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»Das genügt!«

Eine fremde Aura erschien neben der Drachenelfe. Die Stimme war vertraut. Gonvalon!

»Du bist eine Lehrerin. Du solltest dich besser beherrschen!«, schalt er Ailyn leise. »Es reicht!«

Ailyn gab sie frei. Sie trat zurück. Nandalee war schwindelig vor Erleichterung.

»Ich glaube, mir ist noch nie eine so dumme Schülerin begegnet«, sagte Gonvalon und nahm sie in die Arme. Er hob sie hoch. Bald wurde das feuchte Schmatzen des Rasens vom Klacken seiner Stiefel auf Steinplatten abgelöst. Er trug sie zum Haus. Nandalee hätte ihm gern die Arme um die Schultern gelegt, aber sie war zu erschöpft, um auch nur einen Finger zu rühren.

»Ich werde eine Heilerin rufen«, murmelte Gonvalon. »Tu das nie wieder! Wie konntest du Ailyn nur derart provozieren?« Er schwieg einige Schritte lang, dann fügte er leise, wie zu sich selbst gesprochen, hinzu: »Ist das Dummheit, Nandalee? Oder ist es Wahnsinn, der dich treibt?«

Bei Hof

Artax schwirrte der Kopf. Der Wein auf diesen Festbanketten war wirklich besser als in seiner Dorfschenke in Belbek. Er war überhaupt nicht sauer. Dass Wein so schmecken konnte … Und erst der Anisschnaps! Leider war das das Einzige, das besser war. Diese üppigen, viel zu fetten Speisen … Davon wurde ihm regelmäßig schlecht. Gut, der Wein mochte vielleicht auch ein klein wenig eine Rolle spielen – aber vor allem waren es die fetten Speisen. Fünf oder sechs Becher Wein – was war das schon?

Artax blickte zu dem Gesandten aus Valesia, der auf dem Ehrenplatz zu seiner Rechten an der Festtafel saß. Die fette Qualle roch wie ein Mädchen. Und erst seine Stimme – schrill und affektiert! Der Gesandte war ihm vom ersten Augenblick an unsympathisch gewesen. Wie hieß er noch gleich … Artax kniff die Augen zusammen und forschte in seinen und Aarons Erinnerungen nach einem Namen. Aber da war nichts. Egal, dachte er, lächelte den Gesandten an und hob seinen goldenen Weinpokal. »Auf die ewige Freundschaft zwischen Aram und dem Königreich der Quallen.«

Der rotbärtige Gesandte sah ihn mit weiten blauen Augen an. »Äh, wie meinen?«

»Der Erhabene erlaubte sich, eine Metapher zu benutzen«, mischte sich Datames ein, jener bartlose Schönling, der sein Hofmeister war. »Das Königreich der Quallen, so nennen wir das Reich am Meeresgrund, eine Welt unvergleichlicher Schönheit und Farbenpracht. Ich glaube, ein treffenderes Kompliment könnte man dem Königreich Valesia nicht machen – reicht der Ruhm des Weißen Selinunt, der schönsten Stadt der Welt, doch über alle Grenzen hinaus.«

Wunderbar, wie Datames schwatzen konnte, dachte Artax. Ganz wunderbar. Sein Hofmeister war wirklich nützlich. Wenn er nur nicht wie ein bartloser Jüngling aussehen würde. Das schadete seinem Ansehen. Eine traurige Sache. Ob das wohl eine Krankheit war, dass ihm kein Bart spross?

Die blauen Augen des Gesandten strahlten. »Was für ein wunderbarer Vergleich! Der Erhabene ist wahrlich ein Poet unter den Herrschern!«

Hatte der Kerl ihn gerade Prolet genannt? Artax richtete sich auf. Er kannte solche Worte jetzt! Er war kein dämlicher Bauer mehr. Aarons Erinnerungen waren voll von solchen Worten!

Schwindel erfasste Artax. Bei den Göttern, war ihm übel! Der letzte Weinkelch … Mit dem war irgendetwas nicht in Ordnung gewesen. Darüber würde er mit Datames reden müssen! Das ging nicht an, dass an der Festtafel des Palastes verdorbener Wein ausgeschenkt wurde.

Kaum, dass er auf den Beinen war, verstummten alle Gespräche. Alle Gäste erhoben sich. Das nervte! Noch so eine Palastunsitte, die es abzuschaffen galt. Ein weiterer Punkt auf der langen Liste der Dinge, die es mit Datames zu besprechen gab. Wie er diese Listen hasste, dachte Artax. Kaum hatte man eine abgearbeitet, kam der Hofmeister mit einer neuen Liste. Das war zum Kotzen! Er rülpste lautstark.

»Der Unsterbliche wird sich nun zurückziehen«, verkündete Datames in gefälligem Tonfall. »Er bedankt sich bei unserem edlen Gast und wünscht allen eine friedliche Nacht.«

»Schön«, murmelte Artax. Datames hatte es wirklich mit den Worten, dachte er, machte einen schwankenden Schritt und war froh, dass Juba herbeieilte, um ihn zu stützen.

