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Wir erfreuen uns guter Gesundheit, schrieb er langsam. Abgesehen von der Seekrankheit, an die er lieber nicht denken wollte. Sollte er ihnen von Fergus erzählen?, fragte er sich.

Als er aufblickte, sah er, dass sich Claire zu ihm niederbeugte, um ihn mit dieser konzentrierten, aber vorsichtigen Neugier zu betrachten, die sie sich für Menschen vorbehielt, die sich jeden Moment übergeben, Blut verspritzen oder sterben konnten. Ersteres und Zweiteres hatte er bereits getan, weil sie ihm versehentlich eine ihrer Nadeln in ein kleines Blutgefäß an der Kopfhaut gesteckt hatte, doch er hoffte, dass sie keine weiteren Anzeichen für sein unmittelbar bevorstehendes Ableben entdeckte.

»Gut, gut.« Er wollte gar nicht erst an seinen Magen denken, um ihn nicht zu erregen, und wechselte das Thema, um jedes weitere Gespräch über seine Gesundheit zu vermeiden. »Soll ich Brianna und Roger Mac von Fergus erzählen?«

»Wie viel Tinte hast du denn?«, fragte sie und lächelte ihn von der Seite an. »Ja, natürlich solltest du das. Es wird sie sehr interessieren. Und dich wird es ablenken«, fügte sie hinzu und kniff ein wenig die Augen zusammen, um ihn zu mustern. »Du bist nämlich immer noch ziemlich grün.«

»Aye, danke.«

Sie lachte mit der fröhlichen Kaltschnäuzigkeit der geborenen Seeleute, küsste ihn auf den Scheitel – ohne die vier Nadeln zu berühren, die ihm aus der Stirn ragten – und trat an die Reling, um zu beobachten, wie das schwankende Land außer Sichtweite geriet.

Er wandte den Blick von dieser beunruhigenden Ansicht ab und widmete sich erneut seinem Brief.

Auch Fergus und seiner Familie geht es gut, doch ich muss Dir von einem wunderlichen Vorfall erzählen. Ein Mann, der sich Percival Beauchamp nennt …

Er benötigte fast eine Seite, um Beauchamp und seine merkwürdige Neugier zu beschreiben. Er blickte in Claires Richtung und fragte sich, ob er auch die Möglichkeit erwähnen sollte, dass Beauchamp mit ihrer Familie verwandt sein könnte, entschied sich aber dagegen. Seine Tochter kannte ja gewiss den Mädchennamen ihrer Mutter, und er würde ihr sofort auffallen. Doch weitere nützliche Angaben konnte er dazu nicht machen – und seine Hand begann zu schmerzen.

Claire stand immer noch an der Reling. Sie hielt sich mit einer Hand daran fest, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren, und ihr Gesicht war verträumt.

Sie hatte ihre Haarmassen mit einem Band zusammengebunden, doch der Wind riss einzelne Strähnen aus ihrer Befestigung, und mit ihren wehenden Haaren, Röcken und Wolltüchern, das Kleid fest an ihren immer noch äußerst ansehnlichen Busen geschmiegt, sah sie aus wie eine Galionsfigur, fand er, anmutig und kühn, ein Schutzgeist gegen die Gefahren der Tiefe.

Er fand diesen Gedanken seltsam tröstend und begab sich besseren Mutes wieder an seine Komposition, trotz des verstörenden Inhalts, den er nun zu Papier bringen musste.

Fergus hat sich entschieden, nicht mit Monsieur Beauchamp zu sprechen, was ich klug fand, und so hielten wir die Angelegenheit schon für erledigt.

Doch während unseres Aufenthalts in Wilmington bin ich eines Abends zum Hafen gegangen, um mich mit Mr DeLancey Hall zu treffen, der uns mit Kapitän Roberts in Kontakt gebracht hat. Da im Hafen ein englisches Kriegsschiff vor Anker lag, hatten wir abgesprochen, dass wir uns heimlich an Bord von Mr Halls Fischerboot begeben sollten, welches uns aus dem Hafen befördern sollte, woraufhin wir auf die Teal treffen sollten, da Kapitän Roberts eine Abneigung gegen allzu dichte Tuchfühlung mit der Marine hegt. (Dies ist eine weitverbreitete Reaktion unter den Privat- und Handelskapitänen, da einerseits die meisten Schiffe Schmuggelware an Bord haben, andererseits jedoch auch die Marine ein recht habgieriges Verhalten gegenüber den Schiffsbesatzungen an den Tag legt und Männer entführt – in den Dienst gepresst, nennt man das –, was im Grunde die lebenslange Versklavung bedeutet, es sei denn, sie sind bereit, das Risiko einzugehen, als Deserteure gehängt zu werden).

