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Welchen Grund hätten wir, gewinnen zu wollen?

Du wirst dein Gesicht verlieren, wenn Muwatta uns umbringt. Vielleicht auch alles Übrige. Wenn ein Unsterblicher sich als sterblich erweist, wird der Löwenhäuptige vielleicht einen ganz neuen Auserwählten an unseren Platz setzen. Einen, in dem auch du nicht mehr fortlebst.

Verdammt!

Es war das erste Mal, dass Aaron die Fassung verlor — was Artax nicht beruhigte, denn alleine würde er den Luwier nicht bezwingen. Artax sah die dunkeln Augen Muwattas triumphierend hinter seiner Maske funkeln. »Ist das alles, was du zu bieten hast, Wurm?« Der Hüne versetzte ihm einen Tritt gegen die Brust.

Artax stürzte nach hinten, rollte über die Schulter ab und Muwattas Schwert klirrte dicht neben ihm auf den Boden. Die Klinge hatte seinen Kopf um kaum zwei Fingerbreit verfehlt. Ein Aufschrei ging durch die Menge.

Mit einem Satz kam er auf die Beine, aber noch bevor er einen festen Stand fand, rammte ihm der Luwier den Ellenbogen gegen die Brust, sodass er erneut zurücktaumelte. Artax begriff, dass er der brachialen Gewalt seines Gegners wenig entgegenzusetzen hatte. Taumelnd suchte er nach dem Gleichgewicht. Oben auf der Treppe, im Gefolge des Erzkönigs, ertönte Gelächter. Die Art, wie der Herrscher Luwiens kämpfte, sollte seine Demütigung noch vervollständigen. Es war kein Duell zwischen Unsterblichen. Es sah aus, als würde ein Bauer von einem Krieger verprügelt.

Gut beobachtet. Lass mich frei. Überlass mir deinen Körper, dann werden wir für dich siegen.

Nein, dachte Artax. Nein. Er wusste, dass er so nur eine andere Niederlage erleiden würde. Eine schlimmere als den Tod. Wenn Aaron ihn einmal beherrschte, würde er sich niemals wieder zurückziehen.

Wenn du es nicht tust, dann sterben wir. Verdammt, lass mich frei!

Der Erzkönig attackierte mit einem wuchtigen Schlag, der auf seinen Bauch zielte. Artax machte einen wenig eleganten Hüpfer nach hinten. Die Klinge schrammte über seinen Leinenpanzer, ganz nah der Stelle, wo der Schwerthieb der Elfe die obersten Stoffschichten zerteilt hatte. Artax führte einen Hieb gegen das Handgelenk von Muwattas Schwerthand. Der Luwier wich mit einer lässigen Drehung aus und antwortete mit einem Rückhandschlag, dem Artax nur durch einen weiteren plumpen Hüpfer entgehen konnte. Das Lachen wurde lauter. Er sollte vorgeführt werden – und ihm war nun völlig klar, dass der Luwier kein Geck war, der zur Belustigung seines Hofes Schaukämpfe mit halb betäubten Gegnern durchgeführt hatte, oder Schwertmeistern, die um das Leben ihrer Familien fürchten mussten, wenn sie es wagten, ihn zu besiegen. Muwatta war wirklich ein Krieger, und er war wirklich gut. Falls er eine Schwäche haben sollte, dann allenfalls die, dass er sich offensichtlich schon jetzt als Sieger in diesem Duell sah. Und nüchtern betrachtet hatte er allen Grund dazu.

Der Luwier machte einen Ausfall und trieb Artax, der nur mit Mühe den Hagel von Schwerthieben parieren konnte, weiter vor sich her. Artax’ Arme waren taub vom Abblocken der kraftvollen Hiebe. Manchmal versuchte er, die Schwertstreiche abgleiten zu lassen, indem er seine Klinge leicht schräg hielt, statt sich mit aller Kraft gegen die Angriffe zu stemmen und sie zu blocken. Das schonte zwar seine Kräfte, aber Muwatta war fast schon übermenschlich geschickt. Jeder andere wäre aus dem Gleichgewicht geraten, wenn so wuchtige Schläge einfach abgelenkt wurden. Er jedoch schaffte es gelegentlich, sogar mit einem Gegenangriff zu reagieren.

Ihr beider Atem ging inzwischen keuchend. Artax hatte sich heftig auf die Zunge gebissen. Der metallische Geschmack von Blut füllte seinen Mund und er fühlte sich zu Tode erschöpft.

Ein Stich zielte auf sein Herz. Ein beleidigend plumper Angriff, den er mit einem kurzen Hieb ablenkte. Bald hätte er nicht mehr die Kraft dazu. Ihr Kampf währte noch nicht lange und Artax war beileibe kein Schwächling. Er konnte den ganzen Tag auf dem Feld arbeiten. Doch dieses Duell erforderte eine andere Art von Kraft. Er konnte mit einer Hacke stundenlang gegen einen zähen Lehmboden ankämpfen, aber zu töten war nie sein Geschäft gewesen. Und er fand keinen Gefallen daran, ganz gleich, was Aaron ihm einzureden versuchte.

