Du könntest ja einmal nachsehen, ob der Inhaber des Namens im Jahr 1777 vielleicht ein Percival gewesen ist. Nur aus reiner Neugier.
Der Wind hat etwas zugenommen, und die See wird allmählich rau. Dein Vater ist ziemlich blass geworden und sieht aus, als ob er fröstelt; ich denke, ich höre hier auf und gehe mit ihm nach unten, damit er sich in aller Ruhe übergeben und dann ein Nickerchen machen kann.
Alles Liebe,
Mama
Kapitel 26
In der Klemme
Roger blies konzentriert auf den Rand einer leeren Bierflasche und erzeugte einen tiefen, kehligen Stöhnlaut. Schon ganz gut. Etwas tiefer jedoch noch … Und natürlich fehlte dieser knurrende, hungrige Unterton. Aber die Tonlage … Er stand auf und durchsuchte den Kühlschrank, bis er schließlich fand, was er suchte – hinter einer Käseecke und sechs Margarinebechern, die mit Gott weiß was gefüllt waren; er hätte jedenfalls gewettet, dass es keine Margarine war.
Es waren keine drei Zentimeter Champagner mehr in der Flasche – ein Überbleibsel des Essens, mit dem sie letzte Woche Briannas neue Stelle gefeiert hatten. Eine sparsame Seele hatte die Flasche mit Alufolie verschlossen, doch natürlich war die Kohlensäure verflogen. Er trat an die Spüle, um ihn auszuschütten, doch die lebenslange schottische Sparsamkeit ließ sich nicht einfach so übergehen. Nach kurzem Zögern trank er den Rest des Champagners – und als er die Flasche wieder sinken ließ, stand Annie MacDonald mit Amanda an der Hand vor ihm und starrte ihn an.
»Na ja, immerhin schütten Sie ihn noch nicht auf die Cornflakes«, kommentierte sie indigniert und schob sich an ihm vorbei. »Komm her, Schätzchen, hoch mit dir.« Sie hievte Mandy in ihr Kinderstühlchen und verließ die Küche, nicht ohne noch einmal den Kopf über den schlechten Charakter ihres Arbeitgebers zu schütteln.
»Gib mir, Papi!« Mandy grapschte nach der Flasche mit dem glänzenden Etikett. Nach dem obligatorischen elterlichen Zögern, während dessen er im Kopf mögliche Vernichtungsszenarien durchspielte, gab er ihr stattdessen sein Glas Milch und flötete auf der Kante der Champagnerflasche, die einen tiefen, melodischen Ton erzeugte. Ja, das war es – irgendwo in der Nähe des F unter dem Schloss-C.
»Noch mal, Papi!« Mandy war hingerissen. Etwas verlegen flötete er noch einmal, und sie kicherte heftig los. Er ergriff die Bierflasche und pustete darauf, dann abwechselnd, bis er schließlich eine Zweiton-Version zum Rhythmus von »Mary had a Little Lamb« spielte.
Von den Flötentönen und Mandys begeistertem Kreischen angelockt, tauchte Brianna in der Küchentür auf, einen leuchtend blauen Plastikhelm in der Hand.
»Hast du vor, dein eigenes Flaschenorchester zu gründen?«, fragte sie.
»Hab schon eines«, erwiderte er und beschloss, dass das Schlimmste, was Mandy mit der Champagnerflasche anstellen konnte, war, sie auf den Teppich fallen zu lassen. Er gab sie ihr und trat mit Brianna in den Flur, wo er sie an sich zog und sie leidenschaftlich küsste, während die Tür mit einem gedämpften Wusch zuschwang.
»Champagner zum Frühstück?« Sie unterbrach ihren Kuss für die Dauer dieser Frage, dann war sie wieder da, und ihre Zunge wollte mehr.
»Hab die Flasche leer gebraucht«, murmelte er, und seine Zunge antwortete ihr. Sie hatte Porridge mit Butter und Honig zum Frühstück gegessen, und ihr Mund war süß, sodass der Champagner auf seiner Zunge bitter wurde. Es war kalt im Flur, doch unter ihrem Pulli war sie warm wie Toast. Er schob seine Finger ein winziges Stück hinein, auf die nackte weiche Haut in ihrem Kreuz.
