Der Hund erwachte plötzlich und wedelte langsam mit seiner kräftigen Rute, als er seinen Herrn sah. Murray lachte leise und sagte etwas in einer seltsamen Zunge – Mohawk? Gälisch? – zu dem Hund, dann bückte er sich und riss eine Keule von den Überresten der Bisamratte ab, die er dem Tier zuwarf. Es erhob sich wie der Blitz; seine Zähne schlossen sich um den Leckerbissen, dann trabte es glücklich auf die andere Seite des Feuers und legte sich hin, um seine Beute abzulecken.
Seines Bettgefährten beraubt, legte sich William vorsichtig hin, den Kopf auf seinen gesunden Arm gestützt, und sah zu, wie Murray sein Messer säuberte, es mit Grasbüscheln von Blut und Fett befreite.
»Ihr habt gesagt, Ihr würdet Euren Totengesang singen. Was ist das für ein Gesang?«
Murray zog ein verblüfftes Gesicht.
»Ich meine«, versuchte William, sich klarer auszudrücken, »was würdet Ihr – würde man – in einem Totengesang singen?«
»Oh.« Der Schotte senkte den Blick auf seine Hände, und seine langen, knochigen Finger fuhren langsam an der Klinge entlang. »Ich habe es natürlich nur einmal gehört. Die anderen beiden Männer, die ich so sterben gesehen habe – sie waren Weiße und hatten keine Totengesänge. Der Indianer – es war ein Onondaga –, er … Nun, zuerst einmal ging es darum, wer er war: ein Krieger welches Volkes, meine ich, und um seine Sippe, seine Familie. Dann darum, wie sehr er die … das Volk, das im Begriff war, ihn umzubringen, verachtete.« Murray räusperte sich.
»Ein wenig über seine Taten: seine Siege, tapfere Krieger, die er umgebracht hatte, und wie sie ihn im Tod willkommen heißen würden. Dann … wie er vorhatte, die« – er suchte nach einem Wort –, »die … es … den Weg zwischen dem Hier und der Welt nach dem Tod zu überqueren. Die Grenze, würde man vielleicht sagen, obwohl das Wort eher so etwas wie Kluft bedeutet.«
Einen Moment lang war er still, doch nicht so, als hätte er zu Ende geredet – eher so, als versuchte er, sich möglichst genau an etwas zu erinnern. Plötzlich richtete er sich auf, holte tief Luft und begann, mit geschlossenen Augen etwas zu rezitieren, wovon William vermutete, dass es Mohawksprache war. Es war faszinierend – eine Salve von Ns und Rs und Ts, rhythmisch wie der Schlag einer Trommel.
»Dann folgte ein Abschnitt, in dem er von den bösen Kreaturen erzählt hat, denen er auf dem Weg ins Paradies begegnen würde«, sagte Murray, nachdem er seinen Gesang abgebrochen hatte. »Fliegende Köpfe mit Zähnen.«
»Igitt«, sagte William, und Murray lachte überrascht.
»Aye. So etwas würde ich auch nicht gern sehen.«
William überlegte einen Moment.
»Verfasst man seinen Totengesang im Voraus – für den Notfall, meine ich? Oder verlässt man sich auf die, äh, Eingebung des Augenblicks?«
Dies schien Murray ein wenig zu verblüffen. Er blinzelte und drehte den Kopf zur Seite.
»Ich – nun ja –, eigentlich redet man nicht darüber, aye? Doch es stimmt – ich hatte ein paar Freunde, die mir ein wenig von dem erzählt haben, was sie sich für den Fall des Falles ausgedacht hatten.«
»Hmm.« William drehte sich auf den Rücken und blickte zu den Sternen auf. »Singt man den Totengesang nur, wenn man zu Tode gefoltert wird? Was ist, wenn man nur krank ist, aber glaubt, dass man sterben wird?«
Murray hörte auf mit dem, was er tat, und fixierte ihn argwöhnisch.
»Ihr sterbt aber nicht, oder?«
»Nein, ich bin nur neugierig«, versicherte ihm William. Zumindest glaubte er nicht, dass er starb.
»Mmpfm«, sagte der Schotte skeptisch. »Aye, gut. Nein, man singt den Totengesang, wenn man sich sicher ist, dass man sterben wird; warum, spielt keine Rolle.«
»Doch es gebührt einem umso mehr Ehre«, meinte William, »wenn man es tut, während man mit brennenden Splittern gespickt wird?«
Der Schotte lachte laut auf und sah plötzlich viel weniger wie ein Indianer aus. Er rieb sich mit den Fingerknöcheln über den Mund.
