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Fearghus wandte sich zurück zu Annwyl, die inzwischen aufgestanden war und sich den Schmutz von ihrer Hinterseite strich. »Du hast nie erwähnt, dass du einen Bruder hast. Ihr zwei seht euch sehr ähnlich.«

»Was hast du mit ihm gemacht?«

Sie sah überrascht auf und verstand fast sofort, was er sagen wollte. »Alles, was ich will.«

Er funkelte sie böse an. Sie funkelte böse zurück. Er trat auf sie zu, schob die Hände unter ihre Arme, hob sie hoch und drückte sie mit dem Rücken gegen einen Baum. Er konnte den Geruch seines Bruders noch an ihr riechen, und er wollte, dass dieser Geruch verschwand. Wenn sie nach einem männlichen Wesen roch, dann nach ihm und sonst niemandem.

»Du musst dich von ihm fernhalten.«

»Versuch nicht, mir zu sagen, was ich tun soll! Ich gehorche keinem Mann!«

Er hob sie noch höher, bis sie auf Augenhöhe waren. »Du wirst tun, was ich dir sage!«

Der Ausdruck auf ihrem Gesicht. Der Duft des Verlangens, der auf seine Sinne einprasselte. Die Fülle ihrer Lippen. Nichts davon bewegte ihn. Es war das, was sie als Nächstes sagte, was den größten Schaden anrichtete.

»Zwing mich doch!«

Das konnte nicht das sein, was Morfyd meinte. Sie musste etwas anderes gemeint haben. Etwas weniger … Gefährliches. Oder zumindest etwas weniger Dummes.

Aber Annwyl forderte ihn heraus. Nicht mit einem Schwert oder Knüppel. Damit konnte sie umgehen. Sie forderte ihn heraus. War sie verrückt geworden? War sie schließlich so verrückt geworden wie ihr Bruder?

Sie starrte in diese schönen dunklen Augen, von denen eines fast ganz von der üblichen widerspenstigen Haarsträhne verdeckt war, und ihr wurde klar, dass sie womöglich ausnahmsweise einmal einer Situation nicht gewachsen war. Nicht einmal ihre Füße standen auf festem Boden. Er hob sie hoch, als wöge sie nicht mehr als ein Kleinkind. Und, was noch schlimmer war: Sie kannte immer noch nicht den Namen dieses Mannes.

Bei allen Göttern, Frau! Was hast du getan?

Aber jetzt würde sie nicht kneifen. Sie musste an ihren Stolz denken. Zumindest sagte sie sich das immer wieder.

Er beugte sich zu ihr vor. Sein Mund streifte ihre Wange. Sein heißer Atem kitzelte sie im Ohr.

»Eine Kampfansage? Frau, willst du mich umbringen?«

Annwyl runzelte verwirrt die Stirn. Was meinte er? »Meinst du den Drachen? Er würde dir nichts tun.«

Er fuhr mit der Zunge an ihrem Kiefer entlang. »Du glaubst, du beherrschst den Drachen, stimmt’s?«

Annwyl musste sich zwingen, sich zu konzentrieren. Seine Zunge auf ihrer Haut ließ sie nach mehr lechzen. Mehr von seinen Berührungen. Mehr von ihm. »Ich kann ihn nicht kontrollieren.« Annwyl unterdrückte ein Stöhnen, als er sie gegen den Baum drückte. Sein Körper, hart und fest gegen ihren gepresst, war jetzt das Einzige, was sie über dem Boden hielt.

»Warum glaubst du dann …« – er küsste ihr Schlüsselbein – »dass du ihn davon abhalten kannst …« – er küsste ihren Hals – »mir etwas anzutun?« Er knabberte an ihrem Ohrläppchen.

»Er mag eine Bestie sein, Ritter, aber eine ehrbare. Ich würde ihm mein Leben anvertrauen, eher als jedem menschlichen Wesen.«

Seine Hände hielten inne. Sein Körper hörte auf, sich zu bewegen. Seine Lippen ruhten sanft an ihrem Ohr. Hatte sie ihn beleidigt? Sie wollte nicht, dass er aufhörte, aber sie würde ihn auch niemals bitten. Also wartete sie.

»Dir bedeutet ein Drache etwas?«

»Ja, dieser Drache bedeutet mir etwas, Ritter. Er ist mein Freund.«

»Und ich?«

»Du? Ich habe keine Ahnung. Aber ich würde uns nicht direkt Freunde nennen.«

Er ließ sie los und ließ sie zu Boden fallen wie einen Sack Kartoffeln. »Warum bist du dann jetzt mit mir hier, Annwyl?«

»Ich habe nicht gesagt, dass ich dich nicht will. Ich habe nur gesagt, ich bin mir nicht sicher, ob du mir etwas bedeutest.«

Er trat zurück und sah sie lange an. »Ehrliches Mädchen«, brachte er schließlich heraus.

»Man kann meine Familie vieles nennen, Ritter, aber nicht Lügner.«

»In Ordnung.«

Annwyl mühte sich ab, den verwirrenden Mann zu verstehen. Sie spürte, er wollte etwas von ihr, aber sie hatte keine Ahnung, was. Und ihre Frustration war zu groß, um es herausfinden zu wollen. Mit einem schweren Seufzen schob sie sich an ihm vorbei.

