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Eine Zwergentruppe mähte sich von der anderen Seite durch die Reihen der Orks, die von den unerwartet aufgetauchten Gegnern überrascht wurden. Seine eigenen Krieger hatten daraufhin einen Angriff unternommen, um die Orks zwischen den Fronten aufzureiben.

Balendilín befahl seinen Begleitern den Angriff und stürzte sich ins Getümmel. Bald trafen sich die beiden Zwergengruppen in der Mitte, und die letzten Feinde wurden von den blitzenden Äxten in Hälften getrennt.

»Ich komme gern pünktlich zu einer Schlacht«, grüßte ihn ein Zwerg in einem wunderschön gearbeiteten Kettenhemd. Die Stimme war ein wenig hoch, der Bart sehr fein, und die Rüstung schlug an zwei Stellen des Oberkörpers Beulen, wie sie für einen Mann nicht passen wollten. In der Rechten hielt er einen vergoldeten Streitkolben, an dem das Blut der Orks klebte.

»Ich bin Xamtys II. Trotzstirn aus dem Clan der Trotzstirne, Königin der Ersten des Stammes Borengar.« Sie drehte einen Kadaver mit dem Stiefel herum. »Ich wollte zu einer Ratsversammlung, und was sehe ich? Orks. Waren sie auch eingeladen, um für ein wenig Auflockerung zwischen den Disputen zu sorgen?«

Balendilín überwand seine Überraschung schnell. »Ich bin froh, dass die Ersten sich in dieser heiklen Stunde an die Gemeinschaft unserer Stämme erinnern und uns dringend benötigte Hilfe bringen. Ich bin Balendilín Einarm vom Clan der Starkfinger, König der Zweiten. Wer hat euch erreicht? Tungdil oder Gandogar?« Stumm bat er, dass sie Tungdil sagen würde.

»Ich sprach mit Tungdil, und er half mir, mich zu entschließen, das Schweigen zu beenden.« Sie reichte ihm die Hand, er schlug ein. »Und was geschah hier?«

In aller Eile berichtete er ihr von den Ereignissen in Ogertod und dem Verrat eines Zwerges an seinem eigenen Volk. Während er noch erzählte, erhielten sie die Nachricht, dass das große Tor kurz davor stand, von den äußeren Angreifern eingenommen zu werden.

»Ihr müsst das Gebirge verlassen«, riet Xamtys. »Wenn ihr verraten wurdet, kennen sie jeden noch so kleinen Gang, in dem ihr Widerstand leisten könnt.« Sie legte ihm die Hand auf die Schulter. »Kommt mit zu uns, wir gewähren euch Gastfreundschaft, bis wir Nôd’onn besiegt und die Ungeheuer aus eurer Heimat geworfen haben.«

»Nein«, widersprach er sofort.

»König Balendilín, jetzt ist nicht die Zeit für Trotz. Du wirst mit deinem Stamm gegen die Übermacht untergehen, und dann? Dann haben ich und meine Ersten doppelt so viel Arbeit, das Geborgene Land zu retten«, sagte sie in freundschaftlichem Tonfall. »Wir nehmen die Röhren und kehren zu uns zurück. Boten werden Tungdil und Gandogar über die neue Lage unterrichten.« Erleichtert bemerkte sie, dass er ihren Vorschlag innerlich bereits angenommen hatte.

»Sie sollen die Frauen und Kinder hierher bringen und so viele wie möglich in die Loren setzen«, gab er Anweisungen. »Diejenigen, die wir nicht mehr erreichen, müssen ausharren, bis wir zu ihrer Befreiung zurückkehren. Die Minen sind weitläufig genug, um als Verstecke für Einzelne zu dienen. Sie sollen auch die wichtigsten Brücken zum Einsturz bringen. Die Orks werden sie nicht so schnell finden.«

Balendilín empfand es als bittere Niederlage, dass sie den Rückzug antraten, wusste aber keine andere Lösung, um dem drohenden Untergang zu entgehen. Ohne Bislipur wäre es niemals so weit gekommen, dachte er voller Hass.

Entschlossen organisierte er ihren Abzug, wählte die Freiwilligen aus, die in die abgelegeneren Regionen des Zwergenreiches laufen sollten, um die Familien der Clans zu warnen und aufs Schlimmste vorzubereiten. »Sagt ihnen, dass sie nur kurze Zeit ausharren müssen«, schärfte er ihnen ein. »Wir kehren in wenigen Wochen zurück und töten die Orks. Das ist ein Versprechen.«

Danach begab er sich in die Ratshalle, um den Zeremonienhammer zu holen und ihn vor Schändungen zu bewahren. Den Hort seines Stammes würden sie niemals finden, nur Gundrabur und er kannten die Runen, die den Weg dorthin freigaben.

