelte. »Es freut mich, daß ich dir gefalle.«

»Warum?«

»Ich nehme an, daß du dann eher bereit bist, mir zu erlauben, dich zu begleiten.«

»Gibt es da noch einen anderen Grund?«

»Natürlich nicht«, stammelte sie.

Ich lächelte. Was war sie doch nur für ein falsches, eitles Ding! Wie alle Frauen hoffte sie, den Männern zu gefallen, reizvoll und begehrenswert zu sein.

»Ich werde dich Ina nennen«, sagte ich.

»Nicht Lady Ina?«

»Nein.«

»Und wie soll ich dich ansprechen?« fragte sie furchtsam.

»Du nennst mich Herr.«

»Ah«, meinte sie erleichtert.

»Hast du verstanden?«

»Ja.«

Ich blickte sie an.

»… Herr«, fügte sie hinzu.

»Steh auf und geh in diese Richtung.«

Sie ging vor mir her bis zum Rand der Insel, zögerte kurz und watete dann auf ein grobes Wort hin in den Sumpf hinein. Nur wenige Augenblicke später waren wir zu der kleinen Sandbank gekommen, auf die ich mein Floß gezogen hatte.

»Ein Floß!« sagte sie erfreut. Ich glaube, sie hätte sich nicht mehr freuen können, hätte sie ihre Barke unzerstört entdeckt. Selbst ein einfaches Gefährt wie ein Floß erhöht die Überlebenschancen im Delta hundertfach. »Seht mal, Herr«, sagte Ina, die jetzt die höfliche Anrede benutzte, »Das ist doch eine der Stangen von meiner Barke! Man kann noch den Goldüberzug sehen, wo er nicht abgebrannt ist!«

Das Floß war schwer. Ich glaubte nicht, daß sie es wie ich mit einem Joch würde ziehen können, genausowenig wie sie mit der Stange zurechtkommen würde, da sie sehr dick und lang war.

»Wir haben ein Floß«, sagte Ina.

»Ich habe ein Floß«, stellte ich fest.

»Und da ist ja auch Proviant.«

»Für den gilt dasselbe.«

»Aber bestimmt werdet Ihr doch der kleinen Ina etwas davon abgeben«, sagte sie und drehte sich lächelnd zu mir um. Dann stutzte sie. »Warum seht Ihr mich so an?«

»Ich frage mich, welchen Wert du für mich hast.«

»Wert?«

»Ich glaube nicht, daß du mir bei dem Floß eine große Hilfe sein wirst.«

»Natürlich nicht«, erwiderte sie. »Ich bin eine Frau.«

»Ganz genau.«

»Ich kann Euch meinen Wert vorführen«, sagte Ina und kam näher. Sie blickte zu mir hoch. »Jetzt spürt Ihr, was ich wert bin, nicht wahr?«

»Wir werden hier auf dieser Sandbank ein paar Ahn lang lagern«, sagte ich.

Sie lachte leise. Sie glaubte, diese Entscheidung habe etwas mit ihr zu tun.

»Dann reisen wir weiter.«

»Nach Einbruch der Dunkelheit?«

Ich nickte. »Aus Sicherheitsgründen.« Jetzt, wo wir zu zweit waren, war das noch wichtiger geworden.