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Er setzte sie ab und trat einen Schritt zurück. Nervös leckte er sich über die Lippen. »Man kennt mich in der Geisterwelt?«

Sie lachte und breitete die Arme aus. »Wo bist du hier? Im Geisterwald! Natürlich kennt man dich in der Geisterwelt. All deine Ahnen blicken in diesem Augenblick auf dich hinab. Und glaube mir, die meisten beneiden dich um meine Gunst. Bist du nun bereit, etwas von den Totenbäumen fortzugehen? Oder möchtest du, dass dein Großonkel zusieht, wie du mich nimmst?«

Alle Farbe war aus seinem Gesicht gewichen.

»Was ist mit dir, Bozidar? Habe ich meine Schönheit verloren? Oder hat dich dein Mut verlassen?«

»Du bist nicht wie andere Frauen …«

Da war es wieder, das Hühnerhirn! Hoffentlich würde er nicht viel reden, wenn sie sich liebten. Sie überspielte ihre Enttäuschung mit einem verführerischen Lächeln. »Stimmt. Ich verspreche dir eine Liebesnacht, wie du noch nie eine erlebt hast und in deinem ganzen Leben kein zweites Mal erleben wirst. Folge mir in den Wald oder denke dein ganzes Leben lang darüber nach, was dir entgangen ist. Dein Name heißt doch Gottesgeschenk? Lass den Augenblick nicht verstreichen, in dem die Götter dich wirklich beschenkt haben!« Sie wandte sich ab und ging tiefer in den Wald. Bald hörte sie Schritte hinter sich.

»Bist du eine Wiedergängerin?«

»Fühlte sich meine Haut kalt wie die einer Toten an?«

Er machte ein paar weitere Schritte und sie spürte jetzt, dass er dicht hinter ihr war.

»Warum ich?«

»Weil ein Mann Mut haben muss, um sich mit mir einzulassen. «

Er legte ihr eine Hand auf die Schulter. Sie drehte sich um und sah das Verlangen in seinen Augen. Er zog sie erneut an sich heran. Sie ließ sich in seine Arme sinken und erwiderte seine wilden, leidenschaftlichen Küsse.

Lyvianne zog ihn hinab in die Farnwedel. Er schob ihr Kleid hoch und bedrängte sie ungestüm. Sie gab sich ihm hin, doch war sie nicht ganz bei der Sache. Bozidar schien das nicht aufzufallen. Er kämpfte sich aus seiner Hose und stellte sich recht ungeschickt an, bis sie ihm mit der Hand half. Er schrie auf, als er in sie eindrang.

Lyvianne flüsterte ein Wort der Macht und wob ihren Zauber. Die Kraft, die ihre Magie nährte, nahm sie von ihm.

Der Preis einer Nacht

Im Morgengrauen erreichte Bozidar den Rand des Waldes. Er war so erschöpft, dass er sich auf einen gegabelten Ast aufstützen musste. Die Herrin des Waldes hatte ihn nicht belogen. Nie hatte er solche Leidenschaft beim Liebesspiel verspürt. Allein an sie zu denken brachte sein Blut in Wallung. Er war noch immer halb betäubt. Viermal hatte sie ihn in der Nacht bis zum Gipfel der Leidenschaft geführt. Bei keiner anderen Frau war es je so gewesen.

Er blinzelte. Das Morgenlicht trübte seinen Blick. Alles war unscharf. Selbst seine eigenen Hände vermochte er kaum zu erkennen. Wenn er das Haus seines Vaters erreichte, würde er schlafen. Lange schlafen. Und dann würde er sich ein Pferd nehmen und in den Wald reiten. Er musste sie wiedersehen. War entschlossen, sie an den Hof zu holen und zu seiner Fürstin zu machen.

Wenn er nur nicht so müde und benommen wäre! Bozidar war versucht, sich in den Graben am Wegesrand zu legen und ein wenig zu schlafen. Und wieso auch nicht? Der Morgen war angenehm warm und es gab schlechtere Plätze zum Schlafen als ein trockener Graben, wo einen der Duft spätsommerlichen Grases in den Schlaf begleitete. Aber er war auch durstig. Und er wollte lange schlafen. Er musste es bis zum Hof seines Vaters schaffen!

Die Erschöpfung erstaunte ihn. Ganz ähnlich hatte er sich nach schweren Kämpfen gefühlt. Die Gefechte an der Grenze nach Valesia hatten sich zu mehr als den üblichen Scharmützeln ausgewachsen. Arcumenna, der Laris von Truria, war entschlossen, seinem Hochkönig zu beweisen, was für ein begnadeter Kriegsherr er war. Und bei aller Feindschaft musste auch Bozidar ihm zugestehen, dass er ein überragender Anführer war. Fast ein Jahr hatten die Grenzkämpfe angedauert, und die Fürsten von Drus konnten sich glücklich schätzen, letztlich nicht mehr als nur zwei fruchtbare Täler an den Laris Arcumenna verloren zu haben.

