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Er lief platschend auf ein großes Grasbüschel zu, sprang hinauf und blieb herzklopfend dort hocken wie der Froschkönig. Sein Pferd – saß es fest, hatte der Sumpf es erwischt?

Der Wallach lag am Boden und strampelte im Schlamm. Er wieherte panisch und spritzte mit Schlammwasser um sich.

»Himmel.« Er klammerte sich mit beiden Händen in das scharfkantige Gras und versuchte, das Gleichgewicht zu halten. War es der Sumpf? Oder nur ein Schlammloch?

Mit zusammengebissenen Zähnen streckte er sein langes Bein aus und stellte vorsichtig den Fuß auf die bewegliche Oberfläche. Sein Stiefel sank ein … und weiter ein … Er zog ihn hastig zurück, doch es ging leicht, mit einem einzigen Blubb! aus Schlamm und Wasser. Noch einmal … Ja, da war der Grund! Also schön, jetzt den anderen … Er stellte sich hin, wedelte wie ein Storch mit den Armen, um die Balance zu behalten, und …

»Na also!«, sagte er atemlos. Ein Schlammloch – mehr nicht, Gott sei Dank!

Er ging platschend auf das Pferd zu und hob den Bettsack auf, der sich im Fallen gelöst hatte. Er warf ihn dem Pferd über den Kopf und wickelte ihn dem Tier hastig um die Augen. So machte man es, wenn ein Pferd zu panisch war, um eine brennende Scheune zu verlassen; sein Vater hatte es ihm vor ein paar Jahren gezeigt, als der Blitz in die Scheune auf Mount Josiah eingeschlagen war.

Zu seinem großen Erstaunen schien es zu helfen. Das Pferd schüttelte zwar immer noch heftig den Kopf, aber es hatte aufgehört, mit den Beinen um sich zu schlagen. Er ergriff das Gebiss, blies dem Pferd in die Nüstern und murmelte beruhigenden Unsinn.

Der Pferd schnaubte und besprühte ihn mit Tropfen, doch es schien sich zu sammeln. Er zog dem Tier den Kopf hoch, und es wälzte sich mit einem Schwall von Schlammwasser auf die Brust hoch, um sich dann fast im selben Schwung auf die Beine zu stellen. Es schüttelte sich vom Kopf bis zum Schweif, das Leinen flatterte, und im Umkreis von drei Metern regnete es Schlamm.

William war viel zu glücklich, um sich daran zu stören. Er packte das Ende des Leinensacks, um ihn dem Pferd vom Kopf zu ziehen, und griff erneut nach dem Kopfstück.

»Gut«, sagte er atemlos. »Verschwinden wir von hier.«

Das Pferd beachtete ihn nicht; es hob plötzlich seinen feinen Kopf und wandte ihn zur Seite.

»Was –«

Die riesigen Nüstern flammten rot auf, und mit einem explosiven Grunzlaut raste das Pferd los, riss ihm die Zügel aus den Händen und warf ihn ins Wasser – schon wieder.

»Du Mistvieh! Was zum Teufel –« William hielt in der Hocke inne. Etwas Längliches, Sandfarbenes, extrem Schnelles huschte in weniger als zwei Schritten Abstand an ihm vorüber. Etwas Großes.

Sein Kopf fuhr herum, doch es war schon fort. Lautlos folgte es dem Getrampel des Pferdes, dessen panische Flucht er in der Ferne hören konnte, unterbrochen vom Knacken des Unterholzes und dem gelegentlichen Scheppern davonfliegender Ausrüstungsgegenstände.

Er schluckte. Er hatte gehört, dass sie hin und wieder gemeinsam jagten. Pumas. Zu zweit.

Sein Nacken prickelte, und er verdrehte den Kopf, so weit er konnte. Er hatte Angst davor, sich stärker zu bewegen, weil er das Tier, das womöglich hinter ihm im dunklen Gewirr der Gummibäume und Büsche lauerte, auf keinen Fall auf sich aufmerksam machen wollte. Kein Geräusch außer dem zunehmenden Prasseln der Regentropfen im Sumpf.

Jenseits der Schlammpfütze erhob sich ein Reiher weiß aus den Bäumen, und fast wäre ihm das Herz stehen geblieben. Er erstarrte und hielt den Atem an, um besser hören zu können, bis er zu ersticken glaubte, doch nichts passierte, und endlich atmete er weiter und erhob sich. Seine Rockschöße klebten ihm triefend an den Beinen.

Er stand in einem Torfmoor; unter seinen Füßen befand sich zwar schwammige Vegetation, doch das Wasser stieg ihm bis über die Stiefelkanten. Er sank zwar nicht weiter ein, doch er konnte die Stiefel auch nicht herausziehen, solange seine Beine noch darin steckten. Also war er gezwungen, seine Füße einzeln herauszuziehen, dann die Stiefel zu befreien und schließlich auf Strümpfen zu laufen, bis er höher gelegenen Boden erreichte, die Stiefel in den Händen.