»Viel Spaß, aye?«, flüsterte er. Mit Mühe verkniff er es sich, ihr den Finger in die Jeans zu schieben; respektlos, den Arsch einer frischgebackenen Betriebsaufseherin bei North of Scotland Hydro-Electric zu befingern. »Bringst du den Helm nachher wieder mit?«
»Klar. Warum?«
»Ich dachte, du könntest ihn im Bett anziehen.« Er nahm ihr den Helm aus der Hand und stülpte ihn ihr sanft über. Bei dieser Geste wurden ihre Augen dunkelblau. »Wenn du das tust, erzähle ich dir auch, was ich mit der Champagnerflasche wollte.«
»Das ist natürlich ein Angebot, das ich nicht zurück –« Die dunkelblauen Augen fuhren plötzlich zur Seite, und als Roger ihrer Blickrichtung folgte, sah er Annie am Ende des Flurs stehen, Besen und Kehrblech in der Hand und tiefe Neugier in ihrem schmalen Gesicht.
»Ja. Äh … viel Spaß«, sagte Roger und ließ hastig los.
»Dir auch.« Mit amüsiert zuckendem Gesicht fasste ihn Brianna fest bei den Schultern und küsste ihn, bevor sie durch den Flur ging, vorbei an der rundäugigen Annie, der sie auf Gälisch fröhlich einen schönen Tag wünschte.
In der Küche krachte es plötzlich. Er wandte sich automatisch zur Tür, obwohl seine Gedanken nur halb bei der Katastrophe waren, die ihn erwartete. Der größere Teil war mit der plötzlichen Erkenntnis befasst, dass seine Frau anscheinend ohne Schlüpfer zur Arbeit gefahren war.
Mandy hatte es – weiß Gott, wie – fertiggebracht, die Champagnerflasche durch das geschlossene Fenster zu werfen, und als Roger angerannt kam, stand sie auf dem Tisch und langte nach der gezackten Kante der Scheibe.
»Mandy!« Er packte sie, hob sie in einem Schwung vom Tisch und gab ihr einen Klaps auf den Hintern. Sie stieß einen ohrenbetäubenden Schrei aus, und er trug sie unter dem Arm aus der Küche. In der Tür kam er an Annie Mac vorbei, deren Mund genauso rund war wie ihre Augen.
»Kümmern Sie sich um das Glas, aye?«, sagte er.
Er hatte ein furchtbar schlechtes Gewissen; was hatte er sich nur dabei gedacht, ihr die Flasche zu geben? Ganz zu schweigen davon, sie damit allein zu lassen?
Gleichzeitig ärgerte er sich über Annie Mac – sie hatten sie schließlich eingestellt, um auf die Kinder aufzupassen –, doch die Fairness zwang ihn zuzugeben, dass er nicht hätte gehen dürfen, ohne sich zu vergewissern, dass sie wieder bei Mandy war. Dazu galt sein Ärger Brianna, die einfach so zur Arbeit entschwebte und davon ausging, dass er sich um den Haushalt kümmerte.
Natürlich begriff er, dass sein Ärger nur der Versuch war, sich vor seinem schlechten Gewissen zu drücken, und er gab sich alle Mühe, ihn zu verdrängen, während er Mandy tröstete und ihr einen kleinen Vortrag darüber hielt, dass sie sich nicht auf den Tisch stellen durfte, nicht im Haus mit Gegenständen werfen durfte, nichts Scharfes oder Spitzes anfassen durfte und einen Erwachsenen rufen sollte, wenn sie Hilfe brauchte – haha, dachte er und musste innerlich lächeln; Mandy war das selbstständigste dreijährige Kind, das er je gesehen hatte. Was einiges heißen wollte, da er auch Jem in diesem Alter erlebt hatte.
Eines musste man Amanda lassen; sie war nicht nachtragend. Fünf Minuten nach dem Klaps und der Strafpredigt kicherte sie wieder und bettelte ihn an, zusammen mit ihr Puppen zu spielen.
»Papa muss heute Morgen arbeiten«, sagte er, doch dann bückte er sich, damit sie auf seine Schultern klettern konnte. »Komm mit, wir suchen Annie Mac; du und die Puppen, ihr könnt ihr bestimmt helfen, die Vorratskammer aufzuräumen.«
Er ließ Mandy und Annie Mac in der Vorratskammer zurück, wo sie sich unter der Aufsicht einer Ansammlung schäbiger Puppen und schmutziger Stofftiere fröhlich an die Arbeit machten, kehrte in sein Büro zurück und holte das Notizbuch hervor, in das er nach und nach die Lieder schrieb, die er so sorgsam auswendig gelernt hatte. Er war für Ende der Woche mit Siegfried MacLeod verabredet, dem Chorleiter von St. Stephen’s, und er hatte vor, ihm die Abschrift einiger seltener Lieder zu schenken, um einen guten Eindruck zu machen.