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Der Schmied spähte den Saumpfad entlang. Es waren vielleicht noch dreihundert Schritt bis zum Höhlenkomplex von Hornboris Sippe. Er blickte den Klugschwätzer an, der ihm von dem geheimen Mechanismus erzählt hatte. »Du bist sicher, dass es funktionieren wird?«

»Es hat meinen Schwager ein Fass voller Gold gekostet. Da ist gute Arbeit geleistet worden.«

»Aber die Steinmetze waren aus Ishaven«, hakte Galar nach.

»Natürlich. Wir wollten nicht, dass es in der ganzen Stadt herumerzählt wurde. Da hätten wir auch gleich öffentlich erklären können, dass wir kein Vertrauen in das Wort des Alten aus der Tiefe haben.«

»Ich denke, wir wollten leise sein«, zischte Nyr.

Galar nickte grimmig. Er hoffte inständig, dass Hornboris Sippe vernünftig gezahlt hatte. Er kannte Handwerker, die ihre eigenen Arbeiten sabotierten, wenn die Bezahlung am Ende nicht dem entsprach, was man vereinbart hatte. Und Hornboris Sippe galt selbst für Zwergenverhältnisse als unanständig geizig.

»Wir sollten hier nicht länger bleiben.« Hornbori winkte den beiden und schlich geduckt an der Brüstung entlang. Selbst wenn dieser verfluchte Tatzelwurm ihre Witterung aufnahm, hatten sie einen ganz guten Vorsprung. Er würde ihnen über die Brücke folgen müssen, was für ihn einen gewaltigen Umweg bedeutete. Auch wenn sie jetzt kaum zwanzig Schritt Luftlinie voneinander entfernt waren, konnte die Kreatur ihnen nichts anhaben. Wenn sie nur eine Armbrust hätten! Nyr würde dem Biest auf diese Entfernung ohne Schwierigkeiten ins Auge schießen können.

»Das ist nur eine große Fleischwurst«, flüsterte Nyr. »Siehst du?«

Das durfte nicht wahr sein! Der Irre hielt Frar hoch, sodass der Kopf des Kleinen über die Brüstung ragte.

»Wenn du groß bist, schneidest du solche Würste in Scheiben.«

»Lass den Scheiß, oder wir vier enden als Füllung deiner Fleischwurst.«

Nyr bedachte ihn mit einem bösen Blick. »Nein, Frar, Onkel Galar musst du nicht in Scheiben schneiden. Manchmal ist er auch nett. Wenn er schläft oder wenn er betrunken ist zum Beispiel.«

»Du wirst …« Das klickende Geräusch der Krallen des Tatzelwurms hatte sich verändert. Galar wagte einen Blick über die Brüstung.

»Scheiße … Rennt!« Die Bestie machte nicht den Umweg über die Brücke, sie kletterte die Höhlenwand hinauf. Nach unten verlor sich der breite Spalt, der die Tiefe Stadt zerteilte, ins Bodenlose. Aber hier, an dieser Stelle, spannte sich nur zehn Schritt über ihnen eine Höhlendecke aus rauem Granit. Wenn der Tatzelwurm so gut wie ein Tausendfüßler kletterte, wäre er in ein paar Augenblicken hier.

»Lauft um euer Leben!« Galar zog die Axt aus seinem Gürtel, die er einem der Toten auf dem Weg hierher abgenommen hatte, und winkte die beiden anderen an sich vorbei.

Der Tatzelwurm war im Dunkel über ihnen verschwunden, aber er hörte immer noch das Klicken der Krallen auf dem Fels. Nur wenige Barinsteine an den Wänden spendeten noch Licht. Alle Feuer und Laternen der Tiefen Stadt waren verloschen. Sie war zu einer riesigen Gruft geworden.

Galar ging rückwärts, den Blick fest auf das Dunkel über sich gerichtet. Wo war das Mistviech? War die Decke hier doch höher, als er in Erinnerung hatte? Hastig sah er über seine Schulter. Hornbori und Nyr waren ein gutes Stück voraus. Sie rannten, dass ihnen die Rucksäcke auf den Rücken tanzten.

Es wäre heldenhaft, hier auszuharren. Und dumm! Sie brauchten ihn. Hornbori hatte behauptet, dass auf der Werft seiner Sippe ein fast vollendeter Aal lag. Was genau fast vollendet bedeutete, hatte der Großschwätzer nicht sagen können. Sicher war, dass sich daran besser ein guter Handwerker zu schaffen machte. Sie brauchten ihn!

Galar blickte noch einmal in das Dunkel über ihm. Das Klicken war verstummt. Was machte der Tatzelwurm? Hatte er die Orientierung verloren? Er würde nicht abwarten, um es herauszufinden.

Galar drehte sich um und begann zu laufen, so schnell ihn seine Füße trugen.

Hornbori erwartete ihn an dem prächtigen Portal, hinter dem die Höhlen seiner Sippe lagen. Es war ein Weg in die Finsternis. Hier gab es keine Barinsteine mehr.

