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Gekicher, dachte sie, von wütender Verachtung erfüllt. Wie kleine Jungen!

Kleine Jungen, in der Tat. Sie holte ein paarmal tief Luft, um die Wut – und auch die Panik zu bekämpfen. Jetzt, da das optische Rauschen der Dunkelheit wieder verblasst war, konnte sie den schmalen Lichtfaden sehen, der die beiden Dreimetertüren voneinander trennte. Ein mannshoher Schatten unterbrach das Licht, wurde aber fortgerissen, begleitet von flüsternden Stimmen und weiterem Gekicher. Jemand versuchte hineinzuschauen, der Idiot. Viel Glück dabei, hier etwas zu sehen. Abgesehen von der Haaresbreite aus Licht zwischen den Toren war der hydroelektrische Tunnel unterhalb von Loch Errochty so dunkel wie die Tiefen der Hölle.

Immerhin konnte sie dieses Licht nutzen, um sich zu orientieren. Bewusst atmend begab sie sich – mit vorsichtigen Schritten; sie wollte die Affen dort draußen nicht noch unnötig amüsieren, indem sie stolperte und sich lärmend auf die Nase legte – zu dem Metallschränkchen an der linken Wand, in dem sich die Schalter für die Tunnelbeleuchtung befanden.

Sie fand das Schränkchen und erschrak, als sie feststellte, dass es abgeschlossen war, doch dann fiel ihr ein, dass sie ja den Schlüssel hatte; er baumelte an dem großen Ring voller schmieriger Schlüssel, den Mr Campbell ihr gegeben hatte. An jedem hing ein abgenutztes Papieretikett mit seiner Funktion. Natürlich konnte sie die verdammten Etiketten nicht lesen, und der verflixte Andy Davies hatte sich beiläufig die Taschenlampe ausgeborgt, die jetzt an ihrem Gürtel hätte hängen sollen – angeblich, um unter dem Laster nach einem Ölleck zu suchen.

Sie hatten es ziemlich gut geplant, dachte sie grimmig, während sie einen Schlüssel nach dem anderen ausprobierte und blind kratzend mit der Spitze nach dem winzigen Schlitz suchte. Es war klar, dass sie alle drei unter einer Decke steckten: Andy, Craig McCarty und Rob Cameron.

Ihr Verstand dachte logisch, und nachdem sie alle Schlüssel ergebnislos ausprobiert hatte, versuchte sie es kein zweites Mal. Sie wusste, dass sie auch daran gedacht hatten; Craig hatte ihr die Schlüssel abgenommen, um die Werkzeugkiste im Laster aufzuschließen, und sie ihr mit einer übertrieben höflichen Verbeugung zurückgegeben.

Sie hatten sie angestarrt – natürlich –, als sie ihnen als die neue Sicherheitsinspektorin vorgestellt worden war, obwohl sie davon ausging, dass man ihnen bereits mitgeteilt hatte, dass sie dieses schockierende Wesen war, eine Frau. Rob Cameron, ein gut aussehender junger Mann, der sichtlich sehr von sich eingenommen war, hatte sie unverhohlen von oben bis unten betrachtet, bevor er ihr lächelnd die Hand hinhielt. Sie hatte die Begutachtung erwidert, bevor sie seine Hand nahm, und die beiden anderen hatten gelacht. Rob auch, das musste man ihm lassen.

Auf der Fahrt nach Loch Errochty hatte sie keine Feindseligkeit gespürt, und sie war überzeugt, dass ihr so etwas aufgefallen wäre. Das hier war ein dummer Scherz. Wahrscheinlich.

Wenn sie ganz ehrlich war, war das Schließen der Tore hinter ihr nicht das erste Anzeichen dafür gewesen, dass etwas in der Luft lag, dachte sie grimmig. Sie war schon viel zu lange Mutter, um das heimliche Entzücken oder die unnatürliche Unschuldsmiene eines männlichen Wesens zu übersehen, das etwas im Schilde führte, und die Gesichter ihres Wartungs- und Reparaturtrupps waren voll davon gewesen – wenn sie sie denn beachtet hätte. Doch sie war in Gedanken nur halb bei der Arbeit gewesen; die andere Hälfte war im achtzehnten Jahrhundert gewesen, voll Sorge um Fergus und Marsali, jedoch beruhigt durch die Vorstellung, dass ihre Eltern und Ian endlich sicher auf dem Weg nach Schottland waren.

Doch ganz gleich, was in der Vergangenheit vor sich ging – vor sich gegangen war, verbesserte sie sich entschlossen –, sie hatte im Hier und Jetzt andere Sorgen.

Was erwarteten sie denn, was sie tun würde?, fragte sie sich. Schreien? Weinen? Gegen das Tor hämmern und betteln, dass man sie hinausließ?

