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»Hallo«, murmelte Fred, als er die Mädchen bemerkte. »Etliche Sachen kriegen wir mit den Rädern nicht weg, aber Steve hat einen Bollerwagen besorgt. Und heute Abend kommt mein Vater mit dem Wagen zum Waldrand.« Sprotte nickte. »Wo wollt ihr die Sachen hinschaffen?« Fred räusperte sich. »Zu meinem Großvater«, sagte er. »Ewig können sie da nicht bleiben, aber na ja ... « Er zuckte die Achseln.

Melanie guckte nach oben, wo Steve gerade das Geländer von der Plattform abbaute. Willi saß mit baumelnden Beinen am Rand und guckte hinüber zum Schrottplatz, wo die Bagger zwischen den kahlen Bäumen deutlich zu sehen waren.

»He, Willi!«, rief Torte. »Wirf mal die Zange runter, die große rostige.«

»Der ist total fertig«, sagte Fred und warf ein Brett auf den Holzstapel am Tümpel. »Der war öfter hier als zu Hause.«

»Ich seh mal nach, ob der Kaffee in der Thermoskanne noch heiß ist!«, rief Steve von oben runter. »Trinken Hühner auch Kaffee?«

»Wenn's sein muss!« Sprotte sah Fred spöttisch an. »Mögt ihr das Zeug wirklich, oder trinkt ihr Kaffee, um >erwachsen< zu spie len?«

Fred musste grinsen. »Frech wie immer!«, sagte er. »Was sollen wir sonst zum Aufwärmen trinken? Tee ist was für Mädchen, Kakao was für Kleinkinder, und Glühwein macht zu schnell besoffen.«

»Ich krieg Kaffee aber nur mit viel Zucker runter!«, rief Frieda Steve zu.

»Kein Problem.« Steve verschwand zwischen den Resten des Baumhauses, um Zucker aufzutreiben. Willi saß immer noch am Rand der Plattform, ohne sich zu rühren. Torte warf den Hammer weg und stieg die Leiter rauf. »Ich helf Steve mal«, sagte er über die Schulter. Fred zog weiter Nägel aus den Brettern. Sprotte nahm Tortes Zimmermannshammer und half ihm, während Frieda und Wilma die Matratzen in Plastikfolie einschlugen. Der Himmel war schon wieder wolkenverhangen. Melanie half den beiden, aber immer wieder guckte sie zu Willi hoch. »Kaffee ist fertig«, rief Steve die Leiter runter. »Kommt rauf!«

»Der Tisch ist schon weggeräumt«, murmelte Torte, als sie alle oben waren, und stellte Pappbecher auf den Holzboden.

Vier Tage hatten die Pygmäen gebraucht, um die Plattform in den Baum zu

bauen. Kein Sturm, kein Regen hatte ihr was anhaben können.

»Die hätte glatt noch eine Ewigkeit gehalten«, sagte Fred und klopfte auf die Bretter.

»Garantiert.« Steve goss den Kaffee ein, hockte sich wieder hin und betrachtete trübsinnig seine Karten. »Sieht nicht gut aus«, murmelte er. »Egal, wie ich sie auslege. Düstere Aussichten.«

Melanie brachte Willi einen Becher. »Da«, sagte sie. »Pass auf, ist heiß. Willst du Zucker?«

Willi schüttelte den Kopf und nahm den Becher, ohne sie anzusehen. Wortlos starrte er weiter zu den Baggern rüber. Melanie zögerte, dann setzte sie sich wieder zu den ändern. »Wo wohnt dein Großvater noch mal?«, fragte Sprotte Fred. Sie mochte eigentlich keinen Kaffee, aber heute tat er gut. »Gleich hinterm Wald, in der Schrebergartensiedlung«, antwortete Fred. »Ist zum Glück nicht weit. Wir müssten eigentlich noch etliche Fuhren schaffen, bevor es dunkel wird. Wie schon gesagt, die Matratzen und die ändern großen Sachen holt mein Vater heute Abend mit dem Auto ab.« »Tja, jetzt habt ihr ein Hauptquartier und wir haben keins«, sagte Steve. »Ist schon verrückt, oder?«

»Glück für die Hühner, Pech für die Pygmäen«, murmelte Torte und starrte in seinen dampfenden Becher. »Stand alles in Steves Karten.«

Unglä ubig guckte Frieda ihn an. »Glaubst du wirklich an so was?«

Torte warf ihr einen feindseligen Blick zu. »Klar. Du nicht?« Frieda schüttelte den Kopf.

»He, Willi«, sagte Fred. »Hör auf, da rüberzustarren. Hock dich zu uns. Wir bauen uns ein neues Baumhaus, ein viel besseres.«

»Ich will kein neues«, knurrte Willi, ohne sich umzudrehen. »Drei Jahre haben wir an dem hier rumgebaut. Und die Schweine machen es an einem Tag platt, nur wegen ihrem verdammten Schrottplatz!« Mit einem Ruck sprang er auf.

»Aber denen werd ich's zeigen!«, rief er. Ohne die ändern anzusehen stürzte er zur Leiter. »He, was hast du vor?«, rief Fred.

Aber Willi antwortete nicht. Er kletterte die Leiter runter, und dann hörten sie, wie er durch den Wald davonrannte. Stöhnend verbarg Steve das Gesicht in den Händen. »Jetzt ist er ausgerastet!«, murmelte Torte, ging zum Plattformrand und starrte Willi hinterher.

