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»Ach, den finden wir sowieso nicht!«, seufzte Trude, als sie die Treppe raufstieg. »Wenn die Pygmäen ihn nicht mal auftreiben ...« Sie zog den Schlüssel aus der Hosentasche - und stutzte.

»Was ist los?«, fragte Sprotte. Sie legte die Eier ins Gras. Trude stolperte die Treppe runter und drängte sich zwischen die anderen. »Das Schloss ist geknackt!«, flüsterte sie atemlos. »Mit einem Messer oder so.« Entgeistert guckten die ändern sie an.

»Was - was - was machen wir denn jetzt?«, stammelte Trude und starrte ängstlich zu dem dunklen Wohnwagenfenster hoch. Nichts rührte sich dahinter. Der ganze Wagen sah friedlich wie immer aus. Wenn da nicht die Kratzer an der Tür gewesen wären.

»So eine Schweinerei!«, knurrte Sprotte. Eine ganz steile Falte bekam sie auf der Stirn.

»Hühner sind eben keine Wachhunde«, flüsterte Melanie. »Ich wette, die haben bloß um Futter gebettelt.« »Wir können froh sein, dass der Einbrecher noch keins geschlachtet hat«, murmelte Wilma.

Sie zog ihre Wasserpistole raus, aber dann steckte sie sie doch lieber zurück in den Ärmel. Was, wenn der Kerl sie für eine echte Pistole hielt? Ein Messer als Waffe hatte er aufjeden Fall.

»Wir sollten die Polizei rufen«, sagte Frieda leise. »Wir wissen ja nicht mal, wie viele es sind.«

Trude und Wilma nickten. Gespannt guckten sie Sprotte an. Die kaute wie wild auf ihrer Unterlippe. »Die Polizei? Und was ist mit den geklauten Hühnern? Nee.« Entschlossen machte sie einen Schritt auf die Treppe zu. »Ich guck mal rein.« »Bist du verrückt?«, zischte Frieda und hielt sie an der Jacke fest. »Der hat ein Messer.«

»Damit wird er ja wohl nicht gleich werfen, wenn ich den Kopf durch die Tür steck«, zischte Sprotte zurück. Ungeduldig riss sie sich los und schlich Treppe rauf. Sie legte ein Ohr an die Tür. Es war nichts zu hören. Überhaupt nichts. Nur das Ticken des scheußlichen rosa Weckers, den Melanie mitgebracht hatte.

Beunruhigt beobachteten die anderen Hühner Sprotte vom Fuß der Treppe aus. Wilma wollte zu ihr hochkommen, aber Sprotte winkte ab. Dann öffnete sie vorsichtig, ganz vorsichtig die Wohnwagentür.

Mit angehaltenem Atem sahen die ändern vier, wie sie den Kopf durch die Tür schob. Trude kniff die Augen zu, falls der Kerl doch mit dem Messer warf. »Oh, ich halt das nicht aus«, stöhnte Melanie. Sprotte drehte sich um. Die Tür ließ sie offen stehen. »Keiner drin!«, sagte sie mit gesenkter Stimme. »Aber auf dem Bett liegt ein Schlafsack. Er muss hier also noch irgendwo sein.«

Erschrocken guckten sie sich um.

»Hier«, sagte jemand. »Hier bin ich.« Und Willi schob sich hinterm Wohnwagen hervor.

Melanie fiel ihm um den Hals. Sprottes Empfang war nicht so herzlich.

»Woher wusstest du von dem Wagen?«, fuhr sie ihn an. »Hat Melli dir davon erzählt?«

Empört drehte Melanie sich um. »Spinnst du? Natürlich nicht! Kein Wort hab ich gesagt!«

»Wir wissen es alle«, antwortete Willi und hockte sich auf die Treppe. »Fred hat zwei von den Kartons präpariert, mit denen ihr die Hühner hergeschafft habt.« »Präpa was?«, fragte Wilma.

Willi grinste. »Er hat Löcher in die Böden gebohrt und dann Reis in die Kartons gestreut. Der ist rausgerieselt, als ihr die Hühner hergeschafft habt, und wir brauchten bloß der Spur zu folgen. Das mit dem Reis hat Fred sogar direkt vor eurer Nase gemacht!«

»Ach, was du nicht sagst!« Sprotte starrte ihn mit zusammengekniffenen Lippen an.

