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»Offensichtlich nicht.« Er sah finster zu Murray auf. »Möchtet Ihr mich vielleicht Euren … Freunden vorstellen?«

Der erste Indianer brach bei diesen Worten in schallendes Gelächter aus und übersetzte sie anscheinend den zwei oder drei anderen, die jetzt ebenfalls näher gekommen waren, um ihn neugierig zu betrachten. Sie fanden das offenbar ebenfalls komisch.

Murray machte einen deutlich weniger belustigten Eindruck.

»Meine Verwandten«, sagte er trocken. »Einige davon. Braucht Ihr Wasser?«

»Ihr habt aber viele Verwandte … Vetter. Ja, bitte.«

Er kämpfte sich mit einem Arm hoch. Den Schutz seiner taufeuchten Decke gab er zwar nur widerstrebend auf, gehorchte jedoch einem Instinkt, der ihm sagte, dass es besser war, wenn er stand. Murray schien diese Indianer gut zu kennen, doch ob sie nun seine Verwandten waren oder nicht, sein Mund und seine Schultern waren angespannt. Und es war klar, dass Murray ihnen gesagt hatte, William sei sein Verwandter, weil sie sonst …

»Kahnyen’kehaka.« Das war es, was der Indianer auf die Frage gesagt hatte, wer er sei. Es war nicht sein Name, begriff William plötzlich. Es war das, was er war. Murray hatte dieses Wort gestern benutzt, als er die beiden Mingos davongeschickt hatte.

»Ich bin Kahnyen’kehaka«, hatte er gesagt. »Ein Mohawk. Sie haben Angst vor mir.« Er hatte es einfach nur als Tatsache festgestellt, und William hatte ihn unter den Umständen nicht näher darauf ansprechen wollen. Jetzt, da er mehrere dieser Männer zusammen sah, die eindeutig Mohawk waren, lernte er die Klugheit der Mingos zu schätzen. Die Mohawk strahlten Wildheit aus, gepaart mit einem beiläufigen Selbstbewusstsein, das absolut angebracht schien für Männer, die darauf gefasst waren zu singen – ganz gleich, wie schlecht –, während man sie lebendig entmannte und dann verbrannte.

Murray reichte ihm eine Feldflasche, und er trank gierig, dann spritzte er sich etwas Wasser ins Gesicht. Da er sich etwas besser fühlte, ging er pinkeln. Dann trat er an das Feuer und hockte sich zwischen zwei der Krieger, die ihn mit unverhohlener Neugier betrachteten.

Der Mann, der ihm unter das Augenlid geschaut hatte, schien der Einzige zu sein, der Englisch sprach, doch die anderen nickten ihm reserviert, aber nicht unfreundlich zu. William blickte über das Feuer hinweg und fuhr so heftig zurück, dass er fast das Gleichgewicht verloren hätte. Eine längliche, gelblich braune Gestalt lag hinter dem Feuer im Gras, und das Licht fing sich glänzend auf ihren Flanken.

»Er ist tot«, sagte Murray trocken, als er sein Erschrecken sah. Die Mohawk lachten.

»Das habe ich mir schon gedacht«, erwiderte er nicht weniger trocken, obwohl sein Herz nach dem Schreck wild hämmerte. »Geschieht ihr recht, wenn es die Katze ist, die sich mein Pferd geschnappt hat.« Jetzt, da er Gelegenheit hatte, sich genauer umzusehen, entdeckte er noch weitere Tiere, die dort lagen. Ein Reh, ein Schwein, eine gefleckte Katze und zwei oder drei Reiher, kleine weiße Erhöhungen im dunklen Gras. Nun, das erklärte, warum sich die Mohawk im Sumpf aufhielten: Sie waren hier, um zu jagen, genau wie der Rest der Welt.

Die Dämmerung zog herauf; der schwache Wind hob ihm das feuchte Haar aus dem Nacken und trug ihm den Blut- und Moschusgeruch der Tiere entgegen. Sein Kopf und seine Zunge fühlten sich langsam und träge an, doch er brachte ein paar Worte des Lobes für den Erfolg der Jäger heraus; er wusste, was sich gehörte. Murray, der für ihn übersetzte, wirkte, als sei er angenehm überrascht darüber, dass William Manieren hatte. William fühlte sich nicht stark genug, um daran Anstoß zu nehmen.

