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Sie runzelte die Stirn, während sie das verdaute.

»Nicht dass ich glaube, du könntest die Beherrschung verlieren und dich auf die alte Hexe stürzen«, fügte er lächelnd hinzu, »aber du musst schließlich zur Arbeit gehen, nicht wahr?«

»Hmmm«, sagte sie. Sie schien nicht ganz von seiner Fähigkeit überzeugt zu sein, Ms Glendenning das Ausmaß ihres Verbrechens adäquat klarzumachen.

»Und falls du doch den Kopf verlieren und die Frau vermöbeln solltest, würde ich den Kindern nur ungern erklären müssen, warum wir Mami im Gefängnis besuchen.«

Das brachte sie zum Lachen, und er entspannte sich ein wenig. Er glaubte zwar eigentlich nicht, dass sie gewalttätig werden würde, aber sie hatte ja auch nicht gesehen, wie Jemmys Ohr heute Mittag ausgesehen hatte. Ihm war selbst sehr danach gewesen, sofort zur Schule zu gehen und der Frau zu demonstrieren, wie sich so was anfühlte, doch inzwischen hatte er sich besser unter Kontrolle.

»Was willst du denn zu ihr sagen?« Sie fischte ihren BH unter seinem Schreibtisch hervor, sodass er die Aussicht auf ihr Hinterteil genießen konnte, weil sie ihre Jeans noch nicht angezogen hatte.

»Gar nichts. Ich werde mit dem Direktor sprechen. Dann kann er sich mit ihr unterhalten.«

»Ja, das ist vielleicht besser«, gab sie zu. »Wir wollen ja nicht, dass Ms Glendenning es an Jemmy auslässt.«

»Genau.« Ihre herrliche Röte verblasste allmählich. Ihr Helm war unter den Stuhl gerollt; Roger hob ihn auf und setzte ihn ihr wieder auf. »Also – wie war es heute bei der Arbeit? Und warum gehst du eigentlich ohne Schlüpfer zur Arbeit?«, fragte er, weil es ihm plötzlich wieder einfiel.

Zu seiner Verblüffung flammte die Röte abermals auf wie ein Buschfeuer.

»Ich habe es mir im achtzehnten Jahrhundert abgewöhnt«, sagte sie gereizt. Sie war tatsächlich eingeschnappt. »Ich trage nur noch zu feierlichen Anlässen Schlüpfer. Was dachtest du denn – dass ich Mr Campbell verführen wollte?«

»Also wenn er wirklich so ist, wie du ihn beschrieben hast, dann nein«, sagte er nachsichtig. »Es ist mir nur heute Morgen aufgefallen, als du gegangen bist, und ich habe mich gewundert.«

»Oh.« Sie war immer noch aufgewühlt, das konnte er sehen, und er fragte sich, warum. Er wollte sie gerade noch einmal fragen, wie ihr Tag gewesen war, als sie den Helm absetzte und ihn nachdenklich betrachtete.

»Du hast gesagt, wenn ich den Helm aufsetze, erzählst du mir, was du mit der Champagnerflasche wolltest. Abgesehen davon, sie Mandy zu geben, damit sie sie aus dem Fenster wirft«, fügte sie mit einem Hauch ehelichen Tadels hinzu. »Was hast du dir nur dabei gedacht, Roger?«

»Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich an deinen Arsch gedacht«, bekannte er. »Aber ich hätte nie gedacht, dass sie mit der Flasche werfen würde. Oder dass sie sie so werfen kann.«

»Hast du sie gefragt, warum sie es getan hat?«

Er hielt verblüfft inne.

»Ich bin gar nicht darauf gekommen, dass sie vielleicht einen Grund hatte«, bekannte er. »Ich habe sie vom Tisch gerissen, bevor sie in die zerbrochene Scheibe fallen konnte, und ich hatte solche Angst, dass ich sie einfach nur hochgehoben und ihr einen Klaps auf den Hintern versetzt habe.«

»Ich glaube nicht, dass sie so etwas tun würde, ohne einen Grund zu haben«, meinte Brianna nachdenklich. Sie hatte den Bauhelm zur Seite gelegt und war dabei, sich in ihren BH zu schieben, ein Schauspiel, das Roger in so gut wie jeder Lebenslage von allem anderen abgelenkt hätte.

Erst als sie in der Küche waren, um ein spätes Abendessen zu sich zu nehmen, dachte er wieder daran, sie zu fragen, wie ihr Arbeitstag gewesen war.

»Nicht schlecht«, sagte sie und spielte die Ungerührte – nicht so gut, dass es ihn überzeugt hätte, aber doch gut genug, um ihn von weiterem Nachhaken abzuhalten. Stattdessen fragte er: »Feierliche Anlässe?«

Ein breites Grinsen erfasste ihr Gesicht.