Willi grinste nur noch mehr. »Ihr kommt nie drauf. Im Stall von deiner Oma hat Fred den Reis in die Kartons gestreut. Wenn er ihn früher reingefüllt hätte, wär alles rausgerieselt, bevor ihr überhaupt losfuhrt. Aber ihr wart so damit beschäftigt, die Hühner zu fangen, dass keine von euch auf Fred geachtet hat. Er und Torte brauchten bloß in ihre Jackentaschen zu greifen, schnell ein paar

Hände voll in die zwei Kartons zu werfen, und die Hühner draufzusetzen. Die blöden Viecher kamen natürlich gleich angewackelt, als sie die Reiskörner sahen. Freds einzige Sorge war, dass sie den Reis schneller wegpicken würden, als er rausrieselte. Also hat er ihnen auch noch jede Menge Salat in den Karton gelegt, und so hat die Sache geklappt. Eure Spur war so deutlich, als hättet ihr sie mit Kreide auf die Straße gemalt.« »Dieser Mistkerl!«, rief Sprotte. »Er hatte uns sein Wort gegeben, sein Ehrenwort, dass er uns nicht folgt!« »Klar«, sagte Willi und blinzelte in die Sonne. »Aber ihr habt nicht genau hingehört. Er hat nur sein Ehrenwort gegeben, dass er euch Samstagabend nicht folgt. Also sind wir der Reisspur Sonntagmorgen nachgefahren. Wir sind später losgekommen als geplant, weil Steve verschlafen hat, aber die Spur war noch ganz deutlich zu sehen. Ist nicht viel los Sonntagmorgens. Unsere Räder haben wir im Wald versteckt, aber Wilma hätte uns fast erwischt, als sie zum Hühnerfüttern kam. Wir konnten uns gerade noch hinterm Schuppen verstecken, ’ne halbe Ewigkeit haben wir da gestanden. Ganze Romane hat die mit dem Federvieh gequatscht! Steve hat sich fast in die Hosen gepisst, weil er nicht kichern durfte.« Wilma schnappte nach Luft vor Ärger - und versuchte sich krampfhaft daran zu erinnern, was sie alles zu den Hennen gesagt hatte. Zerknirscht guckte sie die ändern an. »Die Spur hab ich nicht bemerkt«, sagte sie kleinlaut. »Ehrlich nicht.«

»Na toll«, knurrte Sprotte. »Wir haben den Wagen gerade mal ein paar Tage, und schon hängen die Pygmäen hier hinterm Schuppen rum!« Wütend spuckte sie ins Gras. »Na und?« Willi warf ihr einen ärgerlichen Blick zu. »Ihr kanntet unser Hauptquartier doch auch. Als wir noch eins hatten.« Er verzog das Gesicht. »Das mit dem Schloss tut mir Leid, aber ich wusste gestern nicht, wo ich hinsollte. Es hat geschüttet wie aus Eimern, und nach Hause konnte ich nicht. Erst hab ich unter der alten Kanalbrücke gehockt, aber da hat es gezogen wie Hechtsuppe, und bei den Schrebergärten hat mir fast ein Riesenköter den Hintern weggebissen. Mann, war ich nass. Und durchgefroren wie ein Eskimo. Als mir der Regen schon den Rücken runterlief, ist mir plötzlich euer Wagen eingefallen.« Er fuhr sich durchs Haar. »Dunkel wie in der Hölle war’s hier, hab mir die Nase an jedem verdammten Baum gestoßen, und an dem Gatter bin ich erst vorbeigerannt. Aber in dem Wagen kriegt man’s wirklich ganz schnell warm.« Er stand auf. »Brauchst mich gar nicht so anzustarren, Oberhuhn«, sagte er zu Sprotte. »Bin schon weg. Und das Schloss bezahl ich euch, obwohl’s nicht viel getaugt hat. War kinderleicht zu knacken.« Mit düsterem Gesicht drängte er sich zwischen Wilma und Trude durch. »Macht’s gut«, sagte er über die Schulter. »Den Hühnern hab ich jede Menge Löwenzahn reingeworfen. Waren ganz wild drauf. Falls ihr die andern seht, sagt Fred, sie sollen nicht nach mir suchen, klar?«

»He, warte!« Melanie lief ihm nach und hielt ihn an der

Jacke fest. »Dein Schlafsack liegt noch im Wagen. Außerdem, wo willst du

denn jetzt hin? Ich mein ...« Hilfe suchend sah sie die anderen an.

Trude strich sich durch das kurze Haar. »Von mir aus kann er eine Weile hier bleiben«, sagte sie.

»Natürlich.« Frieda nickte. »Wo soll er denn sonst hin?«

»Er könnte die Hühner morgens füttern«, schlug Trude vor.

»Dann brauchen wir nicht vor der Schule herzukommen.«

Wilma guckte Sprotte an.

Die warf Willi einen nicht gerade freundlichen Blick zu, aber sie zuckte die Achseln. »Meinetwegen, aber nur ein paar Tage.«

Unschlüssig stand Willi da. Er guckte Sprotte an.

»Mensch, guck nicht so!«, rief sie ärgerlich. »Nee, ich bin nicht begeistert,

dass in unserm Hauptquartier ein Junge rumhängt, aber ich bin hier nicht der Chef oder so was. Bei euch parieren alle, wenn Fred was sagt, aber bei uns läuft das nicht so. Wenn die ändern sagen, du kannst bleiben, geht das klar.«

»Na, dann!«, rief Wilma. »Wollen wir nach dem Schreck nicht endlich Tee trinken?«