Sein Kopf fühlte sich an, als würde er bald platzen. Juba geleitete ihn aus dem Festsaal und Artax stöhnte. Dunkel erinnerte er sich, dass es noch ein endlos langer Weg bis zu seinem Schlafgemach war. Noch ein Punkt für die Liste! Wege im Palast verkürzen!

»Erhabener, Ihr habt Fieber. Ihr solltet weniger Audienzen geben und Euch keine Festbankette mehr zumuten. Ich bin in ernster Sorge um Euch.«

»Das ist wirklich nett von dir«, lallte Artax. Sein sonst so harter Kriegsmeister konnte ein prima Kumpel sein, wenn man ihn erst einmal besser kannte. »Kannst du mich zur Viehtränke bringen?«

»Zur Viehtränke, Erhabener? Ich fürchte, ich verstehe nicht …«

»Mensch, Juba – zur Viehtränke! Vor Sirans Haus. Wenn ich in der Schenke einen über den Durst getrunken habe, dann stecke ich meinen Kopf in die Viehtränke. Kaltes Wasser wirkt wirklich Wunder.«

Juba räusperte sich. »Ich fürchte, Erhabener, Sirans Haus ist gerade nicht in der Nähe.«

»Mist«, lallte Artax. »Sind wir schon so weit gegangen?«

Juba antwortete darauf nicht. Er brachte ihn ins königliche Schlafgemach und Artax war unendlich erleichtert, als er sich auf sein Bett setzen konnte. Nur noch zurückfallen und schlafen. Seine Ruhe haben … Ruhe, verdammt! »Juba?«

»Ja, Erhabener.«

»Bitte keine Haremsdamen. Ich fürchte, ich bin nicht ganz in der Verfassung …«

»Natürlich, Erhabener. Soll ich noch eine Schale mit kaltem Wasser bringen lassen, statt der Viehtränke?«

»Viehtränke?« Verflucht, Artax erinnerte sich. So etwas durfte ihm nicht passieren. Er durfte keine Bemerkungen über seine Vergangenheit als Bauer fallen lassen. Er setzte ein breites Lächeln auf. »Das war ein Scherz, Juba. Mit der Viehtränke.«

»Das dachte ich mir schon, Erhabener. Und wenn Ihr erlaubt … Ihr müsst Euch wirklich mehr schonen. Ihr habt Euch von der Verwundung durch Muwatta noch immer nicht ganz erholt. Und ich glaube, Ihr habt ein Fieber. Soll ich nicht besser nach den Hofärzten schicken?«

Oh, ja, Hofärzte. Denen wird bestimmt nichts Besseres einfallen, als dich zur Ader zu lassen. Alles was du brauchst, sind ein paar Stunden Schlaf.

Wo er recht hatte, hatte er recht, dachte Artax. Manchmal – sehr selten – war Aaron gar kein so übler Kerl. »Ich werde einfach etwas schlafen, Juba. Ich brauche keine Quacksalber.«

»Wie Ihr meint, Erhabener.«

So grimmig, dachte Artax. Juba hatte keine Ahnung, wie das war, zur Ader gelassen zu werden. Dem passierte das höchstens mal auf dem Schlachtfeld, aber nicht im eigenen Bett. Einfach grässlich! Natürlich hatte sein Kriegsmeister recht, dass es unklug war, sich diese Festmähler zuzumuten. Er würde schon lieber im Bett bleiben, dachte Artax. Aber der Abend war wichtig gewesen. Diese Qualle, der Gesandte aus Valesia, war gekommen, um ihn zu bitten, seinem Herrscher für drei Jahre einige Steinmetze und Architekten auszuleihen. Sie sollten beim Aufbau von Selinunt helfen. Als Gegenleistung würde er eine ganze Schiffsladung erstklassiger Bronzeschwerter erhalten. Sein Königreich brauchte Schwerter, um im Krieg gegen Muwatta bestehen zu können. Auf Steinmetze und Architekten konnte er verzichten. Vorläufig zumindest. Wie hatte Aaron nur diese endlosen Bankette und das belanglose Geschwafel dabei durchgestanden?

Übung, mein Lieber. Viel Übung. Du solltest jetzt ruhen. Wir sind wirklich besorgt.

Artax seufzte und ließ sich auf sein viel zu weiches Bett zurücksinken. Er war so müde! Und Juba hatte recht. Er hatte wohl tatsächlich Fieber und ohne Zweifel zu viel getrunken.

Dunkelheit umfing ihn, und er glitt in einen Traum, in dem er sich viel kräftiger fühlte.

Aaron setzte sich auf. Endlich war er wieder frei. Es hatte Tage gedauert. Nur wenn Artax buchstäblich zusammenbrach, konnte er wieder frei sein. Er musste ihn hier bei Hof behalten. Dieses Leben war nichts für den Bauertrampel! Aaron wusste, dass Artax das Königreich bereisen und all seinen Verpflichtungen hier entfliehen wollte. Er würde ihm ins Gewissen reden, dass das verantwortungslos war. Er war ja so pflichtbewusst, sein Bauer.