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Juba schwieg beschämt. Er war es gewesen, der nicht gut geplant hatte. Allerdings kam es ihm manchmal so vor, als schlügen zwei Herzen in Aarons Brust. Eines, das ganz kaltblütig den Tod Hunderter Priester befahl, und ein zweites, das darüber entsetzt war. Was würde er wohl letztlich mit den Piraten machen, wenn sie von der Kriegsflotte Arams gestellt wurden? Seiner Meinung nach sollte man diese Mörder zur satilischen Küste bringen, sie an Pfähle entlang der Gezeitengrenze binden und bei lebendigem Leib von den berüchtigten schwarzen Henkerkrabben fressen lassen. Aber bei Aarons Launen war es durchaus auch möglich, dass er die Piraten am Leben ließ.

»Wie bekämpfen drei Mann eine Piratenflotte, die groß genug ist, eine Zinnflotte zu kapern, Erhabener?«, fragte Mataan mit einem süffisanten Lächeln. Juba mochte den Kerl. Auch wenn er sich manchmal etwas zu viel herausnahm, hatte er das Herz auf dem rechten Fleck.

»Mit Demut, würde ich sagen.« Aaron erwiderte das Lächeln. »Oder glaubst du, die drei Schwerter, die wir unter unseren Sitzbänken verstecken, sind die geeigneteren Waffen? Im Übrigen wäre ich dankbar, wenn ihr mich nicht immer so gespreizt Erhabener nennen würdet. Wir sind hier nicht bei Hof.«

»Aber wir können doch nicht einfach respektlos …«

Aaron lachte. »Ich bitte dich. Verschafft ein Titel Respekt? Du kennst mich dein halbes Leben lang. Wenn wir unter uns sind, sollten wir etwas ungezwungener miteinander verkehren. Ich bin dieses ganze Getue bei Hof so leid, wie du es dir in deinen wildesten Träumen nicht vorstellen könntest.«

Juba war nur wenig überrascht. Dass Aaron dem Königshof davonlief, hatte er längst bemerkt. Nach Fisch stinkend, in zerrissenen Kleidern und unrasiert, sah Aaron wie ein Fischer oder Tagelöhner aus und nicht wie ein Mann, der so nahe daran war, ein leibhaftiger Gott zu sein, wie es einem Menschen nur möglich war.

»Du …« Mataan stockte und machte ein Gesicht, als koste er von einer unvertrauten Speise, besorgt, er könne sich vergiften oder zumindest den Magen verderben. »Du bist ein ungewöhnlicher Herrscher.«

»So wie du«, entgegnete Aaron. »Ich habe mir über dich berichten lassen, bevor ich nach Taruad kam. Du warst noch nie an meinem Hof in Akšu, was an einen Akt von Rebellion grenzt. Und man erzählt sich, dass du es liebst, in einem Boot auf das Meer hinaus zu fahren. Gemeinsam mit deinen Fischern.«

»Taruad ist eine sehr kleine Insel. Dort wird jedes Paar Hände, das zupacken kann, gebraucht«, entgegnete Mataan vorsichtig.

»Eine Einstellung, die mir wesentlich lieber ist als die zahlloser Adliger, die meinen Hofstaat aufblähen, sich auf meine Kosten den Bauch vollschlagen und sich einen Dreck darum kümmern, was in den Satrapien geschieht. Du bist mein Mann, Mataan. Genau deshalb sitzen wir jetzt im selben Boot.«

Juba ging diese Verbrüderung zu weit. So führte sich ein Bauer auf und nicht ein Unsterblicher! Aber er schwieg. Und nicht aus Feigheit. Es war seine Art, seinem Unsterblichen Respekt zu beweisen. Aarons Entscheidungen würde er niemals widersprechen, auch wenn er sie für noch so fragwürdig hielt. Aaron war ein Mann von Mut. Aber er musste auf den Kopf gefallen sein, als er aus dem Himmel stürzte. So wie er verhielt sich ein Gottkönig nicht!

»Wir sind nicht mehr allein.« Mataan deutete nach Westen. Eine schlanke Galeere schob sich hinter einem Riff hervor, das sich wenig mehr als drei Schritt über das Wasser erhob. Der Mast des Schiffes war umgelegt, um sich hinter der niedrigen Deckung zu verbergen.

»Was haben wir von denen zu halten?«, fragte Aaron.

