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»Deine Hand …«

»Das interessiert doch jetzt nicht. Die wisch ich ab. Wir beide werden eine goldene Zukunft haben, ist dir das nicht klar? Du wirst nie wieder Schwierigkeiten haben, genügend Männer für eine Drachenjagd aufzubieten!« Hornbori wagte ein verschwörerisches Lächeln. »Ich weiß, dass du Großes vorhast. Ich habe dich und Nyr belauscht. Du bist noch nicht fertig mit den Drachen. Du willst einen richtig Großen vom Himmel holen, nicht wahr? Ich bin dein Mann. Wir werden das schaffen. Zusammen. «

»Deine Hand«, wiederholte Galar mit tonloser Stimme.

Hornbori wischte über die Tischplatte, um den Brei loszuwerden. »Ja, ärgerlich. Jetzt sag schon! Lässt du mir die Goldenen Schwingen?«

Statt zu antworten, griff Galar nach seiner Hand. »Der Dorn … Er konnte dich nicht verletzen.«

Jetzt sah sich auch Hornbori seine Hand genauer an. Er hatte den Treffer deutlich gespürt und seine Hand schmerzte – aber sie war vollkommen unversehrt! Hornbori blickte auf den spitzen Dorn, den Galar noch immer hielt, und wieder auf seine Hand.

»Erstaunlich …«

»Ist dir klar, was das bedeutet?« Der Schmied war völlig außer sich.

»In was habe ich da noch gleich hineingegriffen?« Hornbori drehte sich um und betrachtete die verschmierte Masse auf dem Tisch, die sich aufzulösen begann. Brauner Rauch stieg davon auf und das Holz der Tischplatte wirkte wie verätzt.

Hornbori atmete kurz durch, dann wischte er mit der Hand über die rauchende Tischplatte. Er blieb weiterhin unversehrt. Krümel fielen zu Boden.

Galar schüttelte den Kopf und in seinem Blick war der Zorn der Faszination gewichen. »Du hast mein letztes Drachenblut vergossen. Ist dir klar, was passiert ist?«

Hornbori betrachtete kritisch seinen Handteller. Er würde eine ordentliche Schwellung in der Hand bekommen. Ausgerechnet rechts! In nächster Zeit würde jedes Händeschütteln zur Qual. Und Pilzhumpen sollte er besser mit links heben. Wenigstens war diese breiige Masse größtenteils abgegangen.

Galar hielt plötzlich ein Messer in der Hand. »Los, versuch es!«, stieß er aufgeregt hervor. »Du musst es versuchen! Oder soll ich es tun?«

Langsam dämmerte ihm, was Galar meinte. »Drachenblut, sagtest du.«

»Ja. Ich hab es schon siebenmal an mir versucht. Zuletzt vor zwei Tagen.« Er deutete auf eine Schnittwunde auf seinem nackten Arm. »Aber es gelingt nicht. Bei Katzen, Mäusen und Fischen habe ich es auch versucht. Sie sind alle tot. Aber du … Was ist an dir so besonders?«

Hornbori wusste darauf auch keine Antwort, war sich aber ganz sicher, dass er es nicht gut fand, wenn dieser Irre mit einem Messer vor ihm herumfuchtelte. »Gib mir das! Ich versuch es.«

Der Zwerg setzte die Klinge auf seinen Handteller und drückte zögerlich zu. Nichts geschah. Er verstärkte den Druck. Das Messer vermochte seine Haut nicht zu durchdringen.

»Darf ich auch mal?« Galar fragte in geradezu ehrfürchtigem Tonfall.

»Du siehst doch, dass die Hand unverwundbar ist.« Hornbori verspürte nicht die geringste Lust, dem Irren das Messer zurückzugeben. Er musste Galar ablenken. »Warum ist es bei mir so und bei Fischen nicht?«

Der Schmied runzelte die Stirn. »Ja … Ich glaube, das Blut war verunreinigt.«

Ein kratzendes Geräusch unmittelbar hinter sich ließ Hornbori zusammenzucken.

»Das ist nur die Ratte«, beruhigte ihn Galar. »Der macht es nichts aus.«

Hornbori drehte sich um. Hinter ihm stand eine Reihe von Brotkästen auf dem Tisch. »Was macht ihr nichts aus?«

»Der Käse aus Drashnapur. Er hat sehr ungewöhnliche Eigenschaften. «

»Du meinst, davon abgesehen, dass er völlig ungenießbar ist und stinkt wie gut abgelagertes Erbrochenes?«

Galar lachte. Die Sache mit den Schwingen schien er vollkommen vergessen zu haben. »Du bist zu wählerisch, Hornbori. Man kann ihn durchaus essen. Zugegeben, er schmeckt etwas streng, aber daran gewöhnt man sich. Öffne mal den Brotkasten da vorne. Ja, genau. Diesen. Nimm das Brot heraus und klopf damit auf die Tischplatte.«