Er nahm den verzierten Hammer, der neben dem verlassenen Thron stand, und hörte das Dröhnen der Rammböcke, mit denen die Angreifer das große Tor bearbeiteten. Das Rumpeln ging ihm durch Mark und Bein, es verkündete das nahende Unheil für das Reich der Zweiten, gerade so als klopfte das Unheil selbst mit Macht gegen die Pforte.

Wehmütig betrachtete er den Thron, die Steintribünen, die Stelen mit den Gesetzen seines Stammes, die Säulen der Halle und die kunstvoll gehauenen Szenen an den Wänden, von den goldenen Sonnenstrahlen, die durch die Löcher fielen, in freundliches Licht getaucht. Ob sie noch da sein werden, wenn ich zurückkomme?

»Ein König wird doch nicht weichen wollen?«

»Bislipur!« Balendilín wirbelte herum und schaute zu den Steintafeln. Hinter einer von ihnen hatte der Verräter sich verborgen, die Steinspangen in seinen Bartsträhnen stießen leise klirrend aneinander.

»Ich wartete darauf, dich allein anzutreffen, ohne deine eifrigen Helfer. Du hast mir an der Brücke einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ich fand es sehr schade, dass es dir gelang, sie zum Einsturz zu bringen.« Er nahm seine Streitaxt und hieb damit gegen die Gesetzestafel, die daraufhin Risse bekam und in große Teile zersprang. »Aber ich bin ein geduldiger Zwerg. So wie ich diese Gesetze der Zweiten vernichte, so werdet ihr gegen die Orks fallen.«

Der König ging die Stufen hinab. »Alles, was du zerstörst, ist Stein, auf dem Worte geschrieben stehen. Wir können sie neu meißeln. Du wirst scheitern! Die Zwerge fanden zu neuer Gemeinschaft zurück. Die Clans der Ersten sind angekommen und haben einen Großteil deiner Verbündeten vernichtet. Weißt du das?«

»Sie sind nicht meine Verbündeten, sie sind Handlanger, Werkzeuge meiner Rache«, stellte er ruhig fest und zertrümmerte die Tafel vollständig. »Feiert nur euren kleinen Erfolg! Aber gegen Nôd’onn werdet ihr auf Dauer nicht bestehen. Er ist zu mächtig und zu wahnsinnig.« Schon zerbarst die zweite Tafel unter seinen Schlägen; der polierte Granit polterte auf die Steinplatten und verteilte sich.

»Genug!« Balendilín stand am Fuß der Throntreppe und näherte sich dem Verräter. Unterwegs stellte er den Zeremonienhammer ab und nahm seine Axt aus dem Gürtel, wohl wissend, dass ihm der Hinkende an Kraft überlegen war; dafür fehlte es ihm glücklicherweise an Wendigkeit. »Sag mir, warum du das getan hast!«

»Das wird ein Kampf«, lachte Bislipur. »Zwei Krüppel messen sich.«

»Dieses Mal jedoch nicht mit Worten«, fügte der König grimmig hinzu.

Bislipur grinste. »Und schon wieder werden die Clans der Zweiten einen neuen König wählen müssen.« Ansatzlos schlug er zu, doch der Herrscher tauchte unter der Axt hinweg und nutzte den Schwung, um seinerseits einen Hieb zu führen.

Bislipur sprang fluchend nach hinten, aber der Dorn am Ende des Stiels erwischte ihn am ungeschützten Unterschenkel. Leder und Stoff rissen, Blut quoll aus dem Schnitt hervor.

»Warum hast du uns verraten?«, wollte Balendilín erneut wissen. »Weil dein Schützling nicht Großkönig wurde und es keinen Krieg gegen die Elben gab, deshalb? Warst du so versessen darauf?«

Bislipur sprang vor und attackierte ihn mit einer Serie von Ausfällen, doch Balendilín durchschaute die Finten, wich zurück und wartete aufmerksam darauf, dass der echte Angriffsschlag erfolgte. Sie hatten die breite Halle durchquert und kämpften sich einen Gang entlang, der sie auf eine Brücke führte. Darunter gähnte ein Abgrund von zwanzig Schritt Tiefe.

»Es ist mir gleich, wer auf dem Thron sitzt«, antwortete Bislipur. »Ich wollte einzig und allein, dass es zum Krieg kommt. Die Elben hätten euch vernichtet.«

Sein Schlag kam mit einer Heftigkeit, die unmöglich zu parieren war. Balendilín gelang es gerade noch, die Schneide aus der Bahn zu lenken, doch beinahe verlor er dabei seine eigene Axt.

»Ich verstehe es noch immer nicht, Bislipur. Hat Nôd’onn dich verhext, oder weshalb stellst du dich gegen deinen eigenen Stamm?«

»Meinen eigenen Stamm? Nein, die Vierten sind gewiss nicht mein Stamm. Du warst einmal so dicht dran, dass ich dachte, ich sei verraten.« Wieder durchschnitt seine Axt pfeifend die Luft. Balendilín blockte sie mit einem Gegenschlag, doch der Aufprall und die Erschütterung ließen seine Hand kraftlos werden.