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Morfyd konnte gerade noch zur Seite springen, um dem Feuerball auszuweichen, den Fearghus entfesselte. Gwenvael traf er allerdings voll an der Brust und schleuderte ihn zurück in die Bäume.

»Sorg dafür, dass er mir nicht mehr unter die Augen kommt, Schwester!«

»Fearghus …«

»Nein!«

Sie hatte ihren Bruder noch nie so wütend gesehen. Und sie hatte das deutliche Gefühl, dass es sehr wenig mit Gwenvaels Gegenwart zu tun hatte – ausnahmsweise.

»Warte!« Sie holte Fearghus ein und griff nach seinem Arm. »Gwenvael hat eine Nachricht gebracht.«

Fearghus blieb stehen. »Von wem?«

Sie schmunzelte. »Was glaubst du wohl? Und er ist nicht glücklich. Er will nicht, dass wir uns in diesen Geschwisterkrieg einmischen.«

Fearghus sah seine Schwester an. »Und das bedeutet was für mich?«

Sie seufzte. »Wir können ihn nicht einfach ignorieren.«

»Ich kann und ich werde. Du kannst tun, was immer du tun musst, Schwester.«

Er riss seinen Arm los und ging zurück in seine Höhle. Sie machte sich nicht die Mühe, ihm nachzugehen. Es hätte nichts gebracht. Sobald sie die Nachricht von Gwenvael erhalten hatte, war ihr klar gewesen, dass dies nur Fearghus’ Entschluss festigen würde. Er hatte es noch nie gemocht, wenn ihm jemand sagte, was er tun sollte … egal, wer.

Sie hörte Gwenvael stöhnen und ging dem Geräusch nach. Dann hielt sie inne. Sie schnüffelte in der Luft und sah sich um. Sie spürte eine Gegenwart. Etwas Tödliches und Böses.

Sie musste schnell sein. Sie begann einen Zauber in ihrer alten Sprache zu sprechen, und bald bedeckten Flammen ihren Körper. Flammen, die nicht brannten. Sie schrieb Sigillen in die Luft, und mit einem Brüllen, das die Schlucht erschütterte, schickte sie die Flammen los.

Als die Flammen außer Sicht waren, machte sie sich wieder auf den Weg zu Gwenvael. Sie würde die Wunden ihres kleinen Bruders versorgen und hoffen, dass Fearghus sie nicht am nächsten Tag wieder aufreißen würde.

Hefaidd-Hen wurde rückwärts von seinem Stuhl und quer durch den Raum geschleudert und krachte an die gegenüberliegende Wand. Er fiel zu Boden und blieb liegen. Sein Kopf fühlte sich an, als würde er aufplatzen, durch seinen Körper schoss der Schmerz wie Blitze. Er hätte tot sein müssen. Und wäre er ein gewöhnlicher Zauberer, dann wäre er das auch gewesen.

Zwei seiner drei Gefolgsleute waren augenblicklich an seiner Seite. »Meister?« Er schlug ihre Hände weg und setzte sich auf. Fassungslos schnappte er nach Luft.

Es war also Morfyd. Die Drachenhexe. Das erklärte einiges.

Er lächelte, wenn auch unter Schmerzen, und sah zu, wie seine Lehrlinge ängstlich vor ihm zurückwichen.

Fearghus verwandelte sich zurück in den Drachen, bevor er zu seinem See zurückkehrte. Er war froh darum, denn Annwyl wartete auf ihn. Sie saß auf einem der großen Felsblöcke, die hoch genug waren, dass sie sich Auge in Auge gegenübersitzen konnten. Ihre nassen Haare sagten ihm, dass sie gebadet hatte. Vermutlich hatte sie versucht, ihn von sich abzuwaschen, seinen Geruch von ihrem Körper zu entfernen. Das zerriss ihm mehr das Herz als er zugeben konnte.

Doch als sie ihn sah und lächelte, war er vollkommen verwirrt. Es war das wärmste Lächeln, das er je gesehen hatte, und sie schien absolut erleichtert durch seine Gegenwart.

Solange er existierte, würde er dieses Mädchen niemals verstehen.

»Fearghus. Ich habe mich schon gefragt, wo du bist.«

»Ist alles in Ordnung?«

Sie seufzte. »Ich denke schon.«

Diese Frau brachte ihn noch um. Langsam. Stück für Stück.