Hornbori gehorchte. Maden fielen aus dem Brot. »Ungenießbarer Käse und vergammeltes Brot«, stellte er nüchtern fest. »Was ist daran bemerkenswert?«

»Aber siehst du es denn nicht? Die Maden sind alle tot! Sie sterben ab, wenn man ein Stück von diesem Käse in den Brotkasten legt. Und verschimmeln tut das Brot auch nicht mehr. Dieser Käse aus Drashnapur ist ein wunderbares Mittel, um Nahrung haltbar zu machen! Freilich, die Speisen nehmen ein wenig Geruch an … Aber kommen wir zur Hauptsache. Ich sagte, das Drachenblut sei verunreinigt. Ich habe hier auf dem Tisch den Käse geschnitten. Überall lagen Krümel. Das Blut und der Käse – das muss es sein!«

Hornbori hob seine Hand an die Nase und roch daran. Nach Käse stank sie nicht. Erleichtert atmete er aus. »Woraus machen die ihren Käse?«

Galar zuckte mit den Schultern. »Es gibt geheime Zusätze. Aber vor allem verwenden sie wohl Rattenmilch. So heißt es …«

»Rattenmilch?« Hornbori schnaubte ungläubig, aber Galar ließ sich nicht beirren.

»Warum? Ameisen melken Blattläuse. Warum sollten Kobolde keine Ratten melken?«

Hornbori betrachtete verstört seine Hand. Sie sah fast aus wie zuvor. Abgesehen von der Schwellung hatte sie keinen Schaden genommen. Das war ihm wichtig. Sein Aussehen war makellos und musste es auch bleiben, wenn er Erfolg haben wollte. Nur so würde er in die kleine Gruppe der Machthaber ihres Volkes aufsteigen können. Könige wurden gewählt, und nichts weniger wollte er eines Tages sein. Ein König.

Er wusste, dass es noch ein langer Weg dorthin war, aber er war zuversichtlich. Man musste gut aussehen, gute Verbindungen haben und ein Held sein. Bei Letzterem haperte es, aber auch das würde er in den Griff bekommen. »Galar, ich bezahle dir eine Reise nach Drashnapur, um dich dort mit Käsesorten beschäftigen zu können. Und ich verspreche dir, ich werde dich bei der nächsten Drachenjagd unterstützen. Du wirst alles bekommen, was du brauchst. Männer, Material, genügend Aale für die Flucht. Einfach alles.«

Galar strich nachdenklich über seinen dünnen Bart. »Wir müssen alles Blut aus dem Mistvieh herausholen«, murmelte er. »Wir werden verdammt viel Drachenblut brauchen, um eine vernünftige Untersuchung durchführen zu können. Ich brauche eine größere Höhle. Und Helfer. Und Glaskolben und …«

»Sind wir uns handelseinig?« Hornbori streckte ihm die Hand entgegen. »Komm, schlag ein, Galar!«

»Ich werde mir noch ein paar Mal deine Hand ansehen müssen …« Der Schmied sah ihn geistesabwesend an.

»Natürlich.« Hornbori packte die Rechte des Schmieds. »Unser Pakt gilt also. Natürlich werde ich der Anführer der nächsten Drachenjagd sein. Aber das ist nur eine Formsache. Du organisierst alles. Es wird genauso laufen, wie du es möchtest.«

Galars Blick wurde plötzlich hart. »Und du erntest den Ruhm, richtig?«

»Was interessiert dich, Schmied? Ruhm oder Drachenblut? Ich finde, wir haben die Beute gerecht und zu beiderseitigem Nutzen aufgeteilt.«

Galar schnitt eine Grimasse, dann aber nickte er. »Und morgen kommen die neuen Kupferplatten?«

»So viele du brauchst. Und mach dir schon mal Gedanken, in welche Richtung du diese Höhle erweitern willst. Ich werde dir bald den Obersteiger schicken, damit er sich die Höhle mal anschaut. «

Hornbori hatte es eilig, das stinkende Loch zu verlassen. Er drückte noch einmal Galars Hand, dann machte er sich auf den Weg. Der Schmied sollte nicht zu viel Zeit haben, über ihren Pakt noch einmal nachzudenken. Es war ein gutes Geschäft, auch für ihn. Aber Galar war verrückt. Auf Vernunft sollte man bei ihm nicht setzen.

Hornbori betrachtete seine rechte Hand. Vielleicht sollte er das in die Geschichte, die er morgen bei der Verleihung der Goldenen Schwingen erzählte, noch mit aufnehmen. Natürlich nicht die Wahrheit, verstand sich. Er könnte sich auch einen Heldennamen wählen. Hornbori Drachenhand. Oder Hornbori Drachenfaust. Er lächelte versonnen. Der heutige Tag hatte ihn dem Thron einen großen Schritt nähergebracht!