Sie warf den Kopf zurück und sah ihn an. Sah die Wahrheit in seinen Augen. »Binde mich los, Fearghus.« Er beugte sich vor und machte ihre Fesseln los. Sobald sie frei war, zog sie sich von ihm zurück. Ein Stöhnen entrang sich seinen Lippen, als er aus ihr herausrutschte. Sie drehte ihren Körper, sodass sie einander zugewandt waren.
Annwyl sah Fearghus an, mit der Hand strich sie über seine Wange und seinen kantigen Kiefer entlang. Dann knurrte sie und boxte ihn gegen die Brust. »Du Idiot!«
»Au!«
»Warum hast du mir das nicht vorher gesagt? Du machst mich wahnsinnig!« Sie boxte ihm gegen die Schulter.
»Hör auf, mich zu schlagen!«
Sie stand auf, stürmte von ihm fort in die Mitte des Zeltes und verschränkte die Arme vor der Brust. »Ich dachte, ich würde vollends verrückt werden. Deinetwegen!«
»Bist du fertig?«
Annwyl hörte auf, hin und her zu tigern und wandte sich Fearghus langsam zu. Er saß zurückgelehnt auf dem Bett, die langen Beine auf dem Boden, seine Erektion auf Anschlag. »Wie bitte?«
Er lächelte, während sein glühender Blick sie abtastete. »Ich habe gefragt, ob du fertig bist. Ich meine, du kannst den ganzen Tag darüber schwadronieren, wie unrecht ich dir getan habe, wenn du willst. Oder du kannst hier rüberkommen und es mich wiedergutmachen lassen.«
Annwyl biss sich auf die Lippen, um ihr Lächeln zurückzuhalten. Dreister Mistkerl. »Ich bin sehr verletzt, weißt du? Am Boden zerstört. Vielleicht erhole ich mich nie wieder davon.«
»Komm zu mir, Annwyl.« Er streckte die Hand nach ihr aus, und ein hinreißendes Lächeln breitete sich über sein wunderschönes Gesicht. »Schwing deinen hübschen Hintern zu mir rüber.«
Annwyl verdrehte die Augen, ging aber trotzdem. Sie nahm die ihr dargebotene Hand. Fearghus drückte sie, während er sie sanft von sich wegdrehte. Er fasste ihre Hüften und zog sie zu sich heran, senkte ihren Körper, bis seine heiße Männlichkeit langsam von hinten in sie eindrang. Sie keuchte, als er sie ganz langsam auf sich setzte. Er ließ sich Zeit.
Sobald sie ihn vollkommen umschloss, ließ er seine Hände zu ihren Brüsten gleiten. Er nahm die Nippel fest zwischen seine schwieligen Finger, während er seine Stirn an ihrem Rücken rieb und die Nase in ihren Nacken schmiegte. Annwyl stöhnte und fragte sich, wie sie je hatte glauben können, sie könne das hier aufgeben. Ihn aufgeben. Ihr wurde bewusst, dass sie sich darüber keine Sorgen mehr zu machen brauchte. Sie hatte sie beide. Der Drache und der Ritter waren ein und derselbe. Und er liebte sie.
Er knabberte an ihrem Nacken und hielt sie an ihren Hüften fest. Langsam bewegte er sie auf sich auf und ab. Immer wieder – bis Annwyl sicher war, sie würde den Verstand verlieren. Seine Zunge glitt in ihrem Nacken auf und ab; seine Haare fielen ihr über die Schultern und strichen über ihre empfindlichen Brüste.
Annwyl legte ihre Hände über seine. Sie hielt sie fest, grub ihre Nägel in seine Haut. »Bei den Göttern, Fearghus! Du machst mich verrückt!«
Er lachte leise an ihrem Nacken. »Zu langsam?« Sie brachte nur ein Nicken zustande. »Dann sag mir, was ich hören will.«
Sie keuchte, als seine Hände sie fester umschlossen. Dann schüttelte sie den Kopf. Sie hatte keine Ahnung, wovon er sprach. »Sag mir, dass du mir verzeihst, Annwyl. Vergib mir, und ich vögle dich, bis du schreist.«
Zum Teufel, sie hatte ihm schon hundertmal verziehen. Zumindest in Gedanken. Doch es auszusprechen, genau in diesem Augenblick, wo sie nicht einmal geradeaus schauen konnte – das war die wahre Herausforderung.
»Äh … ja.«
»Ja was?«
Sie stöhnte. Sie war so kurz davor. So kurz. »Verziehen.«
»Was verziehen?«
Was für ein unglaublicher Mistkerl! »Dir.«
»Sag es, Annwyl. Sag es, denn ich kann noch stundenlang so weitermachen.«
Stunden? Sie konnte keine fünf Sekunden länger ertragen, von Stunden ganz zu schweigen. Sie zwang sich, sich zu konzentrieren, indem sie dieselben Fähigkeiten nutzte wie im Kampf.