Als er einen verrotteten Baumstamm erreicht hatte, der ihm Zuflucht bot, setzte er sich hin, um das Wasser aus seinen Stiefeln zu schütten, und dachte dann grimmig über seine Lage nach, während er sie wieder anzog.

Er hatte sich verlaufen. In einem Sumpf, der dafür bekannt war, dass er immer wieder Menschen verschlang, Indianer wie Weiße. Zu Fuß, ohne Lebensmittel, Feuer oder irgendwelchen Schutz außer dem dünnen Leinensack – der zur Standardausrüstung der Soldaten gehörte und tatsächlich ein Leinensack mit einem Schlitz war, den man mit Stroh oder trockenem Gras ausstopfen konnte – beides Substanzen, an denen es ihm derzeit auffällig mangelte. Alles, was er sonst noch besaß, war der Inhalt seiner Taschen, der aus einem Klappmesser bestand, einem Bleistift, einem ziemlich durchnässten Stück Brot, einem Stückchen Käse, einem schmutzigen Taschentuch, ein paar Münzen, seiner Uhr und seinem Buch, beides zweifellos ebenfalls durchnässt. Er griff in seinen Rock, um nachzusehen, stellte fest, dass die Uhr stehen geblieben war und er das Buch verloren hatte, und fluchte lauthals.

Das schien ein wenig zu helfen, also wiederholte er den Fluch. Es regnete jetzt in Strömen – nicht dass das in seinem Zustand noch irgendeine Rolle gespielt hätte. Die Laus in seiner Hose, die offenbar beim Erwachen festgestellt hatte, dass ihr Lebensraum unter Wasser stand, begab sich entschlossen auf den Marsch in trockenere Gefilde. Unter gotteslästerlichen Flüchen stand er auf, legte sich den leeren Leinensack über den Kopf, humpelte in die Richtung, in die sein Pferd verschwunden war, und kratzte sich.

Er fand das Pferd nie wieder. Entweder hatte der Puma es irgendwo getötet, oder es war entkommen und wanderte jetzt allein durch den Sumpf. Er fand zwei Gegenstände, die sich von seinem Sattel gelöst hatten: ein kleines Tabakpäckchen aus Wachspapier und eine Bratpfanne. Beides schien ihm gegenwärtig wenig nützlich zu sein, doch es widerstrebte ihm, sich von irgendeinem Überbleibsel der Zivilisation zu trennen.

Zitternd und nass bis auf die Haut, kroch er mit seinem notdürftigen Leinendach zwischen die Wurzeln eines Gummibaums und sah zu, wie die Blitze den Nachthimmel zerteilten. Selbst mit geschlossenen Augenlidern blendete ihn das blauweiße Aufblitzen noch, und jeder Donnerschlag ließ die durch beißenden Brandgeruch geschärfte Luft erbeben.

Fast hatte er sich an die Kanonade gewöhnt, als ihn ein heftiger Schlag flach zu Boden warf und ihn seitwärts durch Schlamm und Laub schleuderte. Hustend und keuchend setzte er sich hin und wischte sich den Schlamm aus dem Gesicht. Was zum Teufel war denn jetzt geschehen? Heftige Schmerzen in seinem Arm durchdrangen seine Verwirrung, und als er den Blick senkte, sah er im Licht des nächsten Blitzes, dass ihm ein fast zwanzig Zentimeter langer Holzsplitter im rechten Unterarmmuskel steckte.

Er blickte sich wild um und stellte fest, dass der ganze Sumpf ringsum plötzlich voller Splitter und frischer Holzstücke steckte, und der Geruch nach Harz und frischem Holz mischte sich durchdringend unter den scharfen tanzenden Duft der Elektrizität.

Da. Wieder ein Blitz, und er sah es. Dreißig Meter weiter war ihm vorhin eine riesige Sumpfzypresse aufgefallen, die er als Orientierungspunkt benutzen wollte, wenn die Dämmerung kam; es war mit Abstand der höchste Baum weit und breit. Jetzt jedoch nicht mehr: Der Blitz zeigte ihm Leere, wo sich der riesige Stamm befunden hatte, der nächste Blitz die zerfetzte Spitze dessen, was noch übrig war.

Zitternd und vom Donner halb taub, zog er sich den Splitter aus dem Arm und presste sein Hemd auf die Wunde, um die Blutung zu stillen. Sie war zwar nicht tief, doch seine Hand zitterte von den Nachwirkungen der Explosion. Er zog sich den Leinensack fest um die Schultern, um sich vor dem Wolkenbruch zu schützen, und schmiegte sich wieder zwischen die Gummibaumwurzeln.