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»Du hast mich belogen.«

»Ja.«

»Warum?«

»Ich dachte, du würdest es nicht verstehen.«

»Töte sie einfach, Fearghus. Töte sie und bring es hinter dich«, seufzte sein Vater schwer.

»Sag mir, Fearghus.« Sie hob das Schwert hoch in die Luft, während ihr Zorn durch ihre Adern pulsierte. »Verstehst du das?«

Sie wirbelte auf dem Absatz herum, weg von Fearghus, und unter Aufbietung aller Wut, die in ihr war, rammte sie die Klinge dem alten Drachen in die Klaue, zwischen die Krallen, wo die Schuppen am dünnsten waren, und nagelte sie – und ihn – damit auf den harten Boden.

Der Drache riss den Kopf zurück, und sein Gebrüll war höchstwahrscheinlich noch Hunderte von Wegstunden entfernt zu hören.

Annwyl wandte sich zu ihrem Geliebten um. »Fahr zur Hölle, Fearghus.«

Sie ging davon und überließ es den Drachen, sich um ihren verwundeten Vater zu kümmern.

14

Seine Geschwister standen schweigend da, verblüfft durch den Schmerzensschrei ihres Vaters. Doch Fearghus beobachtete Annwyl. Er sah sie zum Ausgang gehen. Er sah, wie sie Briec, seinen silberhaarigen Bruder bemerkte, der sie anstarrte. Sie blieb stehen und starrte zurück. Als er sie anlächelte, versetzte sie ihm eine Ohrfeige, die die menschliche Gestalt des Drachen gegen Gwenvael schleuderte.

Er sah seinen jüngeren Bruder an. »Geh mit ihr.«

»Bist du verrückt geworden?«, protestierte Gwenvael, während er Briec auf die Beine half. »Sie ist wahnsinnig! Ich gehe nirgendwohin!«

Fearghus knurrte leise und sorgte dafür, dass seine Reißzähne dabei zu sehen waren. Gwenvael zuckte zurück und folgte ihr murrend.

»Sieh zu, dass sie gut aufgehoben ist!«, rief er seinem Bruder nach. Er sah Morfyd an, die sich endlich aus ihrer Überraschung befreit hatte und sich jetzt um ihren Vater kümmerte.

»Wie schlimm ist es?«

Morfyd sah ihren Bruder mit weit aufgerissenen Augen an. »Sie hat den Höhlenboden glatt durchbohrt! Ich glaube, es ist Stein.« Sie gab sich keine Mühe, die Bewunderung in ihrer Stimme zu verbergen.

»Nein. Hier ist auch Erde.«

»Na, jedenfalls müssen wir es herausstemmen. Es steckt fest.« Er schnaubte seinen Vater höhnisch an. »Er wird’s überleben. Ich gehe ihr nach.«

»Was?« Seine Schwester stellte sich ihm in den Weg. »Fearghus, tu das nicht! Sie ist wütend. Sehr wütend. Sie hat deinen Vater durchbohrt … zweimal. Lass ihr ein bisschen Zeit, sich zu beruhigen.«

»Ich habe sie belogen, Morfyd. Sie hat jedes Recht, wütend zu sein. Außerdem war nicht ich es, den sie verletzt hat.«

»Nein, du gehst nirgendwohin, nicht bevor du mir mit ihm geholfen hast.« Sie ging zurück zu Bercelak. »Ich schaffe das nicht allein.«

Fearghus schüttelte den Kopf. Seine Schwester brauchte seine Hilfe nicht. Doch sie wollte Annwyl zumindest ein paar Minuten geben, um ihren Zorn zu besänftigen. Vielleicht keine schlechte Idee, wenn er einen Augenblick länger darüber nachdachte.

Er sah seinem Vater zu, wie er sich abmühte, seine Klaue vom Höhlenboden zu befreien, was er nicht schaffte, ohne die Wunde aufzureißen. Der Mistkerl steckte tatsächlich fest, bis er und Morfyd ihm halfen. Fearghus lächelte ein bisschen über das Leiden seines Vaters und die Frau, die es verursacht hatte.

Ich liebe diese Frau wirklich.

»Halt dich fern von mir, Gwenvael!«

»Ich wäre lieber auch nicht hier, aber mein Bruder hat mir keine Wahl gelassen.« Gwenvael hatte Mühe, mit ihr Schritt zu halten. Sein Magen drohte immer noch, den Rest der Soldaten wieder loszuwerden, die er in der Nacht davor gefressen hatte, und sie hatte sehr lange Beine. Sie rannte nicht, sie stakste eher. Und er wusste, wenn er ihr zu nahe kam, würde er enden wie Briec. Oder schlimmer noch – wie sein Vater.

