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»Natürlich! Ich frage ganz einfach: Mamsell Wjera, wollen Sie heiraten? Bitte! Nein? Dann gibt's einen Messerstich ins Herz!«

Über Pawels Gesicht und Körper ging ein krampfhaftes Zittern.

»Na, na!« sagte Ilja lachend. »Wer wird gleich mit dem Messer drohen!«

»Nein, glaub's mir – ich hab' es satt! Ohne sie leben kann ich nicht ... Schmutzereien hat sie genug getrieben – die muß sie endlich satt haben ... Ich hab' jedenfalls genug von der Sache. Morgen entscheidet es sich zwischen uns ... so oder so ...« Lunew sah dem Freunde ins Gesicht, und plötzlich tauchte in seinem Kopfe ein einfacher, heller Gedanke auf. Er errötete, und ein Lächeln ging über sein Gesicht ...

»Paschutka, denke dir: ich hab' mein Glück gemacht!« begann er nach einem. Weilchen.

Und er erzählte dem Freunde in aller Kürze, was ihm in den letzten Tagen begegnet war. Pawel hörte ihm zu, ließ seufzend den Kopf hängen und sagte:

»Ja–a, du hast Glück ...«

»Ich schäm' mich sogar vor dir meines Glücks ... wahrhaftig! Ich spreche ganz aufrichtig.«

»Schönen Dank auch dafür!« sagte Pawel lachend.

»Weißt du was?« sagte Ilja leise. »Ich will mich nicht etwa brüsten, sondern sag's im Ernst, daß ich mich schäme ...«

Pawel sah ihn schweigend an und senkte dann wieder nachdenklich den Kopf.

»Ich will dir nun etwas sagen,« fuhr Ilja fort – »wir haben in der Not zusammengehalten, laß uns auch die Freude teilen!«

»Hm–m,« brummte Pawel –»ich hörte, daß man die Freude so wenig teilen kann, wie ein Weib ...«

»Man kann's! ... Erkundige dich einmal, was alles nötig ist, um ein Brunnenmachergeschäft einzurichten – was für Instrumente, Materialien und so weiter ... und wieviel das kostet ... das Geld dazu will ich dir geben ...«

»Nanu–u–u?« rief Pawel gedehnt und sah den Freund ungläubig an. Lunew faßte voll Herzlichkeit seine Hand und drückte sie fest.

»Wirklich, du Sonderling ... ich geb' es dir!«

Er mußte jedoch noch lange auf Pawel einreden, um ihn von der Ernsthaftigkeit seiner Absicht zu überzeugen. Pawel schüttelte in einem fort den Kopf, brummte und sagte:

»Nein, das wird nichts ...«

Endlich gelang es Lunew, ihn gefügig zu machen. Und dann umarmte ihn Paschka seinerseits und sprach mit vor Rührung bebender Stimme:

»Ich danke dir, Bruder! Ziehst mich heraus aus dem Loche ... Nur hör', was ich sage: eine eigne Werkstatt mag ich nicht – die hol' der Teufel! Das ist nichts für mich ... Gib mir etwas Geld – ich will Wjerka zu mir nehmen und von hier fortmachen. So ist's für dich leichter – denn du brauchst nicht so viel zu geben – und für mich bequemer. Ich fahr' irgendwohin und tret' als Geselle in eine Werkstatt ein ...«

»Unsinn!« sagte Ilja. »Es ist doch besser, sein eigner Herr zu sein ...«

»Ich und mein eigner Herr!« rief Pawel vergnügt. »Nein, ein eignes Geschäft, und was sonst drum und dran hängt, ist nicht nach meinem Geschmack ... Einen Bock kannst du nicht mit einemmal zum Schwein umwandeln ...«

Lunew begriff Paschkas Auffassung vom Wesen eines Prinzipals nicht recht, doch fand er an ihr Gefallen.

»'s ist wahr: du siehst wirklich einem Bock ähnlich,« sagte er scherzend, »bist ebenso mager ... Weißt du, an wen du mich erinnerst? An den Schuster Perfischka! ... Na, also morgen treffen wir uns, und da geb' ich dir Geld für den Anfang ... solange du keine Stellung hast ... Und jetzt will ich mal nach Jakow sehen ... Wie stehst du denn mit ihm?«

»Wie früher ... wir können uns nicht recht besehen ...« sprach Gratschew lachend.

»Er ist ein unglücklicher Mensch ...« sagte Ilja nachdenklich.

»Davon haben wir alle etwas ...« versetzte Pawel achselzuckend. »Es scheint mir immer, als sei er nicht ganz bei Verstände. Ein Pechvogel sozusagen ...«

Als Ilja ihn bereits verlassen hatte, rief er, mitten im Korridor stehend, noch einmal hinter ihm her:

»Ich danke dir, Bruder!«

Ilja nickte ihm lächelnd zu.