»Ich verzeihe dir, Fearghus. Ich verzeihe dir.«
Plötzlich hob er sie von sich herunter und warf sie wieder aufs Bett. Er schob ihre Knöchel bis neben die Ohren hoch und drang tief und hart in sie ein. Sie hielt sich mit beiden Händen am Kopfende fest und stöhnte Fearghus’ Namen. So dicht davor, wie sie war, brauchte es nicht viel mehr, um ihr den Rest zu geben, und das Stöhnen wurde zu einem Schrei, als sie um ihn herum detonierte. Holz splitterte in ihren Händen; das Kopfteil wurde zum Opfer ihres Aktes.
Sein Höhepunkt folgte kurz darauf; ein wildes Aufstöhnen entrang sich ihm, als ihre Muskeln ihn fest umschlossen im Versuch, auch noch den letzten Tropfen aus seinem Körper zu pressen.
Sie blieben ineinander verschlungen liegen. Keiner von beiden rührte sich oder sprach. Schließlich zog er sich aus ihr zurück und senkte sanft ihre Beine ab. Er streckte sich neben ihr auf dem Bett aus, damit sie sich an ihn schmiegen konnte.
Annwyl lächelte, als er ihre Stirn küsste.
»Was nun, Drache?«
Er strich ihr mit der Hand über die Wange. Wie kurz hatte er davorgestanden, sie zu verlieren. Das Einzige, was er je gewollt hatte. »Ich glaube, wir haben einen Krieg zu gewinnen.«
Annwyl schüttelte den Kopf. »Nein. Ich will nicht … Ich wollte nicht …«
Er küsste sie auf den Mund, und sie hörte auf zu stammeln. »Ich weiß. Ich will es. Um genau zu sein, wurde es mir befohlen.« Er grinste. »Abgesehen davon will ich dich zu gern gegen deinen Bruder kämpfen sehen.«
»Bist du sicher?«
»Ich bin sicher.« Er streckte die Hand aus und zog die Felldecken vom Boden über ihre ineinander verschlungenen Körper. Sie schmiegte sich dicht an ihn und vergrub die Nase an seinem Hals, während er ihr mit den Händen über den Rücken strich.
Er würde ihr helfen, diesen Krieg zu gewinnen. Nicht für seinen Vater oder die Königin. Sondern für sie. Für seine Annwyl. Für die Liebe seines Lebens.
16
Annwyl riss die Augen auf, als sich eine Hand über ihren Mund legte. Doch als sie Morfyds blaue Augen sah, entspannte sie sich. Morfyd machte ein paar Schritte zurück und bedeutete Annwyl, ihr zu folgen, dann schlüpfte sie lautlos aus dem Zelt.
Annwyl versuchte, sich unter dem großen, besitzergreifenden Arm hervorzuwinden, der sich um ihre Taille geschlungen hatte. Aber er hielt sie fester, und Fearghus schmiegte sich an ihren Rücken. »Wo willst du denn hin?«
Lächelnd streichelte sie die Hand an ihrer Taille. Allein seine tiefe, grollende Stimme in ihrem Rücken machte sie feucht und bereit für ihn. »Kann man als Mädchen nicht einfach ein bisschen Zeit für sich haben? Ich bin gleich wieder da.«
Seine Zähne knabberten an ihrer Schulter. »Das will ich dir auch geraten haben.
Sie krabbelte aus dem Bett, nahm sich eine Felldecke und trat aus dem Zelt. Sie bog um eine Ecke und sah Morfyd ungeduldig auf sie warten.
»Was ist los?« Sie mochte Morfyd, aber eigentlich wollte sie zurück ins Bett, Fearghus’ Arme fest um sie geschlungen, wollte ihn in sich spüren, hart und bereit.
»Du musst mit mir kommen.«
»Was? Wohin?«
»Ich kann es dir jetzt nicht erklären. Hier.« Sie reichte Annwyl ihre Kleider. Sie hatte keine Ahnung, wann Morfyd die geholt hatte. Ebenso wenig verstand sie ihre Heimlichtuerei.
»Morfyd, was ist los?«
»Du musst mir vertrauen, aber wir müssen los, bevor Fearghus nach dir sucht.«
Annwyl zog ihre Kleider an und beobachtete Morfyd dabei. »Du auch, oder?«
»Ich auch was?«
»Du und Fearghus. Ich habe es vorher nie bemerkt, aber du siehst ihm ein bisschen ähnlich.«