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»Ich verstehe nicht, was du meinst.«

»Um in diesem Gelände eine solche Staubwolke aufkommen zu lassen«, erklärte Grunt, »müßtest du durch Senken reiten, anstatt ihnen auszuweichen, und deinen Trupp dicht zusammenhalten, damit der Staub als Wolke aufsteigt, anstatt sich in einer schmalen Linie zu erheben und vom Wind schnell wieder auseinandergetrieben zu werden.«

»Was willst du damit sagen?«

»Jener Staub«, sagte er, »steigt nicht unter den Pfoten von Staubfuß-Kaiila auf, auch nicht von Tieren der Gelben Messer und Flieher. Da hinten kommen überhaupt keine Kaiila roter Krieger. Die Einheimischen würden nicht so offen anrücken, so unvorsichtig, so töricht. Sie würden graslose, trockene Stellen möglichst meiden, sie würden in Abständen reiten, einer hinter dem anderen. Auf diese Weise verschleierten sie nicht nur ihre wahre Zahl, sondern senkten und schmälerten zusätzlich die Staubwolke.«

»Also folgen uns Weiße«, sagte ich.

»Damit hatte ich gerechnet«, sagte Grunt.

»Es können keine Weißen sein«, widersprach ich. »Schau dir den vorderen Teil der Staubwolke an. Fünfzehn bis zwanzig Kaiila!«

»Eben!« sagte Grunt lächelnd. »Dummköpfe!«

Ich schluckte energisch. Hier war ein Gesetz der roten Wilden übertreten worden, das das Betreten des Ödlandes durch Weiße regelte.

»Was sind das für Leute?« fragte ich.

»Ich hatte schon öfter Ärger mit ihnen«, sagte Grunt lächelnd. »Diesmal habe ich auf sie gewartet.«

»Wer denn?«

»Sie haben es auf dich abgesehen«, erwiderte er. »Ich war ziemlich sicher, daß sie diesmal die Verfolgung aufnehmen würden. Du bist der Köder.«

»Ich?«

»Du begleitest mich doch aus freien Stücken, nicht wahr?« fragte er.

»Ja!« entgegnete ich gereizt.

»Folglich kannst du mir nicht die Schuld geben«, sagte er grinsend.

»Ich habe kein Interesse daran, irgend jemand Schuld zuzuweisen«, sagte ich. »Ich würde nur gern wissen, was hier eigentlich vorgeht!«

»Nach dir werden sich die Leute auch für das zweite und dritte Mädchen interessieren«, sagte er.

Mein Blick wanderte zu Ginger und Evelyn, die neben ihren Lasten erschöpft im Gras lagen.

»Die Hobarts!« rief ich. »Und die Männer von der Bar-Ina-Ranch!«

»Gewiß.«

»Du sagtest, es wären keine angenehmen Gegner.«

»O nein!«

»Mit den Mädchen können wir ihnen nicht davonlaufen«, sagte ich. »Wir müssen uns auf einen Kampf gefaßt machen.« Hastig sah ich mich nach einer Anhöhe oder Deckung um.

»Nein.«

»Was sollen wir sonst tun?«

»Wir wandern weiter wie bisher«, erwiderte Grunt. »Wir werden uns nicht einmal durch unser Verhalten anmerken lassen, daß wir die Verfolger bemerkt haben.«

»Das verstehe ich nicht.«

»In einem Punkt hast du allerdings recht: Wir sollten keine Zeit verlieren.« Grunt ritt peitschenschwingend einmal um die Mädchen herum. Einige Sklavinnen schrien angstvoll auf. Sie hatten durch das dünne Tuch ihrer Sklaventuniken oder auf der Rückseite ihrer Beine bereits Bekanntschaft geschlossen mit den schneidenden Lederriemen. »Hei! Hei!« brüllte Grunt. »Lasten auf! Ihr wonnigen Ungeheuer, glaubt ihr, wir haben den ganzen Tag Zeit? Nein! Sputet euch!«

Ich zügelte meine Kaiila neben Grunts Tier. »Ich glaube, wir müssen entweder fliehen und die Mädchen und Waren aufgeben oder anhalten und uns wehren.«

»Ich glaube nicht, daß wir kämpfen sollten«, sagte Grunt. »Wir könnten die Kaiila töten und sie als eine Art Festung benutzen, aber selbst dann wären wir zahlenmäßig entschieden unterlegen.«

Ich schwieg. Seine Einschätzung der Lage war nur zu richtig.