Danach wandte sich das Gespräch, das zum Großteil in der Mohawksprache geführt wurde, allgemeineren Dingen zu. Die Indianer zeigten sich nicht sonderlich an William interessiert, doch sein Nachbar reichte ihm kameradschaftlich ein Stück kaltes Fleisch. Er bedankte sich kopfnickend und zwang sich, es zu essen, obwohl es ihn Überwindung kostete, als hätte er eine seiner Schuhsohlen hinunterwürgen müssen. Ihm war schlecht, und er fühlte sich klamm, und als er zu Ende gegessen hatte, nickte er seinem Nachbarn höflich zu und entfernte sich, um sich wieder hinzulegen – in der Hoffnung, dass er sich nicht übergeben würde.

Murray, der ihn beobachtet hatte, wies mit dem Kinn auf William und sagte etwas zu seinen Mohawkfreunden, das mit einer Frage endete.

Der Englisch sprechende Indianer, ein kurz gewachsener, kräftiger Mann mit einem karierten Wollhemd und einer Wildlederhose, reagierte mit einem Achselzucken. Dann stand er auf und beugte sich erneut über ihn.

»Zeigt mir diesen Arm«, sagte er, und ohne darauf zu warten, dass William ihm Folge leistete, ergriff er ihn am Handgelenk und zog ihm den Ärmel hoch. Um ein Haar wäre William ohnmächtig geworden.

Als ihm die schwarzen Flecken nicht länger vor den Augen tanzten, sah er, dass Murray mit zwei weiteren Indianern zu dem ersten Mann getreten war. Alle vier betrachteten seinen Arm mit unverhohlener Bestürzung. Eigentlich wollte er selbst nicht hinsehen, doch er riskierte einen Blick. Sein Unterarm war fast auf den doppelten Umfang angeschwollen, und unter dem einbandagierten Umschlag liefen dunkelrote Streifen hervor, die auf sein Handgelenk wiesen.

Der Englisch sprechende Mann – wie hatte Murray ihn genannt? Glutton, dachte er, doch warum? – zog sein Messer und schnitt den Verband auf. Erst jetzt merkte William, wie unangenehm ihm der feste Verband gewesen war. Er unterdrückte das Bedürfnis, sich den Arm zu reiben, als er spürte, wie das Blut unter heftigem Kribbeln wieder zu zirkulieren begann. Äußerst heftiges Kribbeln. Es fühlte sich an, als steckte sein Arm in einer Masse von Feuerameisen, die allesamt auf ihn einstachen.

»Mist«, sagte er mit zusammengebissenen Zähnen. Offenbar kannten sämtliche Indianer dieses Wort, denn sie lachten alle, bis auf Glutton und Murray, die seinen Arm mit zusammengekniffenen Augen betrachteten.

Glutton – er sah gar nicht fett aus, warum hieß er Vielfraß? – betastete den Arm vorsichtig, zog die Stirn kraus und sagte etwas zu Murray. Dann zeigte er nach Westen.

Murray rieb sich das Gesicht und schüttelte dann den Kopf mit der Miene eines Mannes, der die Erschöpfung oder Sorge von sich schiebt. Schließlich zuckte er mit den Schultern und richtete eine Frage an die ganze Gruppe. Kopfnicken und Achselzucken, und mehrere der Männer standen auf und gingen in den Wald.

Eine Anzahl von Fragen kreiste langsam durch Williams Gehirn, rund und leuchtend wie die Metallkugeln des Miniatur-Sonnensystems seines Großvaters, das in der Bibliothek des Hauses an der Jermyn Street stand.

Was haben die Männer vor?

Was geht hier vor?

Liege ich im Sterben?

Sterbe ich wie ein britischer Soldat?

Warum hatte er … britischer Soldat … Sein Verstand packte diese Frage am Schwanz, als sie vorüberhuschte, und zog sie zu Boden, um sie genauer zu betrachten. »Britischer Soldat« – wer hatte das gesagt? Die Antwort kreiselte langsam in sein Blickfeld. Murray. Als sie sich in der Nacht unterhalten hatten … Was hatte Murray gesagt?

»Ist das denn für einen britischen Soldaten anders? Ihr wollt doch auch nicht als Feigling sterben, oder?«

»Ich werde gar nicht sterben«, murmelte er, doch sein Verstand beachtete ihn nicht, weil er ganz darauf konzentriert war, dieses kleine Rätsel zu lösen. Was hatte Murray damit gemeint? Hatte er es theoretisch gemeint? Oder hatte er in William tatsächlich einen britischen Soldaten erkannt?

Gewiss war das unmöglich.

Und was zum Teufel hatte er geantwortet? Die Sonne ging jetzt auf, und das Licht der Dämmerung leuchtete so hell, dass seine Augen schmerzten, obwohl es eigentlich ein sanftes Licht war. Er blinzelte und konzentrierte sich wieder.