»Ein Kauffahrer ist das nicht. Dafür liegen sie zu hoch im Wasser. Ein schnelles Schiff … Ein Jäger.«

Jubas Hände schlossen sich um die Ruderbank, unter der sein Schwert verborgen war.

»Wir sollten sie auf uns aufmerksam machen«, sagte Aaron. »Ich würde mir das Schiff gerne näher ansehen.«

»Die kümmern sich nicht um Fischer«, entgegnete Mataan.

Aaron erhob sich, streifte seine Tunika ab und begann zu winken.

»Was tust du da?«

»Sie herlocken. Dazu sind wir doch hier.« Der Unsterbliche lächelte, wie wohl nur jemand lächeln konnte, dem das ewige Leben in die Wiege gelegt worden war, dachte Juba.

»Die schneiden uns den Hals ab.« Mataan trat an das Ruder und wollte den Kurs ändern, aber es war zu spät.

»Verdammt, die kommen direkt auf uns zu«, fluchte Juba.

»Ich rede.« Aaron streifte seine Tunika wieder über. »Uns wird nichts geschehen. Wir sind doch nur Fischer. Wir haben keine Zinnbarren an Bord.«

Beunruhigt sah Juba zu, wie schnell sich das Schiff näherte. Die Ruder zogen weiße Gischtspuren durch das grünblaue Wasser. Das Schiff war blau bemalt, ein weißer, springender Delfin schmückte den Rumpf, Vorder- und Achtersteven waren hoch über die Ruderbänke gezogen und an Bug und Heck gab es kleine, mehr als zwei Schritt über die Wasserlinie aufragende Plattformen, auf denen sich Krieger drängten. Polierte Bronze blinkte golden im grellen Sonnenlicht. Angriffen von dort oben waren sie schutzlos ausgeliefert. Sie hatten keine Schilde an Bord, keine Rüstungen oder Helme. Es hatte Juba schon alle Überredungskunst gekostet, Aaron davon zu überzeugen, dass sie wenigstens ihre Schwerter mitnahmen, denn der Unsterbliche war ganz besessen von der Idee gewesen, nichts an Bord zu haben, was man nicht auf jedem beliebigen Fischerboot finden konnte.

So musste sich ein Steppenhase fühlen, auf den ein Falke hinabstieß, dachte Juba beklommen. Er war kein Feigling, aber sich so hilflos zu fühlen war eine neue Erfahrung für ihn.

Kurz bevor das Schiff sie erreichte, wurden auf einen bellenden Befehl hin die Ruder eingezogen. Die blaue Galeere ritt auf ihrer Bugwelle zu ihnen hinüber. Ein Krieger mit rotem Bart schien auf der vorderen Kampfplattform das Kommando zu führen. Er trug bronzene Beinschienen, einen Leinenpanzer und einen Eberzahnhelm, von dem ein schwarzer Rossschweif wehte. Gut gerüstet für einen Piraten, dachte Juba.

Neben dem Krieger stand ein jüngerer Mann in einer schön bestickten Tunika. Ein rotes Stirnband bändigte sein Lockenhaar. Der Rotbart redete gestenreich auf den Jüngling ein. Juba verstand kein Wort.

Aaron hielt einen schlaffen Ziegenlederschlauch in die Höhe. »Uns ist das Wasser ausgegangen. Bitte helft uns. Die Strömung hat uns von der Küste fortgetragen. Wir fürchten zu verdursten.«

Einige der Männer an den Ruderbänken standen auf und blickten neugierig zu ihnen hinab. Juba fiel auf, wie gut genährt sie waren. Sie sahen ganz anders aus als die hager drahtigen Fischer, die er auf Taruad gesehen hatte. Ihre Gesichter waren sehr unterschiedlich. Noch zwei Rotbärte waren dabei und sogar ein Mann mit langem, goldenem Haar, ganz wie der Hofmeister, nur dass dieser Kerl viel kräftiger gebaut war als Datames. Er hatte sich ein Bild aus verschlungenen, blauen Linien in den rechten Oberarm stechen lassen. Ein wenig tiefer hoben sich zwei weiße Narben von der sonnengebräunten Haut ab.

Das Schiff war schon zur Hälfte an ihnen vorübergeglitten, als der Jüngling auf der vorderen Plattform antwortete. »Zehn Kupferstücke für einen Wasserschlauch!«

»Das verdient ein Fischer in einem ganzen Mond nicht«, empörte sich Aaron.

»Für drei Leben scheint mir dies ein guter Preis zu sein«, spottete der Jüngling.