Endlich verstand er, was sein Bruder in dieser Frau sah. Drachenfrauen waren gefährlich, aber sehr berechnend. Und manchmal sehr kühl. Für sie ging es nur um die Politik. Für Annwyl jedoch nicht. Ihr war Politik vollkommen egal. Sie funktionierte nach Instinkt und Gefühl. Ihr Instinkt hielt sie am Leben. Ihre Gefühle machten eine tödliche Waffe aus ihr. Wie konnte Fearghus sich nicht in sie verlieben? Wenn Gwenvael über sich selbst nachdachte, musste er zugeben, dass er sich womöglich selbst ein bisschen in sie verliebt hatte.

Sie brauchte nicht lange, bis sie den Rand von Fearghus’ Schlucht erreicht hatte. Er folgte ihr hinaus, knallte aber plötzlich gegen ihren Rücken. Er hatte gedacht, sobald sie freies Feld erreicht hatte, würde sie loslaufen, zurück zu ihren Soldaten. Doch als er aufsah, sah er, was sie gestoppt hatte.

Zwei Bataillone Soldaten warteten auf sie. Sie trugen Lorcans Farben und waren eindeutig fest entschlossen, sie lebend zu ihrem Anführer zurückzubringen, damit er seine Rache bekam. Mindestens zehn Männer hatten Netze, um die Frau einzufangen.

»Ich habe keine Waffen«, murmelte sie tonlos, als sie einen Schritt rückwärts zu Gwenvael machte.

»Doch, hast du.« Er warf ihr sein Schwert zu. Annwyl starrte die Waffe an. Und Gwenvael wurde schnell klar, dass das Mädchen zu lange bei Fearghus in Sicherheit gelebt hatte. Nun, das machte nichts. Er wusste genau, wie er Annwyl die Blutrünstige zurückholen würde. »Und vergiss nicht, Annwyl. Mein Bruder hat dich belogen. Hat dich zur Närrin gemacht. Und genau in diesem Moment lacht er vermutlich gerade herzhaft mit dem alten Drachen darüber. Also« – er schob sie in Richtung von mehreren näher kommenden Männern – »geh und hol sie dir.« Er sah zu, wie das Mädchen wutentbrannt brüllend dem ersten Mann, der ihr zu nahe kam, den Kopf abschlug. Dann drehte sie sich um und erschlug einen zweiten. Gwenvael schauderte. Ihr Name passte gut zu ihr.

Gwenvael sah Soldaten auf sich zukommen. Er verwandelte sich, was das Mädchen zwang, zur Seite zu springen, um nicht von seinem Drachenkörper zerquetscht zu werden.

»Drache!« Er erwartete, dass sie davonlaufen würden. Das hatten sie vorher immer getan. Doch nicht diese Soldaten.

Und ihm wurde plötzlich klar, dass Annwyl nicht die Einzige gewesen war, auf die sie gewartet hatten. Sie hatten auch einen Drachen erwartet.

Annwyl rammte ihr Schwert einem weiteren Soldaten in den Bauch und schlitzte ihn auf. Sie riss sein Schwert aus der Scheide an seiner Seite, ignorierte die Eingeweide, die vor ihr auf den Boden fielen und wandte sich dem nächsten Angreifer zu. Sie wollten sie mit diesen Netzen fangen, aber sie wusste, was das bedeutete. Das hieß zurückzukehren zu ihrem Bruder und zu den Qualen, die er für sie geplant hatte. Der Gedanke ließ sie bis ins Mark schaudern und spornte ihre Schnelligkeit und Niedertracht an.

Sie begann, indem sie zunächst einmal Arme abhackte. Alle Arme, die Netze hielten. Als sie einen weiteren Arm abtrennte und dem Mann den Kopf abhackte, bemerkte sie schnell, dass ihr Training mit Fearghus ihr zugutekam. Sie bewegte sich inzwischen schneller. Ihre Attacken waren gezielter, tödlicher. Einen Moment lang vergaß sie, wie wütend sie auf ihn war. Doch dann erinnerte sie sich und hieb einen Mann vor Wut praktisch in zwei Teile.

Sie hörte Gwenvaels wütendes Gebrüll, wandte sich um und sah, dass eine Gruppe Männer versuchte, den Drachen zu überwältigen. Sie hatten Seile um seinen Hals gewickelt, und mindestens dreißig Männer versuchten, die Bestie zu Boden zu ziehen. Er vernichtete ein paar von ihnen mit seinem Feueratem, doch sie erinnerte sich, dass es Gwenvael in seiner menschlichen Gestalt ziemlich übel gewesen war. Jetzt wurde ihr klar, dass dieselbe Übelkeit auch den Drachen beeinträchtigte. Noch ein paar Sekunden, und die Soldaten hatten ihn.