»Du weißt schon. Für dich.«

»Für mich?«

»Ja. Für dich und dein Faible für Spitzendessous.«

»Was – du meinst, du trägst nur Schlüpfer, damit –«

»Damit du sie mir ausziehen kannst, natürlich.«

Es war nicht zu sagen, welchen Verlauf das Gespräch von diesem Punkt an genommen hätte, doch es wurde durch lautes Heulen von oben unterbrochen, und Brianna verschwand hastig in Richtung der Treppe. Roger blieb mit seinen Gedanken zu ihrer letzten Enthüllung allein.

Er hatte den Speck gebraten, und die Bohnen köchelten, als sie wieder auftauchte, eine kleine Falte zwischen den Augenbrauen.

»Albtraum«, sagte sie, als er die Augenbraue hochzog. »Wieder derselbe.«

»Das böse Wesen, das versucht, in ihr Fenster zu steigen?«

Sie nickte und nahm ihm den Topf mit den Bohnen ab, machte aber keine Anstalten, das Essen zu verteilen.

»Ich habe sie gefragt, warum sie mit der Flasche geworfen hat.«

»Aye?«

Brianna nahm den Bohnenlöffel und hielt ihn vor sich hin wie eine Waffe.

»Sie sagt, sie hat ihn draußen vor dem Fenster gesehen.«

»Ihn? Den –«

»Den Nuckelavee.«

Am nächsten Morgen sah der Turm keinen Deut anders aus als beim letzten Mal. Dunkel. Still bis auf das Rascheln der Tauben weiter oben. Er hatte den Abfall mitgenommen; es war kein neues Fischpapier aufgetaucht. Geleert, gefegt und geschmückt, dachte er. In Erwartung des nächstbesten Geistes, der des Weges kam?

Er schüttelte diesen Gedanken ab und schloss die Tür fest hinter sich. Bei seinem nächsten Einkauf im Landmarkt würde er neue Scharniere und ein Vorhängeschloss dafür besorgen.

Hatte Mandy wirklich jemanden gesehen? Und wenn ja, war es derselbe Landstreicher, der Jem solche Angst eingejagt hatte? Bei der Vorstellung, dass sich hier jemand herumtrieb und seine Familie bespitzelte, wand sich etwas Hartes, Schwarzes durch seine Brust wie eine Eisenfeder mit spitzen Enden. Er blieb einen Moment stehen und suchte Haus und Grund gründlich nach irgendwelchen Spuren eines Eindringlings ab. Sämtliche Stellen, an denen sich jemand verstecken konnte. Die Scheune und die anderen Nebengebäude hatte er schon durchsucht.

Die Höhle des Dunbonnets? Bei diesem Gedanken – und der Erinnerung, wie Jem direkt am Eingang der Höhle gestanden hatte – wurde ihm kalt. Nun, er würde es bald herausfinden, dachte er grimmig, und mit einem letzten Blick auf Annie MacDonald und Mandy, die friedlich unten im Garten die Wäsche aufhängten, brach er auf.

Diesmal hielt er seine Ohren gespitzt. Er hörte das Echo der nach wie vor unbeirrt röhrenden Hirsche, und einmal sah er in einiger Entfernung eine kleine Gruppe von Hirschkühen, doch zum Glück traf er keine vor Lust verrückten Männchen. Und auch keine herumlungernden Vagabunden.

Er musste eine Weile im Trüben fischen, bevor er den Höhleneingang fand, obwohl er erst gestern dort gewesen war. Er näherte sich geräuschvoll, blieb aber für alle Fälle draußen stehen und rief: »Jemand in der Höhle?« Keine Antwort.

Er näherte sich dem Eingang von der Seite und schob mit dem Unterarm den tarnenden Ginster beiseite, falls der Vagabund doch dahinter lauerte – doch sobald der feuchte Atemhauch der Höhle sein Gesicht berührte, wusste er, dass sie unbewohnt war.

Dennoch steckte er den Kopf hinein, dann schwang er sich in die Höhle. Sie war trocken, zumindest für eine Höhle in den Highlands, was nicht viel sagte, auf jeden Fall aber kalt wie eine Gruft. Kein Wunder, dass man den Highlandschotten Zähigkeit nachsagte; jeder, der diese Eigenschaft nicht besaß, wäre innerhalb kürzester Zeit an Hunger oder einer Lungenentzündung gestorben.

Trotz der Kühle in der Höhle blieb er einen Moment stehen und stellte sich seinen Schwiegervater hier vor. Die Höhle war leer und kalt, aber von einem seltsamen Frieden erfüllt, dachte er. Sie hatte überhaupt nichts Unheimliches an sich. Im Gegenteil, er fühlte sich … willkommen, und bei diesem Gedanken standen ihm die Haare auf den Armen zu Berge.