Rachels Blick verfolgte ihn, als er sich die Waffe in den Hosenbund steckte und sein Hemd herauszog, um sie zu verbergen. Sie verzog zwar das Gesicht, äußerte aber keinen Einwand.
Die Fackel begann jetzt zu flackern, denn sie war fast heruntergebrannt. Er hielt Rachel den Arm entgegen, und sie ergriff ihn ohne Protest und drängte sich dicht an ihn. Er hätte gern den Arm um sie gelegt, begnügte sich aber damit, seinen Ellbogen an sich zu ziehen und sich aus der Ferne an ihrer Wärme zu trösten.
Der Umriss des Farmhauses war dunkler als die Nacht, denn an seiner Rückseite hatte es weder Tür noch Fenster. Sie umrundeten es schweigend, während ihnen der Regen auf die Köpfe prasselte und ihre Füße auf dem nassen Boden schmatzten. Durch die Fensterläden fiel nur ein winziger Lichtschimmer, der schwach auf menschliche Bewohner hindeutete. Er hörte Rachel schlucken und berührte sacht ihre Hand, während er die Tür für sie öffnete.
»Schlaft gut«, flüsterte er ihr zu. »Der Morgen wird kommen, ehe Ihr Euch’s verseht.«
Es war der Eintopf, der ihm das Leben rettete. Überwältigt vor Erschöpfung, schlief er auf der Stelle ein, doch sein Schlaf wurde durch schlimme Träume gestört. Er lief durch einen Flur mit einem bunten Orientteppich, begriff aber nach einer Weile, dass das, was er für Rankenmuster auf dem Teppich gehalten hatte, in Wirklichkeit Schlangen waren, die bei seinem Näherkommen die Köpfe hoben. Die Schlangen bewegten sich nur langsam, und er konnte über sie hinweghüpfen, schwankte dabei aber hin und her und prallte gegen die Wände des Korridors, die immer näher zu rücken schienen und den Weg verschmälerten.
Schließlich war er so fest eingeschlossen, dass er sich seitwärts bewegen musste. Hinter ihm kratzte die Wand über seinen Rücken, die verputzte Oberfläche vor ihm war ihm so nah, dass er den Kopf nicht senken konnte, um zu Boden zu blicken. Er sorgte sich wegen der Schlangen im Teppich, doch er konnte sie nicht sehen und trat mit den Füßen zur Seite, wobei er hin und wieder etwas Schweres traf. Panisch spürte er, wie sich eine der Schlangen um sein Bein wickelte, sich um seinen Körper wand und den Kopf in die Vorderseite seines Hemdes steckte und ihn schmerzhaft in den Bauch stieß, um eine Stelle zum Zubeißen zu finden.
Er erwachte plötzlich keuchend und schwitzend und stellte fest, dass seine Bauchschmerzen echt waren. Sie bissen mit einem heftigen Krampf zu, und er zog die Beine hoch und rollte sich auf die Seite – eine Sekunde, bevor sich die Axt genau dort, wo sein Kopf gerade noch gewesen war, in die Bodendielen bohrte.
Er stieß einen langen Furz aus und wälzte sich in blinder Panik auf die dunkle Gestalt zu, die jetzt versuchte, die Axt aus dem Boden zu befreien. Er fand Johnsons Beine, packte sie und zog. Der Mann fiel fluchend auf ihn und packte ihn an der Kehle. William hieb und trat nach seinem Gegner, doch die Hände an seiner Kehle waren wie festgewachsen, und sein Blickfeld verdunkelte sich und füllte sich mit bunt blitzenden Lichtern.
Irgendwo in der Nähe schrie jemand. Eher instinktiv als planvoll bewegte sich William plötzlich nach vorn und traf Johnson mit der Stirn im Gesicht. Es schmerzte, doch der Klammergriff an seiner Kehle löste sich, und er befreite sich, rollte sich auf alle viere und rappelte sich auf.
Das Feuer war bis auf die Glut erloschen, und ein schwaches Glimmen war das einzige Licht im Zimmer. Die Schreie kamen von einer Masse miteinander ringender Körper in der Ecke, doch dabei konnte er nichts tun.
Johnson hatte die Axt losgetreten; William sah ihre Klinge dumpf aufglänzen, und schon holte Johnson aus und hieb nach seinem Kopf. Er duckte sich und stürzte auf Johnson zu, bekam sein Knie zu fassen und zog mit aller Gewalt daran. Die fallende Axtklinge traf mit der Seite gegen sein Knie. Wie gelähmt, jedoch nicht aufgeschlitzt, ging er zu Boden und riss Johnson mit sich, schaffte es aber gerade noch, das andere Knie anzuwinkeln, sodass er nicht unter dem Körper des Mannes flach gedrückt wurde.