Sie ging leise zum Tor und drückte ihr Ohr an den Spalt – gerade rechtzeitig, um zu hören, wie der Motor des Lasters dröhnend ansprang und der Kies unter seinen Rädern davonflog, als er in den Wirtschaftsweg einbog.

»Ihr verflixten Mistkerle!«, schimpfte sie laut. Was sollte das denn jetzt? Hatten sie beschlossen, sie einfach eine Zeit lang in ihrer Gruft allein zu lassen, da sie ihnen nicht den Gefallen getan hatte, zu kreischen und zu weinen? Später zurückzukommen in der Hoffnung, sie dann völlig aufgelöst vorzufinden – oder besser noch wutentbrannt? Oder – ein unheimlicherer Gedanke – hatten sie vor, zur Verwaltung zurückzufahren und Mr Campbell mit unschuldiger Miene mitzuteilen, dass seine neue Inspektorin heute Morgen nicht zur Arbeit gekommen war?

Sie atmete langsam und konzentriert durch die Nase.

Schön. Sie würde ihnen also die Eingeweide herausreißen, sobald sich die Gelegenheit dazu ergab. Doch was jetzt?

Sie wandte dem Schaltkasten den Rücken zu und blickte in die undurchdringliche Schwärze. Sie war noch nie in diesem Tunnel gewesen, doch Mr Campbell hatte ihr bei ihrer Werksrundfahrt einen ähnlichen Tunnel gezeigt. Es war einer der ursprünglichen Tunnel des hydroelektrischen Bauprojekts, der in den Fünfzigerjahren von den »Hydrojungs« mit Pickel und Schaufel gegraben worden war. Es verlief fast eine Meile weit durch den Berg und unter einem Teil des überfluteten Tals hindurch, das nun das erweiterte Loch Errochty enthielt, und in seiner Mitte fuhr eine spielzeugähnliche Eisenbahn auf Schienen durch den Tunnel.

Ursprünglich hatte der Zug die Arbeiter, die »Tunneltiger«, zur Baustelle und zurückbefördert; jetzt war nur noch ein Motorwagen übrig, der den Arbeitern diente, die hin und wieder die dicken Kabel an den Tunnelwänden überprüften oder die gewaltigen Turbinen am Fuß des Damms warteten, weit entfernt am anderen Ende des Tunnels.

Wobei ihr auffiel, dass Rob, Andy und Craig genau dazu eingeteilt waren. Eine der riesigen Turbinen anzuheben und ihr beschädigtes Blatt auszutauschen.

Sie lehnte sich mit dem Rücken an die Tunnelwand, legte die Hände flach auf den rauen Fels und überlegte. Dorthin waren sie also gefahren. Es spielte zwar keine Rolle, doch sie schloss die Augen, um sich besser konzentrieren zu können, und rief sich die Seiten des dicken Ordners – gegenwärtig auf dem Sitz des verschwundenen Lasters – ins Gedächtnis, die die Konstruktionsdetails aller Wasserwerke unter ihrer Aufsicht enthielten.

Sie hatte gestern Abend einen Blick auf die Pläne dieses Werkes geworfen und heute Morgen noch einmal hastig beim Zähneputzen. Der Tunnel führte zum Damm und war offensichtlich während der Konstruktion der unteren Dammteile benutzt worden. Wie tief unten? Wenn der Tunnel in Höhe des Turbinenraums auf den Damm stieß, hatte man ihn wahrscheinlich zugemauert. Aber wenn es in Höhe des Wartungsraums darüber war – einer großen Halle mit gewaltigen Kränen, die benötigt wurden, um die Turbinen aus ihrer Verankerung zu heben –, dann würde es noch eine Tür geben; es wäre nicht nötig gewesen, den Tunnel zu verschließen, da auf der anderen Seite kein Wasser war.

Sosehr sie sich auch bemühte, sie konnte sich die Karten nicht genau genug vor Augen führen, um mit Sicherheit sagen zu können, ob es am anderen Ende des Tunnels einen Durchgang zum Damm gab – doch das würde leicht herauszufinden sein.

Sie hatte den Triebwagen gesehen, in diesem kurzen Augenblick, bevor sich die Tore schlossen; sie brauchte nicht lange umherzutasten, um in den offenen Führerstand des kleinen Motorwägelchens zu steigen. Und hatten diese Clowns den Schlüssel für den Motor auch an sich genommen? Ha! Es gab keinen Schlüssel; der Motor funktionierte mithilfe eines Schalters. Sie legte ihn um, und ein roter Knopf leuchtete plötzlich triumphierend auf, und sie spürte, wie unter ihr ein elektrisches Summen die Schiene durchlief.