Ein wenig wehmütig dachte Bozidar an seinen Bruder. Er hatte sich gemeinsam mit vielen anderen Kriegern als Söldner anwerben lassen, um nach Süden zu reisen. Es hieß, die Piratenfürsten der Aegilen suchten nach Kriegern für einen großen Raubzug. Sein Bruder Volodi war ganz versessen darauf gewesen. Und auf das Gold der Piraten, von deren Reichtümern man sich die unglaublichsten Geschichten erzählte. Es hieß, dass sie ihre besten Krieger gar mit Schwertern aus Eisen für ihren Mut belohnten. Schwerter aus Eisen, dachte Bozidar. Was hätte er für eine solche Waffe nicht alles getan! Aber einer von ihnen hatte zurückgemusst. Ihr Vater war alt, er brauchte einen seiner Söhne an seiner Seite. Da Bozidar der alleinige Erbe war, waren sie sich einig gewesen, dass es sein Los war, keinen weiteren Ruhm als Krieger zu erlangen. Stattdessen, so dachte er bitter, würde er künftig den Bauern und Pächtern seines Vaters hinterherlaufen müssen.

Aber dann stahl sich ein Lächeln auf sein Gesicht, denn er würde es sein, der die Fremde aus dem Geisterwald in sein Bett holte. Er seufzte. Ein Bett! Noch immer sah er nur verschwommen. Das Morgenlicht gewann heute einfach nicht an Klarheit. Vielleicht lag es auch daran, dass er zu müde war. Schwer auf seinen Stab gestützt, kämpfte er sich weiter.

Zwei Schemen näherten sich. Er blinzelte. Die beiden Gestalten waren fast so konturlos wie Schatten. Er konnte ihre Gesichter nicht erkennen! Auch waren ihre Stimmen undeutlich. So als habe er Wasser im Ohr. Einer von ihnen grüßte ihn und rief etwas Unverständliches über ein Väterchen. Idioten! Unglaublich, was die Bauern sich herausnahmen. Ein paar Jahre noch und er wäre ihr Fürst!

Endlich erblickte er vor sich eine Erhebung. Es musste das große, umwallte Gehöft seines Vaters sein. Bozidar dachte an sein Bett. Sein Bett! Trotz der Müdigkeit wurden seine Schritte länger. Bald war es geschafft.

Ein schwarzes Schwein empfing ihn und schnupperte an seinen Hosenbeinen. Helles Frauenlachen erklang aus dem Haupthaus. Plötzlich legte ihm jemand die Hand auf die Schulter.

»Wohin des Weges, Alter?«

Bozidar wandte sich um. Er war zu müde, um den Kerl zurechtzustauchen. Das Gesicht, das ihn anstarrte, war ein undeutlicher Schemen. »Lass mich ins Bett. Ich fühl mich, als hätte ich ganz allein ein Fass Honigwein gesoffen. Für Späße bin ich ab morgen wieder zu haben.«

»Ich sehe, dass du erschöpft bist, Alter. Komm, dort vorne steht eine Bank. Setz dich.«

Bozidar ließ es zu, dass der Viehhirte, oder wer immer das auch war, ihn zu der Bank neben der Tür des Herrenhauses geleitete. Wahrscheinlich war das einer der Hirten von den entfernteren Waldweiden, die seinem Vater zweimal im Jahr ihren Tribut brachten. Anders war sein Verhalten nicht zu erklären.

Eine Frauenstimme erklang. Jemand reichte ihm einen Becher mit frischem Brunnenwasser und etwas altbackenes Brot. Bozidar wurde sich bewusst, dass sich mehr und mehr Menschen um ihn versammelten. Sie tuschelten miteinander. Ihre Stimmen vermischten sich zu einem zähen Brei. Ihr Ton jedoch war eindeutig. Sie klangen aufgebracht.

Der Krieger lehnte seinen Kopf gegen die Hauswand. Die Sonne schien ihm warm ins Gesicht. Zum ersten Mal, seit er auf dem Waldboden erwacht war, fühlte er sich gut. Früher hatte er es immer für dummes Gerede gehalten, wenn ältere Männer behaupteten, das Liebesspiel würde einen Mann schwächen und Enthaltsamkeit sei nicht nur eine Tugend, sondern sie würde Körper und Geist stärken. Gewäsch von Schlappschwänzen, hatte er gedacht. Aber es war wohl etwas dran an der Sache.

Ein Mann ließ sich neben ihm nieder. Bozidar sah erst gar nicht richtig hin. Er war es leid, nicht erkennen zu können, mit wem er sprach. Doch die Stimme des Alten klang vertraut. Er hätte sie unter Hunderten erkannt — das raue Krächzen seines Vaters. Jetzt blickte er ihn doch an und der buschige Schnauzbart, der das Gesicht seines Vaters in zwei unregelmäßige Hälften teilte, war für Bozidar selbst bei seinem verschleierten Blick unverkennbar.