»Steh da nicht dumm rum. Kommt!« Fred rannte zur Leiter. »Der hat irgendeinen Blödsinn vor! Wir müssen ihn einholen !«

»Einholen? Wie denn?«, rief Steve.

»Irgendwie!«, rief Sprotte, stieß ihn zur Seite und kletterte die Leiter runter. Melanie war schon unten. Seite an Seite hetzten Hühnerund Pygmäen durch den Wald. Einmal holten sie Willi fast ein, als er über eine Baumwurzel stolperte und sich beim Aufstehen in den Brombeerranken verhedderte. Aber Willi war schnell, schneller als sie alle. Nicht mal Sprotte mit ihren ellenlangen Beinen kam an ihn heran. Als sie und Fred aus dem Wald stolperten, stand Willi schon vor dem Schrottplatztor. Das Tor war mit einer schweren Kette verschlossen, aber Willi hielt das nicht auf. Ohne zu zögern kletterte er an dem Eisengitter hoch. »Willi!«, brüllte Fred. »Willi, mach keinen Scheiß!« Er versuchte Willis Bein festzuhalten, aber der trat nach ihm, schwang sich über das Tor und sprang auf der anderen Seite runter. Schwer atmend sah er sich um, rannte dann zu einem Haufen Bauschutt und griff sich eine Eisenstange. Einen Augenblick lang zögerte Fred, aber dann kletterte auch er über das Tor. Sprotte folgte ihm. In der Aufregung bekam sie fast Freds Fuß ins Gesicht. Melanie hangelte sich gleich hinter ihr an dem Gitter hoch. Besorgt warf Sprotte einen Blick zum Wächterhaus rüber. Dort brannte Licht. Ein Mann saß hinter der Scheibe und las Zeitung. Sein Radio dröhnte über den ganzen Platz.

»Ihr bleibt da!«, brüllte Fred Steve und Torte zu, als sie auch anfingen, das Tor hochzuklettern.

Willi rannte mit der Eisenstange auf die Bagger zu. »Ihr verdammten Dinger!«, schrie er. »Ihr verdammten Scheißdinger.« Mit voller Wucht drosch er die Eisenstange gegen einen Bagger-Scheinwerfer. Die Splitter flogen Fred und Sprotte bis vor die Füße.

»Hör auf, Willi!«, schrie Fred und packte seinen Arm. Sprotte versuchte ihm die Stange aus der Hand zu winden, aber Willi war schon immer der Stärkste von ihnen allen gewesen. Ohne Mühe stieß er die beiden weg, stolperte weiter und zerschlug den zweiten Scheinwerfer. »Willi!«, rief Melanie und versuchte sich zwischen ihn und den Bagger zu zwängen. »Willi, hör auf! Bitte! Du kriegst Ärger !«

Aber diesmal konnte auch sie nichts ausrichten. »Lass mich!«, fuhr Willi sie an. Dann kletterte er an dem Bagger hoch, klammerte sich fest und schlug auf die Windschutzscheibe ein. Sprotte hörte das Glas splittern. »Hilf mir!«, schrie Fred. Verzweifelt sprangen sie beide hoch, um Willi irgendwie runterzuzerren, aber er trat und schlug mit der freien Hand nach ihnen.

»Fred!«, schrie Torte durchs Tor. »Fred, pass auf, der Wächter kommt!« Der Wächter.

Den hatten sie alle vergessen.

Sein Radio dröhnte immer noch laut, aber irgendwas musste er gehört haben. Die Tür flog auf, und er kam rausgelaufen, mit einem Baseballschläger in der Hand. Als er sah, dass nur Kinder auf dem Platz waren, blieb er verblüfft stehen. Dann entdeckte er Willi oben auf dem Bagger, der immer noch blind vor Wut mit der Eisenstange auf die Scheibe eindrosch. »He!«, schrie der Wächter und rannte auf den Bagger zu. »Bist du verrückt geworden? Komm sofort da runter! Lass die Stange fallen.«

»Willi, verschwinde!«, schrie Fred. Seite an Seite mit Sprotte und Melanie stellte er sich dem Mann in den Weg. »Was wollt ihr hier?«, schrie der und versuchte sich von ihren klammernden Händen loszumachen. »Ist das ein neues Sonntagsspiel? Bagger kaputtschlagen?« Wütend riss der Wächter sich los, stieß mit dem Stiel des Baseballschlägers Fred zu Boden und rannte zum Bagger. Als Willi ihn kommen sah, hielt er inne. Er ließ die Eisenstange fallen, schwang sich rauf auf das Führerhaus und kletterte auf der anderen Seite wieder runter. Fred, Melanie und Sprotte warfen sich dem Wächter noch mal in den Weg, aber der stand plötzlich wie angewurzelt da und starrte dorthin, wo Willi verschwunden war. »Mensch, ich kenn dich!«, brüllte er. »Komm zurück, ich kenn dich!« Willi schoss hinter dem Bagger hervor und rannte, ohne sich umzusehen, auf den Zaun zu. Torte und Steve liefen ihm entgegen, um ihm rüberzuhelfen. Der Wächter stand immer noch da wie festgewachsen. Er fuhr sich durchs Haar und guckte Willi nach, der schon oben auf dem Zaun saß. »Ich kenn dich, Junge!«, rief der Wächter noch mal. »Renn du ruhig. Ich kenn dich.« »Kommt!« Fred zerrte Sprotte und Melanie zurück zum Tor.