Er zuckte zur Seite, spürte plötzlich Hitze in seinem Rücken und stechende Funken; sie waren auf die Kaminumrandung gerollt. Er griff hinter sich und packte eine Handvoll heißer Kohlen, die er Johnson ins Gesicht rieb, ohne den sengenden Schmerz in seiner Hand zu beachten.
Johnson ließ sich rückwärtsfallen, schlug die Hände vor das Gesicht und stieß abgehackte Ah! Ah!-Laute aus, als fehlte ihm die Luft zum Schreien. Die Axt baumelte in seiner Hand; er spürte, wie sich William erhob, und schwang sie blindlings mit einer Hand.
William packte den Axtstiel, riss ihn Johnson aus der Hand, nahm ihn fest in beide Hände und ließ die Klinge auf Johnsons Kopf niedersausen. Es gab ein Tschonk, wie wenn man gegen einen Kürbis tritt. Der Hieb ließ seine Hände und Arme vibrieren; er ließ los und stolperte rückwärts.
Sein Mund war voller Galle; der Speichel lief über, und er wischte sich mit dem Ärmel über den Mund. Er keuchte wie ein Blasebalg, konnte aber gar nicht genug Luft bekommen.
Johnson torkelte mit ausgestreckten Armen auf ihn zu. Die Axt steckte ihm im Kopf; ihr Stiel zitterte und drehte sich hin und her wie ein Insektenfühler. Langsam und grauenerregend hoben sich Johnsons Hände, um ihn zu packen.
William hätte am liebsten geschrien, doch ihm fehlte die Luft dazu. Panisch wich er zurück, kam mit der Hand an seine Hose und spürte Feuchtigkeit. Er blickte an sich hinunter, weil er das Schlimmste befürchtete, sah aber stattdessen, dass Blut den Stoff verdunkelte. Gleichzeitig begriff er, dass er nur oben an seinem Oberschenkel einen stechenden Schmerz verspürte.
»Oh … verdammt«, knurrte er und tastete nach seinem Hosenbund. Er hatte es fertiggebracht, sich mit seinem eigenen Dolch zu stechen, doch dieser war Gott sei Dank noch da. William fand den Knauf, fühlte sich ermutigt und zog ihn heraus. Gleichzeitig wich er immer noch zurück, während Johnson auf ihn losging und unter Jammerlauten am Stiel der Axt zerrte.
Die Axt löste sich, gefolgt von einem Blutstrom, der sich über Johnsons Gesicht ergoss und William im Gesicht, an den Armen und an der Brust traf. Angestrengt prustend schwang Johnson die Axt, doch seine Bewegungen waren nun langsam und ungeschickt. William duckte sich zur Seite, furzte dabei, fand aber die Beherrschung wieder.
Er legte seine Finger fester um den Dolch und suchte nach einer Stelle zum Zustechen. In den Rücken, sagte ihm sein Kopf. Johnson fuhr sich ziellos mit dem Unterarm über das Gesicht, um die Augen frei zu bekommen. In der anderen Hand hielt er die Axt, die er mit bebenden, ausladenden Bewegungen hin und her schwang.
»William!« Von der Stimme überrascht, blickte er zur Seite und wäre fast von der schlingernden Klinge getroffen worden.
»Ruhe«, keuchte er gereizt. »Ich habe zu tun.«
»Ja, das sehe ich«, sagte Denny Hunter. »Lass mich mithelfen.« Sein Gesicht war weiß, und er zitterte fast genauso heftig wie Johnson, trat aber vor, griff mit einer plötzlichen Bewegung nach der Axt und riss sie Johnson aus der Hand. Er trat zurück und ließ sie laut auf den Boden fallen. Er sah aus, als würde er sich jeden Moment übergeben.
»Danke«, sagte William. Er trat vor und stach Johnson den Dolch aufwärts unter die Rippen, mitten ins Herz. Johnson riss vor Schreck die Augen weit auf und starrte William direkt an. Sie waren graublau mit einer Spur von Gold und gelben Fleckchen in der Nähe der dunklen Iris. William hatte noch nie etwas so Schönes gesehen und stand im ersten Moment wie gebannt da, bis ihn das Blut, das auf seine Hand pumpte, wieder zu sich selbst zurückholte.
Er riss das Messer heraus, trat zurück und ließ den Mann fallen. Er zitterte am ganzen Leib und war kurz davor, sich in die Hosen zu machen. Blindlings machte er kehrt und hielt auf die Tür zu. Dabei strich er an Denny vorüber, der etwas sagte, das er nicht ganz verstand.
Als er dann jedoch keuchend im Abort hockte und sich schüttelte, war ihm, als hätte der Arzt gesagt: »Das musstest du nicht tun.«