»Rhiannon?«, sagte er noch einmal, diesmal lauter.
»Hmmmmmm?«
Sie klang satt.
Bercelak musste lächeln. Es fühlte sich schön an zu lächeln. »Geht’s dir gut?«
Langsam öffneten sich ihre Augen und sie sah ihn verwundert an. Dann, genauso schnell, zogen sich ihre Augenbrauen zu einem finsteren Blick zusammen. »Das ändert gar nichts, Nichtswürdiger!«
Bercelak lachte laut auf, und das fühlte sich sogar noch besser an als zu lächeln. »Tut mir leid, Prinzessin. Das ändert alles. Und das wissen wir beide.«
Knurrend versuchte sie, sich von ihm loszumachen, doch er hielt sie an der Taille fest.
»Du gehst nirgendwohin.«
»Lass mich los!«
»Nein. Ich will zuerst reden.«
»Reden?« Diese Vorstellung schien sie zu entsetzen.
»Aye. Reden. Sichergehen, dass wir ein paar Dinge geklärt haben.«
Sie lehnte sich zurück, sah ihn aber weiterhin misstrauisch an. »Was geklärt haben?«
»Der nächste Vollmond ist in vier Tagen. Dann werde ich dich in Besitz nehmen.«
»Warte …«
»Nein. Ich werde nicht warten, Rhiannon. Du gehörst mir, wie ich dir gehöre. Nichts wird daran etwas ändern.«
Wütend machte sie sich von ihm los und krabbelte übers Bett. »Das ist nicht fair! Es war die Magie … sie verändert …«
Er schüttelte den Kopf. »Versuch’s mit etwas anderem, Prinzessin. Ich nehme dir nicht ab, dass die Magie dich als Einzigen von allen Drachen Dinge tun lässt, die du nicht tun willst.«
»Aber …«
Frustriert bellte er: »Nein! Keine Ausflüchte mehr! Keine Widerrede!« Er zog sich hoch und kam auf allen Vieren auf sie zu.
Mit aufgerissenen Augen wich Rhiannon vor ihm zurück. Das Bett war groß, aber nicht so groß.
Ihr hinteres Bein glitt vom Bett, sodass sie fast auf den Boden gefallen wäre. Doch Bercelak hielt sie am Handgelenk fest.
»Warte …«
Er ignorierte ihre Bitte und riss sie zu sich aufs Bett.
Als er sich auf sie legte, fauchte sie: »Ich werde dich nie lieben, Nichtswürdiger! Niemals!«
Sein Herz setzte aus. Er wollte ihre Liebe. Er brauchte sie sogar. Es ging nicht darum, ein Mitglied des Königshauses zur Gefährtin zu nehmen. Es ging um Rhiannon, und nur um Rhiannon. Er liebte sie, seit er sie zum ersten Mal gesehen hatte, und – das hatte er sich schon vor Jahren eingestanden – er würde sie immer lieben. Keine Frau würde ihr jemals gleichkommen. Und jetzt, wo er tatsächlich in ihr gewesen war, tatsächlich ihre Lustschreie gehört und ihre Leidenschaft gespürt hatte, wollte er keine andere Frau in seinen Armen haben. Nur Rhiannon. Immer Rhiannon.
Doch nach dem zu urteilen, was er von seiner Rhiannon wusste, würde kein »vernünftiger« Mann je in ihrem Bett leben … ihr Bett besitzen. Also schob er die Seite an sich beiseite, die sich um sie kümmern wollte – die sie zum Lachen bringen und sie lächeln sehen wollte. Er würde diese Seite verdrängen, bis er Rhiannon in Besitz genommen hatte. Und selbst wenn er den nächsten Vollmond dadurch verpasste, würde er sie erst in Besitz nehmen, wenn sie ihn liebte. Nichts war schlimmer als mit jemandem zusammen zu sein, der einen nicht liebte und es auch niemals tun würde. Drachen lebten viele Jahre, und das war zu lange, um ohne einen wahren Gefährten zu leben, dem man wichtig war.
Also verdrängte er die Seite an sich, die sich sorgte, und brachte den Krieger zum Vorschein. Den gnadenlosen Kampfdrachen, der mehr Drachenkönigreiche zerstört hatte als er zählen konnte.
Er vergrub seine Hand in ihren Haaren und riss ihren Kopf zurück. Eine ihrer Hände griff nach seiner Schulter und versuchte, ihn wegzuschieben.