»Wir sind noch nicht fertig.«

Sie hielt mitten im Schritt inne, verärgert über seinen Tonfall. Verärgert über ihn. »Nicht?« Sie wandte sich ihm zu, die Arme vor der Brust verschränkt.

»Nein. Ich warte immer noch.« Er kam auf sie zu, und sie fühlte sich wie ein gejagtes Reh im Wald.

»Du wartest? Worauf?«

»Auf dein Versprechen.« Er trat vor sie, und das wenige Licht, das die beiden Sonnen in die stark bewaldete Schlucht des Drachen warfen, wurde durch den riesigen Körper des Mannes abgeschirmt. Sie stand jetzt im Schatten.

»Versprechen?«

»Dein Versprechen, dich von Gwenvael fernzuhalten.«

Jetzt war sie wirklich verärgert. Gwenvael scherte sie nicht im Geringsten. Das war ein mutwilliger kleiner Wichtigtuer. Aber sie verstand auch, wie Geschwister sich gegenseitig in den Wahnsinn treiben konnten. »Ich habe nicht vor, solch ein Versprechen abzugeben.« Sie sah, wie sich sein Kiefer anspannte und hatte das plötzliche Bedürfnis, niederträchtig zu sein. Sehr niederträchtig. »Um ehrlich zu sein, geht mir der Mann nicht mehr aus dem Kopf. Sag mir«, sie legte den Kopf schief, während sie hinauf in das dunkle, schöne Gesicht des Ritters sah: »Hat er schon eine Frau?«

»Du stellst mich auf die Probe, Weib.«

»Und du drängst mich. Ich rate dir dringend, das nicht zu tun.«

»Sonst … was?«

Sie schenkte ihm dasselbe Lächeln, das sie feindlichen Soldaten im Kampf schenkte. Sie übte es nicht, aber sie wusste, was es bewirkte. Männer erbleichten bei diesem Ausdruck. Die meisten rannten davon. Alle starben. Ihr Ritter zuckte nicht einmal mit der Wimper.

»Sonst mache ich deinen Bruder zu einem sehr glücklichen Mann. Er scheint mir mehr als bereit dazu.«

Mit einem wilden Knurren schnappte er ihre Arme und hielt sie hinter ihrem Rücken fest. Er zog sie an sich, und sie spürte die intensive Hitze seines Körpers. Die Wut. Und die Lust. »Du spielst ein gefährliches Spiel, Lady Annwyl.«

Sie hätte zurückweichen können. Vermutlich hätte sie es tun sollen, doch Annwyl war schon immer waghalsig gewesen. Tollkühn. Und dieser Mann … dieser Mann weckte etwas Niederes und Wildes in ihr. Etwas, das sie nicht kontrollieren konnte.

»Nur ein Mann hat mich je beherrscht. Jetzt verrotten seine Gebeine in der Erde. Und seit seinem Tod gehorche ich keinem Mann. Und besonders nicht dir.«

Der Ritter stöhnte schmerzlich auf, bevor er seine Lippen auf ihre presste. Und für Annwyl gab es kein Zurück mehr.

Fearghus wollte stärker sein. Er wollte ihr ihr Schwert reichen und mit dem täglichen Training beginnen. Stattdessen riss er ihr die Schwerter vom Rücken und warf sie auf den Boden der Schlucht.

Annwyl die Blutrünstige war noch gefährlicher als allgemein bekannt war. Sie nahm keine Gefangenen – ob im Krieg oder in der Liebe. Ihre Reaktion auf seinen Kuss war ebenso verzweifelt und fordernd, wie er sich fühlte. Doch er musste sich ermahnen, dass sie noch Jungfrau war. So sehr er sich einen Felsblock suchen und sie darüberlegen wollte – er konnte nicht. Er wollte nicht, dass ihre erste Erfahrung eine schmerzliche Erinnerung würde, die sie in Zukunft zusammenzucken ließ.

Er kämpfte um Beherrschung, zog sich von ihr zurück und ließ sie keuchend und verärgert zurück.

»Zieh deine Kleider aus«, befahl er, während er zurücktrat. Sie runzelte verwirrt die Stirn. »Ich reiße sie dir vom Leib, wenn ich es selbst mache. Zieh sie aus.«

Annwyl starrte ihn an, ihr ganzer Körper angespannt. Einen Augenblick lang dachte er, sie könnte ihre Meinung geändert haben. Ihr Blick zuckte zu dem Weg hinüber, der zurück in die Höhle führte. Doch dann zog sie sich das Hemd über den Kopf. Gefolgt von den Binden. Sie ließ die Hose über ihre Hüften und langen Beine gleiten und als Häufchen zu ihren Füßen liegen. Zusammen mit ihren Stiefeln kickte sie sie zur Seite. Vollkommen nackt stand sie vor ihm. Er studierte jeden Zentimeter ihres Körpers. Jede Narbe. Jede Sommersprosse. Sie war so schön. Und sein.