Den armen Jakow traf er ganz traurig und niedergeschlagen. Er lag auf seinem Bett, das Gesicht der Decke zugekehrt, schaute mit weit geöffneten Augen nach oben und bemerkte es gar nicht, als Ilja an ihn herantrat.

»Nikita Jegorytsch ist in einen andern Saal gekommen«, sprach er düster zu Ilja.

»Das ist gut,« versetzte Lunew – »er sah schon gar zu schrecklich aus.«

Jakow sah ihn vorwurfsvoll an und begann zu husten.

»Geht's dir besser?« fragte Ilja.

»Ja–a ...« antwortete Jakow mit einem Seufzer. »Nicht mal krank sein darf ich, solange ich will ... Gestern war der Vater wieder da. Er hat ein zweites Haus gekauft, sagt er. Noch eine Schenke will er aufmachen. Und das alles soll ich mal auf den Hals kriegen ...«

Ilja hätte zu ihm gern von seinen eignen Erfolgen gesprochen, doch hielt ihn irgend etwas davon zurück.

Die Frühlingssonne lachte heiter zum Fenster herein, und die gelben Wände des Krankenhauses erschienen in ihrem Lichte noch gelber. Der Anstrich zeigte in der hellen Beleuchtung allerhand Flecke und Risse. Zwei von den Kranken saßen schweigend auf ihren Betten und spielten Karten. Ein hochgewachsener, magerer Mensch ging geräuschlos, den verbundenen Kopf tief auf die Brust gesenkt, im Saale hin und her. Es war still in dem Räume, nur ein unterdrücktes Husten vernahm man irgendwoher, und vom Korridor hörte man die Pantoffeln der Kranken schlurren. Jakows gelbes Gesicht erschien wie leblos, und seine Augen hatten einen bekümmerten Ausdruck.

»Ach, ich möchte sterben!« sprach er mit seiner knarrenden Stimme. »Wenn ich so daliege, sag' ich mir: es muß interessant sein, zu sterben.« Seine Stimme klang immer leiser, gedämpfter. »Freundliche Engel sind da ... Sie können dir alles erklären, jede deiner Fragen beantworten ...«

Er schwieg und beobachtete blinzelnd, wie an der Decke der bleiche Reflex eines Sonnenstrahls spielte.

»Hast du Maschutka nicht gesehen!« fragte er dann plötzlich.

»N–nein ... Ich hab' nicht dran gedacht, sie zu besuchen ... es hat nicht alles Platz im Kopfe ...«

»Ins Herz mußt du dir's schreiben, nicht in den Kopf!«

Lunew ward verlegen und schwieg. Jakow seufzte und warf unruhig seinen Kopf auf dem Kissen hin und her.

»Nikita Jegorytsch muß nun sterben,« sagte er, »und er will nicht ... Der Feldscher sagte es mir: er muß sterben! ... Und ich will sterben – und kann nicht! Ich werde wieder gesund und geh' hinters Büfett, wo ich keinem was nütze.«

Seine Lippen verzogen sich zu einem traurigen Lächeln. Er sah den Freund ganz sonderbar an und sprach weiter:

»Um es in diesem Leben auszuhalten, müßte man eiserne Lenden und ein eisernes Herz haben ...«

Ilja hörte aus Jakows Worten etwas Feindseliges, Kaltes heraus, und er runzelte die Stirn.

»Und ich bin wie Glas zwischen Steinen,« fuhr Jakow fort – »dreh' ich mich um – dann gibt's einen Sprung ...«

»Du jammerst schon gar zu gern«, sagte Lunew obenhin.

»Und du?« fragte Jakow.

Ilja wandte sich ab und schwieg. Dann, als er merkte, daß Jakow sich nicht zum Weiterreden anschickte, sagte er nachdenklich:

»Wir haben es alle schwer. Nimm zum Beispiel Pawel! ...«

»Ich lieb' ihn nicht«, sagte Jakow und verzog mürrisch sein Gesicht.

»Warum nicht?«

»So ... ich lieb' ihn einmal nicht ...«

»Hm ja ... ich muß jetzt gehen ...«

Jakow reichte ihm schweigend die Hand und bat dann plötzlich mit kläglicher, bettelnder Stimme:

»Erkundige dich doch ... nach Maschutka! Ja? Um Christi willen! ...«

»Gut, ich will's tun«, sprach Ilja.

Er atmete erleichtert auf, als er Jakow verlassen hatte. Seine Bitte aber, er möchte sich doch nach Mascha erkundigen, hatte bewirkt, daß Ilja sich seines Verhaltens gegen Perfischkas Tochter schämte, und er beschloß, Matiza aufzusuchen, die sicherlich wußte, wie sich Maschutka in ihre neue Lage gefunden hatte.