»Vielleicht sollten wir einander richtig verstehen, Prinzessin. Ich werde dich haben. Ich werde dich zu der Meinen machen bis ans Ende der Zeiten. Fordere mich heraus, wenn du willst, aber diesen Kampf wirst du verlieren. Ich verspreche dir, dass du verlieren wirst.«
Klare, blaue Augen starrten ihn wütend an, doch er sah auch die Hitze darin. Mit ihrem Hass kam ihre Lust. Genau wie er es erwartet hatte.
Er zog ihren Kopf noch ein wenig weiter zurück, und die Hand an seiner Schulter grub sich in seine Haut.
»Ich denke, es ist an der Zeit, dass du verstehst, wie die Dinge zwischen uns laufen werden, Prinzessin. Ich denke, es ist Zeit, dass ich es dir zeige.«
Bercelak hämmerte noch einmal an die Tür seines älteren Bruders. Endlich zog Addolgar die schwere Eichentür auf.
»Was denn?«
»Ich brauche deine Ketten, Bruder.«
Addolgar starrte ihn lange an. »Will ich wissen, wozu?«, fragte er schließlich.
»Nein.«
»Nur die Handfesseln, oder auch das Halsband?«
»Alles.«
Mit einem Achselzucken ging Addolgar zurück in sein Zimmer. Er hörte seinen Bruder mit seiner Gefährtin sprechen. Bercelak schüttelte den Kopf, als er sie bellen hörte: »Wo willst du mit unseren Ketten hin?«
»Es ist für einen guten Zweck«, sagte Addolgar über seine Schulter hinweg, während er seinem Bruder die Ketten übergab. »Sie haben mir Glück gebracht, Bruder. Vielleicht funktioniert das bei dir auch.«
Er hat mich in den Schlaf gevögelt, dachte sie, als sie sich zwang, wach zu werden. Die Sonnen schienen hell durch die schmalen Fenster, und sie wusste, dass es spät am Vormittag war.
Das Letzte, woran sie sich erinnerte, war, wie er sie gebadet hatte, und zwar gegen ihre gemurmelten Proteste.
Rhiannon schüttelte den Kopf, um ihren erschöpften Kopf freizubekommen, doch der Klang von schweren Ketten ließ sie erstarren. Sie wollte ihre Kehle berühren, doch ihre Hände ließen sich kaum bewegen. Sie drehte den Kopf und sah die metallenen Handfesseln, die ihre Handgelenke festhielten; die Kette festgezogen, damit ihre Arme sich nicht zu weit vom Kopfende des Bettes weg verirren konnten. Sie konnte das Halsband, das sie trug, weder sehen noch berühren, aber sie spürte es nur zu gut. Schweres Metall, das ihr auf die Schultern drückte. Selbst ihre Füße waren gefesselt und die Ketten sicher am Fußende des Bettes befestigt.
»Mistkerl!«
»Oh, gut! Du bist wach.«
»Mach mich los! Sofort!«
Er lächelte, was sie wenig tröstete. »Ich glaube nicht. Ich hab dich gern zu meiner Verfügung. Willig, feucht und bereit, sobald ich will.«
Sie hätte ihn angespuckt, wenn er näher gewesen wäre. Vor allem, als sie spürte, dass ihr Körper so augenblicklich reagierte. Ihre Nippel standen vor, und Feuchtigkeit breitete sich zwischen ihren Schenkeln aus. Er sah es ebenfalls, und sein Grinsen wurde noch breiter.
Sie kämpfte wieder gegen die Ketten an. »Ich schreie um Hilfe!«
»Ich würde mir keine Mühe geben. Denk daran, wessen Familie dies ist. Die von Ailean dem Verruchten. Irgendwie hat er es geschafft, meine Mutter zu umwerben, die, wie man mir erzählt hat, vor ihrer Inbesitznahme mehr als einmal versucht hat, ihn umzubringen. Also habe ich ernsthafte Zweifel, ob er das hier für eine besonders extreme Form der Brautwerbung halten wird.«
»Ich bin eine Prinzessin«, wandte sie ein, »du kannst mich nicht behandeln …«
»Du bist eine Prinzessin«, unterbrach er sie. »Eine schöne Prinzessin, die mir gehört.«
Er kam schließlich doch zu ihr herüber, und sie starrte den menschlichen Körper vor sich angestrengt an. Götter, warum musste er so schön sein?
»Sag mir, dass du mir gehörst, Rhiannon, dann lasse ich dich frei.«
Wütend und erregt gleichzeitig, wandte Rhiannon ihr Gesicht ab.
»Sag es mir, Rhiannon.« Seine Finger glitten an ihrer Wade hinauf, neckten ihre Haut allein mit den Fingerspitzen. »Sag es mir« – Finger glitten zwischen ihre Schenkel, sanfte Küsse folgten –, »oder ich werde dich dazu zwingen müssen … irgendwie.«