»Wenn wir rote Wilde wären«, sagte Grunt, »würden wir fliehen. Sobald sich dann die Verfolger über mehrere Pasangs auseinandergezogen hätten, würden wir umkehren und zu zweit angreifen, wobei der eine für Ablenkung sorgt und der andere aus dem Hinterhalt zuschlägt. Kommt diese Taktik nicht in Frage, könnten wir uns trennen und die Verfolgermacht damit spalten, um uns dann später an einem vereinbarten Platz zu treffen. Von dort ginge es dann im Schutz der Dunkelheit zurück, um das Verlorene noch zu retten, soweit es möglich ist.«

»Interessant«, sagte ich. »Das scheint mir wirklich ein realisierbarer Plan zu sein. Wir wollen ihn sofort in die Tat umsetzen.«

»Nein.«

»Warum sonst?«

»Sinnlos.«

»Warum sinnlos?«

»Weil wir nicht in Gefahr sind.«

Ich blickte auf den näherkommenden Staub. »Wir sind nicht in Gefahr?« fragte ich.

»Nein«, antwortete Grunt und schaute sich ebenfalls um. »Eher sind unsere Verfolger gefährdet, und zwar sehr gefährdet.«

»Ich finde, wir sind Dummköpfe!« sagte ich zornig.

»Nein, dumm sind allein unsere Verfolger!«

11

»Du scheinst nervös zu sein«, sagte Grunt.

»Sie hätten uns längst einholen müssen«, sagte ich.

Ich stand am Rand unseres kleinen Lagers zwischen einigen Bäumen, die einen Bachlauf säumten. Es war später Nachmittag.

»Nein«, sagte Grunt. »Schlag dir das aus dem Kopf.«

Ich wandte mich wieder dem Lager zu.

Ginger und Evelyn waren von der Kette losgemacht worden, damit sie Holz sammeln und kochen und im Lager sonstige Arbeiten erledigen konnten. Der Rest der Kette war an einem Baum festgemacht.

»Ich bin das erste Mädchen an der Kette«, sagte Ginger und wanderte an der Reihe der vor ihr knienden Mädchen entlang. »Evelyn ist das zweite Mädchen.« Sie deutete auf Evelyn. Sie sprach Englisch, eine Sprache, die die neuen Barbarinnen ausnahmslos verstanden. Drei waren Amerikanerinnen, darunter auch die Rothaarige, zwei kamen aus Großbritannien. Zwei Mädchen waren in Schweden, die letzte in Frankreich geboren worden: Sie war das Mädchen mit dem kurzen dunklen Haar. »Ihr werdet Evelyn und mich als Herrin anreden«, fuhr Ginger fort. »Und ihr werdet eure Lektion gründlich lernen, sonst droht euch die Peitsche.«

Die Mädchen sahen sich an.

»Evelyn und ich«, fuhr Ginger fort, »wollen die Arbeit im Lager nicht allein tun. Einige von euch werden also zeitweise losgebunden, um uns zu helfen.«

Wieder blickten die Mädchen sich an.

»Ihr kleinen Dummköpfe!« rief Ginger lachend. »Vergeßt den Gedanken an Flucht! Eine Flucht ist unmöglich.«

Einige Mädchen erröteten.

»Ihr kennt euch hier nicht aus, ihr seid Barbarinnen, ihr sprecht die Sprache der Herren nicht, und selbst wenn ihr sie dann lernt, wird euch der Akzent verraten. Und ihr tragt das Brandzeichen! Nein, schlagt euch den Gedanken an Flucht aus dem Kopf. Ein sinnloser, törichter Traum, der zu einer goreanischen Sklavin auch nicht paßt. Niemand wird euch retten. Wo wolltet ihr auch Zuflucht suchen? Jeder Mann, der euch fände, würde euch eurem Herrn zur Bestrafung zurückgeben oder euch als Sklavin selbst behalten!«

Erschrocken blickten die Mädchen sie an.

»Zweifellos wurden euch auf der Erde manche idiotischen Dinge über euch selbst und die Männer beigebracht. Sicher habt ihr tief in eurem Herzen schon das eine oder andere Mal erkannt, daß darin keine Wahrheit liegt.«

Mehrere Mädchen schienen sehr verängstigt zu sein. Sie verstanden nur zu gut, was Ginger ihnen sagen wollte.

»In solchen Momenten habt ihr tief drinnen eure Schönheit und eure Bedürfnisse gespürt, eine Sehnsucht. Und darin lag ein erstes Begreifen der großen Themen der Natur, der Herrschaft und Unterwerfung, eures eigenen offenkundigen, natürlichen Platzes in einer solchen Ordnung. Vielleicht habt ihr euch in solchen Augenblicken schon wagemutig nach der Hand eines Herrn gesehnt, der euch berührte, eines großartigen, unbarmherzigen Mannes, der euch Erfüllung bringen, der eure tiefsten Bedürfnisse stillen könnte, der euch absolut beherrschen und euch, zu eurer eigenen Freude, die Gänze von Liebe und Gehorsam abzwingen würde, die zu geben ihr geboren seid.«

Entsetzt starrten die Mädchen sie an.

»Auf dieser Welt gibt es keinen Mangel an solchen Männern, und ihr, meine Lieben, seid Sklavinnen. Das macht euch ein für allemal klar!«