Er setzte sich neben sie, und sie ergriff sofort eine Handvoll von seinem Haar. »Also gut, Annwyl. Was ist los?«

»Der Ritter.«

Fearghus versteifte sich. »Ja?«

»Ich habe heute meine Jungfräulichkeit an ihn verloren.«

Fearghus riss so schnell den Kopf herum, dass er das Mädchen, das seine Hand immer noch in seinem Haar hatte, von dem Felsblock herunterzog. »He!«

»Oh. Entschuldige.« Er hätte nie gedacht, dass sie es ihm sagen würde. Dass sie es überhaupt jemandem sagen würde. Die Art, wie sie nur eine Stunde zuvor fortgegangen war, hatte ihn glauben lassen, sie würde das Geheimnis mit ins Grab nehmen. »Geht es dir gut?«

»Mein Hintern tut weh.«

»Was?«

»Weil du mich eben über den Stein geschleift hast. Du hast ganz schön schmutzige Gedanken, Drache!«

Daraufhin lachte Fearghus. »Tut mir leid.«

Sie ließ sich zum Boden hinab, hielt sich aber immer noch an seinen Haaren fest. Sie lehnte sich an ihn, und Fearghus konnte nicht fassen, wie warm ihr Körper sich an seinem anfühlte.

»Was brauche ich, um dich zu besteigen?«

»Was?«

»Für den Kampf! Also ehrlich, Fearghus!«

»Oh, das. Halt dich einfach an meinen Haaren fest und klettere.«

»Tut dir das nicht weh?«

»Nein.«

Sie griff zwei Handvoll von seinen Haaren und zog sich hoch, bis sie auf seinem Rücken saß. Sie saß tief auf seinen Schultern, rittlings über seinem Hals.

»Kein Sattel?«

»Ich bin doch kein Pferd!«

»Kein Grund, gereizt zu sein! Ich frage ja nur.«

Sie presste ihre Schenkel eng an seinen Hals, und er fragte sich, wie viel die Götter ihn noch erdulden lassen würden, bevor er vollends den Verstand verlor.

»Hat er … dir wehgetan?« Fearghus musste es wissen. Musste wissen, was sie fühlte, was sie dachte. Dem Ritter würde sie es nicht sagen. Also würde sie es vielleicht dem Drachen sagen.

»Nein.«

»Ich kann dir nicht helfen, wenn du nicht mit mir redest, Annwyl.« Ja, er würde zur Hölle fahren, und dieses Mädchen würde diejenige sein, die ihn dorthin schickte. Eine besondere Hölle für böse Drachen, die schöne Frauen belogen.

Sie seufzte tief, während sie mit ihren starken Fingern seine Mähne kämmte. Er bekämpfte den Drang, wie eine Katze zu schnurren. »Ich weiß nicht, was ich will.«

»Willst du ihn?«

»O ja. Ich will ihn. Ich will ihn wirklich. Aber …«

»Aber …?«

Annwyl hätte leicht den Rest ihres Lebens genau hier verbringen können. Direkt auf dieser riesigen Bestie, rittlings auf diesem Hals. Die Hände in dieser schwarzen Mähne vergraben. Sie fragte sich, wie es wohl wäre, mit Fearghus in den Kampf zu reiten. Seinen starken Körper durch den tiefblauen Himmel der Dunklen Ebenen schweben zu spüren.

Aber wäre sie glücklich? Konnte sie ihr Leben als Anführerin und Frau aufgeben, um den Rest ihrer Tage hier in dieser Höhle mit diesem Drachen zu verbringen? Mit ihrem Drachen?

Der Ritter hatte ihr eine neue Tür geöffnet. Sie hatte nie jemandem genug vertraut, um ihn so nahe an sich heranzulassen. Er hatte nicht Liebe mit ihr gemacht, wie sie es die Küchenmädchen hatte nennen hören. Was sie getan hatten, war viel ursprünglicher. Viel tiefer.

Konnte sie das aufgeben, um bei ihrem Drachen zu bleiben und nichts weiter als mit ihm befreundet zu sein? Denn mehr konnte ihr der Drache nicht anbieten, und es war nicht einmal sicher, dass er ihr überhaupt so viel anbieten wollte.

Und obwohl der Ritter ihr unübertreffliches Vergnügen bereitet hatte, war es der Drache, mit dem sie reden wollte, wenn sie in den Armen des Ritters erwachte.

Vielleicht hatte ihr Vater recht gehabt. Vielleicht gab sie sich wirklich große Mühe, alles kompliziert zu machen.

»Annwyl?«

Ihr wurde bewusst, dass der Drache auf eine Antwort wartete, aber sie hatte keine anzubieten.

Annwyl stellte sich auf den Rücken des Drachen und reckte sich. »Ich will nicht mehr darüber reden.«

»Worüber willst du dann reden?«

Aus einer Laune heraus machte sie einen Handstand.