Artax parierte einen Hieb, der ihm fast die Waffe aus der Hand riss. Muwatta war wie ein Berg und seine Schwerthiebe prasselten wie eine Lawine auf ihn herab. Wenn er überleben würde, dann höchstens, weil Muwatta ein Missgeschick unterlief. Aber er war viel zu geübt … Es sei denn …

Artax versuchte nicht mehr, sein Keuchen zu unterdrücken oder zu dämpfen. Er trug dummerweise keinen Helm. Den hielt Juba noch immer im Arm. Aber gegen die Klinge der Devanthar würde der Helm ohnehin kaum nutzen. Ihre beiden Schwerter waren mit Zaubern durchwoben, die sie Metall so leicht wie faules Laub durchdringen ließen. Muwatta hatte den Nachteil, dass er ein eingeschränktes Gesichtsfeld hatte. Die Maskenhelme waren zwar meisterlich gearbeitet und lagen perfekt auf dem Gesicht auf, dennoch sah man ohne Helm besser und der Kopf war beweglicher.

Artax wich jetzt den Hieben des Luwiers aus, indem er auf ihn zuging und versuchte, seitlich an ihm vorbeizuhuschen. Dabei verkürzte er die Kampfdistanz, sodass Muwatta seine Hiebe nicht mehr mit voller Wucht führen konnte. Der Luwier reagierte, indem er seinen Körpereinsatz erhöhte. Er stieß mit den Ellenbogen nach ihm, versuchte sogar zu treten. Er unterwarf sich keinerlei Ehrenkodex. Sein Kampf kannte nur ein Zieclass="underline" den Sieg. Und für ihn war offensichtlich unwesentlich, wie er siegte.

Artax fing sich einen Ellenbogenstoß gegen den Kopf, als er erneut nah in Kontakt ging. Lichtpunkte tanzten vor seinen Augen, aber im Reflex riss er sein Schwert hoch, bevor Muwatta ausweichen konnte. Es war sein erster Treffer. Nur ein flacher Schnitt, dicht über der Armschiene des Luwiers, doch Muwatta war der erste von ihnen, der blutete.

Gemurmel wurde unter seinen Höflingen laut. Er war noch nicht verloren!

Der Luwier reagierte auf die Wunde mit einem verächtlichen Schnauben. »Ist das alles? Ist das wirklich alles? Die leidenschaftlicheren unter meinen Gespielinnen, vergießen mehr von meinem Blut, wenn wir uns lieben.«

Artax sparte sich seinen Atem. Er schüttelte den Kopf. Noch immer glommen Lichtpunkte vor seinen Augen. Er fühlte sich leicht benommen. Muwatta hatte ihn hinter dem Ohr getroffen.

»Bringen wir es zu Ende«, sagte der Luwier nun erschreckend ruhig. Er stürmte nicht mehr vor, sondern näherte sich mit Bedacht. Er täuschte einen Ausfall an.

Artax reagierte nicht.

Muwatta kam noch etwas näher. Er war jetzt nur noch eine Klingenlänge entfernt. Die Spitze seines Schwertes deutete auf Artax’ linke Brust, dicht über seinem Herzen.

Artax wusste, dass dies der letzte Schlagabtausch wurde. Der Luwier würde ihn schlachten. Er war der bessere Schwertkämpfer und der kleine Schnitt hatte ihm seine Überheblichkeit genommen. Wenn er mit Bedacht vorging, dann war er nicht zu besiegen. Es gab nur noch eine verzweifelte, letzte Möglichkeit.

Artax warf sich nach vorne. Ohne jede Vernunft, wie es schien. Geradewegs in die wartende Klinge des Luwiers. Das Schwert durchdrang seinen Leinenpanzer, schnitt durch Muskeln und schrammte über eine Rippe hinweg. Schmerz rollte wie eine tödliche Welle über ihn hinweg. Er schrie auf, ging in die Knie.

Muwatta sah fassungslos auf ihn herab. Seine Klinge war gebunden. Artax nahm alle verbleibende Willenskraft zusammen, riss sein Schwert hoch und rammte es dem Luwier schräg von unten zwischen die Schenkel, dort, wo keinerlei Rüstung ihn schützte. Blut spritzte Artax ins Gesicht.

Muwattas Augen schienen aus seiner stählernen Maske quellen zu wollen. Er stieß einen Schrei wie ein todwundes Tier aus. Dann sank auch er in die Knie. Die Bewegung verursachte einen Ruck in dem Schwert, das in Artax’ Schulter steckte. Ihm klappte der Kiefer hinab. Geifer und Blut rannen ihm über das Kinn.

Muwatta kniete nun vor ihm. Dem Luwier war das Schwert aus den Händen geglitten. Artax griff nach dem Dolch, der im Gürtel des Erzkönigs steckte. Er zog die Klinge und setzte die Spitze in die schmale Fuge zwischen Maskenhelm und Brustpanzer. »Du wirst am gleichen Ort wie die Elfe dein Grab finden!«, stieß er hervor.