»Gibt es irgendwo beim Hafen Vorratslager?«

»Natürlich nicht! Wer wäre schon so dämlich, nahe bei einer feuchten Hafengrotte Vorratslager anzulegen? Worüber du dir den Kopf zerbrichst … Greif nach meinem Gürtel, damit du im Dunklen nicht verloren gehst. Nyr ist schon vorausgegangen.«

»Und wie schafft er es, sich ohne Licht nicht zu verirren?«

»Er hat einen Barinstein draußen aus dem Fels gebrochen.«

»Er hat was?« Galar traute seinen Ohren nicht. Einen Barinstein zu stehlen war ein Verbrechen, auf das der Tod stand. Die leuchtenden Steine waren ein Geschenk der Alben an ihre Völker. Sie waren selten und unermesslich kostbar. In der Tiefen Stadt waren sie fast nur an den Wänden der Haupttunnel zu finden. Nur die Reichsten hatten in ihren Wohnhöhlen einige der kostbaren Lichtsteine.

»Reg dich nicht auf. Die Drachen und Elfen haben aus unserer Heimat eine Geisterstadt gemacht. Niemand hier wird Nyr für diesen Diebstahl richten.«

Natürlich hatte Hornbori recht. Dennoch … Einen Barinstein aus der Wand brechen, das tat man einfach nicht. Er griff nach dem Gürtel des Großschwätzers, dem diese Höhlen so vertraut waren, dass er sich auch blind darin orientieren konnte.

»Wir brauchen etwas zu essen, wenn wir uns in die Werft zurückziehen. Gibt es irgendein Vorratslager, das am Weg liegt?«

»Vielleicht haben wir den Wurm auch abgehängt …«

»Hast du vergessen, was wir tun werden? Entweder suchen wir jetzt etwas zu essen, oder wir haben keine Gelegenheit mehr, etwas zu finden.«

Hornbori fluchte leise. »Das wird kein kleiner Umweg. Wir sollten eine Laterne suchen. Wenn wir Licht haben, sind wir schneller.«

»Wir könnten auch nach dem Tatzelwurm rufen, damit er es nicht so schwer hat, uns zu finden.«

»Diese Viecher leben üblicherweise in der Finsternis unbewohnter Stollen«, entgegnete Hornbori gereizt. »Du glaubst doch nicht etwa im Ernst, dass er uns nicht sieht, wenn wir uns im Dunkeln verstecken. Wenn wir Licht machen, sehen wir unseren Weg besser und kommen schneller voran.«

Galar war überrascht, dass Hornbori einiges über Tatzelwürmer zu wissen schien. Offensichtlich hatte er sich besser auf ihre Drachenjagden vorbereitet, als er gedacht hatte. Aber wahrscheinlich nur, um hinterher besser Reden schwingen zu können. »Wir schaffen das ohne Licht. Jetzt sag mir nicht, dass du dich in den Tunneln deiner Sippe nicht blind zurechtfindest. Du bist hier schließlich aufgewachsen!«

Hornbori antwortete nicht. Er stapfte in die Dunkelheit, und Galar folgte ihm, eine Hand stets am Gürtel des Klugschwätzers. Dabei lauschte er in den Tunnel hinter ihnen. Das verräterische Klicken der Krallen war verstummt. Vielleicht hatten sie ja Glück gehabt?

Hornbori bog in einen kleineren Seitentunnel mit sanftem Gefälle. Sie folgten ihm eine Weile und stiegen dann eine breite Treppe hinab. Die Dunkelheit, die sie umgab, war nahezu vollkommen. Obwohl Galar an ein Leben in Stollen gewohnt war, vermochte er ganz ohne Licht kaum etwas zu sehen. Am Hall ihrer Schritte erkannte er immerhin, dass sie einen großen Saal passierten.

»Wie weit ist es denn noch?«

»Ein ganzes Stück«, kam es kühl zurück. »Wir pflegen unsere Vorratsspeicher nicht neben unseren Festsälen anzulegen.«

Galar fluchte leise. Sie waren zu weit von Nyr und dem Kind entfernt. »Wo liegt denn der Hafen?«

»Wir nehmen gleich einen anderen Weg. Ich würde sagen, es sind drei- bis vierhundert Schritt.«

»Lass uns einen Moment still stehen.« Er zog Hornbori am Gürtel zu sich heran. »Leise jetzt!«

Angespannt lauschte Galar in die Stille. Kein Klicken. Wo steckte der verdammte Tatzelwurm? War er Nyr gefolgt? Sie mussten so schnell wie möglich zum Hafen. Aber sie brauchten auch etwas zu essen. Es gab nur diese eine Gelegenheit.

»Mach Licht«, sagte Galar schließlich widerstrebend. Er brauchte Hornboris Gesicht nicht zu sehen, um sich das triumphierende Grinsen des Klugschwätzers vorstellen zu können. Es würde ein Rennen werden. Jeder Augenblick war kostbar, und sollte der Tatzelwurm in der Nähe sein, dann würde das Licht ihn zu ihnen locken, fort von Nyr und dem Kind.