Ich hatte einige kleine Gepäckstücke dabei, um unter dem Vorwand, diese an Bord zu bringen, sowohl das Boot als auch Mr Hall genauer zu inspizieren, bevor wir ihnen unser Leben anvertrauten. Das Boot lag jedoch nicht vor Anker, und Mr Hall ließ eine Weile auf sich warten, sodass ich mich schon zu sorgen begann, ich hätte seine Anweisungen missverstanden, oder er hätte entweder einen Zusammenstoß mit der Marine Seiner Majestät oder mit einem Schurkenkollegen oder einem Privatier gehabt.

Ich habe gewartet, bis es dunkel war, und war schon im Begriff, zu unserem Quartier zurückzukehren, als ich ein kleines Boot mit einer blauen Laterne am Heck in den Hafen einfahren sah. Dies war Mr Halls Signal, und es war wirklich sein Boot, welches ich ihm zu vertäuen half. Er sagte mir, er hätte Neuigkeiten, und wir haben ein Wirtshaus aufgesucht, wo er mir sagte, er sei tags zuvor in New Bern gewesen und hätte den Ort in Aufruhr vorgefunden, weil es einen gemeinen Anschlag auf den Drucker, Mr Fraser, gegeben hatte.

Den Berichten nach befand er – Fergus – sich auf einer Lieferfahrt und war gerade von seinem Maultierkarren abgestiegen, als sich jemand von hinten auf ihn stürzte und ihm einen Sack über den Kopf stülpte und gleichzeitig jemand anders versuchte, seine Hände zu packen, vermutlich, um sie zu fesseln. Natürlich hat sich Fergus heftig zur Wehr gesetzt, und Mr Hall zufolge ist es ihm gelungen, einen der Angreifer mit seinem Haken zu verwunden – eine Annahme, die durch das Vorhandensein von reichlich Blut gestützt wird. Der Verletzte hat schreiend von ihm abgelassen und laut geflucht (ich hätte gern den Inhalt dieser Flüche erfahren, um sagen zu können, ob der Sprecher Franzose oder Engländer war, doch dieses Detail wurde leider nicht mitgeliefert), woraufhin Clarence (an den Du Dich wahrscheinlich noch erinnerst) nervös wurde und den zweiten Angreifer gebissen hat – Fergus und dieser Mann waren während ihres Kampfes gegen das Maultier gefallen. Der zweite Mann ließ sich davon entmutigen, doch nun stürzte sich der erste wieder ins Getümmel, und Fergus – der immer noch durch den Sack geblendet war, aber laut um Hilfe brüllte – hat mit ihm gerungen und erneut mit seinem Haken nach ihm geschlagen. Einige Berichte (sagt Mr Hall) besagen, dass der Schurke Fergus den Haken vom Handgelenk gezerrt hat, während andere behaupten, es sei Fergus gelungen, ihn erneut zu treffen, doch dabei sei der Haken in der Kleidung des Schurken hängen geblieben und im Gerangel abgerissen.

Jedenfalls haben die Leute in Thompson’s Wirtshaus den Lärm gehört und sind ins Freie gelaufen, woraufhin die Angreifer geflohen sind und Fergus voller blauer Flecken und höchst entrüstet über den Verlust seines Hakens, ansonsten aber unbeschadet zurückblieb – wofür ich Gott und St. Dismal (Fergus’ speziellem Schutzpatron) danke.

Ich habe Mr Hall ausgefragt, so genau ich es konnte, doch viel mehr war nicht herauszufinden. Er sagt, die Öffentlichkeit sei geteilter Meinung – während viele sagen, dies sei eine versuchte Deportation, die man den Söhnen der Freiheit vorzuwerfen habe, verwahren sich die Mitglieder der Söhne der Freiheit mit Nachdruck gegen diesen Vorwurf und behaupten, es sei das Werk der Loyalisten gewesen, die aufgebracht seien, weil Fergus eine ganz besonders unerhörte Rede aus der Feder Patrick Henrys abgedruckt habe, und die Entführung sei nur ein Vorspiel zu Teer und Federn. Offensichtlich hat Fergus derart erfolgreich jeden Verdacht gemieden, eine Seite des Konfliktes zu befürworten, dass nun beide Seiten gleichermaßen entrüstet sind und beschlossen haben, seinem Einfluss ein Ende zu setzen.

Dies ist natürlich möglich. Doch angesichts der Gegenwart M. Beauchamps und seines Benehmens halte ich eine dritte Erklärung für wahrscheinlicher. Fergus hat es zwar abgelehnt, mit ihm zu sprechen, doch er dürfte ohne viel weiteres Nachfragen herausgefunden haben, dass Fergus trotz seines Namens und seiner schottischen Frau Franzose ist. Gewiss ist dies den meisten Einwohnern New Berns bekannt, und es kann ihm leicht irgendjemand erzählt haben.