»Um ehrlich zu sein, der Onondaga … Ich fand nicht, dass er es besonders gut gemacht hat«, entfuhr es Murray. »Doch es scheint mir nicht recht, ihn zu kritisieren. Ich meine, ich kann ja nicht behaupten, dass ich es besser machen würde – unter solchen Umständen.«
William lachte ebenfalls, doch dann verstummten beide Männer. William vermutete, dass sich Murray genau wie er selbst eine solche Situation ausmalte, an einen Pfahl gefesselt, im Begriff, grausame Qualen zu erleiden. Er starrte in die Leere über ihnen und legte sich zögernd einige Zeilen zurecht: Ich bin William Clarence Henry George Ransom, Graf von … Nein, diese ganzen Namen hatte er noch nie gemocht. Ich bin William, dachte er benommen. William … James … James war sein geheimer Name; er hatte seit Jahren nicht mehr daran gedacht. Immerhin besser als Clarence. Ich bin William. Was gab es sonst zu sagen? Noch nicht viel. Nein, besser, wenn er jetzt nicht starb, nicht, bevor er etwas getan hatte, was eines anständigen Todesgesangs würdig war.
Murray schwieg, und das Feuer spiegelte sich in seinen düsteren Augen. Während er ihn beobachtete, kam William der Gedanke, dass der schottische Mohawk seinen Totengesang schon seit einiger Zeit fertig hatte. Kurz darauf schlief er ein, begleitet vom Knistern des Feuers und dem leisen Knacken der Knochen, brennend heiß, aber tapfer.
Er wanderte durch einen Nebel gequälter Träume, in denen ihn schwarze Schlangen über eine endlose, schwankende Brücke jagten, die über eine bodenlose Kluft führte. Er wurde von Schwärmen fliegender gelber Köpfe mit Regenbogenaugen attackiert, die ihm mit winzigen Zähnen die Haut durchbohrten, scharf wie Mäusezähne. Er wedelte mit dem Arm, um sie zu verjagen, und der Schmerz, der ihm bei dieser Bewegung durch den Arm fuhr, weckte ihn.
Es war immer noch dunkel, obwohl ihm die Kühle und Lebendigkeit der Luft verrieten, dass die Dämmerung nicht mehr fern war. Sie berührte sein Gesicht und ließ ihn erschauern – der Schüttelfrost kehrte zurück.
Irgendjemand sagte etwas, das er nicht verstand, und gefangen im Miasma seiner Fieberträume, dachte er, es könne nur eine der Schlangen sein, mit denen er sich zuvor unterhalten hatte, bevor sie angefangen hatten, ihn zu jagen.
Eine Hand berührte seine Stirn, und ein großer Daumen öffnete eines seiner Augenlider. Ein fragendes Indianergesicht schwebte in sein vom Schlaf verquollenes Gesichtsfeld.
Er stieß einen gereizten Ton aus und riss blinzelnd den Kopf zur Seite. Der Indianer stellte eine Frage, und eine vertraute Stimme antwortete ihm. Wer …? Murray. Der Name schien dicht neben ihm in der Luft gehangen zu haben, und er erinnerte sich dumpf, dass Murray ihn auch in seinem Traum begleitet und die Schlangen mit strengen schottischen Worten zurückgewiesen hatte.
Jetzt jedoch sprach er kein Englisch; nicht einmal die seltsame Schottenzunge der Highlands. William zwang seinen Kopf, sich zu wenden, obwohl sein Körper immer noch im Fieberkrampf verharrte.
Mehrere Indianer saßen in der Hocke um das Feuer, um im taufeuchten Gras keinen nassen Hintern zu bekommen. Eins, zwei, drei … Sechs. Murray saß mit einem von ihnen auf dem Baumstamm, und sie unterhielten sich.
Nein, sieben. Ein anderer, der Mann, der ihn berührt hatte, beugte sich über ihn und sah ihm ins Gesicht.
»Meint Ihr, Ihr sterbt?«, fragte der Mann mit einem schwachen Hauch von Neugier.
»Nein«, sagte William mit zusammengebissenen Zähnen. »Wer zum Teufel seid Ihr?«
Der Indianer schien diese Frage lustig zu finden und rief seinen Kameraden etwas zu, was anscheinend eine Wiederholung seiner Worte war. Sie lachten alle, und Murray blickte in seine Richtung und erhob sich, als er sah, dass William wach war.
»Kahnyen’kehaka«, sagte der Mann, der über ihm stand, und grinste. »Wer zum Teufel seid Ihr?«
»Mein Verwandter«, sagte Murray knapp, bevor William antworten konnte. Er schob den Indianer beiseite und hockte sich neben